Warum man eine Stammapotheke braucht

19.10.2016
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Vor kurzem kam Frau Müller mit einigen Rezepten zu uns. Verordnet waren unter anderem Corifeo auf dem einen und Lercanidipin auf dem anderen Rezept. Wie jetzt? Zweimal der gleiche Wirkstoff? Das Corifeo wäre, da ein „aut idem-Kreuz“ fehlte, ohnehin durch Lercanidipin XYZ Pharma zu ersetzen gewesen.

Unser Computer zeigte an, dass Frau Müller diese bisher auch immer bei uns geholt hatte, da sie auch im Rabattvertrag stehen. Sie beharrte aber darauf, dass sie die Corifeo ebenfalls täglich einnehmen würde – seit mindestens zwei Jahren schon. Sie hatte sogar einen Abriss der Packungslasche dabei, die sie in der Praxis ihres Hausarztes vorgelegt hatte, um die Verordnung zu bekommen.

Was war hier passiert?

Wir durchforsteten ihre gesamte Kundenhistorie – kein Corifeo zu finden. Also riefen wir beim Hausarzt an. Die hatten bisher ebenfalls noch nie Corifeo verordnet. Was war also passiert?

Nach einem Krankenhausaufenthalt empfahl die Klinik im Entlassbrief, der an den Hausarzt und den einweisenden Kardiologen verschickt wurde, die zukünftige Einnahme von Corifeo. Frau Müller geht alle drei Monate zu ihrem Kardiologen drei Orte weiter. Der verordnet ihr seither immer die Corifeo samt dem berühmtem Kreuz und sie löst das Rezept dann in der Apotheke ein, die im Ärztehaus untergebracht ist.

Doppelt hält besser? – Eher nicht.

Ihr Hausarzt hingegen hat ein anderes Budget zur Verfügung und verordnet ihr seit dem Klinikaufenthalt die günstigeren Lercanidipin XYZ Pharma – dieses Rezept löst sie dann immer bei uns ein.

Diese Woche war der Kardiologe aber im Urlaub und Frau Müller hatte sich die Corifeo ausnahmsweise bei ihrem Hausarzt verordnen lassen. So kam heraus, dass die Gute seit zwei Jahren die doppelte Menge Wirkstoff schluckte. Bitter ...

Wie konnte das passieren? Fehlende Absprachen? Sicherlich. Mitschuld der Rabattvertragsgeschichte? Auf jeden Fall.

Einer muss den Überblick behalten

Wie könnte man das verhindern? Mit einem Medikationsplan, den alle Ärzte über die Versichertenkarte einsehen können zum Beispiel. Aber auch da kann eine solche Situation übersehen werden, wie man sieht. Immerhin hat der Hausarzt ja an diesem Tag sowohl das Lercanidipin als auch die Corifeo verordnet und es war ihm nicht aufgefallen.

Am sinnvollsten ist also immernoch der Gang in die Stammapotheke, die einen Überblick über sämtliche Medikamente hat, und in der ein solcher Fall sofort bemerkt wird.

 

Bildquelle: 445693, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.11.2016.

