Nachdenklich

12.08.2016
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So, heute gibts mal was Nachdenkliches. Es ist fast 13 Uhr. Ich liege im Bett. Hab nach zehn Tagen Dienst den ersten freien Tag und kann mich nicht aufraffen.

Wozu aufstehen, und was macht überhaupt Sinn?

Ein junger Mensch, wenige Jahre älter als ich, mit nekrotisierender Fasziitis, wir haben sein komplettes linkes Bein quasi seziert, die Haut abgezogen, das Fett darunter weggeschnitten, am Schluß hatte ich Knochen mit Muskeln dran in der Hand – und wozu?

Er stirbt ja so oder so, liegt auf der Intensivstation und nähert sich dem Multiorganversagen. Mehr oder weniger verdrossen fahre ich nach der OP nach Hause, mit dem Rad, und werde Zeugin eines Motorradunfalles.

Das Motorrad bleibt irgendwo liegen, den jungen Mann finde ich 20 Meter weiter bewusstlos auf dem Boden. Zwei Tage später in der Zeitung die Meldung, dass er gestorben ist.

Draußen erstrahlt endlich der Sommer, aber ich kann mich daran nicht erfreuen. Wozu den freien Tag genießen, rausgehen und Eis essen, wenn junge Menschen sterben?

 

Bildquelle: Ian Lindsay, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.08.2016.

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Ärztin
@Gast 26: Was für ein unqualifizierter Kommentar! Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Nicht nur in der Chirurgie behandelt man Menschen die unerwartet und auf tragische Art und Weise aus ihrem Leben gerissen werden. Glauben Sie etwa für einen mitfühlenden Hausarzt ist es nicht belastend einen Patienten (jung oder alt) mit infauster Prognose zu betreuen? Auch wenn man nicht im OP steht muss man immer wieder damit fertig werden, dass man mit aussichtslosen Fällen konfrontiert wird. Das ist es was einen so nachhaltig beschäftigt und nicht Blut! Ich glaube kaum dass jemand der das Studium mit all seinen Viggo-Lege-und-Haken-halte-Praktika erfolgreich absolviert hat sich von "spritzendem Blut" schrecken lässt.
#27 am 20.08.2016 von Ärztin (Gast)
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Gast
Vielleicht doch lieber nicht Chirurgie praktizieren, wenn man zu empfindlich ist? "Hausarzt" wäre vielleicht besser gewesen, da spritzt kein Blut, oder eher selten, und dann nicht in dem Maße.
#26 am 19.08.2016 von Gast
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Gast
Ein bisschen befremdet mich, dass (welche?) Geschichten frei erfunden sind und da fühle ich mich dann doch verar...t! Mit Verlaub!
#25 am 18.08.2016 von Gast
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Gast
Ich möchte raus gehen und die Welt retten, aber manchmal macht einem das endgültige einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Alle Hochachtung vor ihrem Job - was nicht einfach ein Job ist, es ist die Berufung , und nicht umsonst, die Stärke bekommen sie, auch wenn solche Fälle sich plötzlich häufen gibt es doch immer ein Licht. Leider ist es es bei uns so das wir mehr über das schlechte oder schlecht erlebte viel mehr nachdenken - aber denken Sie doch mal nach.....es gibt auch so viele freudige Momente, wo sie Menschen helfen konnten ..... Dieses Glücksgefühl ist unbeschreiblich Halten sie daran fest ..und halten Sie an ihr eigenes ich fest ....nichts ist umsonst. Das jeder von uns gehen muss ist klar, aber keinem ist klar WIE !!! 10 Tage Dienst sind definitiv Zuviel - es prägt und man wird es nicht vergessen. Danke das es solche Menschen wie sie gibt!!!!
#24 am 17.08.2016 von Gast
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Ich bin Dialyse-Patient, nun seit ca. 7 Jahren an der Dialyse. Ich lebe noch Dank Menschen wie Ihnen, die vor -zig Jahren angefangen haben sich nicht damit abzufinden nur zu Begleiten, sondern nach einer Lösungsmöglichkeit zu suchen, Menschen wie mir zu Helfen. Deshalb haben wir heute die Hämodialyse. Dafür bin ich sehr DANKBAR. Wir haben heute, und werden auch in der Zukunft immer Krankheiten haben, die unweigerlich zum Tod führen. Wir werden medizinische Erfolge haben und die eine oder andere Krankheit besiegen und es werden NEUE Krankheiten auftauchen. Ich genieße die mir geschenkten Jahre und möchte Sie ermutigen, das ebenfalls zu tun. Sie können nicht ALLEN helfen und sollten daran denken, dass gerade Sie ein Recht auf erfülltes Leben und Glück haben. Nehmen Sie es sich. Tun Sie es. Atmen Sie tief durch und LEBEN Sie. Ganz liebe Grüße R.Haas
#23 am 17.08.2016 von Dipl. BW Rud Haas (Heilpraktiker)
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Ja, leider bringt unser Beruf das mit, dass wir mit allem rechnen müssen, was im realen Leben passiert!!! Gerade im Gesundheitsbereich sind da keine Grenzen zu setzen! Auch nach der Arbeit wird man Dingen konfrontiert, die man eigentlich ausblenden möchte. Aber wir haben uns diese hohe Aufgabe zur Berufung gemacht, dass wir den Menschen helfen, die in Not sind und auf Hilfe angewiesen sind. Und da müssen wir auch sehr viel zurückstecken!!! Die Arbeit ist oft hart und schwierig, aber ohne uns wäre das Überleben von hilfsbedürftigen Menschen nicht möglich. Und von daher leisten wir einen sehr hohen Dienst, der wirklich mehr anerkannt werden sollte. Denn wir opfern uns für andere Menschen auf und gebe sehr oft mehr, als wir eigentlich kräftemäßig leisten können!
#22 am 17.08.2016 von Denise Hengst (Heilpraktikerin)
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der tod ist der eintrittspreis fuers leben
#21 am 16.08.2016 von Dr. med. Siegfried Lehr (Arzt)
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Gast
Sie träumen, dass es auf der Welt kein Leid und kein Sterben gibt. Der Traum wird nie erfüllt werden, aber Sie machen einen Schritt dahin, Ihren Schritt!
#20 am 16.08.2016 von Gast
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Gast
Viele lesenswert-empathische, positive Kommentare! Bis auf den Dentisten mit sozialen und emotionalen Intelligenz-Defiziten. Mich wundert allerdings, dass zumindest zwei Kommentatoren nicht mal mitkriegen, dass es sich bei http://news.doccheck.com/de/blog/262-menschenhandwerkerin/ um eine weibliche Person handelt: "Assistenzärztin, jung, groß, Viszeralchirurgie..." Aber es ist ja durch mehrfache Studien belegt, dass emotionales "social coping" eher bei Frauen, und emotionsärmeres "physical coping" bei Männern verbreitet sind. http://news.doccheck.com/de/blog/post/3129-welttag-fuer-seelische-gesundheit-am-10-10-2015/
#19 am 16.08.2016 (editiert) von Gast
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Das Schlechteste, was man in dieser Lage machen kann, ist noch mehr Aktivität entfalten und "rumrödeln", ohne nachzudenken. Sinnfragen gehören zu jeder Tätigkeit und zum menschlichen Leben überhaupt. Gleichwohl ist das jedoch noch lange keine Garantie, daß alles gut ausgeht, bzw. sich zum Guten wendet. Ich versuche immer noch, die bestmögliche Einstellung zu diesen Dingen zu entwickeln. Und dies, während ich seit 4 Monaten in regulärer Altersrente bin.
#18 am 16.08.2016 von Benno Roick (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Na ja, das Leben ist oft anders als wir uns wünschen. Heiraten, Kinder bekommen und es lohnt sich zu leben. Man hat Freude und Spaß am Leben und einige Personen für die man lebt. Traurig ist nur wenn ein Mensch einen anderen tötet, nicht aber wenn ein trotz medizinischer HILFE stirbt.
#17 am 16.08.2016 von Dr. med. Siegmund Schierer (Arzt)
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Gast
Diese Momente sind wertvoll - diese Momente in denen Sie innehalten. Da wird der von aussen verursachte Stress in den Hintergrund getreten und das Leben welches tatsächlich flüchtig ist nicht mehr als Selbstverständlichkeit hingenommen. Anhalten und Wahrnehmen sind keine Disziplinen die wir im Alltag gelehrt bekommen - wenn diese so auftauchen wie Sie dies erfahren ist das wertvoll. Auch wenn es als nachgelagerter Schock kommt. Geben Sie diesen Empfindungen den Raum den Sie brauchen - und Sie werden als ganze Person weiterhin mit einem tieferen Verständnis ihrem Beruf nachkommen können, als Bereicherung für alle , die Sie berühren werden. Jedoch: die Zeit die benötigt wird um tatsächlich oben genannte Eindrücke zu verarbeiten wird sich wohl tasächlich an dem bemessen, wann Sie wieder ein Eis mit dem Genuß, oder mehr, essen können wie sie es weiter oben vermisst haben...herzlichen Gruß aus Berlin
#16 am 16.08.2016 von Gast
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Lieber Kollege ! Auch ich kann Ihren Frust verstehen. Ich habe selbst einmal die ganze Nacht auf der ITS verbracht, um eine Patientin mit Lungenembolie zu stabilisieren. Das ist geglückt, sie hat die Nacht überlebt und ich war sehr glücklich -- bis ich erfuhr, dass Sie knapp 1 Woche später an meinem freien Wochenende an einer zweiten Embolie verstorben ist ! Das hat mir damals auch einen richtigen Stich versetzt. Aber heute ist mir klar, dass Sie den Tod NIE wirklich besiegen können ! Das liegt nicht in der Macht eines Arztes (und das ist vermutlich auch ganz gut so). Als Arzt können Sie aber BEGLEITEN und Leidenswege und damit auch die letzte Lebensphase erträglicher machen ! Und das kann sehr viel wert sein. Vergessen Sie das nicht und genießen Sie die noch hellen Tage des ausklingenden Sommers.
#15 am 16.08.2016 von Kai Grader (Student)
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Lieber Kollege, Sie machen etwas gutes jeden Tag, Sie Retten Leben, sie sind aber nicht Gott, und Sie können alle retten. Wir sind alle nur Menschen, wir können nur so wenig machen, und wir sollen mit unserer besten Leistung einfach zufrieden sein. Liebe Grüße, guter Mensch, es wird morgen besser.
#14 am 15.08.2016 von Dojchin Stanojkov (Arzt)
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Zumindest das Bloggen können Sie wohl auch im Bett. Versuchen Sie es mal mit Innehalten, Computerfasten etc. ... und zu meiner Assistenzzeit waren die jetzigen Klinikbedingungen nur eine Illusion. Gut, daß diese Zeiten und v. a. auch die AIP-Zeit vorbei sind.
#13 am 15.08.2016 von Dr. med. Bodo Mees (Zahnarzt)
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Ich denke es gibt Phasen, in denen man wirklich schlimmes erlebt und aushalten muss. Dann gibt es aber erfreulicherweise auch wieder Phasen, in denen man in unserem Beruf sieht, dass es sich lohnt zu kämpfen und weiter zu arbeiten. Das darf man nie vergessen. Menschen sterben mit und ohne unser Einwirken. Es freut mich, wenn die Dinge nicht spurlos oder emotionslos an uns vorbeigehen. Andererseits ist es immer wieder auch wichtig die notwendige Distanz hin zu kriegen. Zehn Tage Dienst in Folge sind definitiv zu viel. Ich wünsche Ihnen den notwendigen Abstand, das Eis sollte trotzdem schmecken, Vielleicht gibt es doch noch jemand der sich mit ihnen einfach auch über einen netten Sommerabend freut.
#12 am 15.08.2016 von Friederike Hess (Ärztin)
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Gast
Sie sind wirklich nicht allein! Aber es ist gut, dass Sie so fühlen und sich mitteilen. Wir sind Ihrer viele! Und auch meine Bitte: achten Sie auf sich, denn Sie sind wertvoll, so wie jeder von uns und auch die Menschen, um die Sie kämpfen!
#11 am 15.08.2016 von Gast
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Gast
Die Welt retten ist zuviel für einen, aber man ist dabei nicht allein! Alle zusammen, oder viele derer machen es aus und es ist gut das es solche Menschen gibt. Also achten Sie auf sich und machen weiter so! Sie sind nicht allein, auch wenn es so erscheinen mag....
#10 am 15.08.2016 von Gast
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Gast
"Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." Cicely Saunders Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich einen traf, der keine Füße hatte. (Helen Keller - US-amerikanische Schriftstellerin, 1880-1968) Beide Zitate machten mir in manchen entmutigenden Situationen mein 40-jährigen Tätigkeit Mut, gerade dann, wenn es aussichtslos schien. Sorgen Sie für sich - auf welche Weise auch immer - Menschen, wie Sie, geben den Mensch mit auch nur wenigen Tagen Trost, Würde, Nähe - d.h. Leben.
#9 am 15.08.2016 von Gast
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Supervision kann hier sehr helfen.
#8 am 15.08.2016 von Dr. rer. medic./M.A. Martin Peveling (Arzt)
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Um auf Dauer sensibel als Arzt (Krankenschwester usw.) zu bleiben - und privat sein Leben leben und genießen können kann Supervision helfen, hier wohl am besten Gruppensupervision: Es hilft allen in der Gruppe weiter.
#7 am 15.08.2016 von Dipl.-Päd. Karl-Heinz Krieger (Psychologe)
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Bewahr' dir bitte genau diese Menschlichkeit!! ..aber ohne dabei selbst unterzugehen!!;) Genau das is nämlich die kunst, die kaum jemand noch beherrscht;) DANKE!!
#6 am 15.08.2016 von Doris Schwaiger (Rettungssanitäterin)
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Vor vielen Jahren habe ich in einem Kurs gesessen. Dort wurde ein Film gezeigt. An einem Strand sind tausende riesiger Seesterne angeschwemmt worden. Ein Mann geht den Strand entlang und wirft immer wieder welche ins Wasser zurück. Ein kleiner Junge rennt ihm hinterher und sagt: "Das schaffst du nie, alle ins Wasser zurück zu werfen!" Der Mann antwortet: "Stimmt, aber für jeden einzelnen, den ich zurückwerfe, macht es einen Riesenunterschied!" Dann geht er seinen Weg so weiter. Der Junge bleibt stehen und denkt einen Moment nach. Dann fängt er lächelnd an, auch Seesterne ins Wasser zurück zu werfen!!
#5 am 15.08.2016 von Dr. Anke Handrock (Zahnärztin)
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Anna
Hart - aber gut, dass Sie es versuchen, zu helfen... mehr ist nicht möglich - aber das ist so wichtig. Und damit die Kraft dafür bleibt, ist es trotz der schlimmen Erlebnisse so wichtig, das Leben zu genießen, die Sonne, das Schöne, die Freizeit! Dafür wünsche ich bald wieder mehr Antrieb.... wobei die Zeit des Versinkens und Nachdenkens eben auch manchmal sein muss.
#4 am 15.08.2016 von Anna (Gast)
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Regina Erhardt
Wozu raus gehen, ein Eis essen und den Tag genießen? - Weil Sie es können! Ich bin heute mit eine Krebspatientin aus der Praxis zur U-Bahn gelaufen und sie hat sich so sehr über die paar Sonnenstrahlen auf ihrer Haut gefreut. Ihr Alltag ist gerade mit Chemo und Bestrahlung durchzogen, sie ist fertig und kraftlos, aber sie zu sehen, wie sie sich über die Sonne freute, war wunderbar und in dem Punkt ist sie mir ein großes Vorbild. Wir, die gesund sind und uns unseres Lebens erfreuen dürfen, sollten dies auch tun, denn es gibt genügend Menschen die das nicht Können. Und Sie haben sich doch auch einen Job gesucht, mit dem Sie versuchen mehr Menschen diese Möglichkeit zu geben. Gehen Sie raus, genießen Sie Ihren freien Tag (davon haben Sie bestimmt eh viel zu wenige ;-) ) und holen Sie sich Ihr Lieblingseis und seien Sie dankbar, dass Sie das können. Einen wunderschönen Abend
#3 am 15.08.2016 (editiert) von Regina Erhardt (Gast)
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Das Gefühl kenn ich auch. Aber niemandem geht es besser, wenn wir trotz unserer relativen Gesundheit verzweifeln. Im Gegenteil ... Kopf hoch!!!
#2 am 15.08.2016 von Petra Plaum (Journalistin)
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Gast
Weil es bei anderen besser läuft, die ohne Versorgung gestorben wären. Und wer weiß, vielleicht erholt sich der ein oder andere schon tot gesagte :) Nicht den Kopf hängen lassen!
#1 am 15.08.2016 von Gast
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Normalerweise spritzt er zu Hause ein lang wirksames Insulin, allerdings ist sein Blutzucker wegen seiner aktuellen mehr...
Sprich: Blut kommt hinten raus. Was macht man als Chirurgin in dem Fall gleich zu Beginn, also nachdem man die Fragen mehr...
Wochenenddienste können aber auch so ablaufen: Man rauscht durch 30 Patientzimmer, erledigt Konsile auf Station X mehr...

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