Warum wir mehr klinische Empathie brauchen

09.01.2017
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Mit jedem klinischen Semester nimmt bei Medizinern die Empathiefähigkeit ab. Mehr klinische Empathie hat viele Vorteile für Patienten und Mitarbeiter.

Befragt man Mitarbeiter im Gesundheitswesen, sind sich alle einig: Eine wertschätzende, empathische Haltung ist wichtig. Auch Patienten wünschen sich neben der fachlichen Expertise mehr Verständnis und Empathie von ihren Ärzten.

Im Medizinstudium steigt das Fachwissen angehender Mediziner von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig sinkt Studien zufolge mit jedem klinischen Semester die empathische Haltung.

Kostet es mehr Zeit, empathisch zu sein?

Studien zeigen, dass Ärzte ihre Patienten bei der Symptomschilderung nach durchschnittlich 18 Sekunden unterbrechen.

Natürlich kommt der Patient zum Arzt, weil er Hilfe sucht und sich Heilung verspricht. Dabei wollen Patienten nicht nur mit ihren Symptomen, sondern auch mit Ihren Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen als ganzer Mensch gesehen werden.

Viele Mediziner haben aber Sorge, dass das Ansprechen von Gefühlen Zeit kostet. Und da wir im Studium auch kaum den Umgang mit den Gefühlen gelernt haben, konzentrieren wir uns lieber auf die Sachebene und auf die Fakten. Aber Patienten wollen nicht mehr Fakten, sie wollen mehr Verständnis.

Untersuchungen legen nahe, dass mehr Empathie zu besseren medizinischen Ergebnissen führt. Aber im Moment scheint das Gesundheitssystem eher in die andere Richtung zu steuern.

Schaffen wir die Grundlagen für mehr Empathie oder für mehr Entfremdung?

Überall können wir die gleichen Diskussionen verfolgen: Kleine Krankenhäuser sind unrentabel. Große Häuser sind effizienter, leistungsstärker und bieten mehr Qualität.
Betriebswirtschaftlich mag das sein, aber für die Beziehung zum Patienten besteht die Gefahr der wachsenden Entfremdung. Denn jede Abteilung und jedes Team ist oft nur noch für einen Teilaspekt der Behandlung zuständig. Hier wird Blut abgenommen, dort sonografiert, operiert und nachbehandelt. Spätestens wenn wir nur noch vom „Blinddarm in Zimmer 117“ sprechen, haben wir uns weit von dem Anspruch einer ganzheitlichen Behandlung entfernt.

Was ist Empathie?

Es gibt viele Definitionen von Empathie und leider wird es auch immer mehr zu einem Modewort, ohne Inhalt. Ursprünglich kommt es aus dem Griechischen. Folgt man dieser Studie, so kann man es auch ableiten vom deutschen Begriff „Einfühlung“. Dabei geht es darum:

  1. - Situationen und Gefühle unseres Gegenübers zu erkennen und zu verstehen.
  2. - Diese wahrgenommenen Gefühle auszudrücken und auf ihre Richtigkeit zu prüfen.
  3. - Danach zu reagieren und zu handeln.

Für eine gute Arzt-Patient-Beziehung muss der Arzt also in der Lage sein, die Gefühle seines Patienten zu erfassen und auch anzusprechen. Wir müssen uns in den Patienten hineinversetzen: Wie geht es ihm mit der Situation und seiner Erkrankung?

Während das Erkennen der Situation und der Gefühle uns oft noch gelingt, fällt uns das Ansprechen und Rückmelden oft schwer. Wir haben es nicht gelernt, fürchten uns vor der Reaktion des Patienten oder glauben, es koste uns zu viel Zeit. Wir sprechen dann lieber über Fakten, Diagnosen oder Untersuchungen. Wir bleiben auf der Sachebene und riskieren, dass sich der Patient nicht verstanden fühlt.

Welche Vorteile bringt Empathie?

Studien zeigen, dass Patienten, denen mit empathischer Grundhaltung und Kommunikation begegnet wird, zufriedener sind. Sie zeigen eine höhere Compliance gegenüber Medikamenteneinnahme und ärztlichen Empfehlungen. Die Zahl der Behandlungsfehler sinkt, da Patienten mehr Auskunft geben über ihre Symptome.