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Gast
Es hat keinen Sinn, die Apotheke als Institution ist am Boden, am Abgrund. An alle PTAs: So schnell es geht raus aus der öffentlichen Apotheke!
#21 am 08.11.2016 von Gast
  10
@17: Ob in einer 50.000 Einwohnerstadt 5 oder 7 oder 10 Apotheken überleben wollen, ist mir egal. Dafür kämpfe ich in meiner "Präsenzapotheke" nicht. Wenn Sie aber in ländliche Gebiete kommen, (Westerwald z.B.) dann sieht es mit der Versorgungssicherheit schon sehr viel schlechter aus, was sich enorm im Notdienst bemerkbar macht, den die Versandapotheke aus Holland nicht erledigt. Wer liefert BTM, Impfstoffe und Rezepturen? Wird die GDP-Richtlinie für den Transport (v.a. bei Kühlartikeln wie Insulin etc.) eingehalten? Woher kommt das Antibiotikum oder Schmerzmittel bei akuten Erkrankungen? Wenn Sie eines Freitagsnachmittags einen Hexenschuß erleiden oder bei Ihnen eine beginnende Lungenentzündung festgestellt wird senden Sie bitte gerne Ihr Rezept in Ihre billigere Versandapotheke und warten bis Dienstag, bis Sie sich therapieren können. Viel Vergnügen. - Ich hab halt was gegen Rosonenpickerei - und um nichts anderes geht es hier.
#20 am 07.11.2016 von Margarete Heidl (Apothekerin)
  0
Erwin Müller
@Horst S.: wenn Sie die deutschen Apotheken unterstützen wollen, sollten Sie die Linken wählen - die machen sich zum Thema die meisten Gedanken!
#19 am 05.11.2016 von Erwin Müller (Gast)
  4
Erwin Müller
"Arzneimittelsicherheit" ist natürlich schon peinlich, lieber Gast nummero 17, ist ja auch vollkommen egal, was der Patient letztlich bekommt - hauptsache er "spart" was dabei... und wenns dann nur der Strick ist. P.S.: das mit der ermäßigten Mehrwertsteuer ist ein europäisches Phänomen und würde die deutschen KrankenKassen auf einen Schlag entlasten - aber das Steuersäckel schmälern.
#18 am 05.11.2016 von Erwin Müller (Gast)
  2
Gast
Wieder so eine peinliche Werbeaktion für die örtliche Apotheke, wovon es in vielen Innenstädten zu viele gibt. Es müssen keine 7 Apotheken in der Fußgängerzone (Länge 800m) einer Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern sein. Gleich kommt noch diese dämliche Behauptung mit den angeblich niedrigeren Umsatzsteuersätzen der niederländischen Versender.
#17 am 04.11.2016 von Gast
  29
#10 Die Gesunden und die Kranken haben verschiedene Gedanken - Der Gesunde zahlt Leistungen für Andere Der Kranke erhält Leistungen, die Andere zahlen So ist es glücklicherweise in einem „gesunden“ Sozialstaat
#16 am 04.11.2016 von Michael Hofheinz (Selbstst. Apotheker)
  1
Horst S.
Habt ihr mich wieder lieb, wenn ich verspreche bei der nächsten BTW FDP zu wählen?
#15 am 04.11.2016 von Horst S. (Gast)
  16
P.
Kann dem nur beipflichten!!
#14 am 04.11.2016 von P. (Gast)
  8
Gast
Der Artikel ist einfach nur peinlich und dass Leser diese Plattform nutzen, sich gegenseitig anzupöbeln, ebenso.
#13 am 04.11.2016 von Gast
  17
Horst S.
Hallo Apotheker Nr. 11. Ich will nicht auswandern, bin 53 Jahre alt und bei bester Gesundheit. Warum geben Sie mir ungefragt Ratschläge? Schläge tun mir doch auch weh! Außerdem beleidigen Sie mich, aber wenn das Ihre üblichen Umgangsformen sind, dann bleiben Sie ruhig dabei. Ich möchte Sie nicht umkrempeln. Viel Spaß noch.
#12 am 04.11.2016 von Horst S. (Gast)
  11
#Gast 10 Ich empfehle Auswanderung nach Nordkanada oder Alaska weit weg von jeder Zivilisation! Ich habe selten einen so dummen und unreflektierten Kommentar gelesen. Sind Sie in allen Lebensbereichen so beratungsresistent wie bei Ihrer Gesundheit?
#11 am 04.11.2016 von Apotheker Franz M. Utzinger (Selbstst. Apotheker)
  6
Horst S.
Dies ist ein Kommentar zu den Kommentaren, weniger zum Artikel: Ich kann die Apotheker verstehen, die ihr Geschäftsmodell mit Vorortbetreuung verteidigen und für wichtig halten. Es gibt bestimmt viele Patienten, für die es wichtig ist. Nur geht mir unser Nannystaat sein langem auf die ... oder den ..., sie wissen schon welches Organ ich meine. Ich vermeide Arztbesuche, ein Blutbild gibt's im Labor und falls ich mal Tabletten brauche, dann möchte ich keine Beratung, sondern einen günstigen Preis. Also bitte jedem das seine, wer Beratung in der Apotheke möchte, sollte sich wirklich eine (!) Apotheke aussuchen und Stammkunde werden, wer einfach ein Produkt möchte, sollte die Chance haben, einen günstigen Anbieter zu wählen.
#10 am 04.11.2016 von Horst S. (Gast)
  34
...und das ist kein Einzelfall. Es gibt des öfteren Korrekturen nach Rücksprachen zur Verordnung, auch Doppelverordnungen, meist betrifft es Dosierungen, Interaktionen.
#9 am 04.11.2016 von Torsten Stenzel (Apotheker)
  0
Kaum vorstellbar in unserem Zeitalter, doch es kommt täglich vor: Doppelverordnungen wie oben, schwerwiegende UAWs, Irrtümer wg.d.Rabattveträge, unkritische Einnahme von Internetempfehlungen...Was für ein Wahnsinn im Hinblick auf die Gesundheit der Gesellschaft entsteht durch AM-Versand und "Apothekenhopping"!
#8 am 04.11.2016 von Kerstin Blaue (Apothekerin)
  2
Nochmal @#3, sehr gute Frage! Natürlich sollte das den Krankenkassen auffallen, obwohl es nicht ihre Aufgabe ist. Dennoch klamüsern die Krankenkassen jedes Rezept genauestens, mit der größtmöglichen Akribie auseinander. Warum??? Nein, hier geht es nicht um die Gesundheit der Patienten, obwohl dies bei BTM-Verschreibungen oftmals als Argument vorgeschoben wurde. Bei der genauesten Kontrolle der EINZELNEN Rezepte (also keine Patientenbezogenen Gesamtdaten, wie der Patientendatei in der Apotheke) geht es allerdings nur darum, auch nur jeden kleinsten Formfehler aufzudecken, um der Apotheke diesen in Form von monetärer "Entlastung" abzuziehen.
#7 am 04.11.2016 von Bernd Jas (Apotheker)
  0
Gast
@ 3 "Sollte so etwas nicht auch der Krankenkasse auffallen, die schließlich letztendlich alle Kassenrezepte bekommt?": Nein. Das ist nicht Aufgabe der Krankenkassen, sie sollen bei ihrer ursprünglichen Aufgabe bleiben. Sie mischen sich jetzt schon zu stark in die Therapie ein und bieten selbst schon untaugliche "Prophylaxen" und "Therapien" an, deren Nutzen nicht belegt ist. Krankenkassen sollen Solidargemeinschaft bleiben, nichts weiter.
#6 am 04.11.2016 von Gast
  0
...dann aber auch richtig Stammapotheke so wie in den Niederlanden. Patienten entscheiden sich für ein halbes Jahr dort betreut zu werden und diese Betreuung ist die Hauptaufgabe der Apotheke und wird so gut bezahlt, dass es Spaß macht und man/frau gut davon leben kann.
#5 am 04.11.2016 von Michael Heinevetter (Apotheker)
  1
Erwin Müller
@gast#3: War das eine ernst gemeinte Frage? Falls ja: 1. Patient im Zweifelsfall schon unter der Erde 2. Sitzen bei den Kranken Kassen keine Arzneimittel-Profis (Verwaltungskosten der GKV trotzdem fast das doppelte als Honorarkosten aller deutschen Apotheker)
#4 am 04.11.2016 von Erwin Müller (Gast)
  0
Gast
Sollte so etwas nicht auch der Krankenkasse auffallen, die schließlich letztendlich alle Kassenrezepte bekommt?
#3 am 04.11.2016 von Gast
  10
Gast
Völlig richtig. Für einen nennenswerten Teil der Patienten wäre es imho aber auch durchaus zumutbar, sich ein klein bisschen Wissen über die eigene Erkrankung und die (zumindest langfristig) eingenommenen Medikamente anzueignen, das würde Doppelmedikationen auch effektiv verhindern. Es fällt mir immer wieder schwer nachzuvollziehen, wie Leute manchmal die Namen (wenigstens Handelsnamen?) und Dosierungen ihrer Dauermedikamente nicht kennen und bei der Anamnese nur von "den ovalen rosanen" reden. (Und damit meine ich jetzt nicht nur hochbetagte oder gar beginnend demente Patienten)
#2 am 04.11.2016 von Gast
  6
Erwin Müller
Jede deutsche Vor-Ort-Apotheke hat mind. 1 Rezept pro Tag mit Klärungsbedarf (richtige Stärke? richtiger Patient? Dosierung? Wechselwirkungen? etc.). Macht in Summe 20.000(!) pro Tag! Schnell und unbürokratisch wird die Kontrollfunktion wahrgenommen, im Zweifelsfall der Arzt kontaktiert, der Patient nach Klärung kompetent versorgt. Das nennt sich dann Arzneimittelsicherheit. Der Versand schickt einfach - wenns nicht passt... Pech gehabt. Spekulanten wollen eins: viel Geld, Shareholder value mehr nicht. Eine kompetente und sichere Versorgung spielt keine Rolle. Im Moment haben wir noch eine flächendeckende Versorgung - für viele tausende Vor-Ort-Apos wird es aber mittelfristig nicht mehr reichen. P.S. was dann in einem Katastrophenfall passiert, sollte sich JEDER Politiker vor Augen führen! Da hilft dann KEIN Versand, da hilft nichts mehr.
#1 am 04.11.2016 von Erwin Müller (Gast)
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