Selbstmorde bei Männern: Sprich drüber

21.08.2016
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Im Internet bin ich auf eine australische virale Twitter-Kampagne mit einem Selfie gestoßen, die sich mit dem Thema Suizidalität bei Männern beschäftigt. Da meine Berufsgruppe der Psychiater ja eine der höchsten Selbstmordquoten hat und ich noch dazu ein Mann bin, gibt mir das Grund genug, diese Idee zu unterstützen.

Wir wissen ja: Ärzte sind häufig kränker als ihre Patienten. Aber suchen ums Verrecken keinen einen Arzt oder gar Psychologen auf.

Nun könnte man meinen: Sie wissen schon, warum sich Männer nicht an einen Seelenklempner wenden. Wir Männer haben das Problem, dass wir über psychische Probleme und eigene Gefühle zu selten sprechen. Und Angehörige in medizinischen Berufen haben noch dazu den Druck der Umgebung und leider häufig auch einen Mangel an echten sozialen Kontakten, der dann den Teufelskreis von Depressionen und Selbstmordgedanken verstärkt.

In einer Klinik über Depressionen oder andere psychische Probleme zu sprechen? Geht doch gar nicht.

Suizidalität bei Ärzten und Pflegekräften wäre eigentlich ein Thema, das man noch viel größer aufziehen müsste! Immerhin ist die Quote ca. 3-4 Mal höher als bei der Normalbevölkerung ohne Medizinhintergrund. Einen sehr lesenswerten Blogbeitrag findet man hier.

Wenn es aber gelingt, zunächst uns Männer überhaupt für das Thema zu sensibilisieren und damit einen unnötigen Selbsttod zu verhindern, dann hätte die Twitter-Kampagne schon viel Leid für die Angehörigen und Freunde und Arbeitskollegen verhindert.

Egal: Unterstützenswert ist die australische Idee auf jeden Fall.

Unter dem Hashtag #ItsOKtoTalk postet man jeweils eine Selfie von sich mit dem OK Zeichen.

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Bildquelle: Joe Lodge, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.09.2016.

39 Wertungen (3.44 ø)
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Medizin, Psychiatrie
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Nachgedacht
Es stellt sich die Frage, ob Suizid im Allgemeinen eine spezifische Erscheinung der künstlichen Existenz ist, in der wir uns im Gegensatz zur natürlichen Existenz nur simultan bewegen? Oder anders ausgedrückt wäre ein freiwilliger Abschied von der natürlichen Existenz nur unter direkter Bedrohung an Leib und Leben möglich, beispielsweise wenn der Hungertod droht. Ist der endgültige Abgang aus der künstlichen Existenz eine Form von Luxus?
#11 am 05.09.2016 von Nachgedacht (Gast)
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Gast
# 9 : Dann mal eine kräftige Bestätigung gegen den Strom bzw. Mainstream, der nicht einmal - wenn auch unpopuläre - Wahrheiten und selbst Wahrnehmungen zuläßt.
#10 am 05.09.2016 von Gast
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Danke dem Autor für das Thema. 3-5 Mal mehr Suizide bei Männern ! Habe ich gerade gegoogelt. Stelle mir vor, das wäre umgekehrt: Da gäbe es in einer Zeit, in der wir auf ein Matriarchat zusteuern, sicherlich allerhellste Aufregung auf allen Kanälen und ein Geldregen würde auf die gängige "Frauen helfen Frauen" -Gruppen herabregnen !
#9 am 05.09.2016 von Rentenberater Johann simon Genten (Weitere medizinische Berufe)
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Gast
Speziell zum publizierten Suizidpotential bei bestimmten Menschen, mit bestimmten Methoden, unter bestimmten Bedingungen, hatte es sich m.E. nicht etabliert hier zurückhaltend zu offerieren? Selbst im Pressecodex wurde festgehalten, dass möglichst wenig bis gar nicht und anonym über Selbstmorde zu berichten sei, um den lange bekannten Nachahmungseffekt minimieren zu wollen. Die Bahn als ungewollter Exekutivmethodengeber macht es dabei positiv vor und kann dann wohl prominente Beispiele wie z.B. R. Enke nicht verhindern. Ergo, gehört so ein Problem doch besser im intimen Umfeld einer Facheinrichtung behandelt und weniger in Blogs, Foren, und so weiter und so fort...
#8 am 03.09.2016 von Gast
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Ich lege ungern nach, jedoch noch konkret, warum ich überhaupt auf so eine durchaus ernstgemeinte Möglichkeit in Frageform kam. Ich erlebte es über viele Jahre immer! wieder, mit leider erst viel später immer! als handfest diagnostizierte rein körperliche Erkrankungen, dass sich aber immer! mit dem schnellen Wunsch zum Verschreiben irgendwelcher psychotroper Substanzen, selbst von HAs, sehr leicht gemacht wurde, ganz im Gegensatz zu wirklich anstrengender und fundierter Diagnostik. Diese Anstrengung musste ich dann selbst bei späterer Möglichkeit in die Hand nehmen, mit zuvor getätigten Expertisen nur in reinen medizinischen leider nur anglo-amerikanischen Wissensbasen und ich darüber die Experten finden konnte, die übrigens sehr arbeitsüberlastet sind, uns Patienten damit in Ruhe lassen, es aber auch in vertraulichen Gesprächen bedauern, jedoch trotzdem mit vollem Einsatz weiter dabei sind. Groll und Hass für mich keine Rolle, von ganz wenigen Ausnahmen als Mensch ganz abzusehen...
#7 am 02.09.2016 von Robert Dettmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Frau Arnold, ich stellte es mit einem "Vielleicht" und einem terminierenden Fragezeichen als Möglichkeit in Frage und somit ist dies sehr weit von einer Unterstellung oder Behauptung entfernt. Auch stellte ich kein Berufsalltagswissen mit keiner Silbe zur Disposition. Ich denke, aus Erfahrung mit Meinungen an anderen Stellen, dass schon gar nicht mehr genau hingesehen wird, sondern gleich die Schublade aufgemacht wird: "Da ist ein Patient, das Böse in Person schlechthin, dass nur "bashen" möchte. Wenigstens halten wir dann ja im ärztlichen Alltag oft genug als Stellvertreter der anderen "bösen" Fraktionen schon genug aus. Ja, mag sein, dass nicht alles schön im ärztlichen Alltag ist und es da zu Flucht kommen möge. Aber was soll das dann mit der vereinfachten Schuldsuche beim schwächsten Anteil? Soll ich dann das oftmals, auch hier nicht begründbare und nicht auszumachende "Ärzte-Bashing" als eine Art Hilferuf verstehen sollen?
