Mister Zuhäggi

29.10.2016
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Es war mal wieder mitten in der Nacht, eine Uhrzeit, zu der es immer stockdunkel ist. Die Nachtschwester rief an: „Sorry, mein Patient, der will unbedingt einen Arzt sprechen. Gerade hat er sich auf den Boden geworfen und will da rumliegen bis einer kommt.“

Wie so oft in der Nacht fühlte ich mich jetzt nicht so superfit und wandelte mit einem Schlafdefizit äquivalent zu einem Promille Alkohol zur Station.


Den Patient sah ich schon von weitem im Flur liegen. Ich griff nach der von der Schwester angereichten Akte. Herr Zhuieiggi. Kürzlich eingewandert aus einem Land, dessen Sprache ich nicht mächtig war. Niemand im ganzen Krankenhaus würde diese Sprache sprechen.

Herr Zhuieiggi hatte günstigerweise seinen Einwanderungszettel mitgebracht, der angab, er würde, außer abgefahrener-Sprache-von-deren-Existenz-ich-zuvor-nichts-geahnt-hatte, Russisch und Portugiesisch sowie Englisch sprechen. Meiner bisherigen Erfahrung nach waren diese Aussagen jedoch eher großzügig ausgelegt. Wenn da stand „Sprachkenntnisse: Englisch“, dann hieß das, der Patient kann „Hello“ und „I don’t understand“ sagen.


Ich trat also neben Herrn Zhuieiggi, der zu viel Alkohol konsumiert hatte und weiter auf dem Boden lag. „Hi. I’m the doctor. Ähm.” Herr Zhuieiggi stöhnte missmutig. – „Mister Zuhäggi (hier versuchte ich verzweifelt den Patienten beim Namen zu nennen, für eine bessere Arzt-Patientenbeziehung, inständig hoffend, dass ich den ungefähren Klang des Namens traf), Mister Zuhäggi, WARUM ... WHY are you lying on the floor?”

Herr Zhuieiggi deutete nun an, dass es ihm schlecht war und er gedachte, sich bald zu erbrechen. Die Schwester brachte eine Schüssel. Herr Zhuieiggi erbrach sich. Ich versprach eine Infusion gegen Übelkeit. Dann gestikulierte ich wild in Richtung Patientenbett: „Maybe you go back to bed now?“

Herr Zhuieiggi stöhnt nochmal und stieg schließlich – meiner Arztautorität folgend – zurück ins Bett. Ich ging dann auch ein Bett für mich suchen.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.11.2016.

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Gast
@ Johannes Häuser: Echt noch nix von Hallodol bei Erbrechen gehört? Ein Klassiker (steht auch so in der Fachinfo, wirkt ähnlich wie MCP aufs dopaminerge System). Allerdings wäre ich auch sehr zurückhaltend in der Kombination mit C2, kenne das v.a. aus dem onkologischen Bereich. Aber ja, das Problem bleibt - MCP und Vomex haben eine entsprechende Warnung im Waschzettel, Domperidon ist nun wirklich nicht Mittel der ersten Wahl und außerdem nicht i.v. verfügbar, Setrone wären off label, erscheinen mir am ehesten kombinierbar, immerhin werden sie ja auch bei postoperativer Übelkeit eingesetzt, und C2 stört in diesem Fall nicht. Kostet halt etwas mehr.
#7 am 05.11.2016 von Gast
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Die Klassiker Nachts. Auch immer gut "Der delirante Herr sowieso will jetzt nach Hause, läuft hier schon im Nachthemd übern Flur (Außentemperatur unter Null), kannst du mal bitte kommen?" Und man geht auf Station und betet nur dass der Mann sich in seinem Delir doch bitte noch nicht die Nadel gezogen hat damit man das ganze schnell beenden kann.. @Becker Antihistamin (ergo Vomex) und Alkohol hab ich jetzt kein Problem mit, auch wenn natürlich die gleichzeitige Gabe nicht empfohlen wird. MCP könnte man, meiner Erfahrung nach aber meist nutzlos. Sonst gäbe es ja noch die Setrone, wüsst ich auch nicht dass es da ein Problem gäbe mit Alkohol. Haldol bei Übelkeit? Auf die Idee bin ich bisher noch nie gekommen. Aber die im Raum stehende Frage scheint doch zu sein - war der Patient einfach wegen ner Intox in der Klinik, oder (wie hier ja einige postulieren) wegen was anderem und hat sich auf Station betrunken?
#6 am 03.11.2016 von Johannes Häuser (Arzt)
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Christian Becker
@Dr. med. Schwarzmaler: Mir ist schon klar, dass es einige Medikamente gegen Übelkeit gibt... nur welches kann man jemandem geben, der alkoholisiert ist? Die müde machenden (Antihistaminika) sollte man ja gerade nicht mit Alkohol kombinieren. Haloperidol + Alkohol scheint mir auch nicht ideal zu sein. Daher die Frage, was man nun geben könnte.
#5 am 03.11.2016 von Christian Becker (Gast)
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Na hat doch prima geklappt.... Das mit dem Hinschmeißen wäre übrigens auch meine Art, die Aufmerksamkeit eines Arztes zu erzwingen, wenn ich in der Notaufnahme liege und stundenlang einfach kein Arzt wenigstens zum Ansehen erscheint.... Das ist in unserem Kreiskrankenhaus jedenfalls öfters mal Realität. Kürzlich hat ein Patient, der dort nach stundenlangem Warten einfach abgewimmelt werden sollte, die 112 gewählt. Auch ein guter Trick. Klar: im beschriebenen Fall war es nur ein Putativ-Notfall aufgrund einer Nausea. Selbstlimitierend....
#4 am 02.11.2016 von Dr. med.vet. Stefan Gabriel (Tierarzt)
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1. Es ist in nahezu jedem Krankenaus möglich z.B eine Flasche Schnaps mitgebracht zu bekommen. Das reicht dann zum erbrechen und "deppert" werden. 2.Wünsche kann man im KH IMMER äussern. Ob denen entsprochen wird ist jedoch unsicher. 3. Das richtige Medikament kann nur ein Arzt verordnen. Der kennt den Grund des KH-Aufenthaltes, die momentane Medikation und kann ein passendes Medikament verordnen. 3a. Es gibt viele Medis gegen Übelkeit. Je nach Ursache wird man ein geeignetes auswählen. Das Schöne in so einem Fall ist: Fast alle machen müde. Das ist gut für die beiderseitige Nachtruhe.
#3 am 02.11.2016 von Dr.med Klaus Schwarzmaier (Arzt)
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In welchem Krankehaus kann man denn soviel Alkohol verkonsumieren, dass einem davon schlecht wird? Und kann man Wünsche äußern ("Schwester, einen Tequila Sunrise bitte")? ;)
#2 am 02.11.2016 von Dipl. inform. Dieter Krogh (Medizininformatiker)
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Christian Becker
Na, das hat doch gut geklappt mit dem Englisch. :D So interessehalber: Hätte eine solche Infusion gegen Übelkeit auch jemand anders als ein Arzt anordnen können? Und was wird einem Alkoholisierten da gegeben?
#1 am 02.11.2016 von Christian Becker (Gast)
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