Andere Studien zeigten eine raschere Genesung und geringere Wahrnehmung von Schmerz. Es konnte gezeigt werden, dass Diabetes-Patienten, die bei empathischen Ärzten in Behandlung waren, 50 Prozent seltener Komplikationen im Behandlungsverlauf hatten. Patienten fühlen sich subjektiv besser und bewerten die Behandlung positiver.

Auch die Arbeitszufriedenheit des Personals steigt, das Konfliktpotenzial in Teams und mit Patienten und Angehörigen sinkt.

Könnte es sich also lohnen, für eine empathische Haltung gegenüber Patienten etwas Zeit zu investieren?

Wie geht das in der Praxis?

Eine einfühlsame Haltung kann man nicht von jetzt auf nachher „erlernen". Es braucht Zeit, Geduld und Übung. Aber schon mit kleinen Veränderungen kann man viel bewirken. Drei Schritte sind dafür hilfreich:

1. Aktives empathisches Zuhören

Aktives Zuhören setzt voraus, dass wir uns wirklich für die Situation und die Gefühle des Patienten interessieren, statt nur für die Suche nach den Metastasen. Wir achten auf die Sachinformationen und ebenso auf die Emotionen und Gefühle des Patienten. Mit gelegentlichen Zusammenfassungen können wir dem Patienten signalisieren, dass wir ihn verstanden haben.

Aktives Zuhören bedeutet, sich ganz auf den Patienten zu konzentrieren. Wir halten uns (vorerst) mit Ratschlägen, Kommentaren, Bewertungen oder unserer eigenen Meinung zurück. Anders als in der klassischen Anamnese müssen wir nicht immer gleich reagieren und Fragen stellen. Stattdessen reflektieren wir das Gesagte und geben dem Patienten die Gelegenheit, mehr zu erzählen.

2. Wiederspiegeln von Gefühlen und Bedürfnissen

Wenn wir empathisch zuhören, bekommen wir eine Ahnung vom Gefühlszustand unseres Patienten. Hat er Angst, weil er die Symptome nicht einschätzen kann? Ist er enttäuscht und traurig, weil trotz abgeschlossener Behandlung wieder Symptome auftreten? Ist er wütend oder ratlos, weil der letzte Arzt eine ganz andere Diagnose gestellt hat und er jetzt nicht mehr weiß, wem er trauen soll?

Wir können die Gefühle nur erahnen, deshalb fragen wir den Patienten, ob wir mit unserer Vermutung richtig liegen:

„Haben Sie sich verunsichert gefühlt, als die Symptome plötzlich wieder gekommen sind?“
„Ich kann mir vorstellen, dass es Sie sehr verunsichert, dass die jetzige Untersuchung zu einem anderen Ergebnis kommt?“
„Viele Menschen verspüren Angst, wenn Sie das erleben. Wie ist es bei Ihnen?"

Durch Fragen dieser Art signalisieren wir, dass wir uns nicht nur auf die medizinischen Symptome konzentrieren, sondern auch die Ängste, Gefühle und Gedanken des Patienten ernst nehmen. So fühlen sich Patienten als Ganzes wahrgenommen und können viel mehr Vertrauen in die Behandlung und Behandler gewinnen.

3. Erkenntnisse in die weitere Behandlung einbauen

Empathie kann nicht damit enden, dass wir sie im ersten Gespräch anwenden und dann wieder zurückkehren zum technischen Abarbeiten. Wenn wir uns auch bei späteren Kontakten zum Patienten der Gefühle und Bedürfnisse bewusst sind, verändert das ganz von selbst die Qualität des Gesprächs

Kann man Empathie lernen?

Es gibt Menschen, die von Natur aus mehr empathische Grundhaltung mitbringen als andere. Aber Empathie ist grundsätzlich lernbar, durch Bücher (z.B. zu gewaltfreie Kommunikation), durch Kurse oder Artikel hier.

