So ein Verlegungsbrief

06.08.2016
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Und da war ich der Dienstarzt vom Dienst und die Universitätsklinik rechts von Beteigeuze rief an: „Ja, wir wollten nur sagen, dass wir Frau Krüger jetzt zurück verlegen und außerdem wollten wir noch wissen: Sollen wir ihr jetzt noch Ciprofloxacin geben oder nicht?“

„Huä, WEN verlegt ihr und WOHIN?“ – „Na, Frau Krüger. Zurück zu euch. Und was ist jetzt mit dem Ciprofloxacin?“

Als Dienstarzt hatte ich bis jetzt noch nicht einmal etwas von Frau Krügers Existenz gewusst, noch weniger wusste ich, auf welche Station Frau Krüger zurück sollte oder was in aller Welt mit Frau Krügers Antibiotikum passieren sollte. Den Pflegekräften aus der Aufnahme war Frau Krüger ebenso unbekannt und laut Computer hatte sich die Dame zuletzt vor zwei Jahren wegen eines Bandscheibenvorfalls in unserer Klinik befunden.

„Sag‘ mal, Uniklinik, wenn ihr die Patientin wieder zurückverlegt, dann muss es doch auch einen Hinverlegungsbrief geben.“
 So ein Hinverlegungsbrief würde mein Gehirn sicher erleuchten und mir helfen zu verstehen, was hier überhaupt los war.

„Nö“, sagte der Unikliniksarzt. „Es gibt keinen Verlegungsbrief“. – „Das kann gar nicht sein!“, sagte ich, „wir geben immer Verlegungsbriefe mit.“ – „Naaahaaain! Wir haben keinen Brief!“, erklärte der Unikliniksarzt entrüstet, „und wie sollen wir das jetzt noch mit dem Antibiotikum, dem Ciprofloxacin machen?“

Das wusste ich auch nicht, da ich weiterhin keine Ahnung hatte, wer Frau Krüger war oder was sie in der Uniklinik tat. Der Arzt am anderen Ende der Leitung erklärte schließlich, er würde nochmal nach dem ursprünglichen Hinverlegungsbrief suchen und meine Pflegekräfte begannen, alle Stationen der Klinik reihum anzurufen, um zu erfahren, ob sie denn eine Frau Krüger erwarten würden.

Dann rief der Uniklinksarzt zurück und erklärte, er habe den ursprünglichen Verlegungsbrief gefunden. Es handelte sich hierbei um den Brief, der Frau Krügers Aufenthalt wegen des Bandscheibenvorfalls vor zwei Jahren bei uns beschrieb und den der Unikliniksarzt irgendwie aus den Akten ausgegraben hatte.

Das war zwar ganz sicher nicht der Verlegungsbrief, aber am Ende erklärte die Privatstation schließlich: „Doch, doch!“, sie würden Frau Krüger erwarten, hätten nur vergessen, uns das zu sagen und man sollte die Patientin gleich vorbeischicken.

Grm.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.08.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Zusammenfassend ist festzuhalten, daß Pat. Krüger dieses Krankenhaus (hoffentlich) überlebt hat. Glück gehabt, es war ein S t ü c k P a p i e r aufgetaucht. Was ist aber heute mit den unkontrollierbaren, zahllosen, fehlerhaften Eingaben in die "Systeme", die schon bei den Patientenaufnahmen stattinden...? Falsche Verdatungen wegen Namensgleichheiten auf unterschiedlichen Stationen? Unfähigkeit des Personals bei der Beherrschung der "Datenarchitektur" der Klinik...? Merkt das alles vor der OP noch jemand...?
#7 am 12.08.2016 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
  3
Gast
Humor, schön und gut und sogar richtig und wichtig, wenn der Patient teilhaben darf. Und sei es, indem man die gute Laune des gemeinsamen Lachens hinüber nimmt auf die Zimmer der Patienten. Wenn dieser ja eigentlich Galgenhumor aber beim Gang zum Patienten sich in verbissene Gesichter verliert, weil ja eigentlich etwas schiefging, was nicht schief gehen sollte, entsteht genau die Ihr Da, wir hier Situation, die der Patient nur schlimm finden kann. Mehr Offenheit wäre da das Rezept. Nur würde diese vielleicht irgendwann zu einer Situation führen, in der das Stationspersonal und Patienten, die gehen können, sich in das Management-Stockwerk begeben, um die Allerwertesten der Inhabitanten zu suchen und zu treffen.
#6 am 11.08.2016 von Gast
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völlig normaler Klinik-Alltag, zumindest kenne ich es nicht anders aus Unikliniken. Ein Wunder, dass nicht mehr passiert. Und bei dem höheren Durchsatz, respektive kürzere Verweildauern und Arztbriefe im Akkord schreiben, dokumentieren, Aufnahme- und Entlassungsgespräche während die Neu-Aufnahmen schon den Stationsflur belagern - jo. Die gute Nachricht: man könnte etwas dagegen tun; die schlechte Nachricht: Verwaltung zu weit weg, Manager oft zu doof und desinteressiert und auch so manche Ärzte tun sich schwer...
#5 am 10.08.2016 von Renee Toure (Nichtmedizinische Berufe)
  1
Ich liebe diesen Blog! Und rege mich über Menschen auf, die so wenig Humor, aber gleichzeitig so viel Zeit und Energie besitzen, dass sie nicht einfach weiterklicken, sondern gehässig kommentieren müssen.
#4 am 10.08.2016 von Brigitte van Hattem (Medizinjournalistin)
  0
Gast
Dieser Blog amüsiert mich immer wieder, auch oder gerade weil er den ganz normalen "Klinikwahnsinn" so schön in Worte fast. Kommentatoren wie dem Vorherigen hat sich der Sinn wohl bisher nicht erschlossen. Man bezeichnet es im allgemeinen als Humor. Etwas mehr davon täte vielen Menschen gut. Vor allem im Gesundheitswesen ;-)
#3 am 10.08.2016 von Gast
  0
Was für ein trauriger Kommentar! Jeder Anfänger und auch weiterhin engagierte Kollege hat das Recht, sich über so etwas aufzuregen, da er vernünftige Mitarbeiter mit sinnvollen Berichten im Sinne des Patienten vorausetzt, bis er vom Klinikalltag desillusioniert wird.
#2 am 10.08.2016 von Dr. med. Ulrike Gottesleben (Ärztin)
  0
Gast
was für ein [wegen Beleidigung gekürzt] Anfänger !! Wer regt sich über sowas denn auf ?
#1 am 10.08.2016 (editiert) von Gast
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