Schwarz auf Weiß – Hypertensiologisch „Tacheles“!

26.11.2016
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Die Interpretation von weltweit erhobenen Daten zu Prävalenz, Inzidenz, Untersuchung, Diagnose und Therapie der Hypertonie ergab in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ ebenso verwirrende wie widersprüchliche Ergebnisse. Beim Lesen habe ich den Eindruck gewonnen, dass hier nur vorgefasste Meinungen reproduziert und willkürliches Auslassen von Fakten praktiziert wurden.

„Worldwide trends in blood pressure from 1975 to 2015: a pooled analysis of 1479 population-based measurement studies with 19.1 million participants“ der NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC) vom 15.11.2015.

Die Interpretation im Abstract bedeutet, dass die weltumspannende Autorenschaft keinerlei belastbare Schlussfolgerungen (conclusion) ziehen, sondern nur vorsichtig interpretieren kann. Sie liest sich wenig spektakulär:

„Interpretation – Während der vergangenen vier Jahrzehnte haben sich die höchsten, weltweiten Blutdruck-Spiegel von den Ländern mit hohem Einkommen zu denen mit niedrigem Einkommen in Süd-Asien und der Sub-Sahara Afrikas entsprechend einem gegenläufigen Trend verschoben. Während der Blutdruck in Zentral- und Osteuropa beständig erhöht geblieben ist“ [Interpretation – During the past four decades, the highest worldwide blood pressure levels have shifted from high-income countries to low-income countries in south Asia and sub-Saharan Africa due to opposite trends, while blood pressure has been persistently high in central and eastern Europe]. © der Übersetzung beim Verfasser.

Was bleibt – eine Menge Fragen

Ganz ehrlich, ich habe in meinem ganzen medizinischen Leben, also seit dem 1. Oktober 1975, in Klinik, Ambulanz und Praxis noch nie einen derartigen pseudowissenschaftlichen Stuss gelesen! Meine offenen Fragen:

Was sind denn hier die Fakten?

Die global verbreitete essenzielle Hypertonie war und ist seit 1975 weltweit eine klassische wohlstands-, industrialisierungs-, arbeitsteilungs- und alterungsabhängige Erkrankung mit multifaktorieller Genese.

Zunehmender Wohlstand, Industrialisierung, Stressfaktoren und eine sich langsam angleichende Lebenserwartung bewirken jetzt in den Schwellenländern bzw. in den Entwicklungsländern eine zunehmende Hypertonie-Prävalenz und -Inzidenz, ebenso wie in postindustriellen Gesellschaften.

Wer anderes behaupten will, sollte es auch schwarz auf weiß beweisen können.

Die vorliegende Lancet-Publikation von Prof. Majid Ezzati et al. ist meines Erachtens grober Unfug.

(Glossar: Tacheles reden: umgangssprachlich: unverhüllt, ohne falsche Rücksichtnahme seine Meinung sagen, ganz offen die Sachlage darstellen; ursprünglich = Zweckmäßiges reden; zur Sache kommen, jiddisch tachles = Ziel, Zweck < hebräisch taḵlîṯ)

Bildquelle (Außenseite): Bernard Spragg. NZ, flickr

Bildquelle: Frans Masereel, Erstausgabe 1939: „Du noir aux blanc\" © Repro Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.12.2016.

37 Wertungen (4.59 ø)
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Gast
#5 - Ergänzend möchte Ihren Beitrag relativieren. Eine UK Schiene mag manchen (auch nicht allen) OSAS Patienten helfen. Bitte vergessen Sie aber nicht diejenigen, die unter einem gemischten Schlafapnoesyndrom leiden, da kann die Schiene allenfalls Spannungen im Kopfbereich mildern, die Schlafapnoe therapiert sie nicht. Die Compliance liegt in manchen Fällen auch an der Maske - solange sich die Versorger sperren, "Testnächte" zu ermöglichen, kommt man bei den KK schnell an eine Grenze, wenn man mehrere Masken bezahlt haben will, nur um die Richtige zu finden. Und hier schließt sich der Kreis - falsche Maske > CMD verschärft > Compliance im Eimer. Als Betroffener weiß ich, wovon ich rede. Im übrigen ist es nicht nur der Folge-Bluthochdruck, die Angst der Atemnot läßt einen ohne Maske im Bett sitzen. Dann lieber die Maske. Und bestätigen kann ich eine Normalisierung des BD mit Maskentherapie.
#7 am 01.12.2016 von Gast
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#1 und #3 Für wie doof halten Sie die DocCheck-Community? flc@live.de ist keine Domain/Link - reine Ironie von mir! Was soll die Angabe einer E-Mail Adresse, wenn darunter nur dummes Zeug vertreten wird. Der Kommentar von Herrn L. unter http://news.doccheck.com/de/133278/koronare-gesundheit-herz-neben-dem-beat/ hatte auch mit dem Thema Rhythmologie nicht das Geringste zu tun. Leseprobe? "Betroffene leiden in der Gesamtzeit ihres Schlafes an Herzvorhofflimmern, Herz-Flattern. Dieses gravierend! 1000 Fische schnappen in Hemdtaschenhöhe nach Luft. Brustfleisch sprudelt so richtig...Noch schlimmer ist die Wirkung wenn zu benannter Kombination; Cholesterinsenker, Alkohol, Narkotika, Opiate, Psychopharmaka, etc., einwirken. Sämtliche Volkskrankheiten verbergen sich hinter erwähnten Kombinationen: Herzflimmern, Herz-Flattern, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Thrombose, Nierendefekt, Diabetes Typ 2, Lebererkrankung, Depressionen, Orientierungslosigkeit, Gedächtnisschwierigkeiten"
#6 am 01.12.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  1
OSAS ist sicherlich in sehr vielen Fällen ein Grund für Hypertonie, aber Hypertonie kann viele andere Ursachen haben. Da verwechselt Herr laudenbach Folgerung und Äquivalenz. Zu Gast X: Ja, die cPAP-Behandlung (Maske) hat eine beschissene Compliance, aber es gibt für sehr viele Patienten eine preiswertere Behandlungsmöglichkeit mit deutlich höherer Compliance, die Unterkieferprotrusionsschiene. Da jedoch oft noch die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Zahnärzten sehr zu Wünschen übrig läßt und die gesetzlichen Krankenkassen sich sehr schwer mit der Kostenübernahme tun und auch der GBA sich schwer tut (Lobby??), dies als Regelversorgung anzuerkennen, ist diese Behandlung in Deutschland im Gegensatz zu skandinavischen Ländern noch sehr selten.
#5 am 01.12.2016 von Dr. med. dent. Gerd Kruse (Zahnarzt)
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Gast X
Netter Beitrag Herr Laudenbach, allerdings sieht die Realität leider ein wenig anders aus. Natürlich kann ein Schlafapnoesyndrom (scheinbar so etwas wie ihr Steckenpferd) mit fehlender Blutdrucknachtabsenkung und Hypertonie einhergehen. Und in manchen Fällen kann man durchaus eine Besserung der Blutdruckwerte nach dem Anpassen einer Beatmungsmaske feststellen. Aber wenn sie denken das sei nun die ultimative Lösung und damit sei es mit der Behandlung von Bluthochdruck getan, dann irren Sie sich. Es gibt mehr als genug Hochdruckpatienten die erwiesenermaßen NICHT an OSAS leiden. Bei den Apnoepatienten hingegen ist die Compliance für ihre Maske schlichtweg besch***en: Mehr als die Hälfte der Patienten denen ich begegne toleriert die Maske nicht und schläft spätestens nach ein paar Monaten wieder ohne... Abgesehen davon gibt es einen gemeinsamen Risikofaktor sowohl für OSAS als auch Bluthochdruck > Übergewicht!
#4 am 01.12.2016 von Gast X (Gast)
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Gast
@#2 flc@live.de ist eine Email Adresse von Herrn Laudenbach, keine Internetadresse. http://news.doccheck.com/de/133278/koronare-gesundheit-herz-neben-dem-beat/ #3 Wer googlen kann ist im Vorteil
#3 am 30.11.2016 von Gast
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Die domain " flc@live.de " gibt es gar nicht im Internet! @#1"franz laudenbach", entweder Sie nennen exakt nachprüfbare Quellenangaben, oder Sie behalten ihre monokausalen Abwegigkeiten beim multifaktoriellen Hypertonie-Geschehen als persönliche Privatmeinung in ihrem paramedizinischen "Hurlyburly-Mikrokosmos": Shakespeares Macbeth: Erste Hexe: "When shall we three meet again / In thunder, lightning, or in rain?" Zweite Hexe: "When the hurlyburly's done, / When the battle's lost and won." Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
#2 am 30.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Ganz klar, vergessen, verdrängt was immer; Hypertonie wo immer sie auftritt, ist in 95.2% aller Fälle verursacht durch Fehlbehandlung mit; sogenannten 'blutdrucksenkenden Medikamenten' in Kombination mit Grunderkrankung Schlafapnoe Syndrom (OSAS/ZSA). Also heilt, behandelt die Grunderkrankung; Schlafapnoe Syndrom, dann benötigt man keinerlei sogenannte 'blutdrucksenkende Medikamente, welcher Type immer. wollt Ihr mehr wissen? Antwort erhaltet ihr über: flc@live.de;
#1 am 30.11.2016 von franz laudenbach (Nichtmedizinische Berufe)
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