Hate to say I told you so

09.09.2016
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Hate to say I told you so – So etwas hört man nicht gerne und sagt man nicht gerne. Klingt so meckerig. Manchmal denke ich es mir, wie zum Beispiel vorgestern. Ich hatte Dienst und lief zwischen Station und Notaufnahme hin und her, und zwischendurch gab es Konsile im ganzen Haus zu erledigen, meine Mindestschrittanzahl habe ich also erreicht.

Ich stehe also am Bett von Frau Italien, schon zum zweiten Mal in der Woche. Eigentlich eine internistische Patientin, Verzeihung, eine internistische Vollkatastrophe. Erstens: zigfach voroperiert wegen Krebs und Herzproblemen, zweitens alles, was man sich so vorstellen kann: Herzinsuffizienz, ein Kreatininwert von mindestens einer Fantastillion und so weiter. Achja, und was wir ChirurgInnen auch so gerne haben: Gerinnungshemmer! Am besten Plavix UND Aspirin. Da blutet es dann so richtig schön während der Operation, und nachher dann auch noch.

Frau Italien klagt also über gürtelförmige Oberbauchschmerzen, ich schlage der zuständigen Assistenzärztin vor, dass man ja mal die Cholestaseparameter, Leber- und Pankreaswerte im Blut bestimmen lassen könnte. Ein Ultraschall des Bauches wäre auch nicht schlecht.


Internistische AÄ: “Ah ja, eine Bildgebung – ich habe vor einer halben Stunde ein CT angeordnet, ohne Kontrastmittel, wegen ihrer Niere!”

Menschenhandwerkerin: “Hm, also ein CT, noch dazu ohne Kontrastmittel, ist eher nicht die Bildgebung der Wahl bei der Verdachtsdiagnose einer Cholezystolithiasis oder Cholezystitis ...”

Internistische AÄ: “Achso, hm, zu spät, die Patientin ist schon auf dem Weg in die Röhre!” - Also, na gut, na dann halt. Und surprise, surprise: Im CT sehe ich gar nichts. Nicht, weil die Frau nichts im Bauch hat, sondern weil ein CT ohne Kontrastmittel einfach scheiße ist.

Aber ich denke mir, was weiß ich schon, bin ja noch jung und unerfahren und keine Radiologin. Also rufe ich den Radiologen an und frage ihn nach einer Pathologie im Bauche von Frau Italien: Nein, nein, sie habe gar nichts, alles unauffällig. Ich frage ganz vorsichtig nach, ob er das auf den Bildern wirklich gut beurteilen kann, oder ob man nicht noch ein Sono machen sollte. Nein alles normal, Gallenblase unauffällig, keine Steine, keine Entzündung und überhaupt.

Naja, denke ich mir, er wird es schon wissen. Frau Italien klagte allerdings weiter über die Schmerzen im Oberbauch und ich ordnete am Tag darauf einen Schall des Oberbauches an. Diagnose: Schwerste Cholezystitis! HAB-ICH-ES-NICHT-GESAGT.


 

Bildquelle: Erik Vanden, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.09.2016.

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#20 am 12.10.2016 von Ulrike Jakobsmeier (Medizinische Dokumentarin)
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Assistenzärztin
@ Frau Gräter: Manchmal werden Krankheitsbilder multimorbider Patienten so zusammengefasst. Auch wenn es Sie schockiert, manchmal fallen im Klinikalltag in Abwesenheit der Patienten solche Begriffe, das werden Sie noch erleben. Es klingt zwar derb, distanziert und unterkühlt, aber bedeutet keineswegs dass man die Patienten nicht aufrichtig respektiert, von Herzen bedauert, bemüht ist Ihnen bestmöglich zu helfen und versucht sie so freundlich wie möglich zu behandeln. Manchmal ist es einfach nur Ausdruck der Verzweiflung oder Hilflosigkeit: z.B.: "Internistisches Polytrauma/Internistische Vollkatastrophe" = die meisten lebenswichtigen Organsysteme sind funktionseingeschränkt/haben bereits dauerhafte Schäden davongetragen oder "Ganzkörpergefäßbaustelle" = KHK, pAVK und cAVK mit hohem Interventionsbedarf (kaum ist ein Gefäß wieder durchgängig gemacht, verschließt sich ein anderes) Darum geht es ja in diesem Blog: nicht nur rosarote Brille sondern auch mal die Schattenseiten darzustellen
#19 am 24.09.2016 von Assistenzärztin (Gast)
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"Internistische Vollkatastrophe"...vielleicht möchte jemand der hier bei DocCheck verantwortlich ist, sich mal um einen anderen Umgangston bemühen???
#18 am 23.09.2016 von Ursula Gräter (Ärztin)
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Gast
Mittlerweile fällt mir auf, dass die Kommentare auf diesem Blog immer sehr negativ und teilweise wirklich gemein ausfallen. Die Autorin berichtet auf -meiner Meinung nach- recht humorvolle Weise Geschichten aus ihrem Krankenhausalltag und sie wird in den Kommentaren (und ich beziehe mich nicht nur auf diesen Blog Eintrag) immer recht harsch angegriffen. Ich möchte nur mal darauf hinweisen, dass wir eigentlich nichts über die Kollegin, oder das Krankenhaus in dem sie arbeitet wissen. Vielleicht sollten wir uns alle mal etwas an der Nase fassen und ein wenig mehr Vertrauen in unsere Kollegen haben und sie mit ein bisschen mehr Respekt behandeln, ob online oder nicht.
#17 am 21.09.2016 von Gast
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Assistenzärztin
Ja, der Ton lässt tatsächlich etwas zu wünschen übrig... schade eigentlich, ist so ein schöner Fall. Da gibt es viel zu diskutieren. Ich muss zustimmen dass es (gerade bei dieser Patientin) offenbar nicht viel gab was gegen ein Nativ-CT sprach, andererseits war das Problem nicht das durchgeführte CT sondern die NICHT durchgeführten Untersuchungen. Bei allem Respekt für Leitlinien: in diesem Fall gab es retrospektiv keinen therapeutischen Nutzen (man hat freie Luft ausgeschlossen und Steine, aber die Cholezystitis wurde nicht entdeckt). Natürlich hat man bei älteren, multimorbiden Patienten nichts gegen ein ergänzendes CT einzuwenden, allerdings es generell für alle "Unklaren Abdomen" zu empfehlen halte ich für fragwürdig... wie oft kommen Kinder oder Teenager mit Verdacht auf Appendizitis DD Blasenentzündung DD Obstipation? Da würde ich nicht leichtfertig ein CT anordnen... (und wenn ich es tun würde würden sich unsere Radiologen wahrscheinlich weigern es durchzuführen)
#16 am 13.09.2016 von Assistenzärztin (Gast)
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Chirurgischer Exchef
Also ein Nativ-CT bei unklarem Bauch steht sogar in den Leitlinien und man muss deswegen nicht so hämisch darüber schreiben. Klar sollte vorher als nichtinvasive Untersuchung ein Schall gemacht werden, beide Untersuchungen ergänzen sich, weil beide ihre Lücken haben und die Aussage, dass ein CT ohne KM ... [Kommentar von der Redaktion gekürzt].
#15 am 13.09.2016 (editiert) von Chirurgischer Exchef (Gast)
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Internistin
Der hinzugezogene Chirurg soll doch bitte sein Sono der GB selbst machen, das dauert schließlich 3 Sekunden. Das ist ja wohl die Höhe, dass bis zum nächsten Tag bei unklarem Befund gewartet wurde. Aber so kenne ich die Chirurgen auch, zum Meckern haben Sie irre Zeit, zum Untersuchen schlicht keinen Bock!
#14 am 13.09.2016 von Internistin (Gast)
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Gast
Sollte : ...sehr nett geschrieben BLOGG ...heißen, sorry...
#13 am 13.09.2016 von Gast
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Gast
Also wer diesen sehr nett geschrieben nich kapiert, hat nie im KH gearbeitet und sollte einfach mal die Klappe halten! Genauso läuft das da ab. Jeder kann für sich entscheiden, ob er das toll finden mag oder nicht! Wir können dann alle sehr gern über Sinnhaftigkeiten in der medizinischen Diagnostik und Kostenexplosion diskutieren! Ich finde den Artikel super und wer sich auf den Sxhlips getreten fühlt sollte dringend darüber nachdenken, ob er sich eventuell ertappt fühlen sollte!
#12 am 13.09.2016 von Gast
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Gast
Albern-Englisch???
#11 am 12.09.2016 von Gast
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Gast
und warum haste dann das supertolle abdomensono nicht gleich an dem tag gemacht, wo DU ans Bett gerufen wurdest, du obertolle Chirurgin? wär vielleicht sinnvoller gewesen als bis zum nächsten tag zu warten, und dann hinterher über die Internisten zu schimpfen. CHolecystitis ist meines Wissens ein chirurgisch zu behandelndes Krankheitsbild, selbst wenn der Pat. vorher internistisch lag...
