Leicht blass und keine Leichenblässe (Teil 1)

01.10.2016

Es war also mal wieder so nachts. Andere Leute schliefen, ich aber nicht, denn die Nachtschwester rief an: „Hallo Dienstarzt, bei mir liegt die Frau Brimmchen. Kennen Sie die?“ – „Äh, nö?“

„Ah ok. Frau Brimmchen liegt bei uns mit hochgradiger Demenz und einer Lungenentzündung. Im Rahmen dieser Demenz hasst Frau Brimmchen die ganze Welt und lässt keine Gelegenheit aus, jeden in Reichweite zu schlagen. Aber jetzt pass auf: Als wir heute Nacht das Mitternachtsantibiotikum geben wollte, da hat sie uns nur mit rechts geschlagen. Nicht mit links. Da stimmt was nicht!“ – „Oook, ich komme vorbei.“

Kurz nach Mitternacht stand ich in einem kleinen Kreis bestehend aus der Nachtschwester und mir (naja zwei), um Frau Brimmchens Bett herum und wir zogen vorsichtig an Frau Brimmchens Arm, welcher bewegungslos und schlaff zurück auf die Matratze fiel.

„Mist, ein Schlaganfall“, dachte ich und rief den Neurologen an. Frau Brimmchen schimpfte. Der Neurologe kam. Zombiegleich hob Frau Brimmchen den bis dahin bewegungslosen Arm wenige Zentimeter an. „Na, super“, dachte ich.

„Sag mal, ist dieser Arm eigentlich immer so kalt?“, fragte der überaus kluge Neurologe und wir entschlossen uns, nun das große Zimmerlicht anzumachen. Etwas blass war er. Der Arm. Nicht der Neurologe.

Eine wilde Leuchtschrift mit den Buchstaben: „Achtung: ARTERIELLER  GEFÄßVERSCHLUSS!“ durchzog mein Gehirn. Der Neurologe stimmte dem zu, erklärte dann, dass dies ja kein neurologisches Problem sei und ging schnell wieder weg.

Prinzipiell hätte ich das alles als gefäßchirugisches Problem deklariert, aber es gab keine Gefäßchirurgen in der Gegend, deswegen war es jetzt erst mal ein internistisches Problem und der Internist – tja – das war ich.

Nun sollte ich meine Gefäßverschlusstheorie nur noch ausführlicher und möglichst schnell beweisen, denn ehrlich gesagt, über so etwas hatte ich bis jetzt nur in großen Büchern gelesen, die Namen trugen wie: „1000 Krankheiten in kleiner grauer Schrift“ oder auch „Dieses Buch ist nichts für Weitsichtige.“

Fortsetzung folgt.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.10.2016.

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Unterstellen wir mal die Diagnose "akuter" arterieller Verschluss stimmt (Puls der a. brachials, der a. radialis und der a. ulnaris an dem "kranken" Arm nicht tastbar, am anderen Arm tastbar), ist das ganze kein internistisches Problem sondern ein chirurgisches! Jeder Allgemeinchirurg mit etwas Erfahrung sollte das Problem mit einem Fogarty-Katheter innerhalb kürzester Zeit in Lokalanästhesie beheben können. In jeder chirurgischen Abteilung sollte dieser vorhanden sein. Alternativ muss die Patientin sofort in eine kompetente chirurgische Abteilung verlegt werden.
#3 am 06.10.2016 von Dr. med. Max Lindemann (Arzt)
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Gast
es gibt keinen mehr
#2 am 05.10.2016 von Gast
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Was ist mit dem Puls?
#1 am 05.10.2016 von Prof. Dr. med. Abdul Kader Martini (Arzt)
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