Einladung zum Ausprobieren:

Probieren Sie folgendes aus, wenn Sie im nächsten Erstgespräch mit einem Patienten sind: Hören Sie etwas länger als üblich zu und halten Sie sich nur etwas zurück mit der ersten Frage der klassischen Anamnese.

Schauen Sie im Gespräch zum Patienten statt in den PC und achten Sie neben den Sachinformationen auch auf die Emotionen des Patienten. Was geht wohl in ihm vor? Welche Gefühle können Sie wahrnehmen? Äußern Sie Ihre Vermutung über diese Gefühle und lassen Sie den Patienten sie bestätigen oder korrigieren, bevor Sie mit der Anamnese fortfahren.

Bekommt das Gespräch dadurch eine andere Qualität?

Schreiben Sie unten, welche Erfahrungen Sie machen!

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Bildquelle (Außenseite): John Nakamura Remy, flickr

 

Bildquelle: Istockphot

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.01.2017.

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Alle Kinder sind ab Geburt empathisch. Selbst wenn sie eingschränkte kognitive oder reduzierte sensorische Funktionen haben. Frühkindliche Traumata sind natürlich besonders schwerwiegend, weil sie die Hirnentwicklung beinflussen, was zu massiven Störungen führen kann, die therapeutisch sehr schwer zugänglich sind. Zu den vielen kleineren Verletzungen und Fehlprägungen, die unsere westliche Erziehungskultur mit sich bringt, hat Arno Grün diverse Arbeiten veröffentlicht, die ich jedem interessierten wärmstens empfehlen kann. Einiges davon steht als Videovortrag online, abrufbar teilweise über seinen Wikipediaartikel.
#26 am 23.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Gast
#24 : Ja, teile ich, wobei u. U. natürlich vage ist, während dem eine ungeheure - individuelle wie auch gesellschaftliche - Bedeutung zukommen würde und die Frage des " wie " vertieft werden, vor allem dann eine Umsetzung erfolgen könnte. Und ( das " zurück " war eigentlich in ( ) gedacht ), es bleiben Diejenigen, bei denen Empathie eben von Anbeginn ( Gene oder frühkindlich erstickt ) nie vorhanden war, m. E. ebenso eine wichtige Frage ( wenigstens die ). In der Tat ein fächendeckendes Riesendilemma, der Zeitgeist mit seinen teilw. geradezu ekelhaft überdreht-albernen Zügen incl. Konformismus - diesen Wind muß man aber halt erst einmal spüren - tut sein übriges...
#25 am 23.01.2017 von Gast
  1
Empathie kann unter Umständen zurückgewonnen werden, wenn noch Reste davon erreichbar sind und das Umfeld es zuläßt. Mangelnde Empathie bzw. Soziopathie findet man häuig bei Narzissten, teilweise auch bei BPSlern und einigen anderen, die mit sich selber bereits überfordert sind. Allerdings ist unsere Kultur seit längerem auf Unterdrückung von Mitgefühl ausgerichtet und fördert stattdessen schönfärberische Heuchelei. Echte Empathie gilt in vielen Situationen gar als Schwäche, die es zu überwinden gilt, weil das "von den eigentlichen Aufgaben ablenkt". Im Wettstreit; Kapitalismus vs. Humanismus ist die Menschlichkeit leider weit zurück gefallen.
#24 am 22.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  0
Gast
Das das " Tja " wohl kaum Einsicht vermuten läßt, fällt es postwendend auf den Absender zurück. Im übrigen habe ich - wenngleich seitens einer Philosophin - vernommen, daß es sich bei GFK um ein sozus. technisches Verfahren handelt, um für den Ernstfall gewappnet zu sein, nicht aber Empathie. Ob diese ( wieder- ) erlernbar ist, ist für mich eine interessante Frage, eher dann im Bereich Psychologie..
#23 am 22.01.2017 von Gast
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Tja...!
#22 am 18.01.2017 von Harald Hebrank (Arzt)
  1
Ich kritisiere ein Konzept, mit dem Sie sich identifizieren. Das führt zu einer narzisstischen Kränkung Ihrerseits, die Sie nicht hinnehmen können/wollen. Stattdessen reagieren Sie aggressiv, wofür Sie von meiner Seite Wertschätzung erwarten, weil Sie Zeit darauf verwenden, Ihrer gegen mich gerichteten Verärgerung Ausdruck zu verleihen. Interessant auch der Passus: "Ohne GfK würde ich Ihre Äußerungen aber einfach als Unverschämtheiten bezeichnen, denken Sie mal drüber nach..." Da zeigen Sie Ihr wahres Gesicht ganz unverhüllt, ohne Schönsprech. Nun denn, Ihre Überzeugung ist mir schnuppe und wenn Sie andere nur wertschätzen können. wenn die Ihr GFK-Sprech benutzen und alles negative in normierte Formulierungen übersetzen, dann haben Sie keine Wertschätzung für andere, sondern belohnen ledigich Linientreue zur GFK-Ideologie.
#21 am 17.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  3
Wenn man erst mal gelernt hat, GFK-Sprech zu übersezen ("Ich fühle mich traurig." = "Ich bin sauer auf Dich"; "Ich habe das Bedürfnis XY." = "Du muß XY einhalten, sonst bin ich "traurig" - ergo sauer auf Dich" usw.) veriert das Ganze schnell seinen Reiz.
#20 am 17.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  2
Teil 2#Diederichs: Evtl. bedroht sie meine/unsere Haltung auch irgendwie, das würde die (m.E. recht offensive) Wortwahl wie Wichtigtuerei, parareligiös, verblendete Egomanen etc. ggüber den GfK-Befürwortern in diesem Post evtl. erklären können. Ohne GfK würde ich Ihre Äußerungen aber einfach als Unverschämtheiten bezeichnen, denken Sie mal drüber nach...
#19 am 16.01.2017 von Harald Hebrank (Arzt)
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Teil 1#Diederichs: Na ja, ich ärgere mich schon wenn ich ihre Angriffe auf fast alle Kommentare (hier und anderswo in DocCheck) und jetzt auch mich lese, ohne dass ich erfassen kann was Sie diesen Leuten (auch mir) substantiell eigentlich vorwerfen. Die GfK hilft mir ganz gut mich davon wieder zu lösen und mich nicht auf eine Diskussion der Rechthaberei einzulassen. Da verlieren meist beide. Wenn Sie sich emotional erpresst fühlen weil ich von etwas überzeugt bin und traurig bin wenn ich sehe wie viele Menschen keine Möglichkeit sehen sich in Konflikten zu helfen dann ist das m. E. Ihr Problem. Meine Wertschätzung können Sie in der Zeit sehen die ich mir nehme meine Position zu erklären. Ein Bedürfnis von Ihnen oder ein Gefühl (das ich jeweils konkret wertschätzen könnte) haben Sie nicht erwähnt, worauf beziehen Sie sich denn dann eigentlich?
#18 am 16.01.2017 von Harald Hebrank (Arzt)
  2
#11/12 Sie bestätigen meine Ausführungen und widersprechen Ihren eigenen. "Wertschätzung" lese ich bei Ihnen keine. Was ich lese, ist selbstzentrierte Wichtigtuerei, gepaart mit missionarischem Eifer - wie üblich bei GFKlern. Ich hatte schon GFKLer, die seit vielen Jahren diese parareligiöse Methode einüben und IMHO wird es umso schlimmer, je länger die Leute dabei sind. Am Ende sind es verblendete Egomanen, mit denen ich zumindest rein gar nichts sinnvolles mehr anfangen kann. Dieses ständige "ich fühle mich traurig", weil Du in der Sache anderer Meinung bist, ist völlig daneben - emotionale Erpressung eben.
#17 am 15.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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@15 und 16: Ich stimme Ihnen hier uneingeschränkt zu.
#16 am 15.01.2017 von Dr. rer. medic. Martin Peveling (Arzt)
  0
Noch hinzufügen: Am schlimmsten finde ich Ärzte, die die ganze Zeit auf den Computerbildschirm starren anstatt mich irgendwie angegucken. Bezeichnend war eine Ärztin, der ich erzählte, ich hätte dick geschwollene Fußknöchel. Sie tippte es ein, forderte mich aber nicht auf, ihr die Füße zu zeigen.
#15 am 15.01.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  0
Ist doch eigentlich logisch: Wir leben im Kapitalismus und empathisches Zuhören wird nicht honoriert. Dabei schiebe ich die Schuld nicht auf die Ärzte, sondern auf die Fallpauschalen. Auch der humanistisch gesonnen e Doctor muss sehen, wo er bleibt. Mit der Fallpauschale ist genau der Patient am wirtschaftlichsten, der einmal im Quartal in die Praxis kommt, 5 - 10 Minuten verweilt und irgendwas hat, das man mit einem Rezept behandeln kann. Es gibt natürlich auch Ärzte, die sich Zeit lassen. Gerade bei Themen, die heikel sind, braucht man das auch. Welcher Patient redet schon in der ersten Minute von sexuellen Problemen oder psychischen oder Symptomen, die er selbst als "komisch" empfindet?
#14 am 15.01.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  0
Wanderer
Bitte nicht immer so oberlehrhaft, was Ärzte angeblich falsch machen. Meine Erfahrung ist eher, dass sie oft die Psychologisierung eher NICHT mögen, selbst wenn was psychisches dahinter steckt; kommt natürlich darauf an, warum sie zum Arzt gehen.
#13 am 14.01.2017 von Wanderer (Gast)
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Teil 2: @ Fr. Diederichs: Die GfK kann man meiner Ansicht nach nicht nur durch Lesen v. Büchern o. einigen Unterhaltungen mit (eventuell noch lernenden?) GfK-Befürwortern lernen bzw. begreifen. Man muss Sie lernen, üben, über viele Jahre sich aneignen. Das mag jetzt tatsächlich klingen wie "wenn man erst in jahrelangem Studium eine Glaubensüberzeugung entwickeln muß" (Ihr Zitat). Ich möchte es mal mit dem täglichen Blutabnehmen in meiner Praxis vergleichen: Das kann ich nachlesen, jedesmal dabei zugucken aber wenn ich es selber mache wird es die nächsten 50-100 Mal einfach noch nicht so gut klappen. Irgendwann können es meine Finger aber, Ich muss da nicht mehr drüber nachdenken o. es besonders reflektieren. Nur manchmal muss ich mich noch etwas anstrengen... Ich "übe" die GfK jetzt das 2. Jahr u. erst nach dem 1. GfK-Seminar hatte ich eine Ahnung warum das vorher nie so richtig funktioniert hat (u. inzwischen habe ich das 2. Seminar besucht). Das ist meine persönliche Erfahrung.
#12 am 14.01.2017 von Harald Hebrank (Arzt)
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Teil 1: @ Fr. Diederichs: wenn ich Ihre Äußerungen zur GfK in den Kommentaren lese fühle ich mich traurig, da ich die Haltung der GfK für sehr wertvoll halte und auch ausnahmslos als sehr wertvoll erlebe und es mir wichtig ist, diese wertvolle Erfahrung mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Die GfK vertritt eine wertschätzende Grundhaltung: alles was Menschen tun, tun sie um sich Bedürfnisse zu erfüllen oder die Nichterfüllung zu vermeiden. Aus dieser Haltung heraus ergeben sich gewisse Grundsätze in der Kommunikation. Das sind dann aber nicht einfach Regeln die ich beachten muss oder gegen die ich verstoßen kann. Immer wenn ich mich nur an „Regeln“ gehalten habe ohne eine entsprechende Basis und begleitende Wertschätzung merkte mein Patient und Gegenüber das sehr schnell und reagierte entsprechend ablehnend. GfK hat sehr viel mit Selbstwahrnehmung zu tun und das ist meist nicht von vornherein vorhanden sondern ein langdauernder Lernprozess.
#11 am 14.01.2017 von Harald Hebrank (Arzt)
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Frau
Es ist relativ einfach empathisch zu sein, wenn man das was man tut mit Liebe macht. Wenn man Arzt wird, um Menschen zu helfen wieder heil zu werden. Wenn ein echtes Interesse an meinem Gegenüber besteht, brauche ich mir keine Gedanken über " richtige" Gesprächsführung machen. Das ist dann sozusagen kinderleicht einen vertrauensvollen Umgang mit dem Patienten/Klienten zu führen.
