PTA - wie lange gibt es uns noch?

11.11.2016
Teilen

Ich habe bereits Anfang des Jahres davon gehört, dass der PTA Beruf in Polen nicht mehr ausgebildet wird, da es laut EU- Richtlinien zu viele Überschneidungen der akademischen Berufe (Apotheker) mit den nichtakademischen Berufsbildern gibt.

Es ist natürlich hart, so etwas zu lesen – passt aber irgendwie zu dem, was in verschiedenen Köpfen wohl auch hierzulande herumspukt.

Österreich hat ja ebenfalls in ein ähnliches Horn geblasen und mit dem Bachelor/Master-Pharmaziestudiengang einen „Apotheker light“ erschaffen. PTA gibt es in diesem Nachbarland ja keine, daher kommt der neue Beruf wohl wie gerufen.

Viel Schule für wenig Geld

Noch haben die Apothekerkammern ihre Forderung durchgedrückt, dass die „Bachelor-Pharmazeuten“ nicht in öffentlichen Apotheken arbeiten dürfen, aber wer weiß schon, wie lange sich das halten lässt.

Hierzulande würde die Standesvertretung gerne die Ausbildungszeit für PTA auf drei Jahre anheben. Aber seien wir mal realistisch: Welche junge Frau* möchte wirklich so lange (ohne Vergütung, ja teilweise mit einer monatlichen Belastung von gut 400 € Schulgeld) in die Schule gehen, um danach in einem minderwertig vergüteten Beruf (Einstiegsgehalt unter 2.000 €) zu arbeiten?

Das PTA-Paradoxon

Dann doch lieber studieren. Das sind dann fünf Jahre, okay, aber nach vier Jahren bekommt man ja bereits ein Gehalt als Praktikant. Also quasi nur ein Jahr mehr in die „Schule“ (die aber kostenlos), dafür hat man dann ein Leben lang ein gutes Einkommen.

Die ADEXA hält dagegen, dass PTA mit einer längeren Schulzeit dann eben auch besser entlohnt werden müssen, nur wo soll das Geld denn herkommen? Es ist ein Paradoxon, dass PTA zwar überall gesucht, aber zum Teil trotzdem nur mit einem untertariflichen Gehalt entlohnt werden.

Zu glauben, dass Apothekeninhaber plötzlich mehr Geld in den Taschen haben, nur weil die PTAen länger in die Schule gehen, ist weltfremd. Dass sich der Staat stärker für eine kostenlose Ausbildung des Nachwuchses ins Zeug legt im Übrigen auch. Das Gegenteil ist doch zur Zeit der Fall, manche Schulen existieren doch nur noch, weil Apotheker diese mitfinanzieren!

Eine aussterbende Spezies?

Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass es hier irgendwann auch so kommt wie in Polen. Hoffentlich gibt es dann für uns „Alt-PTA“ wenigstens die Möglichkeit mittels Extrasemestern oder Prüfungen auf den Bachelor „aufzustocken“. Aber das ist alles eher Zukunftsmusik. Der Frust ist durch die Stolpersteine, die uns von der Politik und den Krankenkassen in den Weg gelegt werden, ohnehin so groß, dass viele die Apotheken in den nächsten Jahren verlassen wollen.

Liebe Apothekenleiter, wenn ihr noch motivierte PTA habt, behandelt sie gut, es sind vielleicht bald die letzten ihrer Art.

(* zwar gibt es theoretisch auch Männer in diesem Berufsfeld, tatsächlich machen Frauen aber 98,5 Prozent der Pharmazeutisch-technischen Assistenten aus)

 

Bildquelle: Jeff Kubina, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.11.2016.

