Zum Abschied sagt es leise „Servus“

09.11.2016
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Überschattet von den gesundheitspolitischen Großereignissen der letzten Tage hat Ceftibuten seinen Hut genommen. MSD stellt Keimax zukünftig nicht mehr her, weil die einzige Produktionsstätte dieses Wirkstoffs seine Tore geschlossen, und damit diesem Medikament den Todesstoß versetzt hat.

Das Antibiotikum gehörte zu den Cephalosporinen und wurde vor allem bei Nasennebenhöhleninfektionen, Bronchitis, Harnwegsinfekten oder zur Behandlung von Hals-,Nasen-, Ohrenentzündungen bei Kindern eingesetzt.

Cephalosporine schwächen die Zellwand von Bakterien im Aufbau, durch das Wachstum enstehen so Schwachstellen, die dann einreißen. Man könnte nun sagen, was solls, wenn nun eines dieser Beta-Laktam-Antibiotika verschwindet? Gibt doch noch genügend andere aus der Cephalosporin-Reihe.

Ceftibuten kann, was andere nicht können

Ja, das sieht auf den ersten Blick so aus – doch es gibt einen gravierenden Unterschied zu anderen Antibiotika: Mikroorganismen, die das Eiweiß Beta-Laktamase produzieren sind gegen Penicilline und alle Cephalosporine resistent, nur nicht gegen Ceftibuten.

Keimax kam nicht sehr häufig zur Anwendung und ist daher für MSD nicht besonders rentabel gewesen. Der Wegfall der einzigen Produktionsstätte des Wirkstoffs bedeutete daher das Ende des Medikamentes.

Immer weniger Antibiotika, immer mehr Resistenzen

Doch ist es klug einen Wirkstoff wegsterben zu lassen, der gegen Bakterien wirksam war bei denen andere Antibiotika versagen? Gerade in Zeiten, in denen sich durch Resistenzen immer gefährlichere Bakterienstämme ausbilden? Doch damit geht Keimax leider den gleichen Weg, den andere wirksame Antibiotika in den letzten Monaten ebenfalls gegangen sind weil sie nicht rentabel genug erscheinen.

Ich hoffe wirklich, dass diese Entscheidungen nicht irgendwann einmal bitter bereut werden.

 

Bildquelle: depone, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.11.2016.

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Gast
Herr Kollege Becker, aus meiner eigenen Erfahrung (20 Jahre Apotheke): Wenn Sie das den Ärzten erzählen, wird ab sofort bei jeder Erkältung Keimax verordnet, bis der Drucker glüht. Ich gebe dem AM drei Monate, dann sind alle Stämme resistent. Wie beim Erythromycin, Cefaclor, Colistin etc. Was wurde damals Avalox verordnet, in Mengen die Sie sich nicht vorstellen können. Für Bagatellerkrankungen wie Halsschmerzen.
#5 am 14.11.2016 von Gast
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Gast
Leider wurden AB nicht nur in der Humanmedizin missbräuchlich verordnet.
#4 am 14.11.2016 von Gast
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Zur Ursache der Resistenzen, Gast 1, hat Ptachen doch gar nichts geschrieben. Sicherlich ist das Resistenzproblem zu großen Teilen selbst gemacht und schwerwiegend. In einer solchen Situation dann aber ein (noch) wirksames Antibiotikum vom Markt verschwinden zu lassen, ist ein zusätzliches Problem, das man leicht hätte vermeiden können.
#3 am 13.11.2016 von Christian Becker (Apotheker)
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Gast
Wir stehen vor dem Abgrund und morgen sind wir einen Schritt weiter. Einfache Infektionskrankheiten, die man gestern noch durch einfache Bettruhe in den Griff bekommen hat, werden morgen mit potenten AB behandelt und übermorgen führt die Superinfektion der Bronchitis zur Pneumonie. Da ABs aber nicht mehr helfen und der Mensch trotzdem zur Arbeit geht (sic!), wird er daran sterben. Ein kapitalistisches Problem in einer völlig überarbeiteten Gesellschaft, die künstlich versucht hat, sich arbeitsfähig zu halten.
#2 am 11.11.2016 von Gast
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Gast
Die Resistenz, Frau Kollegin kommt daher, dass unsere erlauchten Ärzte jedem,der eine Erkältung hat, ein potentes AB ohne Antibiogramm verordnen. Da gibts bei der Erkältung Avalox oder eben Keimax, bei einem leichten Schnupfen Amoxiclav usw. Der unkritische Einsatz der AB ist das Problem und fehlende Alternativen in einem Krieg, den Menschen nicht gewinnen können.
#1 am 11.11.2016 von Gast
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