#10 am 14.01.2017 von Frau (Gast)
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#5 Ich habe einiges über GFK gelesen und auch schon einige Dialoge mit GFKlern geführt, die allesamt erdrückend waren. Aggressionen verschwinden nicht, wenn man seine Sprache ändert, sie wandeln sich nur und verdeckte Aggression ist schlimmer als offene Aggression Das gilt ibs., wenn die Aggression innerhalb der Kommunikation unter penetrantem Hinweis auf ein Konzept der gewaltfreien Kommunikation geleugnet werden, nach dem Prinzip: Wenn ich mich an die GFK-Regeln halte, bin ich frei von Aggressiont in meiner Kommunikation, was eine geradezu lächerliche Einbildung ist. Die Krönung ist es dann jedesmal, wenn mir erklärt wird, daß mein Eindruck falsch sei und ich deren "gewaltfreie Kommunikation" nur deshalb als aggressiv empfinden würde, weil ich mich noch nicht intensiv genug mit dem Konzept auseinandergesetzt hätte. Ich denke mir dann, wenn man erst in jahrelangem Studium eine Glaubensüberzeugung entwickeln muß, um das gut zu finden, ist es Mist.
#9 am 13.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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#3 Sie schreiben: "Fühlen Sie sich zu wenig beachtet" würde ich auch nie fragen, denn Nichtbeachtung ist auch kein Gefühl." Sehen Sie, das ist konfrontativ. Wenn ich mich zu wenig beachtet fühle, ist das ein Gefühl. Wenn Sie dann antworten, das sei kein Gefühl, wären Sie bei mir unten durch. Den eigenen Eindruck von anderen als Frage zu formulieren, wie sie es vorschlagen, wirkt schnell scheinheilig und ist es oft genug auch. Das ist keine gute Empfehlung (um mal das böse Wort "Ratschlag" elegant zu umgehen;). Wenn man sich darauf konzentriert, gezielt seine Sprache zu verändern, um beim anderen den Eindruck von Empathie zu erzielen, ist das nur ein Vortäuschen von Empathie. Wer allerdings wirklich empathisch ist, muß seine Sprache nicht künstlich verändern, sondern wirkt von Innen heraus auf den anderen empathisch.
#8 am 13.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Gast
#4 Unterschied zwischen Hinhören und einem „wohlwollenden“ Reden lassen…. http://www.lems-mg.de/kristis-verzweifelter-appell-klingt-klebrig-und-verwaschen/ Ich habe den Eindruck, dass Ärzte sich öfter innerhalb der eigenen Spezialisierung gedanklich „verbarrikadieren“. „..Sie sind... gesund. Sie sagen, dass Sie sich ausgewogen ernähren und sich an der frischen Luft bewegen...versuchen Sie es mit Muskeltraining im Sportverein“. Ist es möglich, dass ein "Allgemeinmediziner" trotz erhobener Top-Werte ein hartes Training für kontraindiziert halten kann? Man könnte meinen, mancher HA kann sich nicht vorstellen, dass schwere unheilbare Krankheiten durchaus mit „normalen“ Routine-Laborwerten einhergehen können. Ich weiß ganz gewiss nicht, ob ich als Arzt noch " eingemauerter" wäre und ob ich die Belastung überhaupt aushalten würde. Aber auf Gucklöcher in den zementierten Vorstellungen darf ich doch vielleich- vor den Mauern stehend - als Gast hinweisen. Freya Matthiessen
#7 am 13.01.2017 von Gast
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Gast
@Gast Nr. 2: genau darum geht es ja... nur weil ein Patient das Gefühl hat er würde nicht Ernst genommen und zum Hypochonder abgestempelt werden bedeutet das noch lange nicht dass es das auch der Fall ist.... das bedeutet nur dass der Arzt nicht in der Lage war ihnen authentisch zu vermitteln dass er sie ernst nimmt... glauben sie mir: die Beschwerden eines Patienten richtig einzuschätzen ist schon manchmal extrem schwer, aber die Gratwanderung zwischen: dem Patienten zu signalisieren dass man seine Beschwerden ernst nimmt einerseits aber ihn andererseits nicht unnötig verunsichern wollen wenn man davon überzeugt ist dass die Ursache der Beschwerden harmlos sein könnte andererseits ist noch viel schwerer...
