Vom Ausziehen (lassen)

23.11.2016
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"Bitte ziehen Sie Ihr T-Shirt aus, damit ich Ihre Lunge abhören kann." - "Ich müsste dann mal Ihren Bauch abtasten."- "Ziehen Sie die Hose noch ein Stück weiter runter?" Für Ärzte ist es Alltag, Patienten zum Ausziehen aufzufordern. Ich muss mich daran erstmal gewöhnen...

Als Patient nimmt man an, dass ein nackter Körper dem Arzt schon lange nicht mehr unangenehm ist. Zu viele Patienten hat er schon untersucht, auf Hautveränderungen, Schonhaltungen und andere Krankheitszeichen achtend, um sich Gedanken über Fettröllchen, X-Beine, schlaffe Brüste oder einen kleinen Penis zu machen.

Dieses Gefühl habe ich jedenfalls, wenn sich Patienten vor mir ausziehen, ohne mit der Wimper zu zucken. So läuft das beim Arzt, sie sind es gewohnt. Und der erfahrene Arzt macht sich dabei wahrscheinlich auch keine Gedanken (außer vielleicht bei besonders jungen, schönen Patientinnen, die dann nervös dazu aufgefordert werden, den Büstenhalter doch ruhig wieder anzuziehen... Geschichten aus dem Leben. ;-) ).

Als Medizinstudentin ist das aber anders. Klar, ich habe Anatomie gelernt, ich kann alle möglichen Körperteile benennen, und weiß, was alles dazugehört zur körperlichen Untersuchung. Aber einen Fremden dazu aufgefordert, sich vor mir auszuziehen, allein in seinem Zimmer, habe ich noch nie.

Und so muss ich mich erstmal daran gewöhnen. Es lernen, sicher zu wirken, sachlich, denn wenn man sich selbst unwohl oder unsicher fühlt in seiner Haut, dann geht es den Patienten ebenso.

Dazu kommt noch der Zweifel daran, ob die ganze Untersuchung überhaupt notwendig ist. Schließlich macht der Assistenzarzt das Ganze gleich noch einmal. Aber natürlich, die Uniklinik ist eine Lehrstätte, und um Krankheitszeichen selbst sicher zur erkennen, muss ich viele Kranke gesehen haben, abgehört, abgetastet, abgeklopft. Erst mit viel Erfahrung vergisst und übersieht man nichts.

Nach ein paar Tagen fühle ich mich besser. Die Patienten sind hier, weil sie wollen, dass ihnen geholfen wird. Dass alles gefunden wird, was sie so haben. Wenn zum Beispiel eine auffällige Hautveränderung bei ihnen übersehen wird, weil der Arzt ihnen nicht zu nahe treten will, dann tut er ihnen damit keinen Gefallen.

Gleichzeitig sollte das gerechtfertigte Schamgefühl der Passagiere natürlich respektiert werden. Ich versuche, beides nicht zu vergessen! Und lasse die Untersuchung der Genitalien selbst in der Hautheilkunde manchmal aus, wenn der Patient dort keine Beschwerden angibt. Denn der Assistenzarzt kommt sowieso gleich nochmal.

Ich denke, das ist ok so.

 

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Artikel letztmalig aktualisiert am 24.11.2016.

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