Erbsenzähler

05.01.2008
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Am Tag nach Weihnachten hatten wir in der Apotheke eine junge Dame zu Gast, die sich ausführlich und aus erster Hand über den Beruf der PTA informieren wollte.

Ich bat also meine Mitarbeiter sie über Ausbildung und Berufsbild möglichst objektiv aufzuklären und ihr so die spätere Berufswahl zu erleichtern.

Das Ergebnis war aus meiner Sicht aufschlussreich und gleichzeitig absolut frustrierend!

Die Ausbildung sei anspruchsvoll, der Beruf abwechslungsreich und sehr verantwortungsvoll- so weit, so gut...Neben zahlreichen Vorteilen, wie Familientauglichkeit, der tägliche Umgang mit Menschen , u.s.w. ,wurden auch die Nachteile, wie verhältnismäßig schlechte Bezahlung und eventuell ungünstige Arbeitszeiten angesprochen.

Doch dann kam das große ABER, und da wurde es richtig emotional. Sowohl pharmazeutische Mitarbeiter, als auch PKA`s redeten sich ab da so richtig in Rage und ließen ihrem Frust freien Lauf:

ABER seit dem 1. April sei das alles anders, seitdem wäre alles, was diesen Beruf ausmache in den Hintergrund gedrängt und man wäre zu reinen Erbsenzählern und Handlangern der Krankenkassen degradiert!! Seitdem gehe es überhaupt nicht mehr um die Menschen, sondern nur noch um GELD,GELD,GELD!! Gerade die Alten und Schwerstkranken seien betroffen und man habe das Gefühl, es wäre den Krankenkassenfunktionären alles egal, Hauptsache billig!

Beispiele, wie das wochenlange Warten auf Genehmigungen für dringend benötigte Sondennahrung, oder der frustrierte Blick in eine Schublade voller Antibiotika, von denen das eine vorgeschriebene dann doch nicht dabei ist, wurden angeführt.

An dieser Stelle schlich ich leise ins Büro, ich hatte genug gehört, um zu begreifen, dass nicht nur Apothekenleiter unter der derzeitigen Situation leiden, sondern auch die Mitarbeiter.

Was man eventuell auch positiv sehen kann, denn wer sich so über diesen ganzen Bürokratiewahnsinn beschwert, der begreift seine Arbeit eben nicht nur als Job!

Auf meinem Schreibtisch lag dann das Fax des Apothekerverbandes, in dem es wohl um die neuen Rabattverträge 2008 und aktuelle Hilfsmittellieferverträge ging...- ich habe es ungelesen unter den Stapel der 1000 wichtigen Mitteilungen der letzten Zeit geschoben und von alten Zeiten geträumt, in denen die Apotheke noch etwas anderes war, als die Erbsenzählanstalt der Krankenkassen...

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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