Zu erschöpft für einen Kaffee ?

25.08.2016
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Zugegeben : Diese Studie zum Thema Lernstörungen und Exekutivfunktionsdefizite hat mich schockiert. Es geht um die berechtigte Frage, ob Menschen mit Problemen im Bereich der Zeitwahrnehmung und im Bereich der höheren Handlungsfunktionen mehr Zeit für die Verrichtung von einfachen Alltagsaufgaben benötigen. Brauchen Sie zu lange für die Zubereitung ihres Kaffee ?

Von meinem ersten Pflegepraktikum in einer Klinik bis zum heutigen Tag ist mir klar geworden, dass eine Station oder Abteilung ohne ein funktionierendes Kaffee-Versorgungssystem nun völlig scheitern muss.


Es mag Probleme im Bereich der Patientenaufnahme, der Therapieplanung, im Bereich der Hygiene oder sonstwo geben. Wenn es nicht mehr gelingt, Kaffee ausreichend schnell, ausreichend warm und dauerhaft in die Tasse zu bringen, ist ein echter Notfall angesagt.  Egal wie die Plörre dann schmeckt. Es gibt da unendlich viele Kleinigkeiten zu beachten. Speziell, dass immer genug Kaffee überhaupt verfügbar ist. Es geht hier also um spezielle, ja lebenswichtige Probleme der Selbstfürsorge und Selbstregulation.

Nun oute ich mich als Umweltsau. Bei mir gibt es den Kaffee aus einem Kapselsystem in der Klinik und zu Haus mit Pads. Die emotionale Voraktivierung durch den vorgeahnten Geruch und den warmen Geschmack von Kaffee würde bei mir nun alle Ansätze von Prokrastination bzw. Probleme der Selbstaktivierung vertreiben.

Sicher wäre es viel schöner und sinnvoller, wenn ich mir den Kaffee nun selber brühen würde. Frisch gemahlen mit einer Press-Maschine ohne Strom. Da spielt dann aber mein ADHS dagegen. Gegen Aufschieberitis wäre es aber sinnvoller. Als ADHSler spielt es für die Motivation sehr wohl eine Rolle, ob ich mir das Endergebnis quasi mit allen Sinnesmodalitäten vorstellen kann. Also das positive Endergebnis quasi RIECHEN, FÜHLEN, SCHMECKEN und auch ERINNERN kann. Gestern war ich in einer Konditorei, die offenbar noch selber backen kann. Unbeschreiblich, dass ein simpler Geruchmix von Gebäck und Kaffee mein limbisches System und die Erinnerungsfunktionen des Hippokampus zu kitzeln kann.

Wenn die Studie recht hat, brauchen Menschen mit ADHS und Störungen im Bereich der Exekutivfunktionen länger für die Zubereitung einer Tasse Kaffee. Und vermutlich brauchen Sie auch mehr Energie dafür. Wenn es um das Auswechseln  einer Glühbirne gehen würde oder die Neuinstallation eines Druckertreibers, dann würde dies also um ein Vielfaches länger dauern.

Wenn es schon mit dem Kaffee nicht klappt, wird es mit weit problematischeren Alltagsaufgaben auch nicht besser sein. Anders ausgedrückt : Es ist nicht nur ein Problem der Dauer, sondern auch der Energiebilanz mit einer frühzeitigeren Erschöpfung und geringeren Belastungsfähigkeit, die Menschen mit Besonderheiten im Bereich der höheren Handlungsfunktionen plagen.

 

Zum Abstract der Studie aus Israel

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.09.2016.

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Gast
Link zum Abstract der Studie aus Israel funzt nicht
#1 am 18.10.2016 von Gast
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Nun haben sie dazu ja auch erstmal jede Berechtigung, schließlich sind viele der Patienten aufgrund von mehr...
Ich gebe zu : Ich bin gefährdet bzw. möglicherweise betroffen. Wenn es denn das "Text neck" überhaupt mehr...
Eigentlich ist der Trend ja schon wieder vorbei. Oder? Fidget Spinner haben derzeit eine riesige Nachfrage und nerven mehr...

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