Leicht blass und keine Leichenblässe (Teil 2)

09.10.2016
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Ich zog also Frau Brimmchen – hochdement, 90 Jahre alt und wild schimpfend – durchs halbe Krankenhaus, um meinen klinischen Verdacht auf einen arteriellen Gefäßverschluss zu bestätigen. Am besten mit einem exklusiven Blutgerinnselbild oder so.

Eine Computertomographie hatte ich gleich verworfen, da Frau Brimmchen höchstens in Vollnarkose oder tot bewegungslos in einer Röntgenröhre verharren würde. Daher landeten wir also gleich vor dem Lieblingsgerät aller Internisten: Dem Ultraschallgerät.


Haha, habe ich schon erwähnt, dass Arme nicht so das Heimgebiet eines aspirierenden Internisten sind? Ein Arm, das ist was für Unfallchirurgen. Oder Neurologen. Aber der hatte sich ja erfolgreich aus dem Staub gemacht.

Naja, irgendwie stellte ich dann auch irgendwelche Blutgefäße des betroffenen Arms dar und auf denen war kein Blutfluss darzustellen. Dies wertete ich als Beweis für meine Theorie des ARTERIELLEN GEFÄßVERSCHLUSS und rief erstmal nun so gegen 1:00 nachts meinen Oberarzt an, um ihm dies mitzuteilen und zu fragen, was ich denn nun um alles in der Welt tun solle. „Gnaaa“, sagte der Oberarzt, „wahrscheinlich haben Sie das Ultraschallgerät falsch eingestellt!“ – „Ja, aber ...“ – „Also, jetzt stellen Sie mal die Sensibilität höher und zwar ...“

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Kurze Zeit später hing ich nun halb über Frau Brimmchen, das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt, mit einer Hand den Schallkopf haltend, mit der anderen auf Anweisung des Oberarztes die Schalter des Ultraschallgerät verstellend, mit Hilfe derer man bei richtiger Bedienung vermutlich einen Wettersatelliten steuern könnte.

Das Ultraschallgerät zauberte mir nun die schönsten Farben auf den Schirm, wenn auch an der falschen Stelle, Frau Brimmchen schlug mich grimmig mit der unbeschallten Hand und ich erklärte dem Oberarzt: „Nein, auch so weiterhin keine Durchblutung der großen Armgefäße zu sehen und das hier sieht aus wie ein riesengroßes Blutgerinnsel. AHHHHH! Hören Sie auf, mich zu schlagen, Frau Brimmchen!!!“

Der Oberarzt glaubte mir nun, gab mehrere kluge Oberarztinstruktionen und ich schaltete das Ultraschallgerät schnell aus, um zu verhindern, dass sich eine Verbindung zum russischen Geheimdienst aufbaute und mehrere Wettersatelliten abstürzten.

Zum Blog.

 

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.10.2016.

72 Wertungen (4.86 ø)
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Medizin, Innere Medizin
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Gast
Das beweist nur das die Assistentem heute kaum noch die klinische Untersuchung beherrschen und stark abhängig von den technischen Geräten abhängig sind. Weiterhin ist es ein Armutszeugnis in der heutigen Zeit mit Internet seinen Verstand auch mal selbst in Gang zu setzen und weiterführende Diagnostik und Therapie selbst einzuleiten.
#13 am 25.10.2016 von Gast
  5
Gast
herrlich weiter so ;)
#12 am 13.10.2016 von Gast
  1
M. Besand (Demenzfachkraft)
Herrlich geschrieben, man kann das direkt nachvollziehen. Eine willkommene Abwechslung zu den trockenen und wissenschaftlichen "Artikeln".
#11 am 13.10.2016 von M. Besand (Demenzfachkraft) (Gast)
  1
Gast
Meine Güte, jedesmal kommt jemand mit den gleichen schwachen Anmerkungen...wie oft muss man das noch erklären... langsam wird es echt lächerlich. DAS IST EIN BLOG! Ein Blog ist KEIN Artikel! Es geht dabei nicht um neueste wissenschaftliche Errungenschaften oder weltverändernde Erkenntnisse sondern um Berichte aus dem alltäglichen Leben. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier für den aufmerksamen Leser meistens etwas zu lernen > in diesem Fall sogar etwas wichtiges. Wenn das neuerdings den Horizont der werten Doccheck-Leserschaft sprengen sollte wäre es wohl besser hier ab sofort nach amerikanischer Sitte zu jedem Blog einen Disclaimer vorzuschalten mit dem Hinweis was ein Blog überhaupt ist und vielleicht noch mit einer kleinen Bedienunganleitung... damit sich niemand beim lesen wehtut und hinterher weinen muss weil der "Artikel" so eigenartig, banal und überflüssig ist...
#10 am 13.10.2016 von Gast
  2
Gast
Haha, ich erkenne keinen Sinn in diesem Artikel!?
#9 am 13.10.2016 von Gast
  15
Lustig und wahr
#8 am 12.10.2016 von Vanas Omer (Ärztin)
  2
Es ist wirklich großmäulig, wenn ein Oberarzt sich sofort weigert,seinen Hintern aus dem Bett zu heben,denn gottlob wird es sich nie ändern, dass vier Augen mehr als zwei sehen und wir sind für die Patienten da.Ob er nun habilitiert ist oder "nur" auf dem Lande. Insofern finde ich den Artikel einfach blöde und nicht gekonnt.,denn eigentlich geht es ja um einen Gefäßverschluss am Arm und nicht um ein Rumgezerre an einer alten Frau!Das kennt ja jeder/e.
#7 am 12.10.2016 von Dr. med. Rüdiger-Rolf Salloch-Vogel (Arzt)
  21
überflüssig
#6 am 12.10.2016 von Dr. Andreas Kannt (Medizinjournalist)
  28
Aha! Jetzt weiß ich, wieso neulich die Kindersicherung an meinem Herd eingeschaltet war, obwohl niemand da dran war... Bitte das nächste Mal vorm Schallen kurz bei mir melden. :D
#5 am 12.10.2016 von Dipl. inform. Dieter Krogh (Medizininformatiker)
  0
Herrlich.....
#4 am 12.10.2016 von Dr. Gabriele Bayer (Ärztin)
  2
Wirklich sehr gut und mit viel Unterhaltungswert geschrieben!
#3 am 12.10.2016 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  2
Assistenzärztin
Sehr treffend, wie immer, direkt aus dem wahren Leben...
#2 am 12.10.2016 von Assistenzärztin (Gast)
  2
Köstlich geschrieben! Wirklich lesenswert.
#1 am 10.10.2016 von Florian Burkhart (Student der Humanmedizin)
  2
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