Warum OTC Produkte in die Apotheke gehören

17.10.2016
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Oftmals hört man Stimmen laut werden, die fordern, OTC Arzneimittel gänzlich aus der Apothekenpflicht zu entlassen und wie in manchen anderen Ländern auch für den Vertrieb in Supermärkten und Tankstellen freizugeben. Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen – einer davon ist die fehlende Beratung. Aber ist diese denn wirklich so nötig?

Ich fange mal an, alles zusammenzutragen, was bei uns so an Fehlanwendungen oder Ähnlichem auftritt, denn das ist nicht wenig. Auf die Idee zu dieser kleinen Serie kam ich vorletzte Woche, als meine Kollegin einen Mann beraten hat, der augenscheinlich wegen etwas ganz Banalem zu uns kam.

„Hallo! Ich hätte gerne ... hmmm ... jetzt ist mir der Name entfallen ... so pflanzliche Tropfen gegen Kreislaufprobleme. Man tropft sie auf ein Zuckerstück.“ – „Sie meinen Korodin Tropfen?“ – „Ja! Genau! Da hätte ich gerne welche von.“

Immer erstmal nachfragen

In einem „Kaufmannsladen“ wäre die Beratung hier beendet gewesen, man hätte vielleicht noch gefragt, welche Packungsgröße es sein soll und gut wäre es gewesen. Nicht aber in der Vorstadtapotheke und in allen anderen Apotheken, die ihre Kunden eben so beraten wie es sein soll.

„Darf ich fragen für wen die Tropfen gedacht sind?“

„Die sind für meine Tochter, die hat in der letzten Zeit immer so Kreislaufprobleme. Sie ist sogar schon mal auf dem Nachhauseweg von der Schule umgekippt, letzte Woche.“

„Wie alt ist ihre Tochter denn?“

„Zwölf Jahre. Ist das wichtig?“

Es folgt ein längeres Aufklärungsgespräch

Ja, ist es. Die Frage, ob die Eltern deswegen schon mal mit ihr beim Arzt waren, wurde nämlich verneint. Es folgte ein längeres Aufklärungsgespräch darüber, dass der Ursache der Kreislaufprobleme auf den Grund gegangen und nicht nur die Symptome kaschiert werden sollten. Meine Kollegin führte verschiedene Gründe an, die von der normalen Hormonumstellung in diesem Alter bis zum Beginn eines Diabetes mellitus reichten.

Jedenfalls überzeugte sie den Vater davon, zunächst einmal ärztlichen Rat einzuholen. Verkauft hat sie nichts, aber der Mann war wirklich dankbar dafür, dass sie sich so viel Zeit genommen hatte und ihm viele Zusammenhänge erklären konnte. Auch wenn dieses Mal kein Geld in der Kasse landete, den einen Stammkunden hat meine Kollegin uns sicher gewonnen. Und mir ein erstes „Fallbeispiel“ geliefert.

 

Bildquelle: Karen, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 25.10.2016.