#6 am 13.01.2017 von Gast
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Ich erlerne schon seit einigen Jahren die Gewaltfreie Kommunikation und denke,sie wurde falsch verstanden,wenn sie als seelische Erpressung wahrgenommen wurde( Komm.1). Diese empathische Haltung einzunehmen bedeutet langes Lernen,weil wir es nie gelernt haben. Ein Chefarzt der Dermatoonkologie,München sprach über dieses wichtige Thema und fasste es so kurz zusammen: wir sollten es nachsprechen: Ratschläge sind Schläge,Fragen kann nicht schaden. So simpel brauchen wir Mediziner es offenbar erstmal, weil wir es einfach nicht gewöhnt sind und immer alles besser zu wissen meinen.und trotzdem lehrt es auch die gfk, dass Respekt und Achtsamkeit erfordert,sich zu vergewissern,ob meine Empathie überhaupt in jedem Moment gewollt wird.
#5 am 13.01.2017 von Silke Koerber-behkalam (Ärztin)
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Zuhören, einfach nur Zuhören. Zum Patienten orientiert, nicht in Gedanken bereits beim Ausfüllen des Rezepts. Ernstnehmen, ehrlich ernstnehmen. Das wär doch schon mal was. Damit wären wir bei vielen schon mal weiter. Natürlich gibt es diese Ärzte schon, aber sie sind für mich als Patient gefühlt noch nicht in der Mehrheit. Das wäre aus meiner Sicht erstmal die Pflicht. Wenn die alle geschafft haben, darf es gern im Bezug auf Empathie mit der Kür weitergehen.
#4 am 13.01.2017 von Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast (Biologe)
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#1: Hallo Frau Diedeichs, "Fühlen Sie sich zu wenig beachtet" würde ich auch nie fragen, denn Nichtbeachtung ist auch kein Gefühl. Ich Glaube auch, dass im Ansprechen der Gefühle auch Gefahren liegen, vor allem wenn man nicht fragt, sondern der Eindruck entsteht, wir wüssten schon, wie unser Gegenüber sich fühlt. Also nicht: "Sie haben jetzt Angst und fühlen sich hoffnungslos, das kann ich verstehen." sondern als Frage formuliert, die unser Gegenüber auch nerneinen kann.
#3 am 13.01.2017 von Dr. Christopher Dedner (Arzt)
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Gast
Vor Allem möchte ich Ernst genommen werden und nicht als Hypochonder abgestempelt werden.
#2 am 13.01.2017 von Gast
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Von der Idee her ganz nett, aber nicht gut beschrieben. Anderer Leute Gefühle thematisieren kann auch ganz böse nach hinten losgehen, als übergriffig oder unsachlich empfunden werden. Ganz besonders die "Gewaltfreie Kommunikation" verrennt sich da häufig komplett und läuft auf emotionale Erpressung hinaus. Besser ist, zu erahnen, was der Gegenüber sich wünscht und das dann anzubieten. Also nicht fragen: "Fühlen Sie sich zu wenig beachtet? sondern anbieten: "Möchten Sie mir noch etwas dazu erzählen?" Auch nicht konfrontieren, bspw. mit: "Sie wirken verunsichert!" sondern lieber fragen: "Kann ich etwas für Sie tun, damit Sie ein besseres Gefühl in der Sachen bekommen?" Kurz gesagt ist es besser, offen formulierte Angebote zu machen, als Patienten mit konkreten Aussagen über deren Seelenleben zu konfrontieren. Empathie ist keine psychologische Diagnostik, sondern ein partielles emotionales Mitschwingen.
#1 am 13.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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