48 Stunden, Teil II

25.10.2016
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Der Tag beginnt mit der Visite auf der Intensivstation, gefolgt von der Visite auf der normalen Bettenstation. Die Visite ist logischerweise etwas verkürzt am Wochenende, es gibt weniger Personal, nicht notfallmässige oder total wichtige Abklärungen werden auf Montag verschoben.

Das vereinfacht einerseits das Ganze, andererseits darf man bei einer abgespeckten Visite natürlich auch nichts übersehen. Die Station ist voll, Gott sei Dank keine Katastrophen. Alle stabil, schmerzarm bis schmerzfrei und soweit versorgt.

Währenddessen türmen sich die PatientInnen in der Notaufnahme. Eine Magen-Darm-Grippewelle scheint die Stadt zu überfallen. Jede zweite Person mit Bauchweh scheint davon betroffen zu sein. „Aber was hab ich denn nun? Waaaas, nur eine Magen-Darm-Grippe? Nichts zu operieren?“ – „Ja, seien Sie froh darüber!“. Naja, ein bisschen anders habe ich es formuliert.

Missverständnisse aufklären

Die Zeit vergeht wie im Flug, es ist Mittag, ein paar Patienten müssen noch visitiert werden. „Frau Menschenhandwerkerin, am Freitag kam noch ein Herr Doktor und hat mir erklärt, dass ich nächste Woche ZWEIMAL operiert werden müsse! Einmal an der Schulter, und zwei Tage später an der Hüfte!“

Ich lese in der Kurve nach, hm, es ist nur von einem Eingriff die Rede, zwei Operationen so kurz hintereinander machen keinen Sinn. Vor allem handelt es sich bei einer der beiden Operationen um einen elektiven Eingriff. Das erkläre ich dem Patienten und er fügt am Ende des Gesprächs noch an, dass nicht er, sondern die am Freitag anwesende Schwiegermutter das so verstanden habe. Seine Frau fällt uns ins Wort: „Habe ich dir doch gesagt, dass die nur Blödsinn redet!“

In Ruhe essen ist nicht drin

Wäre das also auch geklärt. Nachmittags setze ich mich kurz ins Kaffeezimmer und schlinge mein Essen in maximal zehn Minuten runter, bevor es wieder auf die Notaufnahme geht. Während ich hastig esse, denke ich mir, dass ich genau das Gegenteil von dem mache, was ich sonst den PatientInnen rate: Ausgewogen ernähren, in Ruhe essen, Stress reduzieren.

Aber ich bin jung und halte das aus. Der Job macht ja Freude. Nach 12 Stunden Dienst kehrt Ruhe ein, die Verwandten und Bekannten machen sich auf den Nachhauseweg, die Notaufnahme ist leer. Zuhause angekommen, werden noch ein paar Telefonate geführt, anschließend bleibt es ruhig und ich kann die Nacht durchschlafen. Bis am nächsten Morgen der Wecker wieder klingelt.

 

Bildquelle: chuckyeager, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 31.10.2016.

