BARMER GEK Report Krankenhaus 2016 Schwerpunkt Adipositas- Chirurgie

29.07.2016
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chirurgische Eingriffe bei Adipositas sollten Ultima Ratio sein

In Deutschland leiden immer häufiger Menschen an krankhaftem Übergewicht. Deshalb mussten 2014 ca. 7 Millionen Menschen mit Adipositas behandelt werden. Das sind 14 Prozent mehr als noch im Jahr 2006.

Die Häufigkeit von chirurgischen Eingriffen bei Adipositas, der sogenannten bariatrischen Operation, nimmt stark zu. Im selbigen Zeitraum sind diese Operationen bei Versicherten der BARMER GEK auf das Sechsfache und bei allen Krankenkassen auf das Fünffache  angestiegen. Der Trend ist bedenklich.

Der Vorstandvorsitzende der BARMER GEK Dr. Christoph Straub dazu: „ Ein bariatrischer Eingriff sollte als Ultima Ratio zum Einsatz kommen. Wenn eine bariatrische Operation unvermeidbar ist, sollte sie nur noch in einem zertifizierten Zentrum erfolgen, da sie dort einen besonders hohen Qualitätsstandart hat und sicher ist.“

Bislang bieten rund 350 Kliniken in Deutschland bariatrische Operationen an, jedoch nur 44 Kliniken sind DGAV- zertifiziert. In zertifizierten Kliniken bei bariatrischen Eingriffen ist das Sterberisiko 15 % geringer gegenüber einer herkömmlichen Klinik, so das Ergebnis des Reports. Daneben wiegen auch die wirtschaftlichen Aspekte positiv auf. So sind die Operation und die Folgebehandlungen nach fünf Jahren deutlich günstiger als in nicht zertifizierten Einrichtungen.

Die bariatrische Operation birgt sowohl Chancen wie auch Risiken. „Einerseits müssen Patienten nach einem Eingriff deutlich weniger an Diabetes mellitus Typ 2, Schlafstörungen und Bluthochdruck stationär behandelt werden als vergleichbare Personen ohne eine Operation. Anderseits müssen Patienten nach einem bariatrischen Eingriff häufiger wegen Gallensteine, Krankheiten des Verdauungssystems und Eingeweidebrüche ins Krankenhaus“ so Prof. Dr. Boris Augurzky, Autor des Reports und Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI Essen

Mit der bariatrischen Operation allein ist es aber nicht getan. „Nach einer Adipositas- Operation sollte immer eine engmaschige und interdisziplinäre Nachsorge erfolgen. Denn ein bariatrischer Eingriff kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen wie zum Beispiel einen lebensbedrohlichen Nährstoffmangel“ so Straub. Deshalb sollten Zentren und ambulante Ärzte entsprechende Nachhaltekonzepte entwickeln.

Fazit des Reports

Bariatrische Eingriffe lösen keine gesellschaftlichen Probleme, sie sind Ultima Ratio, wenn alle konservativen Therapien und Präventionsmaßnahmen erfolglos blieben. Patienten sind sorgfältig auszuwählen. Wenn ein Eingriff in Frage kommt, dann in zertifizierte Zentren. Es sollten sich mehr Kliniken zu Zentren zertifizieren lassen. Bariatrische Operationen ohne Nachsorgekonzepte sind risikobehaftet und abzulehnen und es müssen wohnungsnahe ambulante Nachsorgekonzepte ausgebaut werden.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.08.2016.

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