Positiv!

24.10.2016
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Vor etwas weniger als zwei Jahren machte ich einen Schwangerschaftstest. Eigentlich in der festen Erwartung, dass er negativ sein würde. Und um ganz sicher zu sein, dass das Ergebnis nicht aus Versehen falsch negativ sein würde, hatte ich auch gleich noch einen zweiten gekauft. Beide gut versteckt unter einer 
Klatschzeitschrift, die ich dann doch nie gelesen habe.

Um es kurz zu machen: Irgendwie waren 
aber dann doch beide positiv.
 Zu diesem Zeitpunkt war ich im dritten vorklinischen Semester, seit einigen Wochen hatte ich einen
 Vollstudienplatz und war noch nicht so richtig angekommen in der neuen Unistadt. Eine der ersten 
Fragen: Wie geht es mit dem Studium weiter?


So schlich ich mich am nächsten morgen zu den Hiwis und fragte, natürlich als niemand zuhörte, 
wie das denn jetzt so sei. Ob ich in den Präpsaal dürfte? An meiner alten Uni wäre man mit
 Bekanntgabe der Schwangerschaft hochkant aus dem Präp-Kurs geflogen, an der neuen Uni
 kannte ich die Gegebenheiten noch nicht.

Ich wollte es probieren, mit den Leichen!

Ich wurde gleich zum Institutsleiter weitergeschickt, der
 zum Glück auch noch da war. Er schob mich schnell aus dem Vorraum, in dem seine Sekretärin saß, in
 sein Büro: Präppen, Neuroanatomie, alles kein Problem. Grenzwerte, was Formalin angeht, sind 
eingehalten. Wenn es nicht geht, weil ich keine Leichen mehr vertrage oder sonst irgendwas ist, soll 
ich einfach Bescheid sagen. Und ansonsten möglichst wenigen Leuten Bescheid sagen. Wirkliche
 Gefahren sind selten, meist wird nur ein großer Wirbel drum gemacht.


Das klang gut, ich wollte es weiter probieren, mit den Leichen. Zu dem Zeitpunkt war mir immer
 wieder mal etwas übel, manchmal auch etwas mehr, weiter nichts. Ich dachte, das bekomme ich 
hin. Weiterstudieren so lange es irgendwie geht. Nur das Physikum und der Geburtstermin ... naja, 
mal schauen, da ist ja noch viel Zeit bis dahin.

Und dann kam die Übelkeit


Die Spuckerei ging los, Prüfungen schaffte ich keine mehr. Wer legt die auch auf 7:15 Uhr? Mit 
ganztägiger Übelkeit und morgendlichen Anbeten des Porzellangottes sammelte ich einen gelben Zettel 
nach dem anderen. Kurz vor Weihnachten wurde ich mehr oder weniger freiwillig vorzeitig in die
 Ferien geschickt. Der angedrohte Krankenhausaufenthalt hatte bei der Entscheidungsfindung wohl 
etwas geholfen. Und damit war das Projekt „Schwanger Studieren Teil I“ gescheitert.


Das Pflegepratkikum: Bäuchlein kaschieren

In den Semesterferien machte ich das Pflegepraktikum. Nachdem ich bei der ersten Klinik erst
 eine Zusage und dann eine Absage wegen der Schwangerschaft bekommen hatte, habe ich es bei
 den beiden weiteren Bewerbungen nicht mehr erwähnt. Bewerbungsgespräch im vierten Monat mit
 wallendem Kleid – kein Problem. Nicht umbedingt zu empfehlen, ich wollte es aber so machen und
 hatte auch vom Betriebsarzt der Uniklinik das okay bekommen.


Als ich im fünftem Monat schwanger war, startete dann das Pflegepraktikum: Am Anfang ging es noch
 recht gut, ich hatte einen taktisch guten Schrank in der Umkleide erwischt. Klinikkleidung in Größe
 36 wirkt zudem sehr, sehr gut kaschierend. Da hatte es doch echt mal einen Vorteil, dass mir sonst
 oft schon XS zu groß war. Am letzten Tag verquatsche ich mich bei der gemeinsamen Pause. Eine
 versteht es, zwei andere gucken kurz komisch und essen dann weiter.

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Gut kaschiert ins Pflegepraktikum © Mum 'n' Medicine

„Ach, ich dachte, dass du 
einfach so eine komische Figur hast“, sagte sie mir später, ich war damals schon im sechsten Monat
 schwanger. Verstecken war mit etwas Mühe machbar, ich bevorzugte kuschelige Hoodies in XL. Im
 Pflegepraktikum ging alles gut, wir waren auf der Station sehr gut besetzt und ich fand immer 
irgendwas leichtes zu tun. So konnte ich mich vor Iso-Zimmern drücken. Ich war beschäftigt, also
 musste ein anderer Praktikant oder Schüler ran.


Schwanger studieren: Doch schwieriger als gedacht

Am Ende der Semesterferien war das Wahlfach. Soziologen werden übrigens schon ängstlich,
wenn man mal kurz im schwangeren Zustand stehen muss, um ein Referat zu halten.
 In dieser Zeit ging es mir richtig gut, es klappte alles wie am Schnürchen und ich freute mich auf
 das Sommersemester. Die letzte Klausur, vier Wochen vor dem errechnetem Entbindungstermin
 sollte, doch zu schaffen sein? 


Meine Tochter hatte andere Pläne und startete kurz vor Vorlesungsbeginn ihren ersten
 Ausbruchsversuch. So durfte ich meine Uniklinik aus Patientensicht kennenlernen (keine gute
 Erfahrung, nebenbei bemerkt). Die erste Semesterwoche verbrachte ich noch im Krankenhaus liegend, danach 
zu Hause mehr oder weniger liegend. 
Ich reichte mein erstes Urlaubssemester ein, in der festen Überzeugung, dass es bei einem bleiben würde. 
Das Projekt „Schwanger Studieren“ konnte ich damit begraben.

In meinem Fall hatte es einfach
 nicht funktioniert und ich würde mich ganz sicher nicht freiwillig für eine weitere Schwangerschaft 
während des Studiums entscheiden – bereits vorhandene Kinder haben trotzdem Bestandsschutz.


Bildquelle: jan_kideborn, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.10.2016.

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Medizin, Studium, Humanmedizin
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Gast
Das kommt mir alles bekannt vor. Während meines Pharmaziestudiums habe ich meine beiden Töchter bekommen. Irgendwie ging mit den Praktika und Klausuren alles gut. Ehrenrunden, Freisemester und Urlaubssemester ist in diesem Paket "Studieren und Schwangerschaft" mit drinnen. Babysitter, Eltern , Geschwister und Ehemann haben mit angepackt. Lernen war für mich wie eine Befreiung von all dem ganzen Familienkram. Viele Grüße und viel Erfolg.
#2 am 03.11.2016 von Gast
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Auch mal interessant eine weniger erfolgreiche Geschichte zu hören. Ich selbst habe mein erstes Kind zum Physikum und mein zweites erwarte ich jetzt kurz vorm schriftlichen STEX. Bis jetzt hat alles immer irgendwie gut geklappt, natürlich mit Ehrenrunden und Freisemestern aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung!!! Liebe Grüße auch ans Töchterlein;-)
#1 am 27.10.2016 von Anja Schade-Gemkow (Studentin der Humanmedizin)
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