#6 am 02.09.2016 von Robert Dettmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Sehr geehrter Herr Dettmann, Sie unterstellen in Ihrem Beitrag Ärzten, dass sie "potentiell zu Suizid treibenden Substanzen hemmungsloser gegenüberstehen". Wie soll ich das denn verstehen? Beziehen Sie Ihr Wissen über den Berufsalltag von Ärzten aus Satiresendungen oder gar aus Serien wie Dr. House? Herr von Hirschhausen gehört im Übrigen zu den 50%, die nach dem Medizinstudium die Flucht ergriffen haben, weil ihnen der Beruf zu stressig war. Sagt er selbst.
#5 am 02.09.2016 von Dr. Christine Arnold (Ärztin)
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Frau Arnold, wie können Sie ohne Wissen Nichtwissen unterstellen? Wo bitte schön ist hier ein Ärzte-Bashing zu finden? Ein übrigens von Ärzten frei erfundener Begriff, der nun überall bei jeglicher Art von oppositioneller Meinung bedient wird. Und die Meinung bezog sich auf eine fehlplatzierte Gestik. Das oft ausgiebig getätigte und tatsächlich damit nachweisbare Patienten-Bashing, so wie es oft in medizinischen Einrichtungen praktisch herzhaft ausgelebt wird, siehe Begriffe wie Kassler, siehe Hirschhausen & Co., findet dementgegen insofern ärztliches Interesse, um auch noch einmal ordentlich selbst nachzulegen. Ist ja noch nicht so lange her, als zuletzt so eine Dame sich hier über Stunden in Screencasts lustig machte. Da war nicht ein einziges Veto von ärztlicher Seite. Ebenso fehlen Statistiken, wie hoch der Suizidanteil von Patienten ist, die ärztlich fehlbehandelt, missachtet und ausgelacht werden. Ja, zu Multifehlbehandlung habe ich tatsächlich sehr großes praktisches Wissen...
#4 am 02.09.2016 von Robert Dettmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Ja, dies mag tatsächlich ein echtes und nicht neues Problem zu sein. Beim besten Willen kann ich in der bemängelten Antwort keine Abwertungen finden. Im Gegenteil wurde doch im ersten Satz Empathie gezeigt und dann eine direkte Meinung zur Zweifelhaftigkeit solcher Aktionen geäußert und ich dies ebenfalls so sehen würde. Ein Bashing kann ich erst recht nicht erkennen, bei allem Verständnis für die eigene Situation.
#3 am 02.09.2016 von Gast
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Danke für den Artikel. In 30 Berufsjahren habe ich den Suizid meines chirurgischen Oberarztes und auch des Chefarztes erleben müssen. Gestandene Männer, keine Suchtis oder Potatoren. 4 weitere Kollegen und eine junge Kollegin aus dem näheren Umfeld haben den Feitod gewählt. Alles Luschen? Es widert mich an, hier die zynischen, höhnischen und selbstgefälligen Kommentare von Nichtwissenden und absolut nichts Wissenden zu lesen. Doctors Bashing macht Spaß! Tagtäglich betreiben Kolleginnen und Kollegen, eingezwängt in ein erstickendes Kosten-Korsett, eingespannt in eine Streckbank aus Sozial- und Zivilrecht, von allen Seiten verleumdet und attackiert, von anderen Berufsgruppen genüsslich seziert und an den Pranger gestellt, in einem Laufrad, angetrieben von Zeit-, Mengenbewältigungs- und Bürokratiestress, Raubbau an ihrer Gesundheit. Warum ergreifen nur 50% der Medizinstudenten tatsächlich den ärztlichen Beruf? Mal nachdenken, Herr Dettmann!
#2 am 02.09.2016 von Dr. Christine Arnold (Ärztin)
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Nun ist das Kernthema selbst ja grundsätzlich sensibel zu behandeln. Nur muss deswegen wieder einmal so ein Community-Support-Hype zum Besten gegeben werden? Wie könnte so etwas auch so oberflächlich beantwortet oder gar diskutiert werden? Liegt es vielleicht schlicht und einfach daran, dass den potentiell zu Suizid treibenden psychotropen Substanzen hemmungsloser gegenüber gestanden wird, als einer dazu zur Rückhaltung aufgeklärten "Normalbevölkerung"? Ist diese Gestur, gemeinhin als "Hanky Drop" bekannt und ausgiebig von diesem übrig gebliebenen schrecklichen 80er-Yuppie Mr. T aus NYC verwandt, wirklich das richtige Zeichen? http://www.bloomberg.com/politics/videos/2016-04-19/donald-trump-talks-with-his-hands-a-visual-dictionary
#1 am 02.09.2016 von Robert Dettmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Nun haben sie dazu ja auch erstmal jede Berechtigung, schließlich sind viele der Patienten aufgrund von mehr...
Ich gebe zu : Ich bin gefährdet bzw. möglicherweise betroffen. Wenn es denn das "Text neck" überhaupt mehr...
Eigentlich ist der Trend ja schon wieder vorbei. Oder? Fidget Spinner haben derzeit eine riesige Nachfrage und nerven mehr...

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