„Aut idem“ und Mitleid aus der Industrie

09.11.2016
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Kunde: „Hallo! Können Sie mir das hier bitte bestellen?“ – PTAchen: „Gerne. Gibt es einen Grund, warum bei allen sechs Packungen jeweils nur die kleinste Größe verordnet wurde?“ – Kunde: „Ja, ich komme aus der Klinik und soll die alle neu nehmen. Wir schauen erst mal, ob ich die vertrage.“

PTAchen: „Ich sehe gerade, der Blutdrucksenker der Firma X ist aktuell nicht lieferbar. Aber von der Firma Y wäre er zu bekommen ...“

Kunde: „Nein, nein, nein! Ich habe extra darauf bestanden, dass die Arzthelferin überall Aut-idem-Kreuzemacht. Es war mir klar, dass sie wieder was Anderes verkaufen wollen, aber nicht mit mir! Der Arzt hatte bestimmt einen Grund, mir ausgerechnet diese Firma aufzuschreiben!“

Ich denke mir: „Ja, er hatte vermutlich den Grund, dass diese Firma im Alphabet ganz vorne steht und er nicht lange rumscrollen muss“, sage aber: „Dann frage ich schnell mal bei der Firma X an, ab wann die Blutdrucksenker wieder zu bekommen sind, ja?“

Der Mitarbeiter hat Mitleid mit mir

Es folgen fünf Minuten in der Warteschleife plus zweimaliges Erklären plus Weiterleiten. PTAchen: „Was? Im Februar wird erst wieder ausgeliefert?“

Der Kunde dazwischen: „Das geht GARNICHT! Ich BRAUCHE das! Hören Sie! Ich BRAUCHE das! Der Arzt hat ja nicht umsonst genau diese Firma aufgeschrieben!“

Der Mitarbeiter der Firma X hört das und hat Mitleid mit mir. PTAchen: „Ach, Sie haben noch ein kleines Kontingent an Großpackungen? Ich habe leider nur ein Rezept über die N1. Ich erbitte dann ein neues Rezept vom Arzt. Können Sie mir nochmal Ihren Namen und die Durchwahl nennen?“

Ich lege auf und rufe bei der Praxis an: „Hallo Frau PTAchen! Praxis Kreuz hier. Lassen Sie mich raten? Es gibt Probleme mit den ganzen Aut-idem-Kreuzen für Herrn Z.?“

Ich erkläre die Sachlage. Die nette MFA erklärt sich bereit, ein Rezept über N3 auszustellen.

Und weiter telefonieren ...

Erneuter Anruf bei Firma X. PTAchen: „Hallo! Da bin ich wieder. Ich habe jetzt eine neue Verordnung über N3. Könnten Sie mir bitte zwei von den Großpackungen bestellen? Sonst kommen wir bis Februar nicht damit aus. Ach ... Sie dürfen nur Einzelpackungen rausschicken?“

Der Kunde schreit Zeter und Mordio im Hintergrund: „Das können die doch nicht machen! Ich BRAUCHE das doch!“

Die Angestellte der Firma X bekommt alles mit: „Schwerer Kunde, was? Mhm, ich habe auch mal in der Apotheke gearbeitet – nie mehr! Ich schicke Ihnen zwei Packungen, ja? Das sollte reichen bis Februar.“

PTAchen: „Ganz lieben Dank. Sie sind ein Engel.“

Zum Glück für die Kunden sind wir eben keine „Schubladenzieher“, auch wenn das für uns manchmal anstrengend ist.

 

Bildquelle: killin, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2016.

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Pharmazie
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Gast
Auch wenn die Ausführungen immer übertrieben dargestellt werden....etwas Wahrheit verbirgt sich doch auch dahinter.Insofern kann ich über die Beiträge von PTAchen meistens schmunzeln.Aber...gehört es nicht auch zu dem Aufgabengebiet einer Apotheke,dem Kunden seine Ängste und Sorgen zu minimieren...natürlich im Zusammenhang mit seinen Arzneimitteln.Und einfach kann jeder,auch die ausländische Versandapotheke.Ich sehe es als Herausforderung für uns.Natürlich möchte ich auch Kunden,die ohne diesen erhöhten Aufwand bedient werden können,aber die gibt es doch in jeder Apotheke.Erfreuen Sie sich an den erfreulichen Dingen/Patienten,lassen Sie die negativen nicht den Arbeitsalltag bestimmen.Das ist nicht immer einfach...ich weiß.
#4 am 07.12.2016 von Gast
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Apo
Wie kommt eigentlich der betreffende Arzt auf die 'Indikation', in diesem Fall aut idem-Kreuze zu setzen? Letztlich spart er sich Zeit und Nerven, die dann in der Apotheke doppelt und dreifach strapaziert werden. Und dem Patienten ermöglicht er damit eine neue Horrorstory über die herzlose Pharmamafia. (Wobei dieser Typ Mensch vermutlich immer was hat, um Zeter und Mordio zu brüllen) Mich ärgert es sehr, dass diese Kreuze zu 95% aus purer Gefälligkeit, also ohne medizinische Indikation, gesetzt werden. Die Ärzte handeln da völlig 'wurschtig' und wissen auch: Konsequenzen hat es keine (für sie).
#3 am 07.12.2016 von Apo (Gast)
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Was ist das hier? Ein Blog für Pharamzeuten mit fehlender sozialer Kompetenz??
#2 am 06.12.2016 von Stephan Schaffer (Apotheker)
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Nach 40 BERUFSJAHREN darf ich der Lesergemeinde noch weitere KUNDEN/PATIENTEN Ansprüche verraten,welche keineswegs selten sind: 1. Ein WUNSCHTERMINHALTBARKEIT des Medikamentes ( den von MÄRZ - MAI mache ich eine Einnahmepause ,in unserem Ferienhaus brauche ich nie BLUTDRUCKSENKER.also sollte es bis.....halten) 2.POLITISCHE AUSWAHL DES MEDIKAMENTES (Fa XY verhält sich global nicht korrekt,habe ich gelesen..irgendwo) 3. AUSPENDELN DES VERSCHRIEBENEN MEDIKAMENTS (leider in den Lieferverträgen nicht genügend berücksichtigt) VIEL SPASS noch bei der Arbeit GRUSS JD
#1 am 06.12.2016 von jürgen Dreisch (Apotheker)
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