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Gast
Das ist doch ein vorgeschobenes Argument (längeres Aufklärungsgespräch), um dem Verbraucher den günstigen Bezug von Medikamenten zu verwehren. Bei den örtlichen Apothekern habe ich in den letzten Jahren noch keine Aufklärungsgespräche geführt. Bei einer Internetapoteke hingegen, erhielt ich eine schrifltiche, ausführliche Erläuterung zu den Risiken der Einnahme der bestellten Medikamente.
#14 am 29.05.2017 von Gast
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Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich schon Patienten (eben nicht einfach nur Kunden), die ein "Mittelchen" von mir wollten, dringendst einen Arztbesuch- oft noch am selben Tag - angeraten habe, weil die Symptome auf eine ernste Erkrankung hindeuteten. Übrigens vorzugsweise samstags. Und wie oft dieselben Personen später kamen, um sich dafür zu bedanken und meine Einschätzung zu bestätigen. Und wie oft schon bei längerdauernden Beschwerden eine Abklärung durch Arzt/Ärztin empfohlen. Keiner von diesen Leuten wäre von selbst auf so eine Idee gekommen, sondern hätte weiter selbst herumgedoktert. Genauso oft muss ich ein gewünschtes Mittel als völlig ungeeignet ablehnen (um dafür ein geeigneteres zu empfehlen), die richtige Anwendung erklären, mögliche WW eines OTC mit der Dauermedikation abgleichen...oder drohende NW aufgrund bestehender Grunderkrankung... OTC gehören in die Apotheke - zum Wohle der Patienten und des Gesundheitsystems
#13 am 06.11.2016 von Barbara Schmidt (Apothekerin)
  0
Gast
Meine Berufung zur PTA ist nach vielen Jahren der Arbeit gänzlich erloschen. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Liebe Kolleginnen schnell raus aus der Apotheke.
#12 am 03.11.2016 von Gast
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Erwin Müller
@gast: Ja, in den USA "geht" vieles... (siehe link) http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/internationales/nachricht-detail-internationales/giftinformation-saeuglinge-mit-paracetamol-vergiftet/ Die USA haben auch mit deutlichem(!) Abstand die höchsten Gesundheitskosten pro Bürger weltweit. Sie bekommen da als Barzahler einer med. Behandlung sogar einen Discount. Ey, Äpfel mit Birnen. Seien sie gottfroh, dass sie (kranken-)versichert sind und in D leben...
#11 am 31.10.2016 von Erwin Müller (Gast)
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Gast
In den USA geht es doch auch?!
#10 am 28.10.2016 von Gast
  1
wer`s glaubt---ein längeres Beratungsgespräch
#9 am 28.10.2016 von Sylvia Metzing (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
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DON
"Antiemetikum" ??? Bitte zum Arzt!!!
#8 am 26.10.2016 von DON (Gast)
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Lieber Gast... doch, das ist er. Was für Individualrezepturen berechnet wird ist ein Witz! Und trotzdem werden sie noch mit aller Sorgfalt hergestellt. Denken Sie ernsthaft DocMorris wird das zukünftig übernehmen? Sparen wird der Patient enorm, besonders demnächst diese Nachtdienstgebühren wenn sich in moderater Umgebung keine Präsenzapotheke mehr findet. Online Dienste können sie ja dann gerne aufrufen wenn sie 2 Tage Zeit haben auf ihr Antiemetikum zu warten.
#7 am 26.10.2016 von Ptachen Ptachen (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
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Gast
Der Apotheker ist halt nicht mehr der Apotheker von früher, der auch individuelle Arzneimittel zu einem moderaten Preis herstellt. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn andere auch Arzneimittel verkaufen wollen; es geht ja nur noch ums Verkaufen. Das Geschäft geht mehr an Online-Apotheken. Die Ersparnis für den Patienten ist enorm.
#6 am 26.10.2016 von Gast
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Gast
Was, nichts verkauft? Ich kenne Apotheker, die hätten sofort eine Abmahnung in der Hand...
#5 am 25.10.2016 von Gast
  5
Gast
@#3"...keine Beratung ist manchmal besser weil dann der Arzt aufgesucht wird." Ich weiß nicht auf welchem Weg Sie dieses Erfahrung gewonnen haben wollen, aber logisch ist sie meiner Meinung nach nicht. Bevor ich hier sinnlos lange Texte verfasse, nur folgende Vergleiche: "Nicht Schwimmen können ist besser, dann geht man nicht ins tiefe Wasser und kann nicht ertrinken." "Keine Winterreifen ist besser, dann schneit es nicht."
#4 am 25.10.2016 von Gast
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Gast
... keine Beratung ist manchmal besser weil dann der Arzt aufgesucht wird.
#3 am 25.10.2016 von Gast
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Christian Becker
Der Plural von Anekdote ist nicht Daten... oder auch andersrum. Aber ich stimme in sofern zu, als Beratung in der Apotheke nicht immer stattfindet - aus unterschiedlichen Gründen - oder tatsächlich auch unsinnige Empfehlungen abgegeben werden. Die Geschichte des Mädchens ist aber genauso wenig repräsentativ wie die Korodingeschichte oben. Der Unterschied: Die Wahrscheinlichkeit, in der Apotheke gut und richtig beraten zu werden ist deutlich höher, als wenn man das Zeug an der Tankstelle oder im Supermarkt einfach mitnehmen könnte. So gesehen: Nein, Apotheke ist keine Garantie für gute Beratung - aber Supermarkt und Co. sind eine Garantie für keine Beratung.
#2 am 25.10.2016 von Christian Becker (Gast)
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Gast
Ach was! Märchenstunde! Realität ist, dass unsinnige Produkte empfohlen werden, an denen gut verdient werden kann. Erlebtes reales Beispiel: Mädchen, 12 Jahre immer müde und schlapp. Apotheker empfiehlt Vitamine und homöopathische Mittel. Arzt findet übrigens auch keinen Grund für die Müdigkeit! Erst der Opa des Mädchens, der selbst Diabetiker ist, weisst Diabetes beim Kind nach ...
#1 am 25.10.2016 von Gast
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