Prolongiert und postoperativ

06.01.2017
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Frau Wimpelstein sei sonst eigentlich ganz normal. Ziemlich alt, so 90 oder so, aber normal. Und unauffällig. Semi-nett, sagten die Angehörigen.

Nachdem sie jetzt aber erst von den Chirurgen ein neues Hüftgelenk bekommen hatte und im Anschluss aber kein Diuretikum, landete Frau Wimpelstein auf einer internistischen Station mit Wassereinlagerungen und prolongierter, postoperativer Verwirrtheit. Außerdem irgendwie Bauchschmerzen.

Ich setzte mich neben Frau Wimpelstein und versuchte ein sinnvolles Gespräch.

„Aufhängen sollte man die Alle!“, schimpfte die Dame missmutig.

„Oh, wie bitte?“

„Na gut, Sie nicht Frau Doktor. Aber die anderen.“

„Hmhm, ähm sprechen wir doch über etwas anderes. Vielleicht machen wir wegen der Bauchschmerzen nachher mal einen Ultraschall.“

„WAS wollen Sie machen?!“

„Einen Ultraschall! Um nach dem Bauch zu schauen!“

„WAAAAS?!!?! Glauben Sie etwa, ich sei schwanger?!!?“

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.01.2017.

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Es ist richtig gruselig, hier zu lesen, denn ich weiß inzwischen nur zu gut, daß man auf keinen Fall in ein KH gehen sollte, wenn man nicht im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte ist, oder mind. eine Begleitperson dabei hat, die das ist und die die Vorsorgevollmacht in der Hosentasche dabei hat. Ihr habt soooo recht #1, #2, #4, #5 #6, und #10 ich finde auch den Einwand von #9 richtig, das macht aber eher Schwindel, Kopfschmerz, Tinnitus, als solche Symptome.
#13 am 13.01.2017 von Caroline Santo (Physiotherapeutin)
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Ärztin
@ Dr. Mees: Sie denken an ein Alkohol-Entzugsdelir bei der alten Dame? Das wäre natürlich denkbar. Man unterschätzt oft den jahrelangen low-dose Alkoholabusus gerade bei Herrschaften denen man eine Alkoholabhängigkeit nicht zutrauen würde. Hier können oft Angehörige mit wichtigen Informationen dienen, manchmal blüht der ältere Herr der sich tagelang geweigert hat etwas zu trinken regelrecht auf wenn man ihm sein gewohntes allabendliches Bierchen kredenzt.
#12 am 13.01.2017 von Ärztin (Gast)
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Stoßen Sie doch mit einem Schluck Sekt mit der alten Dame an. Das wirkt oft Wunder.
#11 am 13.01.2017 von Dr. med. Bodo Mees (Zahnarzt)
  0
Oma Edith 93 Jahre alt; Verstorben am 14.11.2015; Edith litt an ZSA (Zentrale Schlaf Apnoe). Die Zwerchfell gestützte Atmung funktioniert nicht 2010; 88 Jahre alt; BMI < 20; Schlank wie eine Bohnenstange. Borreliose; hatte ihr Zwerchfell dauerhaft still gelegt. Ca. 8 Jahre lebte sie mit nCPAP Atemhilfe, bzw. mit Sauerstoff gestützter Beatmung im Schlaf. 08.2010; Oma Edith im Krankenhaus, eine kleine Wunde am Mittelfuß will nicht heilen. Tage später aus dem Krankenhaus entlassen, stellen ihre Kinder fest: Oma Edith ist stets im Delirium, ist ein Rund um die Uhr; Vollzeit-Pflegefall. Nach weiteren 14 Tagen Stress, überweist der Hausarzt Oma Edith erneut ins Krankenhaus! Auf Frage: Wie kann es sein, dass eine Frau die sich selbst versorgt hat, nach dem kleinen Eingriff als Krüppel; Als Vollzeit-Pflegefall aus der Klinik entlassen wird. Antwort: Was kann ich für das, was die Ärzte in Ebene 5 machen. Auf Frage: Wissen sie Überhaupt das die Dame seit Jahren an der Grunderkrankung Schlafapnoe Syndrom leidet und; Wissen sie was das eigentlich bedeutet? Antwort: Sie müssen mir nicht erzählen was Schlafapnoe bedeutet. Schließlich bin ich seit 25 Jahren Arzt. Und; Die Dame hatte kein nCPAP Gerät mit gebracht. Meine Antwort: In diesem Delirium in dem die Frau steckt, wie soll sie an solche Dinge denken. Seit ewigen Zeiten in den Krankenhausakten der Dame. 5 Minuten später war die Dame mit Sauerstoff Atemhilfe (Nasenbrille) versorgt. 3 bis 4 Tage später konnte sie körperlich noch geschwächt, als relativ geheilt entlassen werden. In der Zwischenzeit hatten ihre Kinder auf anraten des Arztes ihre Wohnung aufgelöst. Heute im Altersheim, völlig fit, ist sie auf ihre Kinder nicht gut zu sprechen. 14.11.2014: Oma Edith verstirbt, ca. 8 Wochen nach einer Operation; Oberschenkelhalsbruch. Obwohl ich die Ärztin auf das Thema von Oma Edith; ZSA aufmerksam gemacht habe, wurde ihr nicht geholfen. Lediglich, erneut Sauerstoffzufuhr über Nasenbrille. Laut Schlafapnoe Experten muss ZSA mit Luftüberdruck behandelt werden. Begründung: Die Ab-Atmung muss gestützt werden. Und gerade deshalb, muss die Ab-Atmung mit Luftüberdruck gestützt werden, weil Oma Ediths Zwerchfell inaktiv war (Borreliose) Vergleichbar wie ihr in 2010 zugefügt, war Oma Edith im ständigen Delirium. Immer wieder erwachte sie, konnte mit ihren Kindern vernünftig sprechen. Vermutung: Kohlendioxid-Vergiftung. Mal schlief Oma Edith gesund; konnte sich unterhalten, mal war sie nicht ansprechbar, im Delirium! Bekanntermaßen an ZSA leidend, hatte sie eine Luftdruck gestützte Beatmung benötigt gehabt. Wenn ZSA, wenn OSAS zutreffend ist, gerät eine Nasenbrille zur Farce! Was erlebte Altkanzler Schmidt, er starb Tage nach einer Mini- OP. Mehr Information? flc@live.de;
#10 am 11.01.2017 von franz laudenbach (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
...vor allem wenn in der Anamnese HWS-Problematik besteht, kann ein cevico-encephales Syndrom bestanden haben, das durch die Narkose (Überstreckung) entsprechende Komplikationen macht.
#9 am 11.01.2017 von Gast
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Gast
#6: Wenn Sie gerade den Pathomechanismus des Delirs zusammen mit einer tollen Therapie entdeckt haben von der nur noch kein Chirurg und Anästhesist weiß, sollten Sie schnell publizieren, sie wären der Erste!
#8 am 11.01.2017 von Gast
  9
Eine PDA wäre wohl bei einer so alten Patientin indizierter gewesen, um ein Delir ( früher Durchgangssyndrom genannt) zu verhindern.
#7 am 11.01.2017 von Dr. med.dent Stefan Troendle (Zahnarzt)
  4
Gast
Selbst Hüftoperiert, kann ich diese Verwirrtheit nur bestätigen. Es bibt wissenschaftliche Untersuchungen aus Schweden, die an 20 hüftoperierten Patienten die gleichen Symptome eines Durchgangssyndrom beschrieben. ich deutete meinen massiven Kopfschmerzen und deliranten Gedanken, sobald ich die Augen schloss, als Ausdruck eines Crashsyndroms wie bei Verschütteten. Der massive Eiweißanfall bei zerstörter Muskelmasse muss wohl diese Symptome hervorrufen. Den Chirurgen war dies natürlich nicht bekannt, die Anästhesisten hatten auch keine Ahnung. Die Symptome wurden erst allmählich besser, nachdem mir meine ärztliche Familie massiv Wasser einflößte und die starke Dehydrierung beseitigt wurde und eine forcierter Diurese einsetzte.
#6 am 11.01.2017 von Gast
  7
Gast
Kleiner (ernstgemeinter) Tipp bei postoperativer Verwirrtheit: Brille auf- und Hörgeräte einsetzen (und auf Funktion prüfen), nicht einfach den Patienten liegen lassen und alle paar Stunden mal etwas Konversation versuchen. Wenn man nach Stunden oder Tagen (!) der erste ist, der bei einem Patienten an banale Hilfsmittel denkt, dann wird einem immer ganz anders.
#5 am 11.01.2017 von Gast
  0
Gast
Durchgangssyndrom bei Patienten die alt sind und wenig oder nie im Krankenhaus waren bekomnen es. Habe es schon live miterlebt dass eine OS Fraktur in diesem Zustand aufgestanden ist und Andere bedroht hat und mit dem Stuhl auf Gegenstände geprügelt hat. Kommt in der Nachtwache besonders gut Gute Besserung für die alte süße Dame
#4 am 11.01.2017 von Gast
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Oh Zorgcooperations, you made my day.
#3 am 11.01.2017 von Dr. med vet Maurizio Gianini (Tierarzt)
  2
Gast
Man hat beobachtet, dass Frauen die z.B. in der Kriegs-/Nachkriegszeit/Flucht/Vertreibung Opfer von sexueller Übergriffigkeit wurden, nach solchen Eingriffen mit anschließender Blasenkatheterversogung o.ä. inadäquat reagierten und dieses eine Folge eines lang unterdrückten Psychotraumas war
#2 am 11.01.2017 von Gast
  5
Gast
Lol, na immerhin ist die alte Dame noch soweit orientiert dass auch ihr eine Schwangerschaft als mögliche Differentialdiagnose für ihre Beschwerden unrealistisch vorkommt... süß. Hoffentlich erholt sie sich bald wieder.
#1 am 11.01.2017 von Gast
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„Da müssen Sie leider bei uns bleiben“, fuhr ich, „morgen werden wir in einer endoskopischen Untersuchung mehr...
Deshalb fühlte sich Dr. Minzbi auch nicht sonderlich gut. Zusätzlich hatte Frau Gräupfe auch noch eine mehr...
Der Kardiologe analysierte dies nochmals eingehend und sagte dann: „Dieser Patient, der braucht ganz eindeutig mehr...

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