Ferienjob im OP

23.08.2016
Teilen

Am Beginn des Semesters war ich mir sicher, dass ich in der vorlesungsfreien Zeit sehr

gerne arbeiten würde. Ich war jedoch wenig motiviert, in einem Restaurant zu kellnern

oder in einem Supermarkt an der Kasse zu sitzen. Also hangelte ich mich durch das

Internet und fand schnell heraus, dass viele andere Medizinstudenten in ihren Ferien als

sogenannte Hakenhalter, dh 2. Assistenz im OP gearbeitet haben.

Ich war sehr begeistert von diesem Job und begann direkt alle umliegenden

Krankenhäuser im Umkreis zu kontaktieren. Schnell bekam ich die Rückmeldung, dass

Studenten als Assistenten gerne gesehen sind und nach einigem Mailverkehr und einem

kurzen Vorstellungsgespräch war alles unter Dach und Fach. Am 11.Januar sollte es

losgehen im OP der Unfallchirurgie.

Am ersten Tag ging ich mutig und motiviert, mit OP-Kleidung, Haube und Mundschutz

ausgestattet in den OP-Trakt. Ich war sehr aufgeregt, als die OP-Schwester mir zunächst

zeigte, wie man sich steril einwäscht und mich anschließend steril in Kittel und

Handschuhe packte. Zum Einstieg gab es nur einen kleinen und kurzen Eingriff – die

Metallentfernung einer Plattenosteosynthese einer Claviculaschaftfraktur, zunächst

noch recht schüchtern mit Tupfer und Schere, stieg der Mut und die Begeisterung mit

jeder Minute der OP. Es war ein wundervolles Gefühl steril mit am OP-Tisch stehen und

sich ein bisschen wie ein Arzt fühlen zu dürfen.

Insgesamt war ich 5 Wochen als studentische Assistenz eingestellt und in diesen

Wochen durfte ich viele interessante Eingriffe sehen. Neben den Routineeingriffen wie

HüftTEP, KnieTEP, Arthroskopien der Schulter-, Knie- und Sprunggelenke war das

Highlight meiner Zeit im Krankenhaus eine 93-jährige Patienten mit einer

Beckenfraktur, die Patientin mussten sich zwei längeren OPs unterziehen und ich durfte

dabei sein.

Die Chirurgen des Hauses sowie auch die Belegärzte waren alle äußerst motiviert, mir

die OP-Techniken, wichtige anatomische Gegebenheiten sowie Besonderheiten zu

erklären. So war es nicht nur ein Ferienjob sondern auch gleichzeitig eine Chance für

mich mein medizinisches Wissen zu erweitern und viel neues zu lernen.

Ich durfte den Operateuren zur Hand gehen und stand nicht nur zuschauend daneben, in

erster Linie war ich natürlich dazu da Haken zu halten. Außerdem durfte ich Sauger und

Zische bedienen, kleinere Blutungen mit Kompressen stillen und schließlich beim

Zunähen helfen. Mein Highlight war sicherlich der Wundverschluss mit dem Tacker am

Ende einer HüftTEP.

Die Arbeit im OP war körperlich anstrengend, man steht die ganze Zeit und ist in einen

dichten Kittel eingewickelt, neben Mundschutz und Haube kommt bei den meisten

orthopädischen und unfallchirurgischen Operationen auch noch eine Schutzbrille hinzu,

dh trotz der 18°C im OP-Saal ist es äußerst warm. Bei manchen Operationen war sogar

das Tragen einer R.ntgenschürze nötig, was eine zusätzliche körperliche Belastung war.

Man sollte das Hakenhalten nicht unterschätzen, denn teilweise muss man einen großen

Muskel zur Seite oder ein ganzes Bein (natürlich ohne Haken) halten und zwar in einer

äußerst akkuraten Position, sodass der Operateur guten Einblick in das

Operationsgebiet hat.

Auch die Schwestern waren mir gegenüber immer aufgeschlossen und waren bereit mir

unter anderem die Instrumente und die OP-Vor- und Nachbereitungen zu erklären. Ich

konnte außerdem einen Einblick in die Arbeit der Anästhesisten und verschiedenste

Anästhesiemethoden bekommen.

Es war eine sehr schöne Zeit für mich, ich war jeden Tag motiviert zur Arbeit zu gehen

und neues zu lernen – ich habe mich sogar am Abend vorher schon auf den nächsten Tag

im OP gefreut.

Es war schön erleben zu dürfen, wofür man studiert und dass sich das Lernen und das

lange Studium lohnen!

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.08.2016.

3 Wertungen (5 ø)
247 Aufrufe
Studium, Humanmedizin
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: