Use the 6!

19.10.2016
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Pharmazeutische Bedenken, was bedeutet das? Wenn wir PTA/Apotheker ein Rezept vor uns haben, auf dem der Arzt ein Medikament mit dem Wirkstoff X der Firma A verordnet hat, müssen wir erst einmal nachsehen bei welcher Krankenkasse der Kunde versichert ist. Jede Krankenkasse hat Rabattverträge mit bestimmten Firmen ausgehandelt, und wir müssen nachschauen, ob die Firma A dabei ist.

Ist sie es NICHT, dann sind wir gehalten die rabattierten Firmen B, C oder D abzugeben. Manchmal sind alle rabattierten Produkte aber ausverkauft und weder der Großhandel noch der Hersteller kann sie uns liefern. Dann müssen wir die „Sonderpharmazentralnummer + Faktor 2“  für „nicht lieferbar“ auf das Rezept drucken und ein Produkt mit dem Wirkstoff X aus dem unteren Preisdrittel abgeben.

Jeder Fall hat seine Sondernummer

Ist das nicht zur Hand, das Arzneimittel wird aber dringend benötigt (das ist zum Beispiel bei Antibiotika der Fall), dürfen wir das abgeben, was wir auf Lager haben, wenn wir es mit der „Sondernummer + Faktor 5“ für „dringend benötigt – sofortiger Therapiebeginn“ auf dem Rezept vermerken.

Hat der Arzt ein „aut-idem“-Kreuz gesetzt, müssen wir das ebenfalls mit einer extra Pharmazentralnummer vermerken und dann die verordnete Firma A abgeben. Ist das alles nicht der Fall, ich habe aber „pharmazeutische Bedenken“ darf ich, nach Bedrucken mit der „Sordernummer + Faktor 6“, die verordnete Firma A (keine andere!) abgeben.

Bedenken bei Polymedikation

Diese Bedenken haben wir zum Beispiel bei einem Patienten mit sogenannter Polymedikation, also bei jemandem, der jeden Tag mehrere verschiedene Medikamente einnehmen muss. Wenn ich einem solchen Patienten ständig neue Packungen abgeben würde, hätte ich Sorge, dass er irgendwann nicht mehr weiß, was er wann einnehmen soll. Diese pharmazeutischen Bedenken sind eines der letzten apothekerlichen Instrumente, das uns von den gerne beschimpften „Schubladenziehern“ und reinen Erfüllungsgehilfen der Krankenkassen unterscheidet.

Wir sollten sie nutzen, auch wenn der Druck immer größer zu werden scheint. Dieser Kollegin hier sollten schon Daumenschrauben angelegt werden, das dürfen wir nicht einfach übergehen. Use the 6 – und zwar wann immer wir ein berechtigt schlechtes Bauchgefühl haben – das sind wir unseren Kunden schuldig!

 

Bildquelle: eflon, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 08.11.2016.

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Gast
Ich gebe der Vorrednerin Recht. Ich darf in diesem Zusammenhang daran erinnern dass die PTAs wie niedliche Hündchen oder Kleinkinder nur unter Aufsicht des großen Super-Apothekers arbeiten dürfen. Man verkauft uns für dämlich und unfähig vom Hungerlohn mal abgesehen.
#10 am 10.11.2016 von Gast
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Gast
Frau Kollegin ZTA, ich sehe gerade dass Ihr Gehalt noch viel geringer ist als das unsere. Ich bin sprachlos und entsetzt. Typisch Gesundheitsberuf: Hoch motiviert und schlecht bezahlt.
#9 am 10.11.2016 von Gast
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Ketzer-PTA
Was ist aus dem Beruf geworden der einst die Pharmazieing ersetzen sollte? Wo sind die Vertretungsrechte, die deutlich bessere Vergütung und die Verantwortung? Warum sieht eigentlich keiner das Problem sondern bewertet wahrheitsgemäße Kommentare schlecht? Ganz einfach, weil Wahrheit immer unbequem ist und wenn die Pharmazie eins liebt dann Bequemlichkeit und ausdrucksstarkes, depressives Schweigen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr müsst aus der Lethargie und der Lüge vom "Traumberuf Apotheke" aufwachen sonst gibt es keine Zukunft. Fordern wir ein was uns zusteht. Wir verdienen mehr.
#8 am 10.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
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Ketzer-PTA
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr vergesst anscheinend immer dass wir examiniertes Fachpersonal sind. Wir müssen uns nicht, wie es der Berufsverband und vor allem die Apothekerschaft samt Kammer gerne hätte, hinter unseren Vorgesetzten verstecken. Wir wissen und können Dinge z.T genauso gut wie ein Approbierter werden aber per Edikt von oben künstlich dumm gehalten. Ich sage nur Beratungsbefugnis und Protokolle unterzeichnen,
#7 am 10.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
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Ketzer-PTA
Ehrlicherweise verstehe ich nicht warum meine Kommentare #3,4 so schlecht bewertet wurden wo es doch die Wahrheit ist. Aber leider scheint es so zu sein dass die Geknechteten sich irgendwann daran gewöhnen. Die insgesamte graue, ohnmächtige Depression im Berufsstand ist, ebenso wie unsere unterirdische Bezahlung und Behandlung durch die Apotheker einfach zum Weglaufen.
#6 am 10.11.2016 von Ketzer-PTA (Gast)
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Gast
@#4 Sie haben vollkommen recht. Das selbe Problem haben auch andere, z. B. die Zahnmedizinische Fachangestellte. Die Leistung, die in diesen Bereichen erbracht wird, wird nicht ausreichend gewürdigt. Ich persönlich bin immer überrascht, wenn ich Kontakt mit diesen Berufsgruppen habe, weil dabei oft offensichtlich wird, das die Chefs recht "impotent" wären ohne diese Unterstützung.
#5 am 09.11.2016 von Gast
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Gast
Was bleibt uns noch am Ende des Tages, wenn wir nach Hause kommen? Nachdem wir von unseren Vorgesetzten erniedrigt und von den Kunden bepöbelt wurden? Man hat uns PTAs alles genommen und uns per Gesetz für dumm und unfähig erklärt, Stichwort Beratungsbefugnis. Billiges Handlangerpersonal für die erlauchten Approbation.
#4 am 08.11.2016 von Gast
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Gast
Frau Kollegin was Sie immer wieder vergessen: In den Augen der Apotheker sind wir PTAs häufig nichts wert. Sie behandeln uns schlecht zu einem Hungerlohn. Wer da noch mit Herzblut dabei ist muss dringend behandelt werden.
#3 am 08.11.2016 von Gast
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Gast
Das EINZIGE was mich wundert ist, dass die "Bewegung" Richtung Rossmann etc. nicht WESENTLICH schneller gegangen ist/geht.
#2 am 08.11.2016 von Gast
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Gast
Das ist es doch! Pillepalle, total langweilig und nur als echter Erbsenzähler kann man sich zu diesem Beruf "berufen" fühlen. DAS ist nicht die Tätigkeit, die ich ausüben möchte. Ich habe wenig Lust, Erfüllungsgehilfe der mächtigen Krankenkassen zu sein.... und übermorgen werden diese alle Kanäle öffnen und dann können Rossmann, dm-Markt etc. auch mitmischen... und wir gucken tränenblind mit großen Kaninchenaugen traurig dreun und fragen uns: Warum hat uns keiner lieb? .....weil wir einfach zu doof sind...nett aber doof
#1 am 08.11.2016 von Gast
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