Aus Erfahrung wird nicht jeder Mann klug

02.11.2016
Teilen

Ein Penisring, auch Cockring genannt, kann bei einer erektilen Dysfunktion oder generell zur Verstärkung und Verlängerung der Erektion bei verschiedenen Sexualpraktiken eingesetzt werden. Problematisch wird es, wenn man(n) ihn nicht mehr selbst entfernen kann.

Penisringe gibt es aus Leder, Latex, Gummi, Silikon, weichem Kunststoff, aber auch aus Metal und können je nachdem um Penis, Eichel oder Hodensack gelegt werden, aber auch als Intimschmuck beispielsweise hinter der Eichel längerfristig getragen werden. Neben einzelnen Ringen gibt es auch mehrfache (der Rekord aus der eigenen klinischen Praxis liegt bei sechs), die – sofern sie von der Größe her geeignet sind – beispielsweise auch gleichzeitig um Penis und Hoden getragen werden.

Durch die Reduzierung des venösen Abflussses tritt dann eine Verstärkung und gegebenenfalls Verlängerung der Erektion ein, weshalb die Methode auch von Patienten mir erektiler Dysfunktion angewandt wird. Isoliert um das Skrotum angelegte Ringe fixieren die Hoden auch während des Orgasmus, was diesen verstärken soll. Ferner sind zur mechanischen Stimulation von Klitoris, Vulva oder Anus Cockringe mit entsprechenden Zusätzen oder eingebauten Vibratoren im Fachhandel erhältlich.

m_1478070592.jpg

Bei einem zu engen Penisringen oder einer zu langen Benutzung besteht jedoch die Gefahr eines Priapismus oder sogar Schädigung des Penis sowie, dass es zu einem Genitalödem kommt. Gerade Ringe aus Metall sind beliebt, da sie aus optischer, hygienischer und funktioneller Sicht Vorteile haben. Nicht alle haben jedoch ein abschraubbares Segment oder Scharnier zum einfachen und sicheren Entfernen, sodass der Ring oder die Ringe dann nicht mehr selbst abgenommen werden kann, respektive können.


In einem solchen Fall sollte schnellstmöglich medizinische Hilfe in Anspruch werden, da bei einer länger anhaltenden Erektion eine Schwellkörperfibrose oder bei Infektion im schlimmsten Fall sogar ein Fournier-Gangrän drohen können. Leider verzögern jedoch oft Scham und protrahierte Selbstversuche die ärztliche Vorstellung, und letztere haben nicht selten schon zu Hautverletzungen geführt.

Diese Komplikation ist bei Penisringen aus Leder (welche zum Teil auch Druckknöpfe zur individuellen Weitenanpassung haben), Gummi, Silikon oder einem weichen Kunststoff seltener, da der Ring gegebenenfalls mehr oder weniger einfach durchtrennt werden kann. Gelegentlich kommen jedoch auch Cockringe der Marke Eigenbau zur Anwendung, zum Beispiel Rohrschellen.

Die Entfernung kann den behandelnden Urologen vor erhebliche Schwierigkeiten stellen, da die gebräuchliche Fingerringsäge zur Entfernung von Schmuckringen aufgrund der Größe und Härte des Objektes in der Regel versagt. Eher ist der Einsatz von schwerem Gerät erforderlich: Je nach Beschaffenheit des Cockringes ist ärztliche Kreativität gefragt, denn es können ein Bolzenschneider oder Trennschleifer (wie im Titelbild) erforderlich sein, um den Ring an gegenüberliegenden Seiten zu durchtrennen.

Edelstahl und insbesondere Titan stellen die größten Herausforderungen dar. Auch ein interdisziplinäres Vorgehen mit der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie kann zum gewünschten Erfolg führen, indem man hierzu einen Diamantbohrer zum Einsatz bringt, wobei auch mehrere Bohrköpfe verschlissen werden können. Flex und Bohrer sollten unter Wasserkühlung angewendet werden, und an den Hautschutz sollte gedacht werden. Selbst die Feuerwehr wurde in solchen Fällen schon hinzugezogen, um den betroffenen Mann aus seiner misslichen Lage zu befreien.

m_1478071051.jpg

 

m_1478071407.jpg

Nun sollte man meinen, dass ein Mann, der einmal eine solche Erfahrung gemacht hat, zukünftig besondere Vorsicht walten lässt. Dem ist jedoch nicht immer so. Ein bestimmter Patient stellte sich im Laufe von vier Jahren insgesamt viermal wegen Komplikationen im Zusammenhang mit Cockringen in unserer Abteilung vor.

Dreimal konnte er den, respektive die bis zu drei Ringe nicht mehr selbst abnehmen, wobei zweimal der Bolzenschneider und bei letzten mal der Trennschleifer zum Einsatz kamen, und einmal hatte er eine Penisphlegmone entwickelt, nachdem es bei der unsanften Entfernung eines eingeklemmten Penisrings zu Hautläsionen gekommen war, welche sich im Verlauf infiziert hatten.


