Fundstück der Woche: Ein echter Bauchklatscher!

13.11.2016
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Eine Studie wollte nachweisen, dass mit höherer körperlicher Anstrengung bzw. Zorn/Ärger/Wut oder emotionaler Aufgebrachtheit innerhalb 1 Stunde vor Symptombeginn spezifische Trigger nachweisbar wären, welche einen akuten Herzinfarkt mit auslösen könnten.

Die Studie: „Physical Activity and Anger or Emotional Upset as Triggers of Acute Myocardial Infarction - The INTERHEART Study“ von Andrew Smyth et al. wollte mit höherer körperlicher Anstrengung bzw. Zorn/Ärger/Wut oder emotionaler Aufgebrachtheit innerhalb einer Stunde vor Symptombeginn die spezifischen psychosomatischen Trigger darstellen, welche nach Meinung des Autorenteams einen Herzinfarkt mit auslösen können.

Dabei gingen sie ziemlich betriebsblind und mit offensichtlich gefakten Vergleichsgruppen vor. Zusätzlich unterlagen sie Fehlinterpretationen. Ihre Ergebnisse sind damit völlig wertlos.

Zur Begründung:

Schwarz auf weiß nachzulesen

Und wer das von Ihnen, liebe Leser, nicht glauben kann und möchte, genauso ist es leider im Original-Abstract formuliert:

"Methods: INTERHEART was a case-control study of first AMI in 52 countries. In this analysis, we included only cases of AMI and used a case-crossover approach to estimate odds ratios for AMI occurring within 1 hour of triggers. Results: Of 12.461 cases of AMI 13.6 % (n=1650) engaged in physical activity and 14.4 % (n=1752) were angry or emotionally upset in the case period (1 hour before symptom onset).

Physical activity in the case period was associated with increased odds of AMI (odds ratio, 2.31; 99 % confidence interval [CI], 1.96–2.72) with a population-attributable risk of 7.7 % (99 % CI, 6.3–8.8). Anger or emotional upset in the case period was associated with an increased odds of AMI (odds ratio, 2.44; 99 % CI, 2.06–2.89) with a population-attributable risk of 8.5 % (99 % CI, 7.0–9.6). There was no effect modification by geographical region, prior cardiovascular disease, cardiovascular risk factor burden, cardiovascular prevention medications, or time of day or day of onset of AMI.

Both physical activity and anger or emotional upset in the case period were associated with a further increase in the odds of AMI (odds ratio, 3.05; 99 % CI, 2.29–4.07; P for interaction <0.001). Conclusions: Physical exertion and anger or emotional upset are triggers associated with first AMI in all regions of the world, in men and women, and in all age groups, with no significant effect modifiers."

Was für eine Bauchlandung!

Meines Erachtens belegen diese Zahlen etwas ganz anderes: Mit einem akuten Myokardinfarkt müssen wir bei unseren Patienten in bestimmten Alters- und Risiko-Gruppen immer rechnen. Völlig unabhängig davon, ob schwere körperlichen Anstrengungen bzw. Zorn/Ärger/Wut oder emotionale Aufgebrachtheit innerhalb einer Stunde vor Symptombeginn vorgelegen haben oder nicht.

Bildquelle: Herz mit Perikardverkalkung/Pathologie M-Schwabing Foto © Praxis Dr. Schätzler

Außenbild: Carol, flickr, CC-BY

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.11.2016.

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Kollege Kadel, Sie scheinen immer noch etwas zu verwechseln: Mein Blog bezog sich auf http://circ.ahajournals.org/content/134/15/1059 - und nicht auf http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(04)17018-9 wie Sie als #17 anführen. Und wenn Sie sich nicht anmelden, bleiben Sie bei DocCheck immer "Anonymer Nutzer" - das ist doch kein Geheimnis! Niemand, außer Ihnen selbst, hat übrigens in dieser Blog-Diskussion jemals den Begriff "Verschwörungstheorie" aufgeworfen. MfG
#18 am 18.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  3
Gast
Um ein Missverständnis auszuräumen: Die INTERHEART-Studie schloss 15152 Infarktpatienten und 14820 Kontrollpatienten ein. Die Originalpublikation ist m. W. folgende: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(04)17018-9 . In die hier diskutierte Auswertung wurden 12.461 Infarktpatienten eingeschlossen. Warum nicht der Rest? Ist das nicht ein schöner Ansatz für die nächste Verschwörungstheorie? PS: Beim nochmaligen Aufrufen und Bearbeiten springt "Kommentieren als" auf Anonymer Nutzer, und das kann ich auch nicht ändern - Verschwörung! C. Kadel
#17 am 17.11.2016 (editiert) von Gast
  6
Sorry - stimmt einfach nicht. Es wurden nicht erfinderisch-kreativ Birnen mit Äpfeln verglichen, sondern ok:12.461 Infarktpatienten. Jeder diente als seine eigene Kontrolle, erfasst wurde Belastung ja/nein in der Stunde vor dem Infarkt (da hat die Belastung den Infarkt möglw. getriggert) und Belastung ja/nein in der gleichen Stunde am Vortag (da hat die Belastung den Infarkt beim gleichen Patienten nicht getriggert). Nicht jede Belastung triggert einen Infarkt bei einem sicherlich auch schon am Vortag kranken Patienten, aber einen gewissen Anteil haben Belastungen als Trigger eines Infarkts schon - Binsenweisheit. Hier haben die Autoren diesen Anteil versucht mit epidemiolog. Methoden zu quantifizieren.
#16 am 17.11.2016 von Dr. med. Christoph Kadel (Arzt)
  6
Herr Kollege Dr. med. Christoph Kadel (Arzt) #14, es geht nicht um 15.000, nicht um 14.000, auch nicht um 13.000 Infarktpatienten, sondern um genau "12.461 cases of AMI". Genau diese wurden, wie in der Studienpopulation beschrieben, mit einer zumindest alters- und geschlechtsentsprechenden 'matched pair control' verglichen, welche k e i n e Vorgeschichte mit Herzkrankheit oder anstrengungsbedingtem Brustschmerz hatte ["...addition to at least 1 age- and sex-matched control without a history of heart disease or exertional chest pain"]. Damit wurden erfinderisch-kreativ wieder einmal Birnen mit Äpfeln verglichen. Vorsichtig von Ihnen selbst ausgedrückt: "Die Resultate sind für die Praxis nicht unmittelbar nützlich"!
#15 am 17.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  6
Um es nochmals deutlich zu sagen: Es geht um das Risiko in der untersuchten (!) Population, nicht um die Gesamtbevölkerung. Natürlich ist Sinn der Sache, aus dem Risiko, welches in der Population von 15000 Infarktpatienten ermittelt wurde, Rückschlüsse auf die das Risiko in der Gesamtbevölkerung zu ziehen. Im Blog wird aber falsch behauptet, die Autoren hätten einfach mal ein Risko in der Gesamtbevölkerung erfunden, und da versteht Dr. Schätzler die Publikation offensichtlich immer noch nicht.
#14 am 17.11.2016 von Dr. med. Christoph Kadel (Arzt)
  8
@#8 Gast: Sollte bei Ihnen durch meinen Kommentar #2 der Eindruck entstanden sein, ich möchte den Verantwortlichen der INTERHEART-Studie bewusste Datenmanipulation unterstellen, entschuldige ich mich dafür. Der Kommentar war vielleicht an dieser Stelle unglücklich gewählt. Ihr Einwand wäre aber seriöser, wenn Sie sich nicht als anonymer Gast versteckt und Ihr Monitum nicht an ein entpersonifiziertes "Dr. rer. nat." adressiert hätten. Ich stehe mit meinem Namen zu meiner Meinung oder halte mich heraus, wenn mir das Rückgrat fehlt.
#13 am 17.11.2016 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
  3
Traurig, dass von einigen (bevorzugt anonym) jede Diskussion genutzt wird, persönliche Animositäten auszutragen. Zur Sache: Abgesehen davon, dass es immer schwierig ist von epidem.. Zusammenhängen auf Kausalitäten zu schließen, werden in dieser Studie, die Trigger "heavy physikal activity", "anger" etc. in keiner Weise quantifiziert. Was bedeutet "schwere körperliche Aktivität" - ein Marathon od. Gartenarbeit? Da fehlen validen Daten- die "Probanden" wurden lediglich befragt (“Were you engaged in heavy physical exertion?” and “Were you angry or emotionally upset?). Auch andere wesentliche Faktoren wurden nur als Berichte der Studienteilnehmer eruiert : "Medical history (diabetes mellitus, hypertension, angina, stroke, other vascular disease, and depression) and baseline medications were self-reported. Smoking was categorized as never smoking, former smoking [..], or current smoking." Gerade beim Rauchen wir aus Scham viel geschummelt. Sehr aussagekräftig erscheint die Studie nicht.
#12 am 17.11.2016 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
  4
Gast
die Qualität der Studie kann ich nicht beurteilen. Während der 11 Jahre die ich als Krankenschwester auf einer Intensivstation gearbeitet habe, ist mir das Phänomen allerdings auffallend oft begegnet. Das ist natürlich nicht doppelblind.
#11 am 17.11.2016 von Gast
  0
Gast
@ # 8: Das geht mir bei den Blog-Beiträgen vom "Allgemeinarzt von nebenan" auch immer so - zum Glück gibt es aber auch noch andere! @ #7: Dr. Schätzler will das auch gar nicht verstehen, sondern mal wieder - wie auch in vielen anderen Beiträgen - nur polemisieren, und das dann v.a. bei anderen kritisieren (siehe # 6)
#10 am 17.11.2016 von Gast
  12
INTERHEART ist kein Religionsersatz. "The Population Attributable Risk (or Population Attributable Fraction) indicates the number (or proportion) of cases that would not occur in a population if the factor were eliminated (e.g. how many lives would be saved if people no longer smoked?)" https://www.med.uottawa.ca/sim/data/PAR_e.htm ist selbstverständlich "das bevölkerungsbezogene Risiko", what else? Berechnet nach "The attributable risk in a population depends on the prevalence of the risk factor and the strength... The formula is PAR = Pe (RRe-1) / [1 + Pe (RRe-1)]" - Es bleibt dabei: 12.461 Fällen mit akutem Myokardinfarkt (AMI) wiesen nur in 13,6 % schwere körperliche Anstrengungen innerhalb einer Stunde vor Symptombeginn auf. In 86,4 % nicht. 12.461 Fällen mit akutem Myokardinfarkt (AMI) wiesen in 14,4 % Zorn/Ärger/Wut oder emotionale Aufgebrachtheit innerhalb einer Stunde vor Symptombeginn auf. In 85,6 % nicht. Quod erat demonstrandum.
#9 am 16.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  9
Gast
...dies ist meine erste Erfahrung mit Doccheck und möglicherweise auch meine letzte, denn ein solcher Blogbeitrag wirkt auf mich unwissenschaftlich, selbstgerecht und überheblich und der dazugehörige Kommentar eines Dr. rer. nat. erschreckend unkritisch. Sorry für diese offenen Worte.
#8 am 16.11.2016 (editiert) von Gast
  11
INTERHEART ist eine solide epidemiologische Untersuchung, in der 15000 Patienten mit einem Myokardinfarkt mit 15000 gematchten Patienten ohne Infarkt verglichen wurden. Diese Daten wurden hier mit der wissenschaftlich legitimen Frage untersucht, welchen Beitrag kürzlich vorausgegangene Anstrengungen oder Angst/Wut an einem akuten Myokardinfarkt haben. Leider versteht Dr. Schätzler die wissenschaftl. Terminologie nicht und postuliert gefakte Vergleichsgruppen, frei erfundene Zahlen, Sensationalismus ua. "Population attributable risk" ist nicht das bevölkerungsbezogene Risiko, sondern der Prozentsatz, den Anstrengungen/Wut in der untersuchten Population von Infarktpatienten unter Berücksichtigung der Vergleichsgruppe am Infarktrisiko haben: "population attributable risk" googeln! Die Resultate sind für die Praxis nicht unmittelbar nützlich, aber das ist kein Grund, über eine Studie her zu ziehen, sie lächerlich zu machen und den Autoren unlautere Motive und Methoden zu unterstellen.
#7 am 16.11.2016 von Christoph Kadel (Arzt)
  12
Bleiben Sie doch bei den Fakten, anonymer Gast #5! Von Ihrem sinnfrei-abwegigen "Lungenkarzinom", "Rauchen", "Leberzirrhose", "Alkoholiker", "Gurt und Airbag" war und ist in meinem Blog nirgends die Rede gewesen. Sparen Sie sich bitte Ihre Polemik, und erzählen Sie, was Sie selbst glauben, über akute Herzinfarkt Ursachen zu wissen? Dann sehen wir weiter!
#6 am 16.11.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  10
Gast
@#4 Ein Lungenkarzinom gibt es auch ohne Rauchen. Und eine Leberzirrhose ohne dass man Alkoholiker ist. Ebenso gibt es auch tödliche Unfälle mit Gurt und Airbag. Am besten also weiterrauchen und saufen und ohne Gurt Autofahren, bringt ja sowieso nichts. Fällt Ihnen was auf?
#5 am 16.11.2016 von Gast
  12
Gast
#3 Gast - Danke für die "differenzierte Rechnung", die meinen Blogbeitrag bestätigt: Herzinfarkt gibt es eben auch ohne körperlicher Anstrengung bzw. Zorn/Ärger/Wut
#4 am 16.11.2016 (editiert) von Gast
  8
Gast
Die Zahlen sind so oder so ohne Aussage. Wir wissen nicht, wieviele Menschen einer randomisierten Gruppe nach einem Zornanfall einen Infarkt bekommen. Angenommen: Blieben 98 % einer randomisierten Gruppe nach einem Zornanfall ohne Herzinfarkt (also 2% bekämen einen) , dann hätten die 14 Prozent Zorn-Infarktpatienten immer noch ein 7-fach erhöhtes Risiko gehabt.
#3 am 16.11.2016 von Gast
  5
Was in den Geisteswissenschaften als "copy and paste" schon einigen "Doctores" zum Verhängnis wurde, ist in den Naturwissenschaften das Vorformulieren von Studienergebnissen und "Kreieren" dazu passender Daten. "Corriger la fortune!"
#2 am 16.11.2016 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
  6
Gast
Louis Pasteur : The greatest derangement of the mind is to believe in something because one wishes it to be so.
#1 am 15.11.2016 von Gast
  7
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