Mal was zum schmunzeln...

20.11.2016
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Kassenrezepte sehen meist alle gleich aus – rosa, glatt, mit mehr oder weniger Kreuzchen an verschiedenen Stellen. Doch bis sie den Weg von der Arztpraxis zu uns beendet haben, stoßen ihnen die verschiedensten Dinge zu. Manche kommen tropfnass bei uns an, in den Regen gekommen heißt es dann, oder die Wasserflasche ist im Auto ausgelaufen.

Mit einem nassen Rezept kann man aber sogar noch etwas anfangen, nach dem Trocknen sind sie wieder brauchbar. Andere sind voller Kaffeeflecken oder Tassenränder und sehen aus, als wären sie in Ermangelung eines Tischsets als solches benutzt worden.

Solange man noch alles lesen kann, ist es zwar okay, aber begeistert bin ich auch dann nicht. Manchmal kommen Rezepte rein, die von nervösen Personen zwecks Pausenfüllung ganz eng zusammengerollt wurden. Entrollt man sie wie ein altägyptisches Pergament „schnurren“ sie sofort wieder zusammen. Um sie in den Drucker schieben zu können, muss man sie auffalten und über eine Tischkante in die entgegengesetzte Richtung hin und her reiben. Das nervt schon etwas, denn es ist so unnötig!

„Finn Luca hat sich das Rezept nur kurz in den Mund gesteckt!“

Fällt ein Rezept einem Kleinkind oder Baby zum Opfer, ist eigentlich alles zu spät. Angesabbert, zerrissen – oft mehrfach – und benagt wird es über den Tisch gereicht, meist mit einem Grinsen und entschuldigendem Gesichtsausdruck: „Ich hab es Finn Luca nur gaaanz kurz zum Spielen gegeben“. Ääääh ja. Das da ist ein Dokument, das wir noch zur Abrechnung brauchen. Soll ich Finn Luca das nächste Mal die 20 Euro Wechselgeld auch gaaanz kurz zum Spielen geben?

Besonders doof ist es, wenn die rechte obere Ecke fehlt, dann erkennt unser Rezeptdrucker nämlich nicht, dass da was drinnen liegt. Aber mit Trick 17 gibt es auch hier eine Lösung: Einfach ein glattes DIN-A-6 Papier drunterlegen und es dann bedrucken. Heute bekam ich ein Rezept rübergereicht, das aus einem übervollen Einkaufskorb von ganz unten hochgeknibbelt wurde. Ich musste erst einmal die anhaftenden Essensreste entfernen, bevor ich irgendetwas anderes machen konnte. Zunächst dachte ich, es wäre Butter, es stellte sich dann aber als Schmierkäse (Milkana Gouda) heraus, was ungleich hartnäckiger zu entfernen ist.

Raum für Interpretation und Fantasie

Nach dem Bearbeiten mancher „Raucherrezepte“ muss ich mir auch die Hände waschen, weil sie riechen, als hätte ich in einen Aschenbecher gefasst.

Am schlimmsten sind jedoch die Flecken der Kategorie „undefinierbar“, da einfach zu viel Interpretationsspielraum für uns fantasiebegabtes pharmazeutisches Personal bleibt – das grüngraue, hartgewordene Draufgeschmiere, könnte das Popel sein? Der rostrote Fingerabdruck da auf dem Diabetikerrezept, ist das Blut, weil er sich nach dem Zuckermessen kein Pflaster aufgeklebt hat? Dem Geruch und dem Aussehen nach, hat sich Herr Müller das Rezept noch mal ordentlich durch die Kimme gezogen, bevor er es mir in die Hand gedrückt hat ...?

Und bei all dem: immer freundlich, immer lächeln, selbst, wenn das, was am Rezept haftet noch feucht ist und du gerade hineingefasst hast. Aber was wäre ein Tag ohne Herausforderungen?

 

Bildquelle: darkbuffet, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2016.

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Gast
Oh, #12 war unten gemeint.
#19 am 10.12.2016 von Gast
  0
Gast
Lieber Herr Dr. Schätzler, nur das rosa Rezept bleibt in der Apotheke (und die gelben nicht vergessen), weil die von den Apotheken bei den Kassen zu Geld gemacht werden. Die Privatrezepte rechnen die Kunden mit ihrer Kasse (und evtl. Beihilfe) ab. Das wussten Sie aber, oder? Vermutlich habe ich #14 nicht richtig interpretiert.
#18 am 09.12.2016 von Gast
  27
Ex-PTA
Letztendlich ist es doch wirklich so, wie von einigen Kommentatoren schon angedeutet wurde: Wenn man bereit ist, respektlose Umgangsformen kommentarlos zu akzeptieren, wird man dementsprechend behandelt werden. Typisches Beispiel ist einer meiner EX-Chefs, welcher der Auffassung war, dass er für Privatpatienten, die ihm "Kohle" einbringen "nackt auf dem HV-Tisch" tanzen würde. Die besagten älteren Schwestern hatten dem entsprechend auch Null Respekt vor ihm, und je schroffer die Damen wurden, desto "schleimiger" verhielt er sich. Erfolglos, wie ich betonen möchte. Ein freundlicher, aber deutlicher Hinweis auf den Zustand des betreffenden Dokuments sollte Erfolg haben. Letztendlich ist es wie mit Kindern; nur wenn sie wissen, was sie falsch gemacht haben, können sie ihr Verhalten korrigieren.
#17 am 08.12.2016 von Ex-PTA (Gast)
  24
Vielleicht bin ich mit meinen Negativ-Kommentaren übers Ziel hinaus geschossen. Aber welche Mühe ich mir selbst jedesmal mache, mein Bildarchiv zu durchzuforsten, gezielt Fotos und Repros zu machen, literarische Anspielungen unterzubringen... Ich bin halt mit Theater, Kunst, Literatur, Musik aktiv und passiv groß und lebendig geworden. Da habe ich vielleicht ein Illustrations-Sensibilitäts-Syndrom? MfG
#16 am 07.12.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  2
Ich hab sehr gelacht, vielen Dank.
#15 am 07.12.2016 von Claudia Kern (Medizinische Dokumentarin)
  36
Ganz ehrlich, es ist schon ziemlich armselig, dass es nicht einen einzigen Bild-/Fotonachweis von dem beschriebenen "Kassenrezept"-Phänomen geben sollte. Dann tritt es wohl äußerst selten auf und wird hier künstlich aufgebauscht? Rezepte sind ärztliche Verordnungsdokumente - warum ausschließlich das rote Kassenrezept nach GKV-Muster 16 unseren Patienten/-innen in der Apotheke ersatzlos abgenommen wird, bleibt ein Rätsel. Dadurch verkommt es leider oft nur zu einem "Wisch"! MfG
#14 am 07.12.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  7
@ 12: Oder der Patient geht in die nächste Apotheke...in manchen Orten sind da ja gleich ein halbes Dutzend in kürzester Distanz voneinander. In einem Schwarzwalddorf wie bei mir ist das etwas einfacher, da sind viele froh wenn es überhaupt noch EINEN Arzt gibt - Apotheke gibt es meist ohnehin nicht, ist halt dann in der nächsten Kleinstadt. Das vereinfacht die Sache ungemein, man nimmt da eher noch Rücksicht...
#13 am 07.12.2016 von Werner Wöhrle (Mitarbeiter Industrie)
  0
PTA
Herr Schlomski, das Rezept zum Puzzeln haben wir natürlich nicht angenommen, aber die anderen die einfach "Dreckig" sind. Naja, wenn wir die Patienten jedes mal zurück zum Arzt schicken würden, dann würden die Arztpraxen uns auf das Dach steigen
#12 am 06.12.2016 von PTA (Gast)
  1