#10 am 12.09.2016 von Gast
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Gast
Lassen Sie Eim doch mit Ihrem Albern-Englisch in Ruhe, sonst lese ich nicht
#9 am 12.09.2016 von Gast
  7
Gast
@Assistenzärztin Naja, was es genau mit dem Artikel zu tun hat?Wahrscheinlich wenig bis nichts, aber ich fand den Artikel einfach sehr nett (ohne auf den Ärzten rumzuhacken, wo wären wir ohne gute Ärzte?) Das mit dem fegen finde ich prima, leider denken sowohl in Ihrer Sparte als auch in meiner lange nicht alle so. Glauben Sie mir, ich habe nichts für HP- und Physiokollegen übrig habe, die teils verzweifelten Patienten mit windigen Aussagen und Therapieformen den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen (leider gab es das schon im Mittelalter und hat sich bis heute gehalten ;-) ) Als Physio hab ich es gut gelernt und werde es als HP weiter zusätzlich so halten: Alles wovon ich keine Ahnung habe oder einfach aus meiner Sicht von mir nicht zu behandeln--> ab zum Doc:-) (viele kommen leider schon von da ;-)) ) Also nicht streiten , sondern lieber gut zusammenarbeiten ;-))
#8 am 12.09.2016 von Gast
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Gast
@#6 so sollte es eigentlich auch nicht rüberkommen.... ich arbeite prima mit den Ärzten in der Umgebung zusammen, so sollte das meiner Meinung nach sein....leider wird man als Physio oft von der Ärzteschaft auch belächelt, nicht sehr schön finde ich.Wenn jeder seinen Job gut machen würde und alle zusammen arbeiten würden wie es sich gehört , könnte man einigen Patienten wesentlich besser helfen und es könnte nebenbei auch noch Geld gespart werden, welches eventuell wieder in die Ausbildung und Einstellung (KH) von Fachkräften etc. gesteckt werden.
#7 am 12.09.2016 von Gast
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Gast
Heilpraktiker und Physio - nette Kombi - aber dieses herablassende Gehabe gegenüber Schulmediziner ist auf Dauer auch nicht gerade professionelle
#6 am 12.09.2016 von Gast
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Assistenzärztin
@ Gast: Ehrlich gesagt verstehe ich dieses ewige Gezanke um Heilpraktiker und Humanmediziner nicht mehr... Und ich verstehe auch nicht was das hier mit diesem Artikel zu tun hat. Die Humanmediziner werden doch jedesmal wenn hier bei doc check auch nur angedeutet wird es könnte Probleme seitens der HP-Ausbildung oder -Tätigkeit geben angefaucht sie sollen gefälligst ihren arroganten Mund halten und vor ihrer eigenen Tür fegen. Dabei wird gerne mal übersehen dass sich hier die allermeisten Artikel und die daraus folgenden Diskussionen um Fälle aus der Schulmedizin drehen > also Mediziner die genau das tun: vor der eigenen Tür fegen! Wir versuchen hier was zu lernen, uns zu verbessern und Missstände zu erkennen und zu beheben und genau deshalb beschäftigen wir uns mit Fällen die nicht optimal gelaufen sind, was ist daran falsch? Abgesehen davon handelte es sich hier offenbar nicht um Fachärzte sondern Assistenten...
#5 am 12.09.2016 von Assistenzärztin (Gast)
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Gast
Und hier wird sich andernorts über Fehler die EIN!!! Heilpraktiker eventuell gemacht hat ( bin selber HP und Physio und toleriere absolut NICHT was der Kollege da getrieben hat!) und Frau Italien muss sich mit Oberbauchschmerzen zu lange rumplagen, weil gleich 2 Fachärzte doch "etwas" daneben liegen.....Danke für die nette Story, passiert mir leider als Physio auch, was da an Diagnosen von so manchem Orthopäden in die Praxis watschelt, traumhaft..... PS: Bei der Ausbildung zum HP wird man übrigens explizit dahin trainiert , das akute Oberbauchschmerzen ein Notfall darstellen und der Patient/in SOFORT an einen Arzt zu verweisen ist bzw. ein Notruf abgesetzt werden muss falls ein Zusammenbruch in der Praxis erfolgt.
#4 am 12.09.2016 von Gast
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Assistenzärztin
Jedesmal wieder eine interessante, wichtige und in manchen tragischen Fällen auch leider schmerzhafte Lektion. Bei jedem Patienten mit akuten Bauchschmerzen sollte ein Abdomensono gemacht werden, unverzüglich! Es gab keinen Gund das Sono auf den nächsten Tag zu verschieben. Selbst ein unerfahrener Assistenzarzt kann hier die typischen Anzeichen einer Cholezystitis erkennen und das hätte nicht annähernd so lange gedauert wie ein CT (mal abgesehen von der Strahlenbelastung und den unnötigen Kosten...). Die Geschichte passt sehr gut zu dem Artikel "Eintrag ins Lügbuch" http://news.doccheck.com/de/143982/facharztausbildung-eintrag-ins-luegbuch/), wie kann es sein, dass es nicht möglich ist während der Facharztweiterbildung nicht einmal 400 Sonos zu machen und welche Chefs segnen so etwas ab? Das ist doch Basiswissen...
#3 am 12.09.2016 von Assistenzärztin (Gast)
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Gast
nur nix arbeiten ... nur nix selber machen ... Oh das nervt so!!!
#2 am 12.09.2016 von Gast
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Ein CT vom Bauch ohne KM ist so gut wie der Radiologe!
#1 am 12.09.2016 von Dr. med. Klaus Niedrig (Arzt)
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