Tief in der Nacht

28.08.2016
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Es war also Nacht. Supertiefe Nacht. So vier Uhr. Freundliche Herren in seriöser Uniform hatten gerade noch einen nicht ganz so seriösen Patienten angeschleppt: „Ich bin voll und du nicht!“ – Jop! Gut erkannt. Mit seinen 3 Promille hatte ich auch diesen in ein Bett im Flur gelegt, auf dass er dort und nicht auf einer frei gewählten Straße der Umgebung die restliche Nacht verschlafen konnte.

Dann wollte ich auch schlafen und ich legte mich hin und schlief. So zehn Minuten. Dann klingelte mein Dienstarzttelefon und ich wachte wieder auf in der Erwartung, mindestens zwei Stunden geschlafen zu haben, aber dem war nicht so – was nicht zu meiner Freude war. Eine unbekannte Nummer von außerhalb. Hm: „Klinikum Beteigeuze, Frau Zorgcooperations, hallo?“


„Ich hab‘ Bauchschmerzen“, sagte eine Stimme am anderen Ende der Leitung, die sich nicht so anhörte, als habe sie wirklich Bauchschmerzen, aber gut, das ist so natürlich auch schwer zu beurteilen.

„Ah, hm, sie haben also gerade starke Bauchschmerzen“, fragte ich verwirrt und versuchte noch weiter aufzuwachen. – „Äh, nein, nicht so.“ – „Ok.“

Ich war immer noch zu müde, um hier ein sinnvolles Gespräch weiterzuführen. „Aber jetzt hatten Sie so starke Schmerzen, dass Sie sich entschlossen haben im Krankenhaus anzurufen?“

„Hm, nein. Also ich habe seit so 20 Minuten Bauchweh. Aber nicht so stark. Nur geht es jetzt nicht mehr weg. Da wollte ich fragen, was ich denn jetzt tun soll?“

„Und haben sie sonst noch andere Beschwerden? Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Fieber ...?“ – „Nein, nein. Nur das geht jetzt schon 20 Minuten und da wusste ich nicht, was ich tun soll.“

Das wusste ich jetzt auch nicht so recht und ich schlug dann vor, es in diesem Fall doch erst mal mit Abwarten oder einer Wärmeflasche zu versuchen. Und sollte es dann schlimmer werden, könne man ja immer noch einen Besuch im Krankenhaus anhängen.

Dies war wohl die richtige Antwort und es kam in der restliche Nacht auch niemand mit Bauchschmerzen vorbei.

