Ausgelagert

15.10.2016
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Herr Horgg war ein internistischer Patient mit einer typisch internistischen Erkrankung, die ich vergessen habe. Kardiale Dekompensation oder so. Nun war Herr Horgg zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gekommen, nämlich zu einem Zeitpunkt, an dem alle Betten in den internistischen Abteilungen schon von einer Unzahl anderer internistischen Patienten besetzt waren.

Da nun die Unfallchirurgen gerade unter einer Flaute an Schenkelhalsbrüchen litten und somit ein, zwei freie Betten hatten, gaben sie uns freundlicherweise eins ab und wir legten Herrn Horgg in die unfallchirurgische Abteilung.

Selbstverständlich würde sich hier kein unfallchirurgischer Arzt um ihn kümmern. Stattdessen wurde ein Internist abgestellt, der nun zusätzlich zu seiner normalen Stationsarbeit, zwei Mal am Tag quer durchs Krankenhaus joggen, mehrere Stockwerke durchqueren und ihm unbekannte Stationszimmer nach Akten und Kurven durchsuchen sollte, um Herrn Horgg – und mögliche weitere so ausgelagerte internistische Patienten – zu betreuen. Dies ist offensichtlich nicht die beste Betreuung, die ein Patient haben kann.

Der internistische Arzt schimpft also mit den chirurgischen Schwester: „Täglich wiegen habe ich gesagt!“ – „Aber wir wiegen unsere Patienten nie!“ – „AHHHRGHL!! WIEGEN!! Wie soll ich denn sonst wissen, ob die Wassertabletten anschlagen!“


Und die chirurgischen Schwestern, die sich nicht merken können, welcher der ständig wechselnden Internisten nun zuständig ist, rufen bei Problemen willkürlich irgendwelche sich zumindest internistisch anhörenden Ärzte an, um zu fragen, was sie denn nun tun sollen.

Deswegen waren wir froh, als endlich ein Bett auf der kardiologischen Station frei wurde und wir Herrn Horgg auf eine ordentliche internistische Station verlegen konnten. „GRM!“, schimpfte Herr Horgg, das sei ja ein schreckliches Zimmer, ob er nicht wieder zurück könne?! – 
„Aber hier sind sie jetzt viel besser betreut!“, rief ich erstaunt.

„Aber das Zimmer! Ganz schrecklich!“
 – „Hm, ich verstehe sie nicht Herr Horgg. Sie haben hier sogar einen Balkon!“ – 
„Grrr“, sagte Herr Horgg und rückte schließlich mit der Wahrheit heraus: „Hier habe ich keinen Internetempfang für mein Handy!“ –
„Oh.“

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.10.2016.

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Herrlich, liebe Frau Zorgcooperations - einfach mal wieder 100% aus dem Leben eines (internistischen) Klinikarztes gegriffen und gekonnt humorös beschrieben ( - schon die Einleitung hat mich zum >Schmunzeln gebracht) ...! Danke!! :-)
#5 am 24.10.2016 von Gerlind Krepinsky (Studentin der Humanmedizin)
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@ #3 Sehr hübsch. Neulich hatte sich hier ein Kollege vorgestellt mit einer komplizierten Claviculafraktur, welche über die Zeit zu kaum beherrschbaren Schmerzen und großflächiger, mow. schwarzgefärbter Hämatombildung geführt hatte, weil er die OP um mehrere Tage verschoben hatte, um noch irgendeinen beruflichen Termin wahrnehmen zu können. Das hielt ich schon für gewagt, aber Ihr Infarktpatient toppt das um Längen.
#4 am 20.10.2016 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Dazu nur: "Herr Müller, sie haben einen Herzinfarkt, sie brauchen schnellstmöglich einen Herzkatheter! Ich werde ihnen jetzt schon einmal einige Medikamente geben.." "Ja kann ich dafür nicht einfach später wiederkommen, ich muss umbedingt meinen Hund noch Gassi führen heute Abend."
#3 am 20.10.2016 von Johannes Häuser (Arzt)
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Hallo Zorgcooperations, wissen Sie wo man solche Störsender für eine Praxis mit niedergelassenen Ärzten bestellen kann? Die könnte ich außerordentlich gut gebrauchen. Da minimiert man die Wartezeit, dann telefonieren die in der Sprechstunde...
#2 am 19.10.2016 von Dr. med. Christine Aresin (Ärztin)
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Wunderbar beobachtet und die Pointe auf den Punkt gebracht! Chapeau, und das will bei mir schon was heißen! MfG
#1 am 16.10.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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