Nach der letzten Ringentfernung in Narkose mittels Flex erkundigte sich der Patient dann im Aufwachraum, ob denn alles geklappt hätte. Als ihm mitgeteilt wurde, dass der Eingriff gut verlaufen sei, war seine lapidare Antwort: „Na, dann kann ich ja wiederkommen!”

Man sieht sich ...

 

Bildquellen:

Titelbild / privat

Penisringe / Wikipedia

Diamatbohrer / Wikipedia

Bolzenschneider / Wikipedia

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.11.2016.

99 Wertungen (4.89 ø)
14632 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
auch ich hatte mal ein solches Erlebnis während meiner Anästhesiepflegezeit in der Urologie am Katharinenhospital in Stuttgart. wir wurden zu einer dringlichen Anästhesie gerufenund als wir vor Ort ankamen, lag ein Patient schon auf dem Behandlungstisch. Im angetrunkenen Zustand hatte er und seine SM-Partnerin eine Mutter zum fixieren eines Abflusssyphons über den Penis geschoben und bekam ihn nicht mehr herrunter. Dieser war schon prall und dunkelblau verfärbt. Da der Patient in letzter Minute angab doch nicht nüchtern zu sein, mußte eine rasche Nottfallintubation erfolgen. Als der Patient schlief, man hatte inzwischen dem Hausmeister die Diamantschleifer von der Zahnklinik holen lassen, ein Holzspatel als Schutz angefangen die Rohrmutter zu durchtrennen. Diese Prozedur hat fast eine ganze Stunde gedauert und der Pat. hatte Glück , es ist alles wieder in Normalzustand zurückgekehrt
#11 am 07.01.2017 von Gast
  0
...ich denke, ein 3,5 facher Satz (GOÄ) ist hier angemessen...ggf. zzgl. Gefahrenzulage ;-)
#10 am 08.11.2016 von Rolf Stockum (Sonstige)
  2
Ich hatte als junger Assistent das Vergnügen bei einem GI, der sich eine Lagerschale aus der Panzerwerkstatt um Scrotum und Penis manipuliert hatte und wohl seit Stunden einen Priapismus hatte, Narkose für die Befreiungsaktion zu machen. Das gehärtete Metall der Lagerschale war sehr widerstandsfähig. Die Bilder mit einem Feuerwehrmann an der Flex und einem an der Blasenspritze zum Kühlen sind geblieben ;). Insgesamt dauerte die Prozedur etwa 3 Stunden.
#9 am 05.11.2016 von PD Dr. med. Heimo Wissing (Arzt)
  1
Gast
Immerhin mal ein Bild mit direktem Bezug zum Text!
#8 am 05.11.2016 von Gast
  2
Gast
Ich denke, dieser Mann sollte schnellstmöglich Psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen
#7 am 04.11.2016 von Gast
  4
Tja, wie berechnet man denn so etwas ?
#6 am 03.11.2016 von Jens Nicolay (Zahnarzt)
  0
Gast
Ich hoffe, dass der "Patient" die Rechnung selbst bezahlen musste. Insbesondere beim zweiten bis vierten Mal. Denn wer bewusst ein solches Risiko auf sich nimmt, sollte damit nicht die Versichertengemeinschaft finanziell belasten.
#5 am 03.11.2016 von Gast
  1
Gast
Ich denke ein Zahnarzt mit seine grazilen Instrumenten und einer ruhigen Hand ist hier das Mittel der Wahl. Ist ungefähr wie das Auftrennen einer Krone oder das herausbohren einer Amalgamfüllung. :)
#4 am 03.11.2016 von Gast
  1
Beim Entfernen, sofern man es mit rotierenden Instrumenten macht, wird wohl auch Hitze entstehen. Stell ich mir ganz schön diffizil vor. Meine zahnmedizinischen Fachangestellten hätten bestimmt ihren Spaß dabei.
#3 am 03.11.2016 von Dieter Semmler (Zahnarzt)
  1
...das sind - von Extremfällen abgesehen - erfrischende Bonbons im ansonsten oft öden Op- Betrieb....
#2 am 03.11.2016 von Peter Klein (Arzt)
  1
Christian Becker
:D Der Mann weiß also gutes Handwerk zu schätzen. Ist doch toll. Es ist ja auch schön, dass er hygienebewusst ist und Ringe aus Metall verwendet... aber vielleicht wäre es insgesamt doch günstiger, andere Ringe zu benutzen oder halt solche mit Öffnungsmechanismus.
#1 am 02.11.2016 von Christian Becker (Gast)
  4
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Immer wieder treffen wir auf Patienten im fortgeschrittenen Alter, die sich in einem passablen, guten oder sogar sehr mehr...
In den letzten Jahren haben neuartige Therapiemöglichkeiten die Überlebenschancen von Patienten mit mehr...
„Ich möchte Ihnen heute Haengolin vorstellen, unser neues Präparat zur Behandlung der erektilen Dysfunktion“, mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: