HPV: Genitaler Kahlschlag mit Nebenwirkung

24.08.2016
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In einem früheren Blogbeitrag forderte die DGU schon eine HPV-Impfung für Jungen. Mittlerweile empfiehlt auch die BDU diese Maßnahme. In einem kleinen Interview wird auf die geschlechterunabhängige Verbreitung von Warzen hingewiesen. Eine Rolle könnte dabei die Intimrasur spielen.

Derzeit sind 210 HPV-Typen klassifiziert, von ­denen 40 des Genus Alpha vorwiegend die Ano­ge­nitalregion infizieren. Dort verursachen die so­ge­nann­ten low-risk HP-Viren überwiegend Condylome, die high-risk HPV können jedoch zu Dysplasien, Zervix-, Penis- und Analkarzinomen führen.

HPV-Infektionen: längst nicht nur ein Frauenproblem

Die HIM-Studie, welche 1.200 gesunde, asymptoma­tische Männer untersuchte, fand In­fektionsraten für diverse HPV von circa 50 %. In der Regel handelte es sich dabei zwar um transiente Infektionen, die im Mittel nach sieben Monaten wieder verloren wurden. Allerdings gilt dies nicht für HIV-positive Männer, wie eine weitere Studie an 800 HIV-Positiven nachwies. Aufgrund der bestehenden erworbenen Immunschwäche wird HPV nur unzureichend oder gar nicht mehr aus dem Körper der Betroffenen eliminiert. Dies führt dazu, dass die HPV-Prävalenz in HIV-positiven Männern sogar auf bis zu 90 % ansteigt. Für diese Patienten besteht ein um ein Vielfaches höheres Risiko für das HPV-induzierte Analkarzinom.

Bei der Risikoreduktion könnte in solchen Fällen beispielsweise die gezielte HPV-Impfung für HIV-positive MSM helfen, doch die wird nicht von der STIKO empfohlen und somit auch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Mittlerweile gibt es bereits die nonavalente Impfung gegen HPV, die sowohl vor einigen Hoch-Risiko-Typen, aber auch vor den Erregern der Feigwarzen, wie HPV-6 und -11, schützt. Die Experten sind sich derweil einig: Selbst, wenn Betroffene bereits durch einige HPV-Typen infiziert sind, könnte eine solche Impfung vor dem Infektionsrisiko mit weiteren HPV-Typen schützen.

Feigwarzen nehmen zu

Unabhängig vom HIV-Status haben jedoch beide Geschlechter ein etwa 10 % Risiko, im Leben an HPV-abhängigen Condylomen zu erkranken. Derzeit leidet etwa 1 % der deutschen Bevölkerung an Condylomata acuminata, in Großstädten liegt die Inzidenz noch darüber. Doch weshalb sind Feigwarzen heute, wie viele andere Geschlechtskrankheiten auch, weiter auf dem Vormarsch?

Eine wichtige Rolle dabei könnte die weitverbreitete Intimrasur sein. Der genitale Kahlschlag hat nämlich auch eine entscheidende Nebenwirkung: Die Intimrasur setzt immer kleine Hautschäden. Gerade für Menschen mit HPV-Infektionen besteht dabei die Gefahr, die Viren im betroffenen Hautareal zu verteilen und auch Partner, die ebenfalls im Intimbereich rasieren, sehr viel leichter anzustecken. Erstes Anzeichen sind meist kleine, aber weiträumig auftretende Warzen innerhalb des rasierten Bereichs. Doch auch andere Erkrankungen können die Mikroläsionen als Eintrittspforten nutzen, so z. B. die Syphilis. „Streng genommen gibt es nur eine Erkrankung, gegen die die Intimrasur hilfreich ist – und das sind Filzläuse. Denen wird nämlich mittels Rasur der Lebensraum dauerhaft genommen“, weiß Prof. Norbert H. Brockmeyer, Vorsitzender der Deutschen STI-Gesellschaft.

Impfung schützt zuverlässig vor Feigwarzen

Österreich und die Schweiz impfen seit Kurzem beide Geschlechter gegen HPV-Infektionen. Im weltweiten Maßstab gehen hier die Australier allen voran, die mittlerweile Impfraten für Jungen und Mädchen von bis zu 70 % erreichen. Der Erfolg der HPV-Impfung in Australien zeigt sich darin, dass dort die Rate für Condylomata acuminata deutlich abnahm.

Der oft vorgebrachte Herdenschutz ist bei uns mit Impfraten für Mädchen um 40 % nicht erreichbar und vernachlässigt zudem die Jungen, die später Partner aus dem nicht-geimpften Ausland haben sowie MSM. „Die Impfung der Jungen gegen HPV ist daher nicht nur gerecht, sondern auch medizinisch indiziert und ähnlich erfolgversprechend, wie der damit zu erreichende Infektionsschutz bei den Mädchen“, findet Prof. Brockmeyer. Mehr dazu im folgenden Interview-Beitrag vom STI-Kongress in Berlin, 2016:

Interview mit Prof. Norbert H. Brockmeyer: Weshalb braucht es die HPV-Impfung für Jungen?

Quellen:


Pressemitteilung der DGU vom 23.06.2016 „Urologen empfehlen die HPV-Impfung für Jungen“

Interview mit Prof. Brockmeyer, DSTIG 
Industrie-Symposium exklusiv: „Impfpräventable STI – Potenzial und Praxis einer geschlechtsneutralen HPV-Impfung bei Männern“ (Veranstalter: Sanofi Pasteur MSD GmbH), Berlin 2016

Bildquelle: Brad Montgomery, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.08.2016.

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Gast
@Helmut Frank: Kondome schützen nicht vor HPV-Infektionen! Gerade der Bereich in dem man sich rasiert, ist zu größten Teilen wohl eher nicht von einem Kondom verdeckt. Gleichzeitig treten gerade hier häufig Condylome auf.
#8 am 01.08.2017 von Gast
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@#5 Impfungen gehören eben gerade nicht zu "safer Sex", weil die Adressaten sich eher in trügerischer Sicherheit wähnen: Alles ist behandelbar, oder "ich bin ja geimpft" führt im ungünstigen Fall eben zum Verzicht auf "safer Sex". Der Verzicht auf Intimrasur und Impfungen, dafür ein konsequenter Gebrauch von Kondomen sind günstiger und effektiver.
#7 am 12.09.2016 von Helmut Frank (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  0
Gast
Da die Impfung nicht unbedenklich ist, alleine in Kanada 10% Notaufnahmen nach der Impfung mit stationären Behandlungen und Eltern in Irland, England Schweden und Dänemark, die für ihre Töchter kämpfen, die nach HPV- Impfung in die chronische Müdigkeit kamen und seither seit Jahren nicht mehr am Leben teilnehmen können, geschweige denn ihre Schulausbildung beenden können....Japan empfielt die Impfungen schon lange nicht mehr. Über Intimrasur können wir gerne diskutieren, zielführender ist allerdings sich über steigende Umweltbelastungen und damit einhergehende Immunschwäche zu reden- und natürlich Kondome!!!!!!!!!
#6 am 07.09.2016 von Gast
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Gast
Mon Dieu, die Intimrasur ist bestenfalls eine Randnotiz. Viele mögen es, andere nicht. Fertig. Letztlich geht es doch darum, "safer sex" zu praktizieren. Sofern empfehlenswerte Impfungen dazu gehören, möge man diese ebenfalls propagieren. Erik V.
#5 am 31.08.2016 von Gast
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Es kommt darauf an, was in unserer Stammesgeschichte - im Durchschnitt - in uns angelegt ist.
#4 am 31.08.2016 von Joachim Bedynek (Chemiker)
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Christian Becker
Vorlieben sind verschieden, Herr Bedynek. Ich mag keine Leberwurst, für manche ist sie ein starker Appetitauslöser.
#3 am 31.08.2016 von Christian Becker (Gast)
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Die im Idealfall dreieckförmige weibliche Schambehaarung ist ein sehr starker sexueller Auslöser, so wie langes Kopfhaar. Mir ist völlig unverständlich, wie man ohne Not an beidem herumschnipseln kann.
#2 am 30.08.2016 von Joachim Bedynek (Chemiker)
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Gilt die obige Aussage für HIV+ mit oder ohne wirksame Therapie?
#1 am 30.08.2016 von Dr. med. dent. M. Sc. Diethard Kunert (Zahnarzt)
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