131 Wertungen (1.82 ø)
3420 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
Bravo!
#16 am 17.11.2016 von Gast
  11
Gast
Es ist ein wenig wie bei Game of Thrones: Der König gleich Apotheker scheißt und die Hand gleich PTA wischt ab. Die Kollegin Ketzer-PTA traut sich auszusprechen was viele andere zwar schon seit Jahren denken, sich aber nicht trauen zu sagen. Meine Unterstützung hat sie!
#15 am 17.11.2016 von Gast
  6
haben sollten, ist es immer noch gewagt, sich als PTA mit ganz anderem Ausbildungsschwerpunkt auf Augenhöhe mit allen Apothekern zu sehen. Apotheker sind leider nicht immer befähigt, Protokolle freizugeben, aber befugt. Damit übernimmt der Apotheker aber auch die Verantwortung. Das könnte vielleicht anders geregelt werden. Vielleicht sollte man einen Ausbildungsberuf draus machen: PTA (Geselle) → PTA (Meister) darf dann eine eigene Apotheke aufmachen.
#14 am 17.11.2016 von Christian Becker (Apotheker)
  12
Sehr geehrte(r) Ketzer-PTA, ich halte mich nicht für etwas Besseres (bin übrigens Pharmazeut im Praktikum und damit kein Student mehr), was die PTAs, mit denen ich gearbeitet habe, sicherlich bestätigen würden. Es ist aber zu bezweifeln, dass Sie jedem Apotheker in Pharmakologie das Wasser reichen können. Es gibt sicherlich einige (ich hab ja einige selbst im Studium erlebt), die da nicht mehr so die Ahnung haben. Aber gerade viele Krankenhausapotheker (aber nicht nur die), haben sehr viel Ahnung. Dass das in Ihrer Erfahrung anders ist, mag sein. Davon aber auf ALLE Apotheker zu schließen ist einfach nur Selbstüberschätzung. Und ich bin NICHT (fast) Apotheker, WEIL ich das meine, sondern ich meine das, weil ich Pharmazie studiert habe und ich weiß, dass es da neben den Leuten, die gerade so durchkommen, auch solche sind, die wirklich viel Ahnung haben und auch nach dem Studium weiter daran arbeiten. Apotheker sind nicht nur Offizin-Apotheker -und selbst, wenn Sie nur die gemeint
#13 am 17.11.2016 von Christian Becker (Apotheker)
  9
Ketzer-PTA
Mir ist sehr wohl bewusst, dass meine Meinung und meine Erfahrungen polarisieren und das sollen sie auch. Im Laufe meiner Jahre habe ich so viele PTAs kennen gelernt, denen es sehr ähnlich geht wie mir. Zum Thema Verantwortung: Da haben Sie recht, da muss was geändert werden! Die PTAs sollen mehr Verantwortung bekommen, mit besserem Gehalt und Aufstiegschancen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass das im krassen Gegensatz zu dem steht, was die Politik und vor allem die Apothekerschaft will. Was befähigt einen Apotheker, ein Herstellungsprotokoll zu unterschreiben und "freizugeben" (ein Unwort, wie ich finde!)? Analysenkochen im Labor und Strukturformeln auswendig lernen? Nichts von alledem, er wird aber trotzdem dazu ermächtigt, per Approbation (genauso wie zum Führen von Mitarbeitern, ebenso ein Unding. Viele sind emotional so blind wie ein Becherglas). Warum sollte das nach entsprechender Fortbildung nicht auch für PTAs möglich sein? Oder trauen Sie uns das nicht zu?
#12 am 16.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
  8
Ketzer-PTA
Erneut hallo, guter Herr Kollege Becker. Zum einen bedanke ich mich herzlich für Ihren Beitrag, enthält er doch, wenn auch nur versteckt, diese bestimmte Prise "Apotheker-Arroganz" und dabei sind Sie noch Student! Respekt. Zu erkennen ist das u.a daran, dass Sie einen direkten Vergleich zwischen HP-Arzt und PTA-Apotheker ziehen-ähm, hallo? Da gibt es keine Gemeinsamkeiten, außer dass Sie sich bereits als etwas besseres betrachten, warum auch immer (Zitat: "Dass Sie _jedem_ Apotheker das Wasser reichen können, das halte ich für übertrieben"", natürlich tuen Sie das, sonst wären Sie kein Apotheker!). Nehmen Sie es mir nicht böse, abernach fast zwanzig Jahren Apotheke und etwa genauso vielen Apotheken weiß ich, wie der Hase läuft. Darum geht es eigentlich auch nicht, aber es ist gut zu sehen und unterstützt meine Meinung, dass sich der Apotheker, auch wenn er noch nicht fertig ist, als etwas besseres sieht als die PTAs. Danke, Herr "Kollege"!
#11 am 16.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
  9
und weiter: In der Industrie hat man als Dr. (rer. nat.) ein besseres Einstiegsgehalt, obwohl man meist auf einer Stelle sitzt, die mit dem Dissertationsthema herzlich wenig zu tun hat. Das könnte auch jeder andere mit Studium aber ohne Dr. Man darf auch nicht vergessen, dass Apotheker immer die Verantwortung tragen für das, was die PTA so machen - wobei nach meiner bisher kurzen Erfahrung die PTA doch ziemlich selbständig arbeiten durften und nicht wie Menschen 2. Klasse behandelt wurden. Zum Studium: Wer als PTA Pharmazie studieren will und kein Abi hat, kann das an verschiedenen Unis tun - mit mehr oder weniger erschwertem Zugang. In Mainz z.B. gibt es sehr viele (mal abgesehen von den Abbrechern, die es aber unter PTA und "normalen" Studenten gibt), die als PTA und ohne Abi kommen und als Apotheker gehen. Was man auch nicht vergessen sollte: Das Pharmaziestudium ist nicht das Studium zum Apotheker, aber Apotheker brauchen ein Pharmaziestudium.
#10 am 16.11.2016 von Christian Becker (Apotheker)
  13
Lieber Gast (oder vermutlich liebe Gast), dieser Post ist ähnlich von Hybris geprägt wie die immer wieder auftauchenden Heilpraktiker, die meine, sie wären besser als die Ärzte. Liegt vielleicht einfach an der Wortwahl. Dass Sie sich in Pharmakologie umfangreich weitergebildet haben, ist begrüßenswert. Dass Sie _jedem_ Apotheker das Wasser reichen können, das halte ich für übertrieben - sicherlich haben Viele ihr Studienwissen zu mehr oder weniger großen Teilen vergessen und es ist gut möglich, dass Sie da mithalten können. Wenn das so ist, großartig! Das mit den Aufgaben in der Apotheke und PTAs ist so eine Sache. Möglicherweise können alle pharmazeutischen Tätigkeiten (bei der Rezeptur/ Defektur besteht da gar kein Zweifel) von PTAs besser oder gleichwertig ausgeführt werden. Nun ist es aber so geregelt, dass PTAs nicht alle diese Tätigkeiten ausführen dürfen, weil die Berechtigung dazu nun mal an ein Studium gekoppelt ist. Das ist in vielen Bereichen so.
#9 am 16.11.2016 von Christian Becker (Apotheker)
  19
Gast
Ich habe mich umfangreich in Pharmakologie weitergebildet und kann jedem Apotheker diesbezüglich das Wasser reichen, speziell wenn das Wissen jahrelang vergraben ist. De facto gibt es nicht eine einzige Aufgabe in der Apotheke, die von einer entsprechend fortgebildeten PTA nicht genauso gut oder besser ausgeführt werden könnte als von einem Apotheker. Korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege. Die Apotheker lernen viel, das stimmt schon. Aber das wenigste davon ist tatsächlich nützlich beim Belustigen von Senioren.
#8 am 15.11.2016 von Gast
  8
Gast
Ganz richtig ist das nicht. Auch als PTA müssen Sie, bevor Sie die Uni überhaupt betreten dürfen eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben und müssen sich dafür einem ausgewählten Professorenrat stellen. Ich hab diese Prüfung selbst gemacht und ich sage Ihnen: Das war die härteste Prüfung in meinem Leben gewesen.
#7 am 15.11.2016 von Gast
  0
Gast
Es ist richtig, dass die Einstiegsgehälter für PTAs gemessen an der Ausbildungszeit (und Schulgeld) zu niedrig sind. Aber die Gehälter für ang. Apotheker sind gemessen mit dem anderer Akademiker ebenfalls viel zu niedrig, halt typische Frauenarbeitsplätze. Und Aufstiegsmöglichkeiten für Apotheker gibt es auch nur sehr begrenzt- selbstständig machen oder eine Filiale leiten. Aber wenn die Arbeit einer PTA in einer Apotheke nicht gewürdigt wird, warum nicht eine andere Stelle suchen? PTAs sind immer noch sehr gefragt. Und in allen Apotheken, in denen ich bislang gearbeitet habe, gab es kein hierarchisches Gefälle, sondern kollegialer Umgang auf Augenhöhe. Und ja, es gibt Dinge, die können (allerdings nicht alle!) Apotheker auf Grund ihrer umfangreicheren Ausbildung (z.B. Stichwort Pharmakologie) doch besser. Und ein Pharmazie-Studium ist an vielen Unis auch für PTAs ohne Abi möglich!
