Der Amoklauf von München: Mobbing und Bashing

12.08.2016
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Der Amoklauf von München darf aus psychiatrischer Sicht nicht unkommentiert bleiben. In der Debatte um diese Tat klingen bekannte Stereotype an, die geeignet sind, ein schräges Licht auf psychisch Kranke zu werfen.

Die schrecklichen Ereignisse des Amoklaufs in München vom 22. Juli 2016 berühren in einigen Punkten Themen, die mich als Psychiater, Therapeut und Autor eines Buchs über Mobbing betreffen. Deswegen und obwohl schon viel zu dieser Katastrophe geschrieben wurde und sicherlich weiter geschrieben wird, auch ein paar kurze Statements von mir.


 

1. Mobbing

2. Mobbing und Amok:

3. Patienten-Bashing

4. Gewaltspieldebatte:

5. Ärzte-Bashing

 

Also: Es gibt einen einfachen Grund, warum trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und trotz genauer und sorgfältiger Untersuchung weder Suizide noch solche schreckliche Taten wie der Amoklauf von München verhindert werden können: Wir können nicht in die Köpfe der Menschen schauen.

Eine genaue Analyse aller für diese Tat relevanten Hintergründe, der Täterpersönlichkeit, seiner psychischen Störungen, sozialer Variablen und weiterer Faktoren wird sicher mehr Klarheit bringen, welche Faktoren zu diesem Amoklauf beigetragen haben. Wie so oft gilt aber: Man sollte es sich nicht zu einfach machen. Vorschnelle Einordnungen und die Suche nach dem einen, alles erklärenden Grund für eine solche Tat werden in die Irre laufen.

Bildquelle: Amoklauf: Ein kompliziertes Geflecht verschiedener Ursachen, © Peter Teuschel)

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.08.2016.

