Andere Leute schicken

04.12.2016
Teilen

Mit den Dauerrezepten ist das so eine Sache. Das Rezept bleibt in der Apotheke und der Patient kann nach Bedarf zu uns kommen und weitere Packungen erhalten. Im Normalfall bekommt der Patient zu dem Medikament nicht noch einen Abholzettel mit: der Name /Ausweis und eine Info zum Produkt, reicht uns beim Abholen.

Nur bei bestellten Sachen haben die Leute einen Abholzettel, bei Dauerrezepten den Ausweis, zum Beispiel die Krankenkassenkarte, manchmal die leere Packung: da steht die Info auch auf dem Dosierungsetikett. Mit der Zeit kennen wir auch unsere Stammkunden, die müssen dann nur noch sagen, was sie brauchen.

Was aber, wenn jemand anderes als der Patient, für den das Dauerrezept ist, Medikamente abholen will?

Eines der ersten Dinge, die wir bei einer Abgabe abklären müssen, ist der Empfänger des Medikamentes. Wenn ein Mann etwas abholen kommen will und einen Frauennamen nennt, ist es ziemlich deutlich, dass er nicht der Empfänger ist.

Gut, wenn ich die Person kenne und ich weiß, er ist der Ehemann der Frau (und er hat sie auch schon begleitet), dann gehe ich im Normalfall davon aus, dass es okay ist, ihm die Medikamente auszuhändigen. Oder ich vermerken in einem Kommentar, wer die Erlaubnis hat, Medikamente für die Person zu holen.

Beruhigungsmittel ohne Bestätigung

Vor Kurzem hatten wir aber einen Fall, da wollte ein Mann für seine Freundin ein starkes Beruhigungsmittel – Seresta – abholen. Er hatte nichts, außer dem Namen der Patientin und dem Mittel. Kein Ausweis, keine Bestätigung, ich habe ihn noch nie gesehen.

Ich habe ihm gesagt, dass ich entweder eine schriftliche Erklärung oder mindestens einen Telefonanruf von ihr zur Bestätigung brauche, um ihm das Präparat mitgeben zu können.

Ich meine, das ist heute keine Sache mehr: Er kann sie rasch per Handy informieren, ich bekomme einen Anruf und stelle ein paar Fragen. Ihre Telefonnummer war übrigens nicht hinterlegt, sonst hätte ich selbst angerufen. Und nennen wollte er sie mir auch nicht.

Er war nicht ganz so zufrieden – gelinde ausgedrückt – und ging dann. Auch den Rest des Tages habe ich nichts mehr von ihr (oder ihm) gehört. Das macht mich doch etwas misstrauisch.

Es gibt Vorschriften. Ich drücke nicht einfach jemandem irgendwelche (potenten) Medikamente zum Mitnehmen in die Hand, wenn ich nicht sicher bin, dass es an der richtigen Stelle ankommt.

Vielleicht war das tatsächlich ihr Freund – im dööfsten Fall war das aber einfach jemand, der irgendwie mitbekommen hat, dass sie dieses Beruhigungsmittel nimmt und versucht, so (gratis und bequem für ihn) an das Medikament zu kommen.

Ehemann ohne Erlaubnis

Übrigens: Auch der Ehemann hat nicht automatisch die Erlaubnis, Medikamente für die Frau abzuholen, oder umgekehrt. Das Patientengeheimnis gilt selbst gegenüber Verwandten. Meistens ist die Abgabe aber okay: die Partner wissen nicht nur, für wen und was gebraucht wird, man kann auch beim Patienten nachfragen, wenn man Zweifel hat. Aber wir haben mindestens einen Fall, wo „sie“ einen Kommentar bei sich hinterlegen ließ, dass „er“ keine Tabletten für sie abholen darf. Die beiden sind (weiter) verheiratet und kommen gelegentlich zusammen. Mir ist das recht – Hauptsache, wir wissen es.

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.12.2016.

34 Wertungen (2.79 ø)
1933 Aufrufe
Pharmazie
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
Das könnte man auch in D einführen, aber hier sind unsere Standesvertreter sicher wieder überfordert
#5 am 13.12.2016 von Gast
  0
Gast
Man sollte sowie in der Schweiz mit der Krankenkassen Kärtchen Medikamente auf Dauerrezept oder rep. abholen können.
#4 am 09.12.2016 von Gast
  4
Gast
Gute Güte, nein, es ist aus der Schweiz geschrieben. Ja, man könnte das bei jedem blogbeitrag extra erwähnen, muss man aber nicht, wenn der Leser den Blog verfolgt. Dauerrezepte hier in der Schweiz sind eine gute Sache: Mehr Möglichkeiten für den Apotheker, sich zu profilieren und sein Wissen zu zeigen. Ich habe das schätzen gelernt, als Apotheker in Deutschland werde ich zur Bürokratie verdammt, als Apotheker in der Schweiz kann ich zu Diagnostik (ja!), Arzneimittelsicherheit, Kostendämpfung und Gesundheitspflege beitragen. Beste Grüsse eine Ausgewanderte
#3 am 09.12.2016 von Gast
  3
Gast
#2 am 09.12.2016 von Gast
  1
Auch ohne Dauerezept gilt es aufzupassen. Ein Ehepaar, er möchte noch Kinder, sie nicht. Beide bestellen getrennt aber am selben Tag. Da sollte man beim Abhplen dann besser nicht fragen: wollen sie das Viagra für ihren Mann gleich mitnehmen oder ihre Frau hat hier noch die Pille liegen!
#1 am 09.12.2016 von Andreas K. Klawonn (Apotheker)
  1
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Die Patientin ruft in einer sehr hektischen Zeit an und der Computer neben dem Telefon ist von meiner Kollegin mehr...
Angenommen, Dir oder einem Angehörigen geht es so schlecht, dass er oder sie ins Spital muss. Dort wird man dann mehr...
Will der Kunde, dass wir ihm aus Deutschland etwas bestellen. (Für DocCheck-Leser: "wir" sind eine Schweizer mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: