Abartige Airport-Aborte

17.11.2016
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Flughäfen sind nicht nur internationale Verkehrsknotenpunkte für zig Millionen Passagiere täglich, weltweit waren es 3,5 Milliarden im Jahr 2015, sondern sie sind auch Drehkreuz für Milliarden von Bakterien. Diese tummeln sich, ob multi-resistent oder nicht, täglich besonders gerne in den Toilettenbereichen der Airports. In den Toilettenkabinen der Flughäfen wurden Abstriche genommen.

Wissenschaftler der Westfälischen-Universität Münster (WWU) und des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin haben weltweit von den Innentürklinken der Toilettenkabinen am Flughafen Abstriche genommen. 400 Türklinken von 136 Flughäfen in 59 Ländern wurden mittels Abstrichtechnik bakteriologisch auf Keime untersucht. Und das im Zeitraum von Dezember 2012 und November 2015.

Innere Türgriffe der Toilettenkabinen sind hochspezifische Untersuchungsobjekte: „Eine Türklinke wird von einer Vielzahl an Menschen genutzt. Zudem ist sie der letzte Kontakt, den die Besucher nach dem Toilettengang haben, bevor sie sich die Hände waschen. Die Türklinke ist dann besonders mit Keimen beispielsweise der Haut und des Darms belastet“ heißt es in „Airport door handles and the global spread of antimicrobial-resistant bacteria: a cross sectional study” von F. Schaumburg, Münster/D et al.

Erschütternde Ergebnisse

Es  fanden sich Staphylococcus aureus mit 5,5 % in etwa jeder zwanzigsten Probe, Stenotrophomonas maltophilia in 2 % der Proben, Acinetobacter baumannii in 1,3 %, teilweise mit  Resistenzen. „Einer der gefundenen MRSA-Erreger [Methicillin-resistenter Staph. aureus], festgestellt in einer Probe aus Paris, war höchst ungewöhnlich für diese Region. Hauptsächlich kommt er in Indien vor. Er muss also vom Menschen dorthin gebracht worden sein“, so Co-Autor Becker.


Doch wer glaubt, durch Vermeidung des Airport-Aborts und längeres „Einhalten“ der Problematik kontaminierter Innentürgriffe von Toilettenkabinen entgehen zu können, kommt in den noch engeren Bordtoiletten im Flugzeug vom Regen in die Traufe. Dort ist insbesondere bei regem Publikumsverkehr buchstäblich alles kontaminiert.

In den größeren Fliegern gibt es zwar DEFI's und den Doctors-Kit-Koffer, aber keine Spender für Desinfektionsmittel, wie mittlerweile in jedem Kindergarten üblich. Den Hautkontakt mit Oberflächen so gering wie möglich zu halten, ist bei Turbulenzen während des Fluges oft unerreichbar schwierig und u(m)nfallträchtig.

Was kann man selbst tun?

Die alternative Nutzung eines selbst mitgebrachten alkoholischen Händedesinfektionsmittels scheitert in der Regel an den Sicherheitskontrollen und Leibesvisitationen vor dem Abflug.

Ich persönlich nehme eine kleine Flasche Octenisept mit: Trocknet die Haut nicht so aus (niedriger Alkoholgehalt) und wird im Plastikbeutel meist genehmigt. Von einem Kollegen stammt der Hinweis, Einmalhandschuhe mitzuführen. Damit genügt man den Sicherheitskontrollen auf allen Flughäfen dieser Welt und seinem persönlichen hygienischen Sicherheitsbedürfnis.

Aber was sollen Abenteuer- und Backpacker-Urlauber, Geschäftsreisende und Luxusresort-Urlauber machen, wenn dort auf den Campingplätzen oder in den Hotels, Restaurants, Bars und Cafés die Gläser und das Geschirr nicht hygienisch sauber gespült werden?

Bildquelle (Außenseite): m01229, flickr

Bildquelle: Bildquelle: Toilette Antwerpen, Copyright Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.11.2016.

56 Wertungen (4.43 ø)
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Danke für die Informationen. Ein Spender mit Desinfektionsmitteln wie mittlerweile auch auf Kreuzfahrtschiffen an jeder Ecke wäre wirklich eine gute Idee für Flughäfen und Flugzeuge. Ich selbst bin allerdings immer mit Desinfektionstüchern und Gel in Reisegröße ( gibts im Drogeriemarkt für 99 Cent) bewaffnet, schon aus Ekel.
#17 am 25.11.2016 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  0
Man sollte eigentlich in der Studie die viren scanen Da tobt ganze zeit Noro viren
#16 am 25.11.2016 von Dr Ahmet Gönen (Arzt)
  8
#14; danke für den Hinweis. Wer Türklinken damit desinfiziert, tut so auch etwas Gutes für die Nachfolger. Das geht beim Chefarzt-Händedruck nicht.
#15 am 24.11.2016 von Joachim Bedynek (Chemiker)
  0
Es gibt desinfizierende Feuchttücher (Sakrotan), aber sie stinken erbärmlich. Octenisept ist deutlich angenehmer.
#14 am 24.11.2016 von Brigitte van Hattem (Medizinjournalistin)
  3
Gibt es noch keine desinfizierende Feuchttücher ?
#13 am 23.11.2016 von Joachim Bedynek (Chemiker)
  0
Gast
@#11 Der Blogbeitrag #6 war die Antwort auf Ihren #2 in #9 behaupten sie die Diskussion hätte erst mit #6 angefangen und jetzt kommen sie wieder mit dem Gegenteil. :-)
#12 am 19.11.2016 von Gast
  8
Was für ein Quatsch, das eine schließt doch das andere nicht aus. Die Verbreitungswege multiresistenter Keime kann uns erklären helfen, woher eigentlich die Erreger nosokomialer Infektionen stammen. Das gelingt nun mal nicht mit Erbsenzählen und Korinthen..... (Literatur dazu nur auf persönliche Anfrage). MfG
#11 am 19.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  11
Gast
@#9 Dann lesen Sie mal Ihren #2 Zitat: Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass hier pfiffige Ursachenforschung über die weltweite Verbreitung multiresistenter Keime und die Problematik nosokomialer Infektionen betrieben wurde!
#10 am 19.11.2016 von Gast
  6
Ich weise darauf hin, dass es bei meinem Blogbeitrag "ABARTIGE AIRPORT-ABORTE?" gar nicht um die von Gast #6 erst neu aufgebrachte Diskussion um "Nosokomialer Infektionen" gehen konnte. Mein eigener Kommentar #7 sollte nur belegen, dass ich mikrobiologische und infektiologische Grundlagenforschung auch auf diesem Extra-Gebiet, wo OP-Bestecke schlecht gereinigt und nicht hygienisch aufbereitet wurden bzw. nosokomiale Infektionen aufgetreten waren, konstruktiv-kritisch mit eigenen Blog-Beiträgen beschrieben habe. MfG
#9 am 19.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  13
Gast
Der von mir verlinkte Artikel stammte vom 31. August 2016. Der von Ihnen verlinkte Artikel vom 15.02.2015. Es sind also völlig verschiedene Sachverhalte.
#8 am 18.11.2016 von Gast
  9
Vgl. dazu http://news.doccheck.com/de/blog/post/2947-hygieneskandal-am-uniklinikum-mannheim/ Dort waren mangelnde Vor-Reinigung, Aufbereitung und Hygiene bzw. fehlendes Problembewusstsein Kernpunkte der Kritik. Bei der Acinetobacter baumannii Katastrophe am UKSH-Lübeck wurde der Index-Patient zur chirurgischen Notfall-OP-Versorgung direkt aus der Türkei eingeflogen. Unsere Kollegen/-innen waren nicht über den dramatischen Befund informiert worden. http://news.doccheck.com/de/blog/post/2159-multi-resistente-fernreise-souvenirs-in-klinik-und-praxis/ Multiresistente Keime werden häufig in Kliniken eingeschleppt und sind keineswegs immer nur autochthon entstanden. Grundlagenforschung ist dazu geboten. MfG
#7 am 18.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  2
Gast
#6 am 18.11.2016 von Gast
  10
Gast
@#4 Nicht jeder übertriebene Sauberkeitsfimmel und jede Phobie bedarf der Psychiatrie.
#5 am 18.11.2016 von Gast
  6
Ach daher weht also der Wind anonymer Gast #1 und #3 - Sie wollen Autoren und Leser/-innen von DocCheck psychiatrisieren: "Als Mysophobie (Ansteckungsphobie) wird eine übersteigerte und krankhafte Angst vor Kontakt mit Schmutz oder der Ansteckung durch Bakterien, Viren etc. bezeichnet. Die Angst kann sich auf real existierende Verunreinigungen beziehen, aber auch ausschließlich in der Fantasie der Betroffenen existieren. Die Folge ist ein extremes Meidungsverhalten sowie im Allgemeinen ein Waschzwang bzw. Putzzwang. Unter diesem Namen ist diese Phobie auch in der Umgangssprache bekannt. Diese Phobie wird von Psychologen daher auch als psychische Zwangsstörung bezeichnet. Die übersteigerte Angst vor Schmutz und Bakterien führt häufig dazu, dass Betroffene den Kontakt zu Türklinken, öffentlichen Toiletten, Telefonzellen und Geld sowie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und das Händeschütteln zwanghaft vermeiden." Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mysophobie
#4 am 18.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  12
Gast
@#2 Es ging nicht um "früher war alles besser" sondern um Übertriebene Hygiene und Mysophobie https://de.wikipedia.org/wiki/Mysophobie
#3 am 18.11.2016 von Gast
  18
@ anonymer Gast #1 "Ja, ja, sprach der alte Urgroßvater, früher war alles besser, als die Luft noch sauber, der Sex noch schmutzig und die Lebenserwartung noch kürzer waren...?" - aber davon hat die vorliegende Studie überhaupt nicht gesprochen. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass hier pfiffige Ursachenforschung über die weltweite Verbreitung multiresistenter Keime und die Problematik nosokomialer Infektionen betrieben wurde! MfG
#2 am 18.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  12
Gast
Und stellen Sie sich vor, bevor es diese Studie gab sind die Menschen auch nicht gestorben wenn sie auf dem Flughafen die Toilette aufgesucht haben. Und die auf Bahnhöfen und Zügen auch nicht. Und die aus "unhygienischen" Gläsern getrunken haben auch nicht. Hygiene im gewissen Rahmen ja, man muss es nicht übertreiben. Dreck macht Speck
#1 am 18.11.2016 von Gast
  34
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