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Medizin, Psychiatrie
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Der Wunsch nach eigener Grandiosität..., Diese in einer finalen Tat zu erreichen, gelingt dem Amokläufer durch die Medien, die ihm zu einer Berühmtheit verhelfen, die er ansonsten nie erreicht hätte!! Berühmtheit zu erlangen egal um welchen Preis wird in unserer Medienlandschaft höchst gepflegt! Also Mei Vorschlag: Amokläufer sollten durch die Medien nicht namentlich oder bildlich genannt werden, damit deren Berühmtheitstatus ' gekappt ' wird.
#14 am 25.08.2016 von Dr. med. vet. Winfried Klarer (Tierarzt)
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Gast
Der "Presse" und was sie schreiben durfte und musste! kann man doch nicht glauben! Jeder Kommentar überflüssig Erst recht " Diagnosen" ...
#13 am 22.08.2016 von Gast
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Gast
an #11: Spüren reicht nicht aus, es braucht konkrete Hinweise auf Eigen- oder Fremdgefährdung. Aufgrund eines unguten Bauchgefühls oder weil ein Psychiater jemanden schräg findet, darf niemand weg gesperrt werden. Das wäre mit den Prinzipien eines Rechtsstaates nicht vereinbar.
#12 am 22.08.2016 von Gast
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Gast
Das Thema Mobbing ist so alt wie die Welt. Ich kann mich auh an einen Mitschüler erinnern, den wir gequält haben. Heute würde man ihn als Nerd bezeichnen. Er hat es überlebt. Ich habe ihn auf einem Klassentreffen wieder gesehen. Er ist irgendwie immer noch ein Nerd, aber inzwischen stehen wir alle über diesen Dingen und lachen zusmmen. Dass sich die Psychiatrie auch einer ualitätsdiskussion stellen muß, ist doch nur natürlich. Die Frage, ob man das verhindern hätte können legitim. Als Chirurg hatte ich einmal einen Patienten auf Station der allen Angst machte. Für den Laien wirkte er wie eine tickende Zeitbombe. Ich habe für ihn den Psyhiater bestellt, der ihm attestiert hat, dass alles prima ist. Der Patient hat die Station gegen ärztlichen Rat verlassen und zu Hause seine Mutter aus dem Fenster geworfen, die das nicht überlebte. Da fragt sich der Laie schon warum "spürt" der Psychiater nicht, was jedem anderen durchschnitlich einfühlsamen Menschen auffällt.
#11 am 20.08.2016 von Gast
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Gast
#7: Ohne das Thema "Mobbing" kleinreden zu wollen, muss ich doch mal anmerken, dass es 1. das heute "Mobbing" genannte Verhalten immer schon gab, früher jedoch wurde es anders geregelt; wenn dem so Getrietzten dann doch mal der Kragen platzte, gab's Kloppe auf dem Schulhof, woraufhin sich der Widerpart i.d.R. etwas mehr vorsah. Ist heute verboten. 2. Gemobbt zu werden, ist keine ausreichende Erklärung, keine Entschuldigung und hat auch dadurch keine Berechtigung Menschen zu töten! 3. siehe Artikel, da läuft ganz woanders was schief
#10 am 18.08.2016 von Gast
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Der Verein Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) ist eine Schwester-Organisation der 1969 in den USA gegründeten Citizens Commission on Human Rights (CCHR) und und steht Scientology nahe. Die Scientology-kritische Hamburger Arbeitsgruppe Scientology, nannte den Verein im Oktober 2002 einen „radikalen Arm von Scientology, der vordergründig Missstände anprangert, auf diese Weise aber Menschen in die Organisation hineinzuziehen versucht.“ Scientology hat vergeblich versucht, die Aussage zu unterbinden.
#9 am 18.08.2016 von Dr. rer. nat. Dagmar Kemmling (Naturwissenschaftlerin)
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Ich finde den o.g. Artikel ganz richtig. Sowohl der Pilot als auch der Junge aus München hatten eine paranoide Ekrankung und keine Depression, und solche Erkrankungen gehören behandelt werden.
#8 am 17.08.2016 von Marius Miclea (Arzt)
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Gast
Wenn ein Schüler gemobbt wird, Gewalt erfährt durch Mitschüler, leider auch manchmal von Lehrern oder von Lehrern ungerecht behandelt wird und er dann durch dreht (Erfuhrt, Winnenden, München, ...) und das überlebt (Breivik passt da jetzt nicht so?) dann sagen alle der muss lebenslang weggesperrt werden wie auch immer. Dann ist sein Leben kaputt. Nur die Schüler die das angerichtet haben, mobbing usw., den geschieht nichts, also den eigendlichen schuldigen, die müssten haften, nicht das Opfer.
#7 am 17.08.2016 von Gast
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Erschreckend wie in den Medien spekuliert wurde. Kein Thema war der von Fremdenhassern wie Pegida und den Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte geschaffene Hintergrund .
#6 am 17.08.2016 von Dr.med Heinz de Moll (Arzt)
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Vielen Dank für diese sachliche und gut gegliederte Stellungnahme. Wenn jetzt einige Kommentatoren Psychopharmaka thematisieren wollen, dann wird hier nach potentiell Schuldigen wie den Pharmaka oder der Pharmaindustrie gesucht und ein Gespenst an die Wand gemalt. Wenn David S. Pharmaka genommen hat und sie abgesetzt hat ??? Wie oben ausführlich geschildert kann kein Arzt oder Therapeut in den Patienten hineinleuchten. Vielleicht belesen sich die Psychopharmakagegner mal in der Medizingeschichte , wie denn die psychiatrische Behandlung vor der Ära der Psychopharmaka ausgesehen hat. Sehr "menschenfreundlich und biologisch verträglich" mit Zwangsjacken, Elektroschocks, Bäderbehandlung und Wegsperren vor der Gesellschaft [Kommentar wurde von der Redaktion gekürzt]
#5 am 17.08.2016 (editiert) von Dr. med. Walter Müller (Arzt)
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sehr gut beschrieben, die wirklich Verrückten finden wir doch tatsächlich überall bei uns sogenannten Normalen, siehe z.B. Politiker, Sportler, High-Speed-Manager (z.B. Banken und VW) Otto-Normalverbraucher usw.
#4 am 17.08.2016 von Dipl.-Psychologe Lothar Murzik (Psychologe)
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So isses ...!
#3 am 17.08.2016 von Dr. rer. medic./M.A. Martin Peveling (Arzt)
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Lieber Gast (#1), welche Rolle spielen die Psychopharmaka denn ihrer Meinung nach? Sehen Sie eine bestimmte Medikamentengruppe als Auslöser? Tri- oder tetrazyklische Antidepressiva, SSRI/SNRI, Neuroleptika, Benzodiazepine? Welche Mittel (Wirkstoffe) hatte der Münchner Amokläufer denn eingenommen? Lassen Sie uns bitte an Ihrem Insider-Wissen teilhaben und nennen Sie die Fakten.
#2 am 17.08.2016 von Gudrun Kühlen (Mitarbeiterin Versicherung)
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Gast
Neben all den Hypothesen und Theorien sollte man doch vielleicht mal an etwas naheliegendes denken: Was für eine Rolle spielen die Psychopharmaka bei all dem Ganzen? Dass dieser Aspekt noch immer kaum Beachtung findet ist schlichtweg nicht zu verstehen. Ich kann da nur den Kopf schütteln. Dass die Pharmaindustrie eine unvorstellbare Macht hat steht außer Frage. Dass aber niemand den Mut hat Zusammenhänge herzustellen, bleibt mir ein Rätsel. Ein Blick in die Fachinformation jeglicher Psychopharmaka sollte da doch die Augen öffnen. Ich will mir das Drama gar nicht vorstellen, wenn die Fakten endlich ausgesprochen werden!!!
#1 am 17.08.2016 von Gast
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