Neues Antidepressivum in Deutschland auf dem Markt: Milnacipran

22.08.2016
Teilen

Milnacipran wird in über 40 anderen Ländern schon länger als Antidepressivum eingesetzt, in Deutschland ist es erst 2016 unter dem Namen MILNAnreuraX® auf den Markt gekommen. Die bisherige Studienlage und die Pharmakologie der Substanz lassen hoffen, dass Milnacipran bei gleicher Wirksamkeit wie Venlafaxin besser verträglich ist.

Es ist unter dem Namen MILNAneuraX® in Deutschland verfügbar und kann verordnet werden.


Milnacipran

Geschichte

Als Antidepressivum ist es in über 40 Ländern zugelassen, wurde in Deutschland aber erst 2016 auf den Markt gebracht.

Für die Indikation Fibromyalgie ist Milnacipran seit 2009 in den USA zugelassen, in Europa wurde es aufgrund von „unwesentlicher Wirkung und fehlender Langzeitdaten in einer europäischen Population“ für diese Indikation nicht zugelassen*.

Pharmakologie

Milnacipran gehört wie Venlafaxin und Duloxetin zur Gruppe der SSNRI. Dabei ist das Verhältnis der Serotonin-Wiederaufnahme zur Noradrenalin-Wiederaufnahme bei Milnacipran ausgeglichener. Die Grafik zeigt für diese drei Substanzen jeweils das Verhältnis aus Serotonin-Wiederaufnahmehemmung zu Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung an. Man sieht, dass Milnacipran einen deutlich höheren Anteil an Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung im Vergleich zu Venlafaxin und Duloxetin hat.

Milnacipran wird nur zu 10 % über die Leber metabolisiert, daher muss man keine Cytochrom-Wechselwirkungen beachten.

Wirksame Metaboliten hat es nicht

Da es zu 90 % renal ausgeschieden wird, muss man bei Patienten mit relevanten Nierenfunktionsstörungen die Dosis gegebenenfalls auf die 25-50 mg pro Tag reduzieren.

Klinischer Einsatz

Milnacipran ist in Deutschland zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Üblicherweise wirken SSNRI auch gut bei Angststörungen und Zwängen (wobei es hierfür gegenwärtig keine Zulassung hat).

Dosierung

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen unter Milnacipran sind wie bei allen SSNRI Übelkeit, Kopfschmerzen und Unruhe. Mehr noch als bei anderen SSNRI werden unter Milnacipran auch Bluthochdruck und ein beschleunigter Puls angegeben. Insgesamt ist es aber den Studien nach ein sehr gut verträgliches Medikament. Insbesondere die von manchen anderen SSRI bekannten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder eine Verlängerung der QTc-Zeit treten erfreulicherweise nicht auf.

Mein persönliches Fazit

Die Studienlage und das pharmakologische Profil lassen vermuten, dass es genauso gut wirksam ist wie Venlafaxin und Duloxetin, dabei aber praktisch keine problematischen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten macht, im Gegensatz zu Citalopram keine QTc-Zeit Verlängerung verursacht und gut vertragen wird. Der deutlich größere Anteil an Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung könnte dazu führen, dass es bei Depressionen, insbesondere aber auch bei Angststörungen noch wirksamer sein könnte. Andererseits birgt dies die Gefahr, dass es verstärkt Unruhe verursacht, daher sollte man es schrittweise eindosieren.

 

Weblinks:

*Cochrane-Analyse zur Wirksamkeit der Substanz im Vergleich zu anderen Antidepressiva (das PDF ist hier kostenlos downloadbar)

Fragen und Antworten zur Empfehlung der Versagung der Genehmigung für das
Inverkehrbringen für Milnacipran

 

P.S.: Da die Frage aufkam: Ich habe für diesen Post keine Zuwendung in irgendeiner Form von der Firma oder jemand anderem bekommen. Ich habe keine Interessenkonflikte in dieser Sache.

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.09.2016.

