Die Lunge der Frau Rozohdon

22.10.2016
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Frau Rozohdon rauchte seit ihrem siebten Lebensjahr. Na gut, eigentlich hatte sie erst zehn Jahre später damit angefangen, dies aber durch die Menge an Zigaretten wettgemacht.

Ab einem gewissen Punkt hatte das Frau Rozohdons Lunge nicht mehr mitgemacht und eine sogenannte COPD produziert, eine Krankheit an der man ganz bestimmt nicht sterben möchte und die dazu führte, dass Frau Rozohdon konstant an Atemnot litt. Manchmal auch besonders viel Atemnot und deswegen lag Frau Rozohdon nun auf meiner Station.


Wir begannen eine großartige Kombination an Sprays voller Kortison und Infusionen voller Kortison, sowie Medikamenten, die die Bronchien weiten sollten und als Nebenwirkung den Pulsschlag in interessante Höhen beschleunigen können.

Frau Rozohdon fühlte sich dann etwas besser und fragte, ob wir ihr für zuhause ein mobiles Sauerstoffgerät besorgen könnten. Sie hätte da schon so einen Sauerstoffkonzentrator, aber der wäre zu groß um nach draußen zugehen.


Da die Blutgasanalyse trotz Kortison in Dosen, bei denen Frau Rozohdon vermutlich Nachts gar nicht mehr schlief – und auch gleich Amphetamine hätte nehmen können, das hat auch einen weitenden Effekt auf die Bronchien – ähm, also unsere Blutgasanalyse zeigte viel zu wenig Sauerstoff und zu viel Kohlenstoffdioxid im Blut unserer Patientin und so beschlossen wir ein transportables Flüssigsauerstoffgerät zu beantragen. Ich füllte ein Formular aus.

„WAAAS?!“, rief die freundliche Dame vom Sozialdienst und wedelte mit dem Antrag herum, „bist du noch ganz bei Trost?“
 – „Warum?“ – „Die Frau Rozohdon treffe ich immer draußen beim Rauchen!“ – „Oh“.

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Ich ging also hin zu Frau Rozohdon und erklärte, dass das so nicht ginge. Flüssigsauerstoff ist brandfördernd. Optimal brandfördernd. Vermutlich auch gut für Explosionen. Gleichzeitig Rauchen und ein Flüssigsauerstoffgerät zu benutzen, ist prinzipiell nicht empfehlenswert. Ganz davon abgesehen, dass es paradox wäre, ihr nun so ein mobiles Flüssigkeitssauerstoffgerät zu besorgen, nur damit sie weiterhin regelmäßig zum Rauchen könne.

Frau Rozohdon sagte, das sei gemein und ignorierte meine überzeugenden Argumente wie: „Sie könnten schwer verletzt werden!“, „Sie brennen ihr Haus ab!“ und „Sie werden unbeteiligte Passanten in der Explosion umbringen!“

Sie entschied sich dann für’s Weiterrauchen, ging heim und um unsere ablehnende Entscheidung bezüglich des Flüssigsauerstoffs zu begründen, verwendete ich zum ersten Mal die Wörter „Brand- und Explosionsgefahr“ in einem Arztbrief.

Zum Blog.

 