#6 am 15.11.2016 von Gast
  18
Ketzer-PTA
Das ist völliger Quatsch, bitte lesen Sie sich die Zugangsberechtigungen der Länder und Unis noch einmal durch, Gast Nr.4. Es geht ums Prinzip, lassen Sie mich raten: Sie sind kein PTA? Das können Sie nicht sein, denn sonst wäre Ihre Reaktion anders. Sie verstehen nicht, um was es dem Berufsstand geht. Wir waren einmal wer und sollten zur rechten Hand des Apothekers werden (siehe Wikipedia, Grundlagen des PTA-Berufes), aber nun sind wir nichts mehr als billige Handlanger. Ausserdem sind wir staatlich examiniertes Fachpersonal, allein das sollte ausreichen, um studieren zu können. Die Inhalte des Ausbildung sind komplexer als das Abitur. Es geht um eine allgemeine Ungleichbehandlung eines an sich schönen Berufsstandes.
#5 am 15.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
  10
Gast
Man kann halt nicht eine Ausbildung zum PT-Assistent machen und sich dann beschweren dass man nur Assistent ist und ein Apotheker die Aufsicht hat. In Deutschland kann jeder studieren, und das auch ohne Geld zu haben. Die Semestergebühren liegen an unseren Unis so bei 50-70€/Monat, den Rest zahlt der Staat. Das nötige Abitur ist auch keine unüberwindbare Hürde, kann zur Not auch in Abendschulen nachgeholt werden. Wer also höherqualifizierte Arbeiten übernehmen, Aufstiegschancen nutzen und entsprechend auch besser verdienen will, soll doch einfach studieren, wo ist denn da das Problem?
#4 am 15.11.2016 von Gast
  24
Ketzer-PTA
Und ausserdem: Sie wollen Auftstiegsmöglichkeiten? Sie, als PTA? Das ist blasphemische Ketzerei! Es gibt nur den Apotheker. Danach lange nichts und dann kommen erst wir, als günstiges Handlangerpersonal, das wie niedliche Hündchen oder Kleinkinder nur unter Aufsicht arbeiten darf.Was Sie verlangen, würde unseren Berufsstand noch näher an die Apotheker heranbringen, mit entsprechenden Lohnvorstellungen (da schauderts die Apotheker, mehr Gehalt, undenkbar!). Und da wundern Sie sich noch? Die vorherigen beiden Posts stammen auch von mir.
#3 am 15.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
  12
Gast
Es ist dringend an der zeit, dass sich etwas ändert. Schon heute rate ich DRINGENDST dazu, die Apotheke als PTA zu meiden. man wird schlecht behandelt, schlecht bezahlt und zu allem Überfluss gibt es keine Weiterbildungen, die wirklich etwas bringen. Man kann sich weiterbilden, aber das gibt vielleicht im besten Falle 5€ brutto mehr im Monat und hat tausende Euro gekostet. Siehe dazu bitte auch meine anderen Kommentare, die leider zerissen wurden, obwohl sie der Wahrheit entsprachen. http://news.doccheck.com/de/143217/fachkraeftemangel-die-apo-kalypse/?utm_source=www.doccheck.com&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch
#2 am 15.11.2016 von Gast
  7
Gast
Hallo Frau Kollegin, die Probleme sind hauptsächlich selbst und hausgemacht, speziell von den Apothekern. Und ja, spätestens nach der letzten Novellierung der Gesetze sind wir PTAs am letzten Punkt angekommen und hart aufgeschlagen: Man hält uns künstlich dumm und klein. Mal ganz ehrlich: Kennen Sie irgendeine Tätigkeit, die von einer guten, weitergebildeten PTA nicht genauso gut und pharmazeutisch korrekt ausgeführt werden kann wie von einem Apotheker?
#1 am 15.11.2016 von Gast
  7
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
In der letzten PZ fand sich unter anderem diese Anzeige: „Älterer Apotheker ‚Alte Schule‘, selbst Inhaber, mehr...
Es fing eigentlich ganz harmlos an. Eine Kundin brachte uns ein Rezept über ein Medikament, das zur Zeit nicht mehr...
Am Samstag war eine Dame zu Besuch bei uns, die wissen wollte, ob wir Schwierigkeiten durch die Internet-Apotheken mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: