Prophylaxe

19.01.2008
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Herdprämie – das „Unwort“ des Jahres 2007 war nicht gerade mein Favorit. Ich fand „klimaneutrale Flüge“ viel schöner, denn dabei habe ich mir immer vorgestellt, wie unsere wunderbaren neuen Rabattvertragsfirmen ihre Generika klimaneutral nach Deutschland schaffen: Actavis aus Island, Teva aus Israel und Betapharm(Dr Reddy`s) aus Hyderabad in Indien, während hier vor Ort mittelständische Pharmaunternehmen um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen...

Auch der Begriff „Patientenmanager“ für unsere Ärzte hat mir sehr gut gefallen – aber egal, ich blicke nach vorne und habe schon einen heißen Favoriten für 2008 ausgemacht:

Herrn Böhler aus der BARMER Hauptverwaltung in Wuppertal verdanke ich mein neues Lieblingsunwort „Retaxierungsprophylaxe“. In einem unverhohlenen Drohfax erinnert er mich nochmals an meine Abgabeverpflichtung von Rabattvertragsmedikamenten, denn sonst gibt es null Euro von der Kasse und schließt mit diesem wohl witzig gemeinten Bonmot „..und somit eine Retaxierungsprophylaxe zu betreiben“ Das Wort klingt irgendwie nach Zahnschmerzen finde ich, und dieses schulmeisterlich gehaltene Fax passt hervorragend an meine neue Pinnwand „die schönsten Faxe des Monats“.

Hier hängen übrigens schon zwei durch diese Kasse verursachte Machwerke:

„Keine Inkontinenzversorgung mehr durch die Apotheke für BARMER-Versicherte in den Postleitzahlgebieten 45127-47929, da das Rehazentrum in Viersen die Ausschreibung gewonnen hat“ und noch besser „bei Verordnung von Concor zu Lasten der BARMER betreiben Sie bitte umfassende Retaxierungsprophylaxe und zwingen sie ihre Patienten dieses Rabattvertragsmedikament trotz der nicht gerade geringen Festbetragsaufzahlung zu nehmen - gegen Vorlage eines Kassenbeleges können diese sich das Geld bei ihrer Geschäftsstelle zurückholen. Merck sieht sich aus „marktpolitischen Gründen“ (auch ein toller Begriff) nicht in der Lage die Preise auf Festbetragsniveau zu senken...“

Meine Prophylaxeassistentinnen und ich feilen schon an Argumentationshilfen gegenüber den Patienten und sind bloß froh schon im letzten Jahr unsere Prophylaxeordner angelegt zu haben, in denen wirklich jede Nichtverfügbarkeit eines Rabattmedikamentes dokumentiert wurde.

Durch den Wegfall der Inkontinenzversorgung haben wir ja nun Kapazitäten frei und sehen den angedrohten Retaxierungsversuchen gespannt entgegen...Ich habe schon mal eine größere Anzahl Briefmarken und Umschläge geordert – rein prophylaktisch versteht sich.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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