Zum Blog.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 31.08.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
Die KV Rheinland-Pfalz trägt auch noch bei zum Mißbrauch, indem sie von "Notdienstzentralen" auf "Bereitschaftsdienstzentralen" umfirmiert hat auf Kosten der Vertragsärzte.
#17 am 16.09.2016 von Gast
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Gast Nr. 15
sry, mein Kommentar bezog sich auf Nr. 12, nicht 11.
#16 am 06.09.2016 von Gast Nr. 15 (Gast)
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Gast
@ Nr. 11: Nicht unbedingt, es gibt mittlerweile auch Arztpraxen die ihre Sprechzeiten flexibler gestalten und z.T. an manchen Tagen bis 19 Uhr oder noch länger erreichbar sind. Ausserdem, wenn man so krank ist, dass man unverzüglich einen Arzt aufsuchen muss braucht man keine Arbeitszeiten zu berücksichtigen > dann teilt man dem Arbeitgeber mit man sei krank und müsse zum Arzt. Und das hat der zu akzeptieren. Wenn das nicht möglich ist gibt es immer noch den Dienst unter 116 117, man braucht also nicht unbedingt die Notaufnahme aufzusuchen. Das Problem ist vielmehr das immer mehr Menschen Notdienste (und Notaufnahmen) in Anspruch nehmen wo kein Notfall vorliegt (z.B. das tut schon seit Wochen weh, aber heute ganz besonders und ich wollte das jetzt mal abgeklärt wissen....> um 3 Uhr morgens> stationäre Aufnahme zur weiteren Diagnostik? wird abgelehnt! Das muss doch ambulant gehen! die Klinik wird von der KK mit 30 € abgespeist für 60 min Nachtarbeit, großes Labor, Sono, Röntgen, usw.)
#15 am 06.09.2016 von Gast
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Sinnvoll ist es auch (bei Alarmierung des RD in solchen Fällen, wo definitiv eine Lebensgefahr auszuschließen ist), im Vorfeld den "Patienten" eine Kostenübernahme unterschreiben zu lassen, mit dem Hinweis darauf, daß keine Einweisung und kein Transportschein vorliegt. Dann hat man den Patienten zwar transportiert, aber sich trotzdem abgesichert, falls der Transport im Nachhinein durch die Klinik abgelehnt wird. Denn das ist dann einklagbar.
#14 am 05.09.2016 von Alexandra Lück (Rettungsassistentin)
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Gast
# 11 : Es ist aber so, jedoch nicht opportun, insbes. für Frauenfalschversteher :-)
#13 am 05.09.2016 von Gast
  2
Gast
Die Arztdienstzeiten werden tagsüber immer kürzer und die Arbeitszeiten der Bevölkerung immer flexibler und das Freizeitverhalten immer ausgiebiger. Da bleibt nur noch die Inanspruchnahme des Notdienstes übrig.
#12 am 04.09.2016 von Gast
  0
Gast
#10 : es handelt sich eben in aller Regel um Frauen...
#11 am 02.09.2016 von Gast
  10
Das sind doch alltägligche Vorkommnisse, auch in unserem Apothekenotdienst: morgens um 3:00 Uhr unbedingt Labello, Schwangerschaftstest oder mal eben Geld wechseln - alles schon vorgekommen - selbst wenn es 2,50 € Notdienstgebühr extra kostet. Da scheint das Geld keine Rolle zu spielen.
#10 am 02.09.2016 von Margarete Heidl (Apothekerin)
  0
Diese - freundlich ausgedrückt - Anspruchshaltungen, ich nenn es lieber Frech- bis Dummheiten haben System. Das „Basis-System“ im Hintergrund ist die von einer mächtigen Sozial-Industrie EIFRIG geförderte (s.o.) Behauptung, Staat (respektive „die da oben“) hätten und KÖNNTEN (auch) gefälligst für Alles und Jedes (und nicht nur Gesundheit betreffend) zu sorgen. - Ich beliebe dieses Phänomen „systematische Entantwortlichung“. Begründet wird diese - freundlich ausgedrückt - Narretei mit einem von unglaublicher Hybris geprägten „allumfassenden Glücksversprechen“ das Staat um so VEHEMENTER abgibt, je weniger er in der Lage ist auch nur ELEMENTARE staatliche Aufgaben zu erfüllen. -
#9 am 02.09.2016 von Reinhold Eysel (Apotheker)
  0
Hallo! Solche und ähnliche "Schmerzpatienten" hat man als ZA im Notdienst fast immer. Die um 2 Uhr nachts in den ND kommen mit der Bemerkung: "Ich hab jetzt Feierabend (wie schön!) und jetzt Zeit und da können Sie mir doch mal eben meine kaputten Zähne (so ca. 1o Stück) durchsanieren. Solche Anspruchshaltungen nehmen zu und das Benehmen der Patienten zunehmend ab und wird v.a. auch aggressiver. Ich hoffe, Sie konnten wenigsten den Rest der Nacht etwas schlafen. Alles Gute
#8 am 02.09.2016 von Dr. Dirk Reißmann (Zahnarzt)
  0
Ich kenne leider keine Praxis oder Tierklinik in der Notdienstanrufe kostenpflichtig sind. Schön wär's.
#7 am 01.09.2016 von Dr. Karolin Hoffmann (Tierärztin)
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An die Tierarzt-Kollegen: und wie machen Sie das mit der Abrechnung am Telephon? Das kann doch nur unter Angabe der Personendaten und Zusendung einer Rechnung gehen? Und dann laufen Sie den nicht bezahlten Rechnungen hinterher? Also in einer Landarztpraxis kann ich mir das vorstellen, dass das funktioniert, aber in der Stadt oder in einem Krankenhaus?
#6 am 01.09.2016 von Patrick Feldmann (Arzt)
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Gast
#3 Es müssen nur die "richtigen Schlagworte" fallen, und Patient bekommt alles was gewünscht.
#5 am 31.08.2016 von Gast
  0
Gast
Bei den Tierärzten kostet es wahrscheinlich 50 € und das ist noch zu wenig. Gleiches gilt für nächtliche Ambulanzbesuche: Beschwerden seit drei Monaten. "Ich wollt's mal eben abklären lassen" oder "Tagsüber hab ich keine Zeit zum Warten".
#4 am 31.08.2016 von Gast
  5
Gast
Noch besser ist es den RD zu alamieren -:) (wenn sich jmd. auskennt) und auf einen Krankenhaustransport zu bestehen! Als Rettungsassistent (ohne NA) darf man den Transport leider nicht verweigern! NA nachfordern wäre übertrieben (geht nicht), die Klinik freut sich dann mit so einem Patienten. Und der RD wird blöd angeschaut. - Sch.. Situation, öfters so erlebt.
#3 am 31.08.2016 von Gast
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Ja, wir Tierärzte machen das so :-) (Anrufe kostenpflichtig)
#2 am 31.08.2016 von Dr. med vet Maurizio Gianini (Tierarzt)
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Wenn der Anruf kostenpflichtig wäre (so ab zehn Euro) würden sich solche Sachen von selbst erledigen.
#1 am 31.08.2016 von hebamme Birgit Gerber (Hebamme)
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