Maternal Nutrition: WHO liegt hier der Sinn?

03.08.2016
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Was möchte uns die WHO, Regionalbüro Europa, mit ihrer neuesten Publikation „Good Maternal Nutrition - The best start in life“ eigentlich sagen? Auf dem Titel sind stilisiert ein Apfel, eine Weintraube, eine Karotte, eine Waage, ein Teller mit Messer und Gabel und eine schwangere Frau abgebildet. Es fehlen Milch und Milchprodukte, Eier, Cerealien, Fleisch, Fisch, Grundnahrungs- und Nährmittel ...

also eigentlich die gesamte Ernährungspyramide mit Obst, Salat, Gemüse, Brot, Reis, Nudeln, Ölen, Nüssen, Kartoffeln, Mehl, Zucker, Hülsenfrüchten etc. 

Bloß keine Details?

Mit derart essentiellen Ernährungsfragen und Details will sich die WHO in ihrer Studie aber auch gar nicht beschäftigen. Ihre Zusammenfassung ist ebenso unverbindlich wie vordergründig propagandistisch:

„Maternal nutritional physiological phenomena“, „nutrition policy“, „maternal welfare“, „health promotion“ sind nur einige der genannten Keywords.

Nur allzu deutlich wird bei den Schlagworten: Es geht gar nicht um gesunde Ernährungsempfehlungen bzw. konkrete Bedürfnisse von Mutter und Kind, sondern nur um „mütterliche ernährungs-physiologische Phänomene“, um abstrakte „Wohlfahrt für Mutter und Kind“, um Ernährungspolitik und Förderung von „Gesundheit“ – was auch immer das für Mutter und Kind bedeuten soll. 

Worthülsen ohne Inhalt?

In dem 100 Seiten starken Elaborat sind selbst die Schlussfolgerungen weitschweifig, nichtssagend, inhaltsleer. Sie beklagen in gestelztem Diplomaten-Sprech wortreich die Diskrepanz zwischen politischen Absichtserklärungen und Implementierung derselben. Allein der erste Punkt (Seite 35) lässt einen beinahe verzweifeln:

Weitere Übersetzungen will ich den Leserinnen und Lesern an dieser Stelle ersparen, da sie sich argumentativ ebenfalls im Kreise drehen.

Thema verfehlt?

Von „Good Maternal Nutrition - The best start in life“ ist eigentlich nichts mehr zu erkennen. Selbst „Part III - Opportunities for action on maternal, newborn and infant nutritional health in the context of Health 2020“ (Seite iv) wiederholt und variiert nur die schon zuvor gennanten Punkte, jeweils adressiert an verschiedenen Akteure.

Im Anhang der Publikation findet sich dann doch etwas: Neben der Warnung vor Unterernährung in der Schwangerschaft [„Undernutrition during pregnancy“] und vor zu wenig essentiellen Mikronährstoffen [„Maternal micronutrient deficiency“], werden bestimmte Nahrungsbestandteile aufgerufen. Allerdings lediglich Vitamin A und B6, Calcium, Zink, Jodid und Antioxidantien werden gezielt benannt.

Um die Irritation perfekt zu machen, wird aber gleichermaßen vor deren Unterdosierung und Mangelerscheinungen ebenso wie vor Gefährdung durch Überdosierungen gewarnt.

So verkommt diese WHO-Publikation zu einer verwirrend-chaotischen Literatur- und Referenzdatensammlung ohne Sinn, Zweck und Ziel. Wahllos werden in sich widersprüchliche Expertenmeinungen aufgeführt, auf greifbare Konsequenzen wartet man vergeblich. Sprachlich dominiert das „sollte“, „könnte“, „dürfte“, „möchte“, „würde“ und „wollte“ – ohne wirklich Stellung zu beziehen.

„Speak you English“?

Das in gedrechseltem Englisch formulierte Schlusswort: „Basierend auf den Erkenntnissen und den identifizierten prioritären Aktionen, wurden die Diskussionen über die Möglichkeiten der Beeinflussung von mütterlicher, neugeborener und kindlicher Ernährungsgesundheit im dritten Teil im Kontext von Gesundheit 2020 entwickelt, um die Mitgliedsstaaten in der Region zu inspirieren und zu ermutigen, die fetale Entwicklung zu optimieren und präventiv den frühen Beginn ernährungsbedingter, nicht-übertragbarer Erkrankungen (NCD) und Fehlernährungen zu reduzieren – gemeinsam mit korrespondierenden Ungleichheiten der Gesundheitsversorgung – vom Anbeginn des Lebens“ (nachzulesen auf Seite 36 der Studie).

