Eine Verlegung. Eine WICHTIGE Verlegung.

12.11.2016
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Einmal da war ich der Wochenenddienst und musste auf Intensivstation mithelfen. „Und dann veranlassen sie noch Frau Ampzells Verlegung in die Uniklinik rechts von Beteigeuze“, sagte mein Oberarzt mit sonorer Stimme. „Frau Ampzell ist da schon angemeldet. Station Doppel Z, Gebäude 4. Ergänzen sie den Verlegungsbrief ihrer Kollegin und organisieren sie die Fahrt!“

Zack, ließ er mich alleine, der Oberarzt.
 Als Anfängerarzt hängt man nun nicht so oft auf der Intensivstation ab und fühlt sich da auch nur so mittelprofessionell, aber die Verlegung würde ich schon hinkriegen.

Ich kritzelte noch etwas im Verlegungsbrief herum und rief dann motiviert die Leitstelle an: „Ich wolle heute eine Patientin mit Intensivtransport und Notarzt in die Uniklinik rechts von Beteigeuze verlegen lassen, Station Doppel Z, Gebäude 4.“ – „Hmhm“, sagte die Leitstelle, „mit Notarzt?!“


„Jop!“ – „Also Sie wissen ja, es ist Wochenende ...“ – „Jaaaa?“

„Es gibt gerade nur einen Notarzt in der Gegend. Wenn wir den nun mitschicken, dann gibt es hier keinen Notarzt mehr.“ – „Ernsthaft?!“

„Aber“, sagte der Leitstellenmensch nun erfreut, „warum verlegen Sie ihre Patientin nicht einfach mit dem Hubschrauber?!“

„Ja neee, das ist zwar eine Notfallverlegung, aber keine Notfall-Notfall-Verlegung.“ – „Aber der einzige Notarzt hier ist beschäftigt!“

Unsicher, ob ich jetzt tatsächlich einen Hubschrauber herbeiordern oder doch lieber die Notfallversorgung der Region für einige Stunden lahmlegen sollte, fragte ich bei meinem Oberarzt nach. „NEIN! DAS IST VIEL ZU TEUER!“, rief der Oberarzt in sein Telefon.

„Gar nicht wahr“, sagte die Leitstelle, „nur ein bisschen teurer. Und denken Sie an den einzigen Notarzt!“ – 
„Jaaaa, okay“, sagte mein Oberarzt.

„Juhu!“, erklärte die Leitstelle, „also wie heißt die Patientin? Wo soll sie hin? Wie schwer ist sie?“

„Keine Ahnung, wie schwer sie ist“, sagte ich und blätterte mich durch alle Akten. Dort wurde das Gewicht der Patientin konsequent verschwiegen.

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Dann ging ich nochmal rein zur Patientin und schaute ungutes ahnend auf deren Körper, der sich berggleich unter der Decke wölbte. Dann fragte ich die Schwester, ob wir die Patientin wiegen könnten. „Spinnst du?!“, sagte die Schwester. Ich stimmte ihr zu. Die Patientin befand sich aktuell in einem kartoffelsackähnlichen bewusstlosen Zustand.

Wir beschlossen zu schätzen: „Hm, was meinst du, Schwester, eher so mehr oder weniger als 120 kg?“ – „Mehr, definitiv mehr.“

„Naja“, sagte da die Leitstelle enttäuscht. Das wäre dann definitiv zu schwer für den Hubschrauber. Dann besorgte sie mir resigniert einen weiteren Notarzt, sodass meine Patientin verlegt werden konnte, sogar ohne die restliche Notfallversorgung in Beteigeuze lahmzulegen.

Zum Blog.

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.11.2016.

