Deutschland zeigt Zähne – Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte

21.08.2016
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Am 16.08.2016 wurde in Berlin die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) vorgestellt. Die DMS des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) liefert seit 1989 wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse durch bundesweite erhobene Daten.

Deutschland zeigt Zähne – Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte

Am 16.08.2016 wurde in Berlin die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) vorgestellt. Die DMS des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) liefert seit 1989 wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse durch bundesweite erhobene Daten. „Als bedeutende Wiederholungsstudie gibt die DMS V einen langfristigen Überblick über die Entwicklung oraler Erkrankungen. Sie liefert wissenschaftliche Fundamentaldaten für die Gesundheitsberichterstattung und die evidenzbasierte Versorgungsforschung. Auf Grundlage der Ergebnisse kann die zahnärztliche Versorgung in den kommenden Jahren gezielt weiterentwickelt werden“, sagte Priv.-Doz. Dr. A. Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ. Die Studie hat sich an den Empfehlungen der WHO orientiert, um international vergleichbar zu sein.

Methodisch anspruchsvoll beschreibt die DMS V repräsentativ die Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung in Deutschland, erstmals auch die der sehr alten Menschen und pflegebedürftigen älteren Menschen. In der Studie wurden 4 Gruppen untersucht. Zum einen die Gruppe der 12- jährigen Kinder, der jüngeren Erwachsenen (35 bis 44 -jährige), der jüngeren Senioren (65 bis 74- jährigen) und der älteren Senioren (75 bis 100- jährige) mit  und ohne Pflegebedarf.

Bei den 12- jährigen Kindern ist bemerkenswert, dass sich die Zahl der kariesfreien Gebisse seit 1987 bis 2014 verdoppelt hat. Heute sind acht von zehn  der 12- jährigen Kinder (81,3%) völlig kariesfrei.  Dabei wurde festgestellt, dass Kinder die unregelmäßig zum Zahnarzt gehen ein dreifaches Risiko haben, eine Karies zu entwickeln. Das gilt auch für Kinder, die keine Fissurenversiegelung haben. Hier gibt es ebenfalls das dreifache Risiko, eine Karies zu entwickeln.

Auch bei Erwachsenen wird ein deutlicher Kariesrückgang gesehen. Sie sind die erste Gruppe, die deutlich von der Individual- und Gruppenprophylaxe in der Kindheit profitieren. Im Vergleich zu 1997 weisen Erwachsene heute fast 5 Zähne weniger mit einer Karieserfahrung auf. Im Durchschnitt sind 11,2 Zähne betroffen und 25 von 28 Zähnen sind primär gesund oder restauriert und somit funktionstüchtig. Auffällig ist der Rückgang bei der Anzahl der Restaurationen, wie Füllungen oder Kronen. Bei der Studie wurde ebenfalls festgestellt, dass mindestens jeder zweite Erwachsene parandotal erkrankt ist. Hier sind 43% mittelschwer und 8% schwer parandotal erkrankt. Durchschnittlich sind bei jedem jüngeren Erwachsenen 2,7 Zähne betroffen. Bei parandotal erkrankten Personen verdoppelt sich das Ausmaß. Die Erkrankungslast hat allerdings seit 2005 erkennbar abgenommen.  Der präventionsorientierte Wechsel in der Zahnmedizin hat sich offenbar positiv ausgewirkt. Trotzdem ist die parandotale Erkrankungslast deutlich zu hoch. Durch neue Messverfahren wird die parandotale Erkrankung in Zukunft besser erfasst und es ist in Zukunft mit deutlich höheren Zahlen dieser Erkrankung auszugehen.

Bei den jüngeren Senioren zeichnet sich ein ähnliches Bild wie bei den Erwachsenen ab. In dieser Altersgruppe ist die Zahl der Karieserfahrung um 6 Zähne zurückgegangen. Dieser Befund ist vor allem durch weniger Zahnverlusste zu erklären.  Die 65- bis 74- Jährigen verfügen heute über durchschnittlich 17 eigene Zähne. Besonders deutlich wird das an Hand der Zahl der völligen Zahnlosigkeit, die sich seit 1997 halbiert hat. Während damals jeder 4 ältere Mensch in Deutschland keine eigenen Zähne mehr aufwies, ist es jetzt der achte.  Bei der Studie werden soziale Unterschiede deutlich. Zwar sind Lücken im Gebiss von jüngeren Senioren mit niedrigen Sozialstatus selten, allerdings die Gruppe der mit völliger Zahnlosigkeit mit niedrigen Sozialstatus deutlich höher. Schwere Parodontalerkrankungen bei Senioren haben sich seit 2005 halbiert. Derzeit sind zwei von drei Senioren parandotal erkrankt, 20 % davon schwer.

Bei den älteren Menschen mit Pflegebedarf weist jeder zweite Senior eine völlige Zahnlosigkeit auf. Bei den Senioren ohne Pflegebedarf ist es jeder Dritte.  Pflegebedürftige Menschen verfügen über nur noch knapp 5 primär gesunde oder restaurierte, funktionstüchtige Zähne; bei den älteren Senioren sind es doppelt so viele Zähne. In der aktuellen Studie wurde deutlich, dass ältere Senioren einen vergleichbaren Mundhygienezustand wie ihn die jüngeren Senioren vor 10 Jahren aufwiesen.

Zusammenfassend zeigt die fünfte Deutsche Mundhygienestudie, dass durchgängig erhebliche Verbesserungen der Mundgesundheit in der Bevölkerung in Deutschland zu verzeichnen sind. Es gibt ein deutlichen Rückgang der Karies bei Kindern und der Zahnverlusste. Seit Beginn dieser Studie kann gesagt werden, dass die Menschen in Deutschland deutlich länger gesund im Mund sind und die Krankenlasten verschieben sich in ein höhere Lebensalter. Dennoch gibt es ein deutliches Defizite bei Menschen mit Pflegebedarf, das es gilt, zu verbessern. Das Pflegepersonal sollte besser geschult werden. Es wurde auch deutlich, dass der Parodontitis mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss.      

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.08.2016.

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