Alles klar soweit?

 

Bildquelle: OpenClipart-Vectors, Pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.08.2016.

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Nur als Erinnerung @ #2 Gast und @ #11 Gast: Die Äußerung und das Stichwort "Roh-Vegane Ernährung ohne Gluten und wenig verarbeitete Produkte. Das ist die beste Ernährungsform" kamen von Gast #2 vor 5 Tagen selber. Darüber sprach die WHO, Regionalbüro Europa, mit ihrer neuesten Publikation „Good Maternal Nutrition - The best start in life“ aber gar nicht. Und die vielen Kommentare teilen diese Auffassung eben nicht. MfG
#14 am 16.08.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Coventina
@2: "Die Kuhmilch ist dafür da, dass Kälber groß werden. Die ist nicht für den Menschen gedacht." Die Pflanzen sind auch nicht "für uns gedacht". Die wachsen um sich zu vermehren und produzieren viele nette Stoffe, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Daß wir viele davon vertragen und manche sogar brauchen zeigt, daß wir uns daran angepaßt haben. Ebenso aber auch an andere Lebensmittel. Sich vegan zu ernähren hat nichts mit unserer Biologie zu tun sondern ist eine rein persönliche Entscheidung. Und man muß sich wirklich gut auskennen, sonst bekommt man einfach nur andere Krankheiten als die zu-viel-Fleisch-esser.
#13 am 15.08.2016 von Coventina (Gast)
  0
Wenn der liebe Gott oder wer sonst auch noch dafür verantwortlich ist uns als Pflanzenfresser konzipiert hätte, dann würde unser gesamtes Verdauungs-und Stoffwechselsystem anders aussehen. Nun scheint sich aber im Laufe der Evolution der Mensch als Allesfresser entwickelt zu haben, ein Organismus der sich von pflanzlichen und tierischen Substraten ernährt. Diese Entwicklung hat sich in unendlichen Zeiträumen über unendlich viele Stufen er Evolution sehr zweckmäßig entwickelt. Nun sind es scheinbar mehr ideologische Gründe und ein nicht unerheblicher Grad an Wohlstand, der die Entwicklung von veganen und vegetarischen Ernährungsweisen verursacht. Halten wir uns an die "Schöpfung" der Mensch als omnivores Lebewesen.
#12 am 14.08.2016 von Dr. Thomas Keller (Zahnarzt)
  1
Gast
wieso meinen hier einige Roh-vegan? seit wann kann man Hülsenfrüchte roh essen? vegane Säuglingsnahrung wird hier immer gleich mit Kindesmisshandlung gleichgesetzt, auch wenn sich diese Eltern sehr gut informieren und ihre Kinder gesund sind. Ja da kann man was falsch machen, kann man mit anderen ernährungsformen aber auch. Ich finde diese Empörung dass tierisches weggelassen wurde ehrlich gesagt sehr amüsant. Der Kommentator mit den meisten Dislikes :)
#11 am 14.08.2016 von Gast
  3
Ich staune, wie unsere Katze ihre Jungen immer groß kriegt, ohne jemals diese umwerfende Weißheit aufgenommen zu haben. Danke, Herr Schätzler für diesen Arikel.
#10 am 11.08.2016 von Dr. Johannes Graf (Arzt)
  2
Gast
#9 am 11.08.2016 (editiert) von Gast
  2
Weltbevölkerung: 1000 J. vor Chr. = 0,5 Milliarden; 1000 J. nach Chr. = 0,6 Mrd. 1800 (n. Chr.) = 1 Mrd.; 1960 = 3 Mrd.; 1980 = 5 Mrd.; 2000 = 6 Mrd.; 2016 = 7,5 Mrd.! Für Hungerhilfe wäre ich nur, wenn die Staaten endlich Geburtenkontrolle und Ein-Kind-Politik anstreben.
#8 am 11.08.2016 von Joachim Bedynek (Chemiker)
  14
Aurium
Zugeben die Information, ein guter Ernährungszustand sei essentiell für eine gute Gesundheit, von Menschen im Allgemeinen und von werdenden Müttern und Kindern im Speziellen, ist seit Jahrhunderten bekannt und könnte man wohl kürzer ausdrücken aber grundsätzlich falsch ist das nicht. Die Frage nach der Anpassung der Ernährungspläne an die lokalen Feldfrüchte und fortschreitenden internationalen Erkenntnis ist ebenso berechtigt wie lokal-wirtschaftlich bedeutend. Dass aber ein Mediziner einer Veröffentlichung in einer internationalen Organisation Diplomatensprech vorwirft grenzt an Realsatire. Sind etwa Mediziner dafür bekannt stets nur die Termini technici dort zu verwenden, wo sie ausschließlich zu Präzision beitragen bzw. wo keine deutschen Fachausdrücke existieren?
#7 am 11.08.2016 von Aurium (Gast)
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Gast
Bill & Melinda Gates Foundation: Es wird der Stiftung vorgeworfen, dass sie gezielt Maßnahmen von Firmen propagiere und unterstütze, deren Aktien sie hält. Beispielsweise speist sich das Budget der Weltgesundheitsorganisation zu über 11 % aus Spenden der Stiftung, so dass diese auf die Politik der WHO großen Einfluss ausübt. So empfiehlt die Bill & Melinda Gates Foundation die Vergabe von Aufträgen der WHO an Konzerne wie Merck, GlaxoSmithKline, Novartis und Pfizer, deren Aktien von der Stiftung gehalten werden. In Bezug auf die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) wird auf eine Verbindung zu Konzernen wie Monsanto, Cargill, DuPont, Dow Chemical, BASF und Bayer hingewiesen. Zwischen dem Direktorium der Stiftung und Monsanto bestehen personelle Verbindungen. https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_%26_Melinda_Gates_Foundation
#6 am 11.08.2016 von Gast
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Auch wenn Sie Verehrer von Herrn Dahlke sind, so müssen Sie sich Ihre eigenen Gedanken machen. Und Säuglinge roh-vegan zu ernähren, das fiele selbst ihm nicht ein, das ist einfach nur gefährlich.
#5 am 11.08.2016 von Annette von Heusinger (Heilpraktikerin)
  4
Gast
Wer hat diesen Beitrag geschrieben? Der ist gut! Leider aber kommt er mir wie eine kurze Einleitung vor. Es könnte zum Thema "WHO" und deren Publikationen noch so viel gesagt werden, bei denen sogar "Fachleute" wie Bill und Melinda Gates die Richtung angeben dürfen, weil sie zahlen.
#4 am 11.08.2016 von Gast
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Einer werdenden Mutter und dem zur Welt gekommenen Säugling roh-vegane Ernährung anzuempfehlen ist schon ziemlich gemeingefährlich. Rohkost für Säuglinge? Eisenmangel und B12-Mangel bei Schwangeren? Herr lass Einsicht regnen.
#3 am 11.08.2016 von Frida Stern (Nichtmedizinische Berufe)
  3
Gast
Roh-Vegane Ernährung ohne Gluten und wenig verarbeitete Produkte. Das ist die beste Ernährungsform. Leider wird das fast nur über Gruppen im Internet geteilt. Was sollen Milchprodukte bringen? Sind wir Kühe? Nein. Die Kuhmilch ist dafür da, dass Kälber groß werden. Die ist nicht für den Menschen gedacht. Nur weil es ewig gemacht wird und von "offizieller" Seite befürwortet wird, muss es nicht richtig oder sogar noch gut sein. Hier mal eine Buchempfehlung: "Peace Food - Das vegane Kochbuch" von Dr. Rüdiger Dahlke.
#2 am 11.08.2016 von Gast
  47
Gast
Ganz typisch für diese multinationale Organisation, in der sich die Bürokraten aller Herren Länder mehr oder weniger mit sich selber beschäftigen und als Nachweis für ihre Tätigkeit dann solche Elaborate fabrizieren. Es ist ja immer genug Geld für diese Leute da.
#1 am 11.08.2016 von Gast
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