Getrennt lebende Eltern müssen sich einigen bei der Impfentscheidung. Für die Kinder.

29.07.2016
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Das Oberlandesgericht Frankfurt hat entschieden: Getrennt lebende Eltern müssen gemeinsam entscheiden, ob ihr Kind geimpft wird oder nicht. Eine Hürde für den Impfgedanken.

Die Entscheidung, sein Kind impfen zu lassen, fällt vielen Eltern schwer. Darüber habe ich schon ausgiebig berichtet und zu Diskussionen Anlass gegeben. Viele Einflüsse wirken auf die Eltern: Die Omas und Opas, die gutmeinende Nachbarin, die Hebamme, das Internet, die Heilpraktikanten und nicht zuletzt auch wir Kinder- und Jugendärzte, Experten des Impfens und doch immer die vermeintlichen Strohmänner der Pharmaindustrie.

Gut, wenn Eltern sich untereinander einig sind, was das Impfen angeht. Ich kenne auch Paare, wo das zu einem existentiellen Streitthema wurde, ähnlich der Frage, ob man politisch rechts oder links steht oder Fleisch isst oder nicht.


Richtig problematisch ist es für getrennt lebende Eltern, denen beiden das Sorgerecht zugesprochen wurde – sie müssen gemeinsam entscheiden, ob ihre Kinder geimpft werden und wieviel. Dies hat jüngst das Oberlandesgericht Frankfurt am Main so verfügt. Nach Ansicht des Gerichtes liegt im Fall der Impfentscheidung eine „Entscheidung von erheblicher Bedeutung“ vor – die ein Elternteil alleine nicht treffen darf. Denn: „Einerseits ist die Impfung mit gesundheitlichen Risiken und Komplikationen verbunden. Andererseits führt die Nichtimpfung zur Gefahr der Ansteckung mit den jeweiligen Krankheiten, die für die Kinder weitere Folgen mit sich bringt“, so die Begründung auf anwalt.de (OLG Frankfurt a. M., Beschluss v. 04.09.2015, Az.: 6 UF 150/15).

Zuvor sah das Amtsgericht Darmstadt die Lage etwas anders: Impfungen seien eine „Entscheidung des alltäglichen Lebens“, in all ihrer Wertigkeit, denn das alltägliche Leben kann durch eine ablehnende Haltung zu Impfungen erheblich eingeschränkt werden. Stimme das Elternteil, welches mit den Kindern zum Arzt geht, den Impfungen zu, dürfe es alleine entscheiden, denn (wieder anwalt.de): „Als Teil der U-Vorsorgeuntersuchungen gehört die Durchführung der Impfungen zur Alltagssorge. [...] Werden die Kinder z. B. nicht gegen Tetanus geimpft, könne die Mutter sie im Freien nicht in allen Gebieten spielen lassen. Deshalb fällt die Entscheidung für die Impfung in den Bereich der Alltagssorge, [...].“

Stimme man jedoch gegen eine Impfung, so sei die Einverständnis des anderen Elternteils gefragt, denn „die Folgen des Nichtimpfens können so gravierend sein, dass es sich nicht mehr um eine alltägliche Entscheidung handelt, sondern die Angelegenheit erhebliche Bedeutung erlangen kann“ (AG Darmstadt, Beschluss vom 11.6.2015, 50 F 39/15 SO).

Eigentlich eine ursprünglich weise Entscheidung des AG Darmstadt, die aber durch das OLG gekippt wurde. Für den Schutz der Kinder wird es dadurch jedoch nicht einfacher – da die konträre Impfentscheidungsdiskussion der Eltern nun vermutlich nicht nur rein sachlich-wissenschaftlich geführt wird, sondern auch noch emotional-partnerkritisch. Noch ein Teil mehr im Korb der schmutzigen Wäsche.

Außerdem ist die Entscheidung des OLG für uns Kinderärzte von Bedeutung: Wenn wir davon wissen, dass Eltern getrennt leben und ein Elternteil den Impfungen kritisch gegenüber steht, sollten wir nicht impfen.

 

(Danke an @HansZauner für den Linktipp)

Bildquelle: Dirk Vorderstraße, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.08.2016.

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Medizin, Pädiatrie
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Gast
Für die Zulassung eines Arzneimittels werden randomisierte prospektive plazebokontrollierte Studien benötigt. Für die Impfungen existieren solche Studien nicht. Die Impfungen vermögen genauso Krankheiten zu verhindern, wie das Lottospielen für den Kontoausgleich sorgen kann. Die Idiotie und die Schuld(en) liegen nah beieinander. Lesen Sie die Studien, liebe Kolleginen und Kollegen, bevor Sie den Patienten den Quark über den Impschutz verkaufen wollen. Händewaschen und vernünftig Essen schützt vor Infektionen, sonst nix!
#12 am 09.08.2016 von Gast
  8
Gast
Es ist vermutlich nicht zu bestreiten, daß einige Impfmaßnahmen sehr erfolgreich gefähliche Krankheiten stark zurüggeträngt haben und somit Leben gerettet. Ich wage aber zu bezweifeln, daß alle derzeit angepriesenen Impfungen derartigen Sinn machen. Außerdem muß ein kleiner Körper mit mittlerweile Vielfachimpfstoffen zurecht kommen, was z. T. ja schon Ärzte für bedenklich halten. Ebenso die Zuschlagstoffe, die in den Impfmitteln vorhanden sind. Obendrein werden Impfschäden i. d. R. Nicht anerkannt und die Eltern stehen mit dem Problem dann alleine da. Eine Bagatelle, als was Impfen immer hin gestellt wird, ist es vermutlich nicht. Ich wundere mich immer wieder, wie viele Eltern sich zu Impflobbyisten machen, nur weil die Kinderärze mehrheitlich in dieses Horn blasen. Ob geimpft werden soll oder nicht, oder was geimpft werden soll und wann, das sollte jeder für sich und sein Kind entscheiden, ohne, daß andere die Entscheidung verurteilen.
#11 am 03.08.2016 von Gast
  4
Christian Becker
@Stefan Kaa Was ist daran komisch? Niemand bestreitet, dass Impfschäden auftreten können. Insbesondere früher, als gegen Polio mit Lebendimpfstoff geimpft wurde, kam das vor. Es gibt auch gesetzliche Regelungen dazu (§60 Infektionsschutzgesetz http://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__60.html). @Wolfgang Wagner Ganz strenggenommen ist das richtig, denn wenn eine Spritze verabreicht wird, wird die körperliche Unversehrtheit der geimpften Person verletzt. Dann wäre aber auch jede Operation, parenterale Verabreichung von Medikamenten, Blutspenden etc. Körperverletzung.
#10 am 03.08.2016 von Christian Becker (Gast)
  0
Eine Impfung zuzulassen ist vollendete Körperverletzung
#9 am 03.08.2016 von Wolfgang Wagner (Heilpraktiker)
  26
Gast
Da hilft nur eins: den Impfgegner als als das verklagen was er ist - als Straftäter. Denn eine Impfung zu verweigern, ist eine versuchte Körperverletzung.
#8 am 02.08.2016 von Gast
  14
Ein Fall für das BVerfG, wegen grundsätzlicher Bedeutung. Ein Gericht kann nach §1628 eine konkrete Entscheidungsbefugnis einem Elternteil übertragen. Wird kaum gemacht, was vor allem auch daran liegt, dass im Familien(un)recht Frechheit siegt und kooperationsverweigernde Elternteile immer noch das Kind als Faustpfand bekommen. Eine Ohrfeige für die Anti-Impf-Lobby gab es u. a. vom Kammergericht Berlin 2005: http://www.judicialis.de/Kammergericht-Berlin_13-UF-12-05_Beschluss_18.05.2005.html „Die Übertragung der Entscheidungsbefugnis ... auf den Vater … entspricht .. dem Kindeswohl am besten. obwohl das Kind seinen dauerhaften Aufenthalt bei der Mutter hat. Der Vater hat .. immer wieder auf eine Klärung .. bestanden. Die Mutter hat dagegen .. zunächst Impfungen generell abgelehnt. Dann wurde .. gegen Tetanus geimpft. Eine … Wiederholungsimpfung, ohne die der Impfschutz nicht hergestellt werden kann, hat die Mutter dann wiederum nicht durchführen lassen.“
#7 am 02.08.2016 von Dr. med. Jörg Schmitt (Arzt)
  0
Übrigens auf den Antrag auf der DRV bezüglich DRV Leistungen wie Reha, muss man angeben ob ein Impfschaden vorliegt. Schon irgendwie interessant und komisch.
#6 am 02.08.2016 von Stefan Kaa (Nichtmedizinische Berufe)
  7
Gast
So ein quark wirklich!! Sollten Impfungenwirklich schützen, dann wären geimpfte Menschen vor der Krankheit geschützt, so die Theorie. Da mindestens 8% Impfversager nie detektiert werden, sind also diese geimpften Kinder zumindest Krankheitsverteiler, von den anderen sind ca 2/3 schätzungsweise mit einem Titer weit unter 1800 begabt, was eine Weiterverteilung des Erregers sprich Ansteckung nun wirklich verhindern würde. Das heißt das ca 25% der geimpften Kinder weder selbst angesteckt werden könnten, noch ansteckend wären. Also einfach garnicht impfen, dadurch entsteht die beste Gesundheit und es gibt keinen Streit bei den Eltern.
#5 am 02.08.2016 von Gast
  29
Gast
Stellt sich nur die Frage, was das Kindeswohl ist; und diese Entscheidung ist doch wohl, allein der Wichtung wegen, gründlich zu bedenken.
#4 am 02.08.2016 von Gast
  0
Wenn Eltern sich nicht einigen können, sollte die Entscheidung durch ein Vormundschaftsgericht getroffen werden. Kostenpflichtig und nicht erstattungsfähig. Und zwar unabhängig davon ob die Eltern getrennt leben oder nicht. Wenn es nicht sein darf, dass EIN Elternteil entscheidet, dass ein Kind geimpft wird, darf die Entscheidung gegen eine Impfung genausowenig in der Hand nur eines Elternteils liegen. Kindeswohl hat Vorrang zu haben!
#3 am 02.08.2016 von Roland Saur-Brosch (Sonstige)
  9
Gast
Warum lässt man das Kind nicht selbst entscheiden? *grins*
#2 am 02.08.2016 von Gast
  11
Christian Becker
So ein Quark! Wenn also ein Elternteil gegen die Impfung ist, darf das Kind, auch wenn es z.B. die meiste Zeit beim anderen, impfbefürwortenden lebt, nicht geimpft werden dürfen. Das Urteil dürfte wieder Wind in den Segeln (oder Wasser auf die Mühlen) der Impfkritiker sein: "Seht her, die Gerichte sehen Impfungen ebenfalls als etwas Gefährliches an." Eine gewisse Abhilfe würde da wohl nur eine Impfpflicht für ansteckende Krankheiten wie Mumps, Masern und Röteln, etc., schaffen. Wenn jemand seine Kinder nicht gegen Tetanus impfen lässt, ist das im individuellen Fall vielleicht fatal, aber insgesamt kein großes Problem; bei den ansteckenden Krankheiten dagegen leidet nicht nur das Kind, das die Krankheit hat, sondern potentiell viele weitere.
#1 am 02.08.2016 von Christian Becker (Gast)
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