Stammzellen: Was adulte und embryonale Stammzellen können

08.12.2016
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Sie sind die Alleskönner unter den Zellen: Stammzellen enthalten im Anfangsstadium den Bauplan für die gesamte menschliche DNA und sorgen im adulten Zustand für die Zellerneuerung. Laut Forschung ist das medizinische Potenzial der Stammzellentherapie unbegrenzt – doch welche Erfolge lassen sich tatsächlich vorweisen? Und welche Perspektiven gibt es?

Wunderwerk Stammzelle

Die Stammzellen enthalten nicht nur den Bauplan für einen gesamten Organismus, sondern sie sorgen in diesem Organismus auch für die regelmäßige Erneuerung aller Zellen, indem sie sich teilen und vermehren und dadurch lebenswichtige Reparaturprozesse in Gang setzen. Durch die Arbeit der Stammzellen in unserem Körper wird verletztes oder funktionsgestörtes Gewebe durch neues ersetzt. Da die Stammzellen jedoch einen ganz normalen Alterungsprozess durchlaufen, schwinden ihre Regenerationskräfte mit dem Alter – oder anders ausgedrückt: Wir altern, weil die Stammzellen unser Gewebe nicht unbegrenzt erneuern können. Aus diesem Grund nutzt die  Medizin bevorzugt junge Stammzellen für Forschung und Therapie.

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Die beiden Stammzellenarten, die für die Forschung am interessantesten sind, sind die embryonalen und die adulten Stammzellen: Embryonale Stammzellen werden bereits wenige Tage nach der Befruchtung der Eizelle aus dem Embryo gewonnen. Da sie der Ursprung einer jeden Körperzelle sind, haben sie das größte Entwicklungspotenzial und können theoretisch für die Behandlung jedes Organs verwendet werden. Da embryonale Stammzellen jedoch nur durch die Zerstörung des Embryos gewonnen werden können, ist die embryonale Stammzellenforschung ethisch sehr umstritten und als Therapiemöglichkeit derzeit nicht zugelassen.

"Adult" sind Stammzellen ab dem Moment der Geburt, ab dem sie auch für die Regeneration unseres Körpers zuständig sind. Adulte Stammzellen werden in der Regel aus dem Blut, der Haut und dem Knochenmark gewonnen, da sie dort in besonders großer Anzahl vorhanden sind. Anschließend können aus ihnen weitere Stammzellen generiert werden, deren Entwicklungsfähigkeit jedoch eingeschränkt ist: Da adulte Stammzellen bereits auf eine Funktion festgelegt sind, können aus ihnen ausschließlich weitere Haut- bzw. Blut- und Knochenmarkszellen entstehen. Weitere Details zu Stammzellarten sind beispielsweise auf der Homepage der Nabelschnurblutbank Seracell zu finden.

Stammzellen aus Nabelschnurblut

Da Stammzellen je nach Alter des Spenders bereits Schädigungen durch Zellmutationen, Krankheiten oder Umwelteinflüsse aufweisen können, ist die Forschung an der Gewinnung von möglichst jungen adulten Stammzellen interessiert. Die adulten Stammzellen, die das größte Entwicklungspotenzial aufweisen, sind neonatale Stammzellen, die unmittelbar nach der Geburt aus dem Blut der Nabelschnur gewonnen werden. Stammzellen aus Nabelschnurblut stellen in gewisser Weise einen Kompromiss zwischen den pluripotenten aber ethisch fragwürdigen embryonalen und den bereits auf einen bestimmten Zelltyp festgelegten adulten Stammzellen dar: Sie sind zwar nicht mehr unbegrenzt differenzierbar, haben aber trotzdem nur ein minimales Riskio für Schädigungen und Abnutzungserscheinungen an den Chromosomen. Weitere Vorteile neonataler Stammzellen sind u.a.:

Erfolge und Perspektiven der Stammzellentherapie

Stammzellen sind die große Hoffnung der Regenerativen Medizin, die auf die Wiederherstellung verletzten oder funktionsgestörten Gewebes durch Stammzellentransplantation spezialisiert ist. Die Behandlung erfolgt entweder durch eine vollständige Ersetzung des betroffenen Gewebes oder durch die Anregung der körpereigenen Reparationsprozesse mithilfe von Stammzellengaben. Derzeit wird die Stammzellentherapie insbesondere bei der Behandlung von krebserkrankten Kindern sehr erfolgreich eingesetzt, sodass sowohl Lymphdrüsenkrebs als auch Leukämie bei optimalen Behandlungsvoraussetzungen mittlerweile als heilbar gelten. Auch Hirntraumata bei Kindern werden seit einigen Jahren bereits erfolgreich mittels Stammzellentherapie behandelt.

Experten gehen davon aus, dass insbesondere das Potenzial der embryonalen Stammzellenforschung theoretisch unbegrenzt ist und dass diese in Zukunft sogar darauf "programmiert" werden könnten, jedes beliebige Körpergewebe zu ersetzen. Unter den Therapiemöglichkeiten, die derzeit erforscht werden, treten insbesondere Behandlungsmöglichkeiten für Parkinson, Autoimmunerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus), Querschnittslähmungen, Krebserkrankungen bei erwachsenen Menschen und die altersbedingte Makuladegeneration ( = Verfall der Netzhaut) hervor.

 

Bild: pixabay.com - CC0 Public Domain

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.12.2016.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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