Das erste Semester mit Kind.

24.10.2016
Teilen

Ich habe nicht wie ursprünglich geplant zwei Monate nach der Geburt weiterstudiert. Da das zweite Semester sowieso schon gescheitert war, sah ich keine Chance alles innerhalb von einem Jahr samt Baby auf die Reihe zu bekommen. Gerade weil das vierte Semester durch den Uniwechsel sehr voll geladen gewesen wäre.

Ich entschied mich dazu, alles so gut wie möglich zu entzerren. Und rückblickend muss ich sagen: Ich hätte es auch gar nicht geschafft, meine Tochter so früh abzugeben. Zwischenzeitlich kam auch die Trennung vom Kindsvater, mit einem erneuten Umzug und der Kitasuche war ich im Wintersemester dann wirklich genügend beschäftigt.

Im Sommersemester 2016 versuchte ich schließlich mein Glück: Tageselternplatz gerade noch so bekommen, mein kleines Krabbelbaby eingewöhnt und los ging es: Kind krank, Tagesmutter krank, Tagesvater krank und wieder von vorne. Im Endeffekt war meine Tochter (meist Känguru genannt) 39 Tage zwischen März und Juli bei den Tageseltern, maximal 5-6 Stunden. Irgendwie habe ich mit Familie, Babysitterin, Uni-Kinderbetreuung und sehr, sehr guten Freunden den Rest der Pflichtveranstaltungen abgedeckt bekommen.

Vielleicht gehe ich doch nicht komplett unter?

Im Vorfeld hatte ich panische Angst, dass ich es nicht schaffe, mit Kind zu studieren und deswegen vorgelernt. Das war meine Rettung. Die ersten Semesterwochen bin ich fast überhaupt nicht zum Lernen gekommen. Ein einziges Wochenende hatte ich für die Embryologie-Klausur, das reichte irgendwie. Im ersten Anlauf bestanden, das erste Erfolgserlebnis. Vielleicht gehe ich doch nicht komplett unter?

Viel Zeit zum Lernen hatte ich generell nicht, da das Känguru meist irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr ins Bett gegangen ist (und ich gleich mit). Mein Lernstil hat sich extrem umgestellt: Ich habe mir eigentlich alles nur noch ein- oder zweimal aufmerksam durchgelesen, gemerkt, in der Prüfung wieder hervorgekramt. Mein Gehirn wurde dafür zum Sieb, wenn es um alltägliche Sachen ging: Einkaufszettel musste ich mir immer schreiben, Termine hatte ich ohne Kalender in kürzester Zeit vergessen.

m_1478082964.jpg

Lernen kann wie Urlaub sein © Mum 'n' Medicine

Manchmal hätte ich gern den Kopf in den Sand gesteckt

Am Semesterende war ich dann wirklich fertig. Zwei Anläufe benötigte ich für das letzte Anatomie-Testat, drei Anläufe für Histologie. Aber: Überlebt. Bestanden. Wirklich alle Prüfungen!

Die Momente, in denen ich meinen Kopf am liebsten in den Sand gesteckt hätte und ihn erst wieder herausgeholt hätte, wenn alles wieder gut war, waren unzählige. Nur leider hätten sich die Prüfungen nicht von selbst geschrieben, genauso wenig wie die Hausarbeiten oder Testate.

Studieren kann auch entlastend sein

Mein Ziel war es immer irgendwie durchzukommen, irgendwie weiterzukommen und wenn es nur in ganz kleinen Schritten ging. In diesem ersten Semester mit Kind habe ich aber auch gelernt, dass mir das Medizinstudium viel bringt. Es ist so ein schöner Ausgleich mal nicht 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche ein kleines Baby zu haben, das beschäftigt werden will. Diese Auszeit ist für mich Luxus geworden.

Und was ich vorher nicht geglaubt habe: Medizin studieren kann wie Urlaub sein.

 

Bildquelle: Leonid Mamchenkov, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.11.2016.

19 Wertungen (3.53 ø)
1914 Aufrufe
Medizin, Studium, Humanmedizin
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
Oh ja, ich gehe auch zum erholen in die Vorlesung, nur das mit dem lernen klappt noch nicht so gut. Ich hoffe, dass es besser wird sobald es mit der kita losgeht
#1 am 02.11.2016 von Gast
  0
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Als allererstes drängte die Frage, was ich überhaupt noch für die Scheine machen musste, weil ich vor allem die mehr...
Um es kurz zu machen: Irgendwie waren 
aber dann doch beide positiv.
 Zu diesem Zeitpunkt war ich im dritten mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: