Diabeteserkrankungen in der Schwangerschaft werden in Deutschland jetzt früher erkannt – DDG schlägt dennoch Alarm

23.08.2016
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Eine Untersuchung, die das Wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Diabetologen (windiab) jetzt in der Fachzeitschrift „Diabetologie und Stoffwechsel“ veröffentlicht hat, zeigt: Die neue Mutterschaftsrichtlinie hat die Diagnostik des Schwangerschaftsdiabetes in wenigen Jahren verbessert.

In einer aktuellen Studie wurde deutlich, dass die frühzeitige Erkennung von Gestationdiabetes mellitus (GDM), auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, deutlich gebessert hat. Die Mutterschaftsrichtlinien schreiben zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche eine venöse Blutentnahme auf Schwangerschaftsdiabetes vor. „Gestationsdiabetes kann zu Komplikationen in der Schwangerschaft und bei Geburt führen, steigert das Risiko für Schwangerschaftshochdruck und fördert das übermäßige Wachstum des ungeborenen Kindes“, erläutert DDG Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. Die Gefahr, dass Mutter und Kind später dauerhaft an Diabetes mellitus zu erkranken, ist ebenfalls stark erhöht. „Jede zweite Frau nach GDM entwickelt innerhalb von zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes. Deshalb ist frühes Erkennen und Therapieren wichtig“, so Gallwitz.

Eine Untersuchung, die das Wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Diabetologen (windiab) jetzt in der Fachzeitschrift „Diabetologie und Stoffwechsel“ veröffentlicht hat, zeigt: Die neue Mutterschaftsrichtlinie hat die Diagnostik des Schwangerschaftsdiabetes in wenigen Jahren verbessert. „Der Anteil der Erkrankungen, die bereits zwischen der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche erkannt werden, ist innerhalb von fünf Jahren von 27 auf 33 Prozent gestiegen“, berichtet Dr. med. Helmut Kleinwechter, der die Screening-Leitlinie der DDG maßgeblich mit erarbeitet hat. Für die windiab-Studie wurden insgesamt 2334 Schwangerschaften mit GDM in den Jahren 2009/2010 analysiert und den Daten von 4640 Schwangerschaften mit GDM in 2013/2014 bereinigt gegenübergestellt. Einschränkend muss festgestellt werden, dass die erhobenen Daten weder die untersuchten Regionen noch Deutschland insgesamt repräsentieren. „Trotzdem ist es die beste bisher verfügbare Registeranalyse“, so Kleinwechter.

Die Studie weist auf, dass die Zahlen der übergewichtigen sowie der adipösen Frauen gestiegen ist. So stieg die Zahl der übergewichtigen Frauen von 26 auf 28 Prozent, die der Adipösen von 32 auf 35 Prozent an. Auch die Zahl der Insulintherapien, die in der Schwangerschaft begonnen worden, stiegt von 34 auf 40 Prozent in diesem Zeitraum.   „Eine ungewöhnlich hohe Insulinrate, die uns überrascht“, erklärt Kleinwechter. Dem gegenüber steht im internationalen Vergleich  zwischen sieben und zwanzig Prozent der Schwangeren mit GDM Insulin.

Der sorglose Einsatz der Insulintherapie hat fatale Folgen. So steigt unter dem Einsatz von Insulin die Rate der unnötigen Kaiserschnitte deutlich an. Die Geburtenhelfen rechnen sogar mit schweren Geburtsverläufen und beenden die Schwangerschaft am berechneten Geburtstermin.  . „Es besteht also Schulungsbedarf für die teilnehmenden Diabetologen, die Insulintherapie auf die Fälle zu beschränken, die am ehesten davon profitieren“, betont Kleinwechter.

Eine Adipositas vor der Schwangerschaft erhöht deutlich die Fehlbildungsquote. Ebenfalls stillen adipöse Mütter, besonders wenn sie aus sozial schwachem Milieu kommen, seltener und kürzer.    „Damit vergeben sie auch die Chance, einem Diabetes vorzubeugen“, so Kleinwechter. Beim Stillen von mindestens 3 Monaten wird das Risiko eines Diabetes um ca. 30 Prozent gemindert.

„Der Fokus muss ebenso sehr auf das Erreichen eines normalen Blutzuckers wie auf die Beschränkung der Gewichtszunahme gelegt werden“, fordert Gallwitz. Deshalb wird bei Übergewicht in der Schwangerschaft eine konsequente Lebensstiländerung, wie gesunder Ernährung, mehr körperliche Bewegung und längeren Stillen gefordert.   „Es ist an der Zeit, ein Präventionskonzept für junge Frauen mit Kinderwunsch zu entwickeln, das möglichst schon vor der Schwangerschaft in gynäkologischen Praxen und bei Hausärzten greift“, erläutert Gallwitz. Es wäre wünschenswert, dass vor einer Schwangerschaft das Gewicht  normalisiert wird. „In der Schwangerschaft sollte eine drastische Gewichtsabnahme vermieden werden“, meint der DDG Präsident. Denn das erhöhe die Gefahr, einen Diabetes zu entwickeln.

 

Für schwangere Mütter, die sich über die richtige Ernährung informieren möchten, stellt der Aid-Infodienst Materialien zur Verfügung: http://shop.aid.de/1605/das-beste-essen-in-der-schwangerschaft.

 

Weitere Links:

 

Mutterschaftsrichtlinie: www.g-ba.de/informationen/richtlinien/19/

Leitlinie Gestationsdiabetes: www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/057_D_Diabetes_Ges/057-008p_S3_Gestationsdiabetes_2011-08.pdf

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.08.2016.

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