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Medizin, Chirurgie
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Gast
@#12 Den fehlenden Zusammenhalt gibt es schon seit vielen Jahren. Hauptursache ist offensichtlich der unter Ärzte weit verbreitete Neid: Hausärzte vs Fachärzte, Anästhesisten vs Operateure ... Das hat die Politik geschickt ausgenutzt, insbesondere Frau Ulla Schmidt, die die Trennung von Haus- und Fachärzten und sogar innerhalb der Internisten provoziert und vorangetrieben hat. Und immer noch heißt es allenthalben, es sei genug Geld im System, die KVen müßten es nur gerechter verteilen. Honi soit ...
#14 am 14.11.2016 von Gast
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Gast
@ Dr. Gehle: Die Ärztekammern und damit auch der Ärztetag sind entgegen Ihrer Darstellung dominiert von den angestellten und beamteten Ärzten. Dr. Montgomery , SPD und ehemaliger Vorsitzender des Marburger Bundes, hat es ja bis zum Präsidenten aller - auch der niedergelassenen - Ärzte geschafft.
#13 am 14.11.2016 von Gast
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Gast
Ich frage mich, warum wir Ärzte so wenig zusammen halten. Keiner müsste dann unter solchen Bedingungen arbeiten... ncmedizin.com
#12 am 06.11.2016 von Gast
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Gast
@gast 7 : Es gibt da einen Satz , der sehr passend auf Sie zu trifft: wenn man keine Ahnung hat ... :) Was wissen Sie schon über die Rahmenbedingungen der ärztlichen Arbeit
#11 am 01.11.2016 von Gast
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@Gast 7: Meine Klinikszeit liegt 25 Jahre zurück, die Rahmenbedingungen sind deutlich besser geworden seither. Die im Blog geschilderten Verhältnisse sind schon weniger krass als es ehedem usus war, als Weiterbildungsassistenten Jahresverträge bekamen, die nur bei Wohlverhalten immer wieder um ein Jahr verlängert wurden, bis endlich die Weiterbildungszeit um war. Aber auch damals haben wir die Patienten versorgt. Ein paar Jahre Raubbau an der eigenen Gesundheit hält man schon aus. Der Ausstieg aus der Klinik war dann allerdings eine echte Befreiung. Den Medizinern mangelnden Zusammenhalt zu unterstellen halte ich für verfehlt. Wenn es dann mal zu Streiks oder ähnlichem kommt wird (wahrscheinlich sogar von den selben Kritikern) mit dem Finge rauf uns "Spitzenverdiener" gezeigt, die "den Hals nicht voll kriegen". So etwas nenne ich Doppemoral!
#10 am 01.11.2016 von Dr. med. dent. Jens Bayer (Zahnarzt)
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Assistenzärztin
Die Patienten, Assistenzärzte und Klinikbetreiber können froh sein, dass diese Kollegen die Sicherheit ihrer Patienten über die eigenen Interessen stellen. Bei den Assistenzärzten läuft es ebenso: wenn man dich am Freitag nach 5 Arbeitstagen fragt ob du am Wochenende für einen kranken Kollegen einspringen kannst und der Chefarzt (der selbst am Wochenende noch Bereitschaftsdienst hat) noch schuldbewusst hinzufügt "ausser ihnen bleibt leider sonst niemand" dann machst du es eben. Was ist die Alternative? Die Patienten unversorgt lassen? NEIN! Den Kollengen der Nachtschicht der mindestens genausoviele Überstunden hat wie du morgens auf einen Tagdienst warten lassen, der nie kommt? NEIN! Der angeblich fehlende Zusammenhalt ist es der den Laden am Laufen hält und der Sicherheit der Patienten dient. Und das wird gnadenlos ausgenutzt... manchmal auch von Patienten (z.B. Lappalien in der Notaufnahme usw.)
#9 am 01.11.2016 von Assistenzärztin (Gast)
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Assistenzärztin
@Gast 7: Fehlender Zusammenhalt? Konkurrenz auf der Karriereleiter? Ist das ein Scherz??? Diese Zeiten sind vorbei! Der Unsinn den Sie hier verbreiten über 4-12 "aufstrebende" junge Mediziner war vielleicht vor 20 Jahren aktuell, heute gilt das nur noch in Eliteabteilungen hoffnungslos überlaufener Großstadt-Unikliniken. Heutzutage kann man froh sein wenn eine Klinik überhaupt noch Ärzte findet, die Anzahl der Bewerber ist überschaubar, oft kommen sie direkt von der Uni und können ohne engmaschige Anleitung durch den ausbildenden Oberarzt anfangs kaum auf eigenen Füssen stehen, oder sie verfügen nur über rudimentäre Deutschkenntnisse. Das ist auch der Grund warum heute viele Oberärzte typische Assistenzarztaufgaben mit übernehmen: die Sicherheit des Patienten muss gewahrt bleiben. Deswegen schieben Oberärzte ja auch regelmäßig Volldienste an Tagen an denen sie eigentlich Hintergrunddienst hätten und nur telefonisch für Notfälle erreichbar sein müssten.
#8 am 01.11.2016 von Assistenzärztin (Gast)
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Gast
Wenn ich das lese, bekomme ich Angst in Krankenhäuser zu gehen. So lange zu arbeiten mindert das Konzentrationsvermögen extrem. Auch wenn Sie glauben, "Ich bin jung und halte das aus". Ich frage mich, warum die Ärzte so wenig zusammen halten. Geht es bei Ihnen nur um Konkurrenz auf der Karriereleiter? Natürlich könnte man streiken, auch im medizinischen Bereich. Indem man z.B. nur die wirklich akuteren Fälle behandelt. Es gibt da jede Menge Möglichkeiten. Aber dann werden Sie entlassen und hinter Ihnen stehen schon 4-12 andere "aufstrebende" junge Mediziner, die scharf auf ihre Stelle sind und dafür auch gerne mal Behandlungsfehler in Kauf nehmen. Es ist unverantwortlich so lange Schichten zu arbeiten und dabei medizinisch tätig zu sein. Das WISSEN Sie alle auch.Die Patienten können nichts dagegen tun. Aber SIE könnten. Als mutige solidarische Kollegen und auch als "Whistleblower", die über die die Verhältnisse aufklären.
#7 am 01.11.2016 von Gast
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PS: schöne Grüsse aus einem Nachdienst. Apropos Opt-Out: Es bedarf der Zustimmung jeden einzelnen. Also Bleibt die Frage an Dich Sarah - hast du eine schriftliche Zustimmung gegeben? wenn ja kannst du sie jederzeit mit einer Frist widerrufen. Ohne Opt-Out darfst du im Durchschnitt max. 48 h pro Woche bzw. durch Urlaub 50 h pro Woche im Schnitt arbeiten. Übrigens ist das Arbeitszeitgesetz durch den Kollegen Mitglied im Marburger Bund Schleswig-Holstein am EU-Gericht durchgesetzt worden. Aber auch mit Opt Out gibt es eine Grenze . In Kommunalen Häusern und den meisten Kirchlichen 58 Stunden . Hier muss es innerhalb von 6 Monaten zum Ausgleich kommen. Bei 48 Stunden laut Arbzg innerhalb 12 Monaten. Das wollte der MB mehrfach klarer Regeln. Forderung max. 4 Dienste im Monat und jedes 2 WE frei konnte aber nicht durchgesetzt werden. Das wird nur wieder mit einem großen Streik klappen. Da für braucht es aber alle. Also Andreas es gibt viel zu tun. Wie willst du das denn erreichen ?
#6 am 01.11.2016 von Dr. med. Hans-Albert Gehle (Arzt)
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Lieber Andreas Schmitt, es ist immer gut anti zu sein. Allerdings muss man bei der Wahrheit bleiben. Der Marburger Bund tritt seit Jahren für Weiterbildungszeiten ein , die dort wo es kürzer geht auch kürzer sind. Leider lassen die Mehrheiten der Vertragsärzte auf dem deutschen Ärztetag nur Kompromisse zu. Wenn aber mehr Krankenhausärzte endlich sich am demokratischen System beteiligten hätten die Krankenhausärzte und die Angestellten die Mehrheiten die den aktuellen Ärztezahlen entsprechen. Daher engagiere ich mich seit einigen Jahren genau im Marburger Bund, damit Weiterbildung gerecht aber auch verantwortlich mit Versorgungsrelevanten Inhalten gefüllt wird. Die Mafia ist mir da eher auf der anderen Seite begegnet. Für was stehst du denn ? Es läuft einiges schief in unserem Gesundheitssystem, aber wir sollten den Weg für Verbesserung zeigen und die richtigen Schuldigen benennen.
#5 am 01.11.2016 von Dr. med. Hans-Albert Gehle (Arzt)
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Kollegen in der Ausbildung zum Ende des Studiums und als Assistenten organisiert euch ausserhalb des mafiösen marburger Bundes, der ist nur Pseudo für die Interessen der äerzte da. Er ist schlichtweg ein Mittel für die Repräsentanten zur Sicherung der Teilnahme an den Fleischtöpfen der sogenannten Selbstverwaltungsorganen KV und ÄK, die dann euch Assistenten die überlangen Weiterbildungszeiten garantieren und vorschreiben. Teilnahme an den
#4 am 31.10.2016 von Dr. med. Joseph Andreas Schmitt (Arzt)
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Info an Politiker ist zwecklos. Sie erleben so etwas nicht weil Privatpatient und sind mit Selbstdarstellung beschäftigt. Wäre dem nicht so, würden unsere sehr gut ausgebildeten Mediziner schon lange ihren eigentlichen Job in einer 35-40 Stundenwoche machen können.
#3 am 31.10.2016 von Jürgen Dunkel (Sonstige)
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Mit unseren opt-out Verträgen arbeiten wir über 60h/Woche, das sind in der Regel 150%. Dürfte ich dann nicht meinen Facharzt schon nach 4 Jahren machen, bis dahin habe ich doch schon für 6 Jahre mindestens gearbeitet (die abgeleisteten Überstunden mal ganz rausgerechnet). Wenn ich mit 27 Jahren anfange zu arbeiten und 150% arbeite, kann ich dann nicht mit 54 Jahren in Rente gehen Wenn ich dann keine Pausen mache, arbeite ich 2,5h/Woche mehr....
#2 am 31.10.2016 von Sarah Rosa Gerigk (Studentin der Humanmedizin)
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Gast
Danke für diese praxisnahen Berichte! Sie sind aus meiner Sicht unermesslich wichtig v.a. um für politische Debatten zu dokumentieren, dass mehr Personal in unseren Krankenhäusern dringend Not tut.
#1 am 31.10.2016 von Gast
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Dann Transplantversagen, Sepsis, Teilresektion des Organes, Galleleckage, wieder Fieber … ein absoluter Albtraum. mehr...
Normalerweise spritzt er zu Hause ein lang wirksames Insulin, allerdings ist sein Blutzucker wegen seiner aktuellen mehr...
Sprich: Blut kommt hinten raus. Was macht man als Chirurgin in dem Fall gleich zu Beginn, also nachdem man die Fragen mehr...

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