190 Wertungen (3.89 ø)
20800 Aufrufe
Medizin, Psychiatrie
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
-> Teil 2 Was ich zudem sagen kann: laut Fachinformation treten bei der Einstellung von Milnacipran suizidales Verhalten und Suizidgedanken wesentlich häufiger als Nebenwirkung auf als bei anderen SS(N)RIs. Dies kann ich für mich absolut bestätigen. Ich hatte gerade in den ersten zwei Wochen diesbezüglich eine massive Verschlechterung und musste zeitweise auch vorübergehend auf die geschützte Station verlegt werden. Unter Venlafaxin trat etwas derartiges bei der Eindosierung nicht auf. Personen in Risikogruppen wie unter 25jährige (in meinem Fall) und Personen mit Suizidproblematik in der Vorgeschichte, sollten ärztlicherseits meiner Ansicht nach dringend daraufhin gewiesen werden, dass diese Effekte im Vergleich zu anderen SS(N)RIs stärker ausgeprägt sind. Ob es besser wirkt als Venlafaxin kann ich im Moment noch nicht beurteilen.
#10 vor 25 Tagen von Gast
  0
Gast
Bei mir wurde gerade von Venlafaxin auf Milnacipran umgestellt. Ich hatte am Anfang ci zwei bis drei Wochen starke psychiatrische Nebenwirkungen, v.a. massive Unruhe, auch Sitzunruhe, Agitiertheit, ein stark gesteigertes psychomotorisches Erregungsniveau, Anspannung und häufiges Weinen. Körperliche Nebenwirkungen hatte ich keine nennenswerten außer gelegentliches Herzrasen in Verbindung mit Schweißaubrüchen. Einen erhöhten Blutdruck habe ich im Gegensatz zum Venlafaxin nicht bekommen. Ich bin sehr froh, dass die Umstellung stationär gemacht wurde, da die psychiatrischen Nebenwirkungen so stark waren, dass sie vorübergehend behandelt werden mussten. -> Teil 2
#9 vor 25 Tagen von Gast
  0
Gast
milnacipram.sehr schlecht bei angst.nebenwirkungen waren auch nicht ohne.würde es persönlich nicht mehr nehmen
#8 am 28.06.2017 von Gast
  0
Gast
1 Jahr Venlafaxin 112,5mg und alles war Scheisse: übel, Schwindel, schwitzen, im Bett tote Hose und immer aufgekratzt. Jetzt mit 50mg MilnaNeurax fühle ich mich wie neugeboren. Unruhe weg, Sex macht wieder Spaß. Die ersten zwei Wochen bei der Umstellung Schwindel (wie besoffen) und Müdigkeit. Da muss man durch, aber es lohnt sich!
#7 am 06.06.2017 von Gast
  0
Gast
Venlafaxin ist ein Teufels Zeug. Dieses Medikament hat bei mir eine schwere Manie und Serotonin Syndrom, ich wäre beinah gestorben und bin in Krankenhaus gelandet. 1 Pille von den mist hat meine Seele, Geist und Leben zerstört.
#6 am 30.05.2017 von Gast
  3
Wenn es in den USA für die Indikation "Fibromyalgie" zugelassen ist denke ich, dass Milnacipran auch einen positiven Effekt auf die Schmerzsymptomatik hat. Ich werde es morgen einer meiner Patientinnen vorstellen (Depression, Fibromyalgie). Die antidepressive Einstellung scheiterte bisher am Widerstand der Patientin.
#5 am 05.09.2016 von Cem Tataroglu (Arzt)
  3
Gast
Habe bisher Venlafaxin genommen bekommt mir nicht so gut;kann ich einfach dieses Mittel nehmen?
#4 am 04.09.2016 von Gast
  0
Siehe: http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/25/depressionen-psychotherapie-antidepressiva-serotonin-medikamente mehr ist dazu nicht zu sagen. Eine Depression ist in den wenigsten Fällen eine Störung des Transmitterhaushaltes. Das Unglück beginnt in dem Moment, wo die eigenen Erwartungen mit der Wirklichkeit in einen unauflösbaren Widerspruch geraten. http://www.faz.net/social-media/facebook-faz-net/maischberger-macht-aus-depression-unterhaltung-13157944.html
#3 am 01.09.2016 von Johannes Georg Bischoff (Psychologe)
  14
Gast
Dazu kann man erwähnen, dass der Wirkstoff Milnacipran in anderen Ländern eine Zulassung für Fibromyalgie hat, zB. die USA, in Deutschland wäre dies jedoch nur eine Anwendung im Off-Label-Bereich.
#2 am 31.08.2016 von Gast
  3
Gast
Gerade Duloxetin wird ja ebenso in der Schmerztherapie angewendet! Wie sieht es damit aus?
#1 am 24.08.2016 von Gast
  15
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
So oder so ähnlich werden Nahtoderfahrungen (NTE) oft beschrieben. Wenn es sich um sehr seltenen Berichte handeln mehr...
Als Psychiater hat man ja zum Glück nicht so oft mit Reanimationen zu tun. Na ja, so ein bis zwei pro Jahr hat man mehr...
Langjährig heroinabhängige Patienten werden schon seit Jahrzehnten mit dem Opioid Methadon substituiert, und es ist mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: