Wundversorgung: Früher war nicht alles besser

17.11.2016
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Eine Kundin kam mit einem ganz lockeren Verband um die Hand zu uns, damit die Verbrennung 2. Grades an der Luft gut abtrocknen kann. So sagte man es ihr beim ärztlichen Notdienst. Luft? Abtrocknen? Was ist mit der feuchten Wundversorgung passiert? Ist das schon wieder out?

In dieser Woche kam eine Kundin zu uns, die einen sehr lockeren Verband um ihr Handgelenk trug, und bat um neue Mullbinden. Ich fragte sie, was denn mit ihrer Hand passiert sei, und sie erzählte mir, dass sie sich beim Anzünden ihres Gasofens verbrannt hatte.

Durch den Schock hatte sie kaum Schmerzen verspürt und befürchtet, dass vielleicht ihre Nerven etwas abbekommen hätten. Sie ließ sich zum ärztlichen Notdienst fahren und wurde dort behandelt. Der Arzt ordnete einmal Flammazine-Salbe und einen ganz lockeren Verband um die Hand an, damit die Verbrennung 2. Grades an der Luft gut abtrocknen kann damit sich Schorf bildet.

Was ist denn mit der feuchten Wundversorgung?

Ich war geplättet. Luft? Abtrocknen? Sind meine Informationen bezüglich Verbrennungen schon wieder veraltet? Was ist mit der feuchten Wundversorgung passiert? Ist das schon wieder out? Aber nein. Meine letzte Fortbildung in dem Bereich ist kein halbes Jahr her, vor Verschorfung durch Austrocknen wurde explizit gewarnt.

Da es glücklicherweise keiner unserer ortsansässigen Ärzte war, der das empfohlen hatte, und ich ihnen durch meinen anderslautenden Ratschlag die Wundversorgung betreffend also nicht in die Parade fahren konnte, entschloss ich mich, genau das zu tun. Das ist absolut nichts, was ich gerne mache; nur hier erschien es mir angebracht. Ich erklärte der Patientin in Grundzügen die Vorteile der feuchten Wundversorgung (verringerte Narbenbildung, verbesserte Heilungsprozesse, kein Juckreiz, weniger Schmerzen) und empfahl einen Hydrokolloidgel-Verband.

Auf Nummer sicher

Die unpraktischen lockeren Mullbinden, die nach ein paar Stunden bereits Fäden zogen, ersetzte ich durch eine kohäsive Haftbinde, mit der die berufstätige Frau auch arbeiten kann, ohne dass sich gleich Auflösungserscheinungen zeigen. Ich hatte das Bedürfnis, sofort nochmals nachzukontrollieren, ob das, was ich ihr geraten hatte, richtig war, und fragte im Team, was die anderen dazu gesagt hätten.

Sie waren durchweg meiner Meinung. Ich frage mich also nun, wie es sein kann, dass ein Arzt im Notdienst derart veraltete Informationen weitergibt und die Patienten entsprechend behandelt. Zwei Tage nach dem Vorfall hatten wir Besuch von der Vertreterin einer Firma, die auch Produkte zur Wundversorgung herstellt. Auch diese befragte ich nochmals zu dem Thema, und sie fand mein Vorgehen in diesem Fall richtig. Die Pharmareferentin erzählte, dass sie früher im Ärzteaußendienst war, und der Wissensstand vieler Mediziner bei Bagarellverletzungen „gruselig“ sei. Hoffen wir mal, dass es darum bei ernsthafteren Verbrennungen besser bestellt ist ...

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.11.2016.

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Gast
Nummer 13: Wie arrogant und selbstgefällig! Lassen Sie mich raten: Medizinstudent oder Arzt mit Doktortitel?
#14 am 21.11.2016 von Gast
  23
Gast
Nach der Lektüre ihres Artikels kann man ja nur hoffen , dass Patienten in Deutschland sich von Ärzten fern halten und sich in die Hände von hochqualfizierten und therapeutisch offensichtlich sehr erfahrenen Apothekern bzw. deren Hilfskräften begeben , die dann völlig selbstlos ohne Rücksicht auf pekuniäre Interessen einen Patienten für unter 10 Euro Kosten pro Woche optimal versorgen . Das ist nicht zu toppen. Bravo !
#13 am 21.11.2016 von Gast
  14
Gast
[Kommentar wurde wegen werblichen Inhalts von der Redaktion gelöscht]
#12 am 21.11.2016 (editiert) von Gast
  0
Gast
[Kommentar wurde wegen werblichen Inhalts von der Redaktion gelöscht]
#11 am 21.11.2016 (editiert) von Gast
  0
Lieber Gast #8: Die Patientin hat unsere Apotheke mit Verbandmaterial verlassen, das ihr für 1 Woche ausreicht, und das für unter 7€. Wahnsinnig teuer das Zeug, ne? Der Kommentar zeugt eigentlich nur davon, dass Sie keinen blassen Dunst davon haben, was eine moderne Wundversorgung heutzutage kostet. DAS ist lächerlich!
#10 am 20.11.2016 von Ptachen Ptachen (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
  5
Vitalis
Das klingt leider sehr glaubhaft ! was hat z.B. ein Internist von Wundheilung eine Erfahrungf ? Er wird auf veraltetes Wissen eventuell handeln ! Vitalis
#9 am 20.11.2016 von Vitalis (Gast)
  2
Gast
Für wie dumm werden die Leser hier eigentlich gehalten . Der obige Artikel ist nichts weiter als eine verkappte Werbeschrift für teure Hydrokolloidverbände ohne jegliche wissenschaftliche Substanz . Lächerlich !
#8 am 20.11.2016 von Gast
  14
Gast
Das typische Problem der Ärzte: Vor Jahrzehnten etwas gelernt und nie wieder aktualisiert. Polihexanidgel geht auch.
#7 am 20.11.2016 von Gast
  4
Täglich mehrmals mit steriler Kochsalzlösung spülen, bringt die besten Resultate und lässt keine Narben zurück.
#6 am 20.11.2016 von Mag. Claudia Wurdinger (Angestellte Apotheker)
  5
Flammazine wurde tatsächlich nur einmal aufgetragen, und zwar direkt in der Praxis. So dünn übrigens, dass einen Tag später nichts mehr davon zu sehen war, nur vertrocknete rote Haut. Ich bin von der modernen Methode absolut überzeugt, auch weil ich es schon so oft gesehen habe wie schnell und folgenlos (narben- und schmerzfrei) sowas verheilen kann.
#5 am 19.11.2016 von Ptachen Ptachen (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
  1
Gast
Die Lobduselei über feuchte Wundversorgung kann ich nicht nachvollziehen . Nach 25 Jahren Wundversorgung in meiner Landarztpraxis bin ich immer noch von der "alten" konventionellen Wundversorgung mit Austrocknung überzeugt . Zwischenzeitliches Ausprobieren " modernerer " Methoden brachten nicht den gewünschten Erfolg . Aber ihre Beiträge passen zum Trend . Heute ist halt alles besser , wer länger als 15 Jahre praktiziert , gilt als verblödet . Hauptsache modern und teuer ....... Die Pharmaindustrie muß schließlich Umsatz machen !
#4 am 19.11.2016 von Gast
  9
Die ärztliche Verordnung von Flammazine®-Creme (eine Salbe ist gar nicht verfügbar!) ist eine feuchte Wundauflage mit Sulfadiazin-Silber, und damit kann diese Verbrennung 2. Grades gar nicht zugleich "an der Luft trocknen" können. Flammazine® kombiniert ein heute völlig obsoletes Sulfonamid mit "trendigem" Silber in einer Creme. Die Firma Infectopharm® hat ihre frühere Infectoflam®-Creme aus diesem Grund längst vom Markt genommen! Grundregeln der modernen Wundbehandlung mit steril feuchtem Wundverband, ggf. Debridement, Kolloidverbänden usw. werden leider immer wieder missachtet. Paradoxerweise werden im Laienbereich gerne Okklusiv-Auftragungen von Bepanthen® mit Förderung sekundärer Wundheilungsstörungen bei primär infizierten/nicht-infizierten offenen Wunden vorgenommen. Während bereits erfolgte Krustenbildungen mit abgeschlossenem, trockenem Wundverschluss dann mit weiteren Bepanthen®-Anwendungen wieder aufgeweicht und sekundär infiziert werden können. MfG
#3 am 19.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Wundert mich nicht, bei uns (Großstadt!) gibt es eine altgedienten Arzt, der (hoffentlich nur) noch Notdienste macht, da kann man einmal kaum die Schrift lesen und zum zweiten sind die Verordnungen nicht unbedingt vom neustem Wissen getrübt.
#2 am 19.11.2016 von Brigitte Hillner (Apothekerin)
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Na, die Luft ist weitaus billiger.....
#1 am 18.11.2016 von Apothekerin Helga Rompf (Apothekerin)
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