Alle Jahre wieder: Die STIKO empfiehlt

16.11.2016
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Die STIKO hat im Epidemiologischen Bulletin Nr. 34/2016 ihre Impfempfehlungen für 2016/2017 aktualisiert. Die ausführlichen wissenschaftlichen Begründungen, die zu den Änderungen der Empfehlungen führten, sind in den Ausgaben 36 und 37/2016 ebenfalls zusammengefasst. Darüber hinaus gibt es jetzt mit der STIKO-App ein nützliches Praxis-Tool für alle impfenden Ärzte.

Die überwiegenden Empfehlungen der STIKO aus dem Vorjahr bleiben unverändert bestehen. Doch in vier Bereichen erfolgten – dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand entsprechend – einige wesentliche Anpassungen:

1. Aktualisierung der Pneumokokken-Impfempfehlungen für Senioren und Risikogruppen

Die Pneumokokken-Infektion zeigt seit Jahren sehr hohe Prävalenzraten bei Patienten über 60 Jahren. Daher empfiehlt die STIKO bereits seit 1998 die Impfung für Menschen in diesem Alterskollektiv und auch für weitere Risikopersonen.

Der aktuell für Säuglinge eingesetzte 13-valente Konjugatimpfstoff ist jetzt ebenso für Erwachsene zugelassen. Diese wurden in der Regel bisher standardmäßig mit dem verfügbaren 23-valenten Impfstoff immunisiert.

Die STIKO sah hier eine Notwendigkeit, die bisherigen Pneumokokken-Impfempfehlungen für die Standardimpfung von Senioren und für die Indikationsimpfung von Risikogruppen wissenschaftlich neu zu evaluieren. Daraus leiten sich die  entsprechenden Anpassungen ab.


So sieht die Standardimpfung für Senioren über 60 Jahren für all diejenigen, die keiner Risikogruppe angehören, weiterhin die Impfung mittels 23-valentem Impfstoff vor.

Von der Standardimpfung abzugrenzen ist die Indikationsimpfung. Sie wird altersunabhängig an Menschen vergeben, die einer der gelisteten Risikogruppen angehören. Dazu gehören unter anderem Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko für Pneumokokken, wie beispielsweise Immunsuppremierte. Diese sollen eine sequenzielle Impfung erhalten. Begonnen wird dabei mit dem 13-valenten Impfstoff, gefolgt vom 23-valenten. Personen mit beruflich bedingtem Infektionsrisiko, wie Pflegekräfte und medizinisches Personal, erhalten wie bisher den 23-valenten Pneumokokken-Impfstoff.

Eine Nachimpfung soll bei Risikopatienten in einem Abstand von 6 Jahren erfolgen. Bei gesunden Menschen oder Senioren, die keiner der Risikogruppen angehören, ist die Nachimpfung individuell von Zeit zu Zeit zu prüfen. In jedem Fall sind solche Patienten jedoch darauf hinzuweisen, dass das Unterlassen der Auffrischimpfung zu einem Verlust des Impfschutzes führen könnte.

Wichtig! Die Impfempfehlung für die routinemäßige Impfung von Säuglingen gegen Pneumokokken besteht unverändert fort.

2. Änderungen bei der Gelbfieber-Impfung

Die STIKO folgt in ihren aktuellen Empfehlungen zum Gelbfieber-Impfschutz den Ausführungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach ist nach einmaliger Impfung gegen Gelbfieber von einem lebenslangen Schutz auszugehen. Eine Notwendigkeit zur Auffrischimpfung entfällt daher.

Wichtig! Wird gegen Gelbfieber und MMR im Kindesalter gleichzeitig geimpft, sollte eine Auffrischimpfung für Gelbfieber erwogen werden. Studien zeigten hier, dass sich die beiden Impfstoffe gegenseitig beeinflussen können. Dadurch könnte es zu niedrigeren Serokonversionsraten kommen.

3. Geänderte Altersgrenzen in den Zulassungen mehrerer Impfstoffe

Die beiden in Deutschland verfügbaren Sechsfachimpfstoffe gegen DTap-IPV-Hib-HepB sind laut den aktuellen Fachinformationen (August 2016) zur Anwendung „bei Säuglingen und Kleinkindern“ zugelassen. Entsprechend wurden die bisher genannten oberen Altersgrenzen von 24 bzw. 36 Monaten durch die Angabe „einschließlich Kleinkindalter“ erweitert. Durch diese Änderungen soll die Umsetzung der STIKO-Empfehlungen für Nachholimpfungen gegen Diphtherie, Pertussis sowie Tetanus vereinfacht werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern soll mit Impfstoffen mit höherem Antigengehalt (DTaP) geimpft werden. Ab einem Alter von 5 – 6 Jahren sollte die Impfung aber mit Impfstoffen von niedrigem Antigengehalt (Tdap) erfolgen.

4. „Hinweise zur Durchführung von Schutzimpfungen“

Die Einträge dieses Kapitels der Impfempfehlungen wurden teilweise überarbeitet. Dadurch soll erreicht werden, dass Impfungen generell mit weniger Schmerzen und Stress erfolgen können, um auf diese Weise die weiter sinkende Impfbereitschaft in der deutschen Bevölkerung zu steigern. Neu hinzu gekommen sind z. B. Aussagen zum Verhalten bei Lieferengpässen von Impfstoffen sowie zu Maßnahmen der Schmerzreduktion während des Impfens. Mittlerweile gibt es dazu studienbasierte Empfehlungen, wie aufgrund veränderter Injektionstechniken und altersgerechter Ablenkung schmerzärmer geimpft werden kann. Dies fördert die Akzeptanz von Impfungen in der Bevölkerung und soll von allen impfenden Ärzten in ihrer täglichen Praixs beachtet und umgesetzt werden.

Besonders hervorzuheben ist auch die im Zusammenhang mit Impfungen bestehende Aufklärungspflicht des Arztes. Die folgenden Punkte gelten daher in Abstimmung mit dem seit 2013 gültigen „Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten“. Die Impfleistung des Arztes umfasst im Wortlaut über das eigentliche Impfen hinaus die folgenden Punkte:

Darüber hinaus werden Impfkomplikationen gegenüber normalen Impfreaktionen sehr viel genauer differenziert. Übliche und somit zu erwartende Impfreaktionen können z. B. sein:

Seit Oktober 2015 informiert das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zudem regelmäßig über Lieferengpässe bei Impfstoffen. Diese Informationen sind online jederzeit aktuell abrufbar. In Zusammenarbeit mit dem RKI finden Sie zusätzliche Empfehlungen dazu, welche Impfstoffe alternativ verwendet werden dürfen, um die Vorsorgeimpfung dennoch gemäß Impfplan durchführen zu können. Gibt es keine Alternativen mit ähnlicher Antigenzusammensetzung, so wird nach Impfstoffen gesucht, mit denen zumindest eine Immunisierung erfolgen kann.

STIKO-Impfempfehlungen: „App auf’s Smartphone oder Tablet“

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ganz aktuell erstmalig in diesem Jahr auch als App für Smartphones zur Verfügung gestellt. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um den Text aus dem Epidemiologischen Bulletin 34/2016. Dieser wurde um einige Angaben von den Internetseiten der STIKO bzw. des RKI ergänzt. Zielgruppe sind alle impfenden Ärztinnen und Ärzte. Mit der STIKO-App stehen alle Empfehlungen übersichtlich aufbereitet und jederzeit schnell zur Verfügung. Die STIKO-App für Android (ab Version 5.1) ist bereits kostenlos z. B. im Google-Playstore herunterzuladen.

Quellen:

impfbrief.de vom 21.09.2016; RKI, Epidemiol Bull 34/2016; RKI, Epidemiol Bull 35/2016

Bildquelle: Tom Ipri, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 24.11.2016.

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Gast
@1: Natürlich wird das Thema Sepsis rauf und runter diskutiert, wie kommen Sie denn dazu, da mangelndes Interesse aus Marktgründen zu unterstellen? Hat halt nur nichts mit Impfungen zu tun. Insofern: Thema verfehlt... Warum regen sich eigentlich immer dieselben (die meist auch keine fachliche Ahnung haben) immer über Impfungen auf? Unzureichende Argumente gewinnen durch Wiederholung Quantität, aber keine Qualität.
#2 am 28.11.2016 von Gast
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Gast
Das RKI empfiehlt...in der WHO waren es die CEO's der Pharmaindustrie z. B. bei der vermeintlichen Pandemie der Schweinegrippe...aber zigtausende Tote durch Sepsis per Anno in unseren Hospitälern..und was wird getan? Da man hier aber nicht impfen kann also kein Markt ist wird dieses nicht zum Thema erhoben aber immer eine Neue Impfsau durchs Dorf getrieben...
#1 am 28.11.2016 von Gast
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