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#17 am 19.11.2016 von Dr. Josef Emhofer (Arzt)
  0
Jetzt weiß ich warum meine PkV so teuer ist...
#16 am 17.11.2016 von HP Florian Hoffmann (Heilpraktiker)
  1
@#15 ??? Bsc.Msc.Doktorand...und wie sollen der Notarzt, der Pilot oder HEMS-TC das machen ? Soll vielleicht einer aussteigen oder in einer radikal Kur 20 Kg in 10 min. abnehmen ? Tut mir leid, aber irgendwie ein ziemlich undurchdachtes Kommentar ! @#13 ...deswegen steht ja auch auf dem Hubschrauber Notarzt drauf und wo Notarzt drauf steht ist auch Notarzt drin :-)
#15 am 17.11.2016 von Marco Biamino (Sonstige)
  1
Bsc.Msc.Doktorand
Wenn der Pat. zu schwer ist (aber durch den Tunnel passt) das hald Notarzt und Pilot wett machen, dann stimmt das Gesamtgewicht wieder...
#14 am 17.11.2016 von Bsc.Msc.Doktorand (Gast)
  6
Gast
In jedem Rettungshubschrauber hier in Deutschland fliegt auch ein Notarzt mit.
#13 am 17.11.2016 von Gast
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Gast 11
Fortsetzung:...die sie jederzeit zu stundenlangen Ausseneinsätzen wegschicken können, gibt es gute Gründe für die Zusatzausbildung zum Notarzt. Das kann nicht jeder Anfänger! Gerade ein Kind mit Verbrennungen oder ein Polytraumapatient sollte auf jeden Fall von einem erfahrenen Notarzt begleitet werden. Und es gäbe auch genügend Kapazitäten um das zu ermöglichen wenn nicht ständig die Notärzte zu überflüssigen Einsätzen wegen irgendwelcher Lappalien ausrücken müssten... wofür manche Leute heutzutage den Rettungsdienst oder Notarzt anfordern ist echt nicht mehr feierlich (..."hatte kein Geld fürs Taxi", "hab mir den Fuß gestoßen", "hatte seit 3 Tagen keinen Stuhlgang", "hab eine Flasche Wein getrunken, jetzt ist mir schlecht", "hab seit 6 Wochen Rückenschmerzen und niemanden, der mich fährt"...) aber das ist wiederrum ein anderes Thema.
#12 am 17.11.2016 von Gast 11 (Gast)
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Gast
Eine Pauschalaussage welcher Transport der richtige ist kann man nicht treffen. Das hängt immer vom Patienten und den Ressourcen ab. Wenn ein Heli über eine Stunde braucht im vor Ort zu sein, dann schafft man 60km auf der Landstraße womöglich mit einem sofort verfügbaren RTW schneller. Es gibt nur eine überschaubare Anzahl von Situationen in denen die Prämisse gilt: "Egal wie, hauptsache so schnell wie möglich!". Der Rest der Patienten profitiert weniger von Geschwindigkeit als von einer adäquaten Stabilisierung vor und während des Transportes, auch wenn das bedeutet dass es länger dauert, bis man die Zielklinik erreicht. Das heisst man sollte keinesfalls den Transport nicht überstützen und dann einen Anfänger (!) mitschicken. Mal abgesehen davon dass "Klinikkonzerne" heutzutage ums Überleben kämpfen, weil sie von einem kranken System ausgeblutet werden (anderes Thema..) und es sich nicht leisten können überflüssige Ärzte vorrätig zu halten.... Fortsetzung folgt
#11 am 17.11.2016 von Gast
  0
Gast
Ich musste bei einer Patientin mal einen Schwerlasttransport bestellen. Das macht die Feuerwehr bei uns. Ich glaube es war weniger das Gewicht (ca. 180 kg), aber sie war sehr klein und die Sanitäter hatte keine Liege die brait genug war auf der sie transportiert werden konnte. Also ist nicht nur das Gewicht sondern auch das "Format" wichtig.
#10 am 16.11.2016 von Gast
  0
Gast
@#8 natürlich müßen DRF, ADAC und Bundesministerium des Inneren Geld verdienen (ich denke auch Sie arbeiten nicht gratis), aber noch trauriger ist es das die großen Krankenhaus Konzern keine Ärzte zur Verfügung stellen, um die Patienten bei einer Verlegung im RTW zu begleiten. Das eine Verlegung nicht sinnvoll ist, würde ich Sie bitten den Eltern eines 4 Jährigem Kindes zu erzählen, das mit Verbrennungen in eine Spezial Klinik muß - die aber leider 200 km entfernt ist. Nicht alle Einsätze sind sinnvoll - siehe oben, aber in 80% der Fälle sind auch medizinisch indiziert. Oder wollen Sie ein Polytrauma 60 km über Landstraße fahren, um zu einem Maximal Versorger zu kommen ? Ich denke Sie sollten Ihre Aussage noch mal überdenken !
#9 am 16.11.2016 von Gast
  1
Fact ist doch, dass eine Verlegung mit RTH weder medizinisch indiziert noch logistisch in irgendeiner Weise sinnvoll wäre. Es geht hier nur ums Geschäft. Jeder Rettungshubschraubereinsatz bedeutet einen Profit für die Betreiber der RTH, sei es DRF, ADAC oder andere. Schade, dass man zu schwere Patienten nicht fliegen kann?
#8 am 16.11.2016 von Dr. med. Michael Scherer (Arzt)
  4
Frau Ampzells Verlegung wäre einfacher ohne Apostroph: https://de.wikipedia.org/wiki/Apostroph
#7 am 16.11.2016 von Dagmar Wolff (Studentin der Humanmedizin)
  9
@#3: Ihre Vorstellungskraft in allen Ehren, aber sie liegen falsch. Die in der Flugrettung häufig verwendete EC 135 kann nach Aussagen eines ärztlichen Kollegen aus der Flugrettung Patienten bis max. 130 Kg transportieren, wenn das Gewicht gut verteilt ist. Bei Patienten, die Kugeln gleichen, ist das Einladen bereits bei geringerem Gewicht oft nicht möglich. Im Übrigen ein wichtiger Punkt für Notärzte, wenn man den Einsatz eines RTH zum schneller/schonenderen Transport eines Patient in Erwägung zieht.
#6 am 16.11.2016 von Michael Riediger (Arzt)
  0
Gast
...hier geht's weiter.... Wenn ein Hubschrauber für einen Transport benötigt wird (wirklich benötigt wird, und nicht nur weil grade kein Arzt aus dem abgebenden Krankenhaus einen bodengebundenen Transport begleiten kann oder will !!!) ist es ENORM WICHTIG das das Gewicht vom Patienten genau ist und nicht über den Daumen gepeilt. Im schlimmsten Fall kommt der Hubschrauber und fliegt ohne Patient wieder weg !!!
#5 am 16.11.2016 von Gast
  0
Gast
Die Tragen der Hubschrauber sind bis zu 120/130 Kg ausgelegt - natürlich versucht man alles um den/ die Patient/in zu transportieren. Aber das Argument der/die Patient/in passen nicht durch den "Tunnel" beim Einladen, steht natürlich auch im Raum zB. Patient 185 cm 100 kg = kein Problem - Patient 160 cm 100 kg = wahrscheinlich sehr große Probleme. Im Sommer sind die Gewichtsprobleme noch schwerwiegender - hängt mit Motorleistung, Zuladung, Luftdichte, Temperatur usw. zusammen. 160 Kg sind definitiv nichts für den Hubschrauber und es gibt in Deutschland (gab es sind aber mittlerweile außer Dienst) keine Hubschrauber die so eine Patienten transportieren können. ...folgt noch was...
#4 am 16.11.2016 von Gast
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Gast
Ich glaub ja alles, aber dass ein Hubschrauber geschätztes Übergewicht von definitiv ca 60kg mehr als ein Normalbürger in unserer überernährten Gesellschaft nicht transportieren kann, das kann ich mir nicht vorstellen. Oder liegts an dem "berggleichen" Umfang, der einfach die Einschubmaße des Helis überschreitet? Das habe ich selbst nur einmal erlebt - da kamen zwei Krankenwagen (wegen der 4 tragenden Sanitäter), die Wohnungstür mußte ausgehangen werden und das Transportfahrzeug ging bedenklich in die Knie. Aber das ist lange her, da flogen auch noch keine Helis.
#3 am 16.11.2016 von Gast
  1
Gast
Heisst das, das man in Notfällen keinen Patienten mit 160 kg per Hubschrauber verlegen kann oder muss da ein besonderer Hubschrauber angefordert werden?
#2 am 16.11.2016 von Gast
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Sehr schön :D.
#1 am 13.11.2016 von Christian Becker (Apotheker)
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