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 25.10.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Dr. med. Wurst
@ 6, 18, 20: Wenn Sie schon eine pur volkswirtschaftliche Betrachtung zugrunde legen, dann sollten Sie eines nicht übersehen: Die Tabaksteuer ist mit rund 15 Milliarden Euro eine tragende Säule des deutschen Steuersystems. Darüber hinaus mögen kranke Raucher zwar hohe Momentankosten verursachen. Bei ihnen entfällt aber durch das wahrscheinlichere Frühableben die medizinische Versorgung im hohen Alter. Soviel Zynisches für Wirtschaftstheoretiker.
#21 am 06.04.2017 von Dr. med. Wurst (Gast)
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Gast
Ich verstehe ehrlicherweise nicht warum ich mit meinen Beiträgen die ganzen Qualmer mitfinanzieren muss die an ihrem Gesundheitszustand selber schuld sind! Privatversichern und gut ist.
#20 am 03.11.2016 von Gast
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Gast
Spätestens beim zweiten Spiriva Respimat oder Symbicort 320 wird das Rauchen ganz schnell ad acta gelegt dafür garantiere ich.
#19 am 31.10.2016 von Gast
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Gast
Ist doch ganz einfach: Bei Erkrankungen die nachweislich vom Quarzen kommen mit entsprechenden Folgeerscheinungen erlischt die Solidaritätspflicht und der Raucher ist fortan eben privatversichert.
#18 am 31.10.2016 von Gast
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Gast X
Ganz einfach Herr Peschel, die Grenze zieht die Kasse! Bei Non-Compliance oder anderen Faktoren die (mutmaßlich oder erwiesen) den Effekt einer von ihr bezahlten Maßnahme in Frage stellen kann sie die Genehmigung verweigern. Ich kenne das leider nur zu gut, wenn für meine Patienten Rehaanträge, Hilfsmittelanträge oder eben auch Maßnahmen wie LTOT oder nächtliche Maskenbeatmung abgelehnt werden. Niemand verurteilt die Patientin dafür dass sie weiterhin rauchen möchte, nur eine Langzeitsauerstofftherapie ist dann eben völlig sinnlos... weil man durch Sauerstoff eben die Schäden des Rauchens am Körper nicht aufheben kann, Sicherheitseinweisung hin oder her. Die Brandgefahr ist hier nur das i-Tüpfelchen der Gegenargumentation. Und diese Gefahr bezieht sich nicht nur auf den Raucher, sondern auch auf andere Personen die in diesem Haus leben...
#17 am 29.10.2016 von Gast X (Gast)
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Teil 1 - Gem. Grundgesetz hat nunmal jeder das Recht so zu leben und sterben wie es der Einzelne , hier die Betroffene, für richtig hält, auch wenn es kontraproduktiv ist aber wer will schon gesund sterben? Die einen Springen, rasen oder trinken und die anderen rauchen, kiffen, spritzen etc. oder lassen sich piercen wiederum einige tun alles davon. Die Folgen muss jedoch die Gemeinschaft per Regeln nicht immer übernehmen und bezahlen, wo aber ist die Grenze. Eine rauchende Patientin ist sicherlich nicht optimal aber wenn’s der letzte Wille sowie Freude des Patienten ist - na denn. Etwas Gleichmut soll auch hier Allen weiterhelfen.
#16 am 29.10.2016 von Peter Peschel (Wirtschaftswissenschaftler)
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Teil 2 - Wichtig ist hierbei ist aber die optimale Einweisung in der Nutzung der Geräte einer O2-Therapie und bei diesem Fall dann eben kein Flüssig-O2 (beim be- u. umfüllen höheres mögliches Risiko von O2 Belastungen z. B. im Teppich) sondern z. B. O2-Konzentrator mit entsprechender Aufklärung über die grundsätzliche Gefahr von O2 als Brandbeschleuniger und somit Feuer, Kerzenlicht, Rauchen etc. im Umkreis von ca. 3-5m oder im selben Raum der Nutzung zu unterbinden.
#15 am 29.10.2016 von Peter Peschel (Wirtschaftswissenschaftler)
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Gast X
Tut mir leid das zu hören. Alles Gute Sahra. Viele Raucher denken leider wenn sie erstmal krank sind lohnt es sich nicht mehr mit dem Rauchen aufzuhören. Das ist NICHT wahr. Nikotinabstinenz kann auch im fortgeschrittenen Stadium der COPD noch Verbesserungen bewirken bzw. weitere Verschlechterungen und Exacerbationen vermeiden. Insofern kann ich Ihnen nur recht geben. Für eine LTOT braucht man einen Patienten mit viel Disziplin und Compliance, sonst ist sie nur teuer aber wirkungslos. Kommt also für Rauer sowieso nicht in Frage. Es ist ja auch nicht so als ob der Sauerstoff eine lebenrettende Maßnahme wäre die vor dem unmittelbaren Ersticken bewahrt...
#14 am 29.10.2016 von Gast X (Gast)
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Gast