Schön geschrieben. Ich gehöre zu den Leuten, die diese rosa Dokumente unterschreiben. Leider vermisse auch ich oft die Wertschätzung gegenüber unserer aller Tätigkeit - sei es bezüglich der Verordnung manchmal hochwirksamer Medikamente - sei es die Verordnung wertvoller Physiotherapie!
#11 am 06.12.2016 von Dr. med. Christine Aresin (Ärztin)
  7
Gast
Liest sich gut! Auch der Tonfall ist nicht unangemessen. Es ist ja ganz klar ersichtlich,dass es sich um eine beabsichtige über Zeichnung handelt und dass der Text mit einem Augenzwinkern gelesen werden soll
#10 am 06.12.2016 von Gast
  8
Frau Edelgard Meier, was denken Sie denn noch vom OP Personal ??? Sagen Sie es besser nicht hier!
#9 am 06.12.2016 von Beate Burg (Operationstechnische Assistentin)
  0
Gast
Ich wäre froh wenn ich solche Probleme hätte.
#8 am 06.12.2016 von Gast
  4
Entschuldigung, wollte hier nicht schreiben...
#7 am 06.12.2016 von Edelgard Meier (Arzthelferin)
  9
Frau Seifert hat einen Vogel der ist so groß wie ein Storch... Sollte lieber im OP arbeiten!
#6 am 06.12.2016 von Edelgard Meier (Arzthelferin)
  21
Max Schlommski
Wie lassen Sie denn mit sich umgehen? Warum verweigern Sie nicht im Zweifel zurecht die Annahme eines solchen "Dokuments" und lassen den Kunden sich ein neues ausstellen mit dem er dann pfleglicher umzugehen hat? So wird es nie besser, aber vielleicht ist der wirtschaftliche Druck nur all zu hoch um sich zum Puzzeln, Basteln und Desinfizieren hergibt.....
#5 am 06.12.2016 von Max Schlommski (Gast)
  13
Gast
Solche Rezepte kennen wir auch zur genüge. Für Patienten stellt das Rezept leider kein Dokument dar, was ordnungsgemäß behandelt werden sollte und gedruckt zur Krankenkasse weiter muss, sondern nur einen "Wisch" aus der Praxis mit dem sie ihre Medikamente in der Apotheke abholen sollen. Bei einigen Rezepten muss man sich erst einmal gründlich Waschen und desinfizieren, ehe man den nächsten Kunden bedienen kann. Die "schönsten" Rezepte kommen bei uns aber auch von den Kinderärzte, abgebissene Ecken bis halb aufgegessene Rezepte sind da keine Seltenheit. Gott sei Dank hat man einen guten Draht zu den Praxen und bekommt Ersatz ausgestellt bzw. kann nachfragen, was überhaupt auf dem Rezept gestanden hat.
#4 am 05.12.2016 von Gast
  9
PTA
Als PTA muss ich PTAchen zustimmen, das "Beste" Rezept welches ich in dieser Art vorgelegt bekommen habe war ein in lauter einzelteile zerlegtes Rezept, mit der Aussage "das kann man doch sicher wieder zusammenpusseln". Es gibt genug Rezepte, welche die Beschriebenen Flecken aufweisen.
#3 am 03.12.2016 von PTA (Gast)
  16
Ich weiss nicht in welcher Apotheke ptachen arbeitet, uns ist so etwas nicht vorgelegt worden. Ich habe ihre Artikel regelmäßig gelesen und bin immer wieder aufs Neue entsetzt: Die Sprache, die Inhalte, die Wortwahl finde ich entsetzlich. Bei der Berufswahl vielleicht einen Fehler gemacht? Die Kunden einer Apotheke so vor zu führen finde ich unangemessen und unfreundlich. Jede(r) lässt gerne mal Dampf ab, aber bitte nur intern. Es wäre sinnvoll die Texte vor der Veröffentlichung auf ihre Inhalte zu prüfen. Wir sind doch hier nicht bei Facebook!!!! Einfach mal darüber nachdenken.
#2 am 02.12.2016 von Frau Heide Seifert (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
  59
Sorry, die Abbildung ist ein Gräuel: Nicht der Hauch eines Rezeptes ist auch nur andeutungsweise erkennbar!
#1 am 02.12.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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