Chefsachen

07.04.2008
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„Sozialkompetenz gehört dazu“ – Ich liebe solche Artikel, die mir zeigen sollen, wie ich ein besserer Chef werde. In diesem Beitrag im aktuellen Wirtschaftsdienst für Apotheker geht es um die wohltuende Wirkung meines sozialkompetenten Verhaltens.

Um der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu sein muss ich mich demnach unbedingt in meine Mitarbeiter einfühlen und durch angemessene Bestätigung und Wertschätzung ein Klima des konstruktiven Austausches entstehen lassen.

Ein mildes Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich den Artikel an meinem letzten Ferienwochenende las, alles was dort gefordert wurde hatte ich ja schon längst quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Ich nehme mir Zeit für meine Mitarbeiter, ich motiviere und moderiere was das Zeug hält, ich bin zu Kooperation und Kommunikation fähig und lebe eitelkeitsfrei Teamarbeit. Als fleischgewordenes Sinnbild für den erfolgreichen „Chef als Lernenden“ nickte ich mit der Zeitung auf der Nase ein...und hatte einen Albtraum:

Nach dreiwöchiger urlaubsbedingter Abwesenheit teilte mir meine approbierte Mitarbeiterin mit ernster Miene mit, sie sähe sich zukünftig außerstande weitere Urlaubsvertretungen in diesem Umfang zu übernehmen. Des weiteren bat sie umgehend um eine Reduzierung ihrer Wochenarbeitszeit, um zukünftig mehr für ihr Kind da sein zu können, heißt nur noch Vormittags arbeiten (wenn Kind in Schule oder Kindergarten), Reduzierung der Samstage von bisher zwei auf null (da keine Schule oder Kindergarten samstags) und Notdienste nur noch im äußersten Notfall (da nachts selbstverständlich auch keine Schule oder Kindergarten). Meine zaghaften Einwände, was denn mit Ehemann, Eltern oder Schwiegereltern wäre, die hätten doch bisher auch einigermaßen zuverlässig ausgeholfen, wurden mit dem Vorschlag ich solle doch bitteschön von dem eingesparten Geld noch jemanden einstellen mitleidslos ausgekontert.

An dieser Stelle wachte ich Gott sei Dank auf und stellte erleichtert fest, dass ich nur geträumt hatte!

Dennoch beschäftigt mich seitdem die Frage, wie ich als „sozialkompetenter“ Chef mit so einer Situation umgehen sollte- rein theoretisch natürlich-...

Wie kann ich hier noch, wie in dem Artikel gefordert, „meinen eigenen Nutzen im gemeinsamen Nutzen“ suchen und eine „Win-win-Situation“ schaffen???

Mal ganz im Vertrauen, eine Reduzierung der Arbeitszeit von bisher 21 Wochenstunden auf Null bei vollem Lohnausgleich und Rückbesinnung auf die alten Cheftugenden „selbst“ und „ständig“ zu arbeiten wäre für mich an dieser Stelle glaube ich keine Option (rein theoretisch versteht sich), ich würde hier mal gründlich auf die Sozialkompetenz pfeifen...

P.S.: Fühle mich trotz dreiwöchigen Urlaubs urlaubsreif – suche dringend Urlaubsvertretung!

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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