Original-Generika: Dreistigkeit siegt

27.12.2016
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Immer wieder tauchen Werbungen für Original-Generika auf. Hersteller preisen also günstigere Varianten ihrer eigenen Medikamente an. Ob das wirklich Sinn hat? Für den Konsumenten nicht viel. Aber Pharmakonzerne verdienen damit gut.

Ein Leser hat mich letztens auf eine Schweizer Werbung aufmerksam gemacht: „Ich habe kürzlich ein solches Plakat fotografiert von Pfizer. Ein Original-Generikum vom Hersteller des Originals. Ich habe nicht verstanden, welchen Sinn es hat,“ schreibt er.

Auf dem Plakat steht: Genial wie das Original. Original-Generika und Medikamente die vom Hersteller der Originale stammen. Zu 100% identisch mit dem Original mit Ausnahme der Verpackung und Namen. Zu einem attraktiven Preisvorteil.

Wieso man das macht? Wegen des Geldes – was sonst?

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag berichtete, sind Generika ein großes Thema für Apotheker. Firmen wie Pfizer und AstraZeneca, aber auch Sanofi sind Meister in dem Spielchen mit rezeptpflichtigen Medikamenten: Man nehme (s)ein Original-Medikament kurz vor Ablauf des Patentes. Man lanziert dazu ein eigenes „Generikum“ (füllt es einfach anders ab) und verkauft das günstiger (aber meist noch einiges über dem Preis der „richtigen“ Generika).

Konzept „early entry“

Man nennt das „early entry“. Die Leute wechseln zum Generikum und bleiben dann dabei. Ein paar wechseln auch später, nach Einführung der anderen Generika, wenn sie sich von der Werbung (oder gelegentlich auch der Apotheke) überzeugen lassen, dass es sich wirklich um das gleiche Medikament handelt. Marken funktionieren eben auch im Gesundheitsmarkt.

Manche bestehen auf „ihre“ Marke

Online habe ich ein ähnliches Szenario mit Viagra gesehen. Aber egal um welche Tablette oder Kapsel es geht: Glaubt mir, die Leute erkennen „ihre“ Pille und reagieren darauf.

Das Ganze würde mich nicht nerven, wenn diese Firmen das nicht zum Anlass nehmen würden, den Preis des Originals damit länger weiter oben zu halten. Und die Krankenkasse zahlt die (teuren Originale) auch weiterhin, halt mit 20% Selbstbehalt Abzug.

Aber (so wenig) Geld interessiert die Kunden nicht, die wirklich nur den Markenartikel wollen. Die würden sich höchstens überzeugen lassen zu wechseln, wenn die Originale bei der Existenz eines Original-Generikums gar nicht mehr bezaht würden.

Kleines Original-Generika-ABC

Solche Medikamente nennt man außer Original-Generika auch Auto-Generika oder auch Co-Marketing-Präparate (auch im nicht-rezeptpflichtigen Bereich üblich).

Beispiele für Original-Generika:

Man muss es positiv sehen

Aber die Kampagne hat vielleicht doch etwas gutes: sie macht die Leute mal wieder auf Generika aufmerksam.

Wer genaueres wissen will (zum Beispiel, was es da gibt und ob das für einen geeignet ist), der frage doch in seiner Apotheke nach. Die weiß Bescheid.

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.02.2017.

62 Wertungen (2.13 ø)
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Pharmazie
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Gast
Ich sehe da nicht wirklich ein Problem, Frage mich aber warum man nicht gleich das Originalprodukt billiger verkauft
#8 vor 6 Tagen von Gast
  0
Ich würde es ehrlich gesagt genauso machen als Pharmakonzern! Da gibt man Millionen/ Milliarden von Euro in Forschung und Entwicklung für einen neuen innovativen Wirkstoff aus und dann dürfen irgendwann andere Firmen davon profitieren....??? und ganz ehrlich gesagt ist Pfizer ein Unternehmen, dass an vielen seltenen Erkrankungen forscht und für diese Erkrankungen gut wirksame Medikamente entwickelt hat! Bsp. Tafamidis-meglumin, was bei Amyloidpolyneuropathie gut wirksam ist. Problem daran ist, dass es seltene Erkrankungen sind, für die das Unternehmen ebenfalls Millionen euro in Forschung und Entwicklung steckt und das Geld aber gar nicht wieder einnehmen kann, weil diese Erkrankungen so selten sind, dass man daran nicht verdienen kann! und genau aus diesem Grund ist es doch wichtig, dass ein Pharmakonzern über seine anderen Produkte genügend Geld einnimmt, um dann an anderer Stelle in z.B. seltene Erkrankungen investieren zu können.
#7 vor 6 Tagen von Carolin Zaulig (Studentin der Pharmazie)
  2
Mir wären Generika vom Orginalhersteller zehnmal lieber als eines von den vielen pseudodeutschen Generikaherstellern, die außer der Verpackung nichts mit dem Arzneimittel zu tun haben. Die Wirkstoffe stammen aus fernöstlichen Billigländern und werden in irgendwelchen No- Name -Firmen in Europa zu Arzneimitteln verarbeitet werden. Ein Generikum vom Orginalhersteller lässt zumindest hoffen, dass der Herstellungsprozess von pharmazeutischen Fachkräften kontrolliert wird und nicht von Alibiapothekern, die bei Billig- Generikafirmen nur ausländische Zertifikate prüfen.
#6 vor 6 Tagen von Jürgen Wolff (Apotheker)
  3
Besser Original-Generika als immer neue unbekannte Firmen..."AAA" und "CC"...
#5 vor 6 Tagen von Camelia Proksch (Angestellte Apotheker)
  1
Gerade bei Original-Präparaten mit einer etwas kniffligereren Galenik profitiert der Patient durchaus vom "Original-Generikum".
#4 vor 6 Tagen von Isabella Stavenhagen-Neumann (Selbstst. Apothekerin)
  1
Gast
Ich verstehe nicht wirklich, wo das Problem liegt. Wenn Menschen für ihre Markenpräparate zuzahlen wollen, dann habe ich nicht das missionarische Bedürfnis, die von etwas anderem zu überzeugen, wozu? Noch ist unsere Gesellschaft so frei, dass die Leute ihr Geld ausgeben dürfen, wofür sie wollen, auch wenn es die teure Schachtel um die Medikamente ist, und das ist gut so!!! Welchen Grund gibt es, sich aufzuregen, soll es hier überall so aussehen wie in der DDR? Man kann seine Habseligkeiten in eine billige Handtasche von H & M tun, ich bevorzuge dennoch Gucci. Und das geht genau so niemanden etwas an. Nebenbei: natürlich machen die Pharma Firmen das Geschäft mit den Original Generika, darf man damit nur ein Geschäft machen, wenn man Ratiopharm heißt? Was ist falsch daran, wenn die forschenden Firmen nebenbei das gleiche Geschäft machen, wie die, die ihre Plagiate verkaufen? Natürlich geht es dabei nur ums Geld. Das ist eine Firma, kein Hobby. Was hat denn der Autor geraucht?
#3 vor 7 Tagen von Gast
  6
Gast
Mit konstruktiver Kritik könnte man sicherlich mehr anfangen als mit einem geringschätzigen "Schwach...". Ich finde den Artikel gut.
#2 vor 30 Tagen von Gast
  6
Gast
Schwach...
#1 am 31.12.2016 von Gast
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