Ich persönlich finde es eine Dreistigkeit bei COPD weiter zu rauchen. Da sollte sofort Mitteilung bei der Krankenkasse gemacht werden. Sauerstofftherapie ist eine der teuersten Therapien. Ich selber habe 42 Jahre geraucht und bin seit 5 Jahren rauchfrei. Jetzt habe ich ein fettes Pneumocarcinom. Sauerstofftherapie brauche ich zum Glück noch nicht. Davor wurde es COPD genannt. Diese Erkrankung wurde immer schlimmer. CT gemacht. Danach war es Krebs. Ich kann nur jedem empfehlen, das Rauchen sofort aufzugeben. LG Sahra
#13 am 27.10.2016 von Gast
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Christian Becker
@10 Nein, egal wäre das nicht - man sollte bei allem Humor nicht einfach faktischen Unsinn durchgehen lassen. Ich erkenne an den Aussagen im Text allerdings keinen Unsinn. Sauerstoff ist in der Tat brandfördernd und im Gemisch mit brennbaren Gasen oder Staub kann er auch Explosionen begünstigen - wobei die Explosionsgrenzen da ganz unterschiedlich sein können.
#12 am 27.10.2016 von Christian Becker (Gast)
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@Gast#7: Sie haben offenbar "Null-Komma-Nichts" verstanden, worum es in diesem Beitrag geht - um Chemieunterricht sicher nicht.
#11 am 27.10.2016 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
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Gast
@Leute, die O2-Unsinn anmerken: egal, da ganze Geschichte eine sehr gelungene bittere Alltagsglosse ist!
#10 am 27.10.2016 von Gast
  0
Gast
@Dr. Walser: Mit Motivierender Gesprächsführung hat man defnitiv höhere Überzeugungschancen, je nach Studie bis zu 15-25%!
#9 am 26.10.2016 von Gast
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@ Gastkommentar Nr.7: Das stimmt so leider nicht. O2 brennt zwar selber nicht, aber Unfälle mit Brandschaden und Verbrennungen durch die Kombination Rauchen und O2-Therapie kommen häufig vor. http://www.spectaris.de/brandrisiko
#8 am 26.10.2016 von Stephan Brockenauer (Student der Humanmedizin)
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Gast
Ist natürlich alles Unsinn, denn Sauerstoff ist selbst nicht brennbar, kann also nicht explodieren! Unterhält nur die Verbrennung brennbarer Gase und Gemische mit solchen sind u. U. explosiv (z. B. mit Propan). An einer Zigarette kann sich Sauerstoff also nicht entzünden, nur diese wird schneller abbrennen im Sauerstoffstrahl.
#7 am 26.10.2016 von Gast
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Dr. Gerd Kruse
Das Ganze kostet natürlich auch noch eine Stange Geld, ohne das es wirklich hilft. Es wäre wirklich interessant, wie viele Millionen auf diese Weise von den kranken Kassen verpulvert werden.
#6 am 26.10.2016 von Dr. Gerd Kruse (Gast)
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Gast
Obwohl selbst Raucher, sehr langjähriger Raucher, hab ich es bei meinen Klinikaufenthalten nie verstanden wie man an der Zigarette zieht um anschliessend ins Sauerstoffmäskchen zu röcheln. Als Mensch lernt man nie aus, auch als Erwachsener nicht, aber lernresistenz müsste man mal als Krankheit behandeln können.....
#5 am 26.10.2016 von Gast
  0
Rauchen, Drogen, Essen, Internet- wir können uns mit all dem umbringen. Es ist Zeit für ein neues Erziehungs- und Wertekonzept, um in der Überflussgesellschaft nicht so auf der Strecke zu bleiben. Ist das Kind erstmal in den Brunnen gefallen, ist es meist zu spät. Da beißen wir auf Granit. Der Therapieerfolg ist enttäuschend, siehe die Probleme die wir mit Adipositas haben. Frustrierend für uns Ärzte. Wir müssen früher und effektiver in die Prävention einsteigen!!
#4 am 26.10.2016 von Elisabeth Grunwald (Ärztin)
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hk
sollte lungenfacharzt heissen
#3 am 26.10.2016 von hk (Gast)
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hk
moin. habe mit solchen leuten als medizintechniker jeden tag beruflich zu tun. man glaubt nicht, was sich manche so einfallen lassen, damit sie ihrer sucht weiter fröhnen können. wenn ich mir manche heimbaetmungsgeräte so anschaue.... jedenfalls wird die gute dame ihr mobiles sauerstoffgerät bekommen. sie geht halt zum hausarzt, der, wenn er es selbst nicht aufschreibt, sie zum langenfacharzt überweist und der schreibt es anhand der blutgaswerte 100% auf. und gegen alle argumente wird weitergeraucht..... leider bezahlen die kassen die raucherschäden an medizinischen geräten auch weiterhin.
#2 am 26.10.2016 von hk (Gast)
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Diese Konstellation haben wir in den letzten zwei Wochen zwei Mal auf unserer Intensivstation gehabt: Sauerstoffgerät, COPD und fortgesetztes Rauchen. Macht mir gedanklich schon Probleme, welche Tricks man da eigentlich anwenden soll.
#1 am 26.10.2016 von Dr. med. Franz Ferdinand Walser (Arzt)
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