Mephista

25.07.2016
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Von deliranten Patienten im Durchgang wurde ich nachts ja schon vieles geschimpft. Lügnerin, Betrügerin … Man wird geschlagen, gekratzt, angespuckt und während einem die Tabletten (oder Haldoltropfen) um die Ohren fliegen – meistens so gegen 3 Uhr in der Früh – fragt man sich für eine Nanosekunde, warum man sich freiwillig so einen Job antut.

Es läutet also das Telefon und man fragt, ob ich kommen könne, Frau B. ließe sich überhaupt nicht mehr beruhigen. Kurzer Blick auf die Uhr und in den Raum – wo man sich überhaupt befindet, also ob zu Hause oder auf der Arbeit, das ist ja schon manchmal nicht so klar. Manchmal erwacht man im Bereitschaftszimmer, aber auch auf der Notaufnahme gibt es – eigentlich für PatientInnen bestimmte – Betten. Da erkennt man manchmal nicht sofort, wo man ist und in welchem Jahrhundert man sich befindet. Vor allem dann, wenn der Tag/Nacht-Rhythmus so richtig durcheinander gewürfelt wurde und man nach zehn Minuten Schlaf aus einem Traum gerissen wird.

Ich zieh mir also die Schuhe an, kämme mir mit den Fingern kurz durch die Haare (um die verwirrten Omas und Opas nicht noch mehr zu verschrecken) und schlurfe auf die Bettenstation. 


Frau B. sitzt wütend trampelnd im Bett, erklärt uns, dass sie SOFORT nach Hause gehen will und was das alles überhaupt soll und so weiter und so fort ... und wir würden sie ja sowieso nur vergiften wollen.

Ich, mit dunklen Ringen unter den Augen: „Frau B., Sie befinden sich im XY-Spital und es ist nach Mitternacht. Vielleicht können Sie nach dieser Tablette noch ein bisschen schlafen und morgen reden wir dann über die Entlass... “

Frau B.: „SIE SIND DER TEUFEL!!!!!“
 

 

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Bildquelle: Ishikawa Ken, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.07.2016.

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In eigener Sache: #16 stammt von mir, habe verehentlich anonym gepostet...
#17 am 28.07.2016 von Torsten Borghaus (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Das Problem: Man hat oft KEINE 15 Minuten Zeit für ein Gespräch. Ich bin seit 2001 als Krankenpfleger auf verschiedenen Stationen nachts tätig. Selbst in einer "normalen" Nacht ohne Patienten mit Durchgangssyndrom bin ich auf einer 32-Betten-Station als alleinige Pflegekraft mehr als ausreichend beschäftigt, arbeite oftmals ohne Pause bis zum Morgen durch. Kommt in einer arbeitsreichen Nacht nun noch ein Patient hinzu, der sich im Durchgangssyndrom befindet (und das ist dann oft auch kein Einzelfall), kann man sich noch so gut organisieren: Eine befriedigende Bewältigung der Situation ist dann fast immer zum Scheitern verurteilt. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass auch eine Validation nicht immer funktioniert, und dann bleibt (leider) nur noch die Sedierung als Maßnahme übrig, damit ein halbwegs vernünftiger Stationsablauf gewährleistet werden kann. Solange der Pflegenotstand besteht, wird weiterhin die "chemische Keule" herausgeholt werden müssen - so schlimm das auch ist!
#16 am 28.07.2016 (editiert) von Gast
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Dass hier von verwirrten" Omas und Opas "gesprochen wird, finde ich eine Unverschämtheit! Genauso werden diese in Krankenhäusern, Pflegeheimen usw. auch oft angesprochen. Sie wollen doch auch richtig angesprochen werden, und das sind bestimmt nicht Ihre Omas und Opas! Respekt ist wichtig für alle Menschen und auch für die alten! Mit Respekt ließe sich sicherlich auch schon einiges regeln!
#15 am 28.07.2016 von Sabine, geb. Kunst Mengeler (Diätassistentin)
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Gast
# 12 : Dobermänner können natürlich bedrohlich wirken, Ärzte und Krankenschwestern teilw. auch. Ob diese Dobermänner allerdings überhaupt vorhanden waren und natürlich abseits der Tatsache, ob die proklamierte Bedrohlichkeit denn " zum Spiel " gehörte, klingt es nun nicht gerade todesmutig :-). Offen gelassen ist zudem, was denn nun 3 Krankenschwestern plus eine Ärztin geritten hat, also ihr eigentliches Motiv war, auf einem Patienten zu knien ( ! ) und sich dieser zu Recht gewehrt hat und deshalb tobte. Da kann man nur spekulieren..
#14 am 28.07.2016 von Gast
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Gast
Habe als Sonderwache und Ärztin mit derilanten und agititierten älteren Patienten zu tun gehabt. Wenn man es schafft, sich 15 Minuten Zeit abzuknapsen, um diese Patienten zu beruhigen, ihre Ängste anzuhören und Sicherheit auszustrahlen, so ist meine Erfahrung, dass in der Regel oft keine Psychopharmaka mehr nötig waren. Ein ruhiges Gespräch wirkte zudem viel nachhaltiger. Diese Menschen haben Angst, sonst würden sie sich nicht so irrational verhalten. Inzwischen gibt es erste Studien und Projekte zu Delir-Präventionsmaßnahmen für ältere Patienten im Krankenhaus. Zuwendung und Verständnis ist hier das A und O. Aber ich gebe zu, es ist wirklich keine leichte Situation, und wenn man bereits sehr geschlaucht und übernächtig ist, sicherlich erst recht. Es ist aber machbar, "vom Teil einer Verschwörung" zur vertrauens- und haltgebenden Person zu werden.. habe es mehrfach erlebt.
#13 am 27.07.2016 von Gast
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Mein vollstes Verständnis! Auch ich bin im Nachtdienst schon mit drei meiner Schwestern auf einem tobenden Patienten gekniet. Der hatte im Entzug wohl einen Kriegs Flash back und hatte einen Löffel in der Hand und brüllte , er werde uns jetzt alle abstechen. Auch als Hausarzt hatte ich solche Erlebnisse. Damals noch freitag-bis-montag-Wochenenddienste mit Hausbesuchen. Nachts um 2 , beim Besuch im hintersten Kaff, steht der Patient im Hof und schreit er jetzt jetzt seine beiden Dobermänner auf mich, wenn ich nicht sofort sein Grundstück verlasse. Ich gestehe, mein Helfersyndrom ist geschrumpft und ich bin nicht ausgestiegen sondern wieder gefahren.
#12 am 27.07.2016 von Gerit Stefan (Ärztin)
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Ich habe bis zum 60. Lebensjahr Nachdienste auf der Psychiatrie gemacht. Abgesehen von der objektivierbaren Belastung nahm die subjektiv gespürte immer mehr zu. Am Ende hatte ich morgens einen regelrechten "jet lag". Altersbegrenzungen halte ich daher für sinnvoll und notwendig.
#11 am 26.07.2016 von Dr. med. Irmela Eckerlin-Wirths (Ärztin)
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Wer nicht über längere Zeit Nachtdienst mit massivem Schlafentzug gemacht hat, der möchte sich negativer Kommentare enthalten. Wer Respekt einfordert, der sollte auch selbst anderen Respekt entgegen bringen. Aus 45-jähriger Berufserfahrung als Kliniker kenne ich die Problematik sehr gut. Es ist Tatsache, dass die Belastung für Klinikärzte im Nachtdienst in letzter Zeit wesentlich zugenommen hat und die Psychiatrie ist ein besonders problematisches Fachgebiet. Eine Menschenverachtung kann ich nicht erkennen.
#10 am 26.07.2016 von Dr. med. habil. Heiner Sigel (Arzt)
  0
Das Beste sind doch immer wieder die Kommentare... Sich berufliche Erfahrungen, die einem nahe gehen von der Seele zu schreiben ist eine gesunde Sache. Und dabei ist es egal, wie banal die Erfahrungen auch sein mögen. Die Praktiker, die regelmäßig mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun haben kennen solche Geschichten zu Hauf und beginnen sich daran zu gewöhnen, schreiben vielleicht in einer Art und Weise, die dem Außenstehenden fremd oder despektierlich erscheint. Schön, dass sie sich hier in diesem Medium finden, vielleicht sogar zueinander. Frau Menschenhandwerkerin hat meinen vollen kollegialen Respekt. Nicht nur für ihre Arbeit, auch für den Mut sich hier zu offenbaren. Aber Sie haben völlig recht, Nachtdienste können nerven und Empathie lässt sich nicht einfach aus dem Tiefschlaf hochfahren. Doch das versteht man eben auch erst, wenn man es erlebt hat.
#9 am 26.07.2016 von Thomas Schopf (Arzt)
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Gast
@Hüniche: Ihr Text lässt vermuten, dass Sie noch nie mit älteren Patienten über längere Zeit und bis zur eigenen Erschöpfung gearbeitet haben. Dennoch fühlen Sie sich berufen, die "Menschenhandwerkerin" aufgrund weniger Sätze zu beurteilen. Von meiner Seite aus verneige ich mich respektvoll vor den Menschen, die alltäglich mit dieser beschriebenen Situation umgehen!
#8 am 26.07.2016 von Gast
  1
Menschenhandwerkerin
Liebe Leserinnen und Leser, auch wenn man den Job sehr gerne macht, geduldig ist, die Arbeit mit den PatientInnen schätzt und sich die zur Verfügung stehende Zeit gerne nimmt ist es erlaubt auch mal was nicht supertoll zu finden. Kurze Zweifel sind kurze Zweifel und stellen nicht alles in Frage. :-) Untergeben ist mir übrigens niemand, da wir ein Team sind. Liebe Grüsse, Menschenhandwerkerin
#7 am 26.07.2016 von Menschenhandwerkerin (Gast)
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Gast
Da gibt es die Möglichkeit der Validation. Vielleicht etwas, was Sie Ihren "untergebenen" PK nahelegen sollten. Falls dann noch Medis notwendig sein sollten, werden die dann auch lieber genommen. Auf jeden Fall sind Patienten dann ruhiger! (PS: und nein- es kostet nicht mehr Zeit, auch nicht in der Nacht!)
#6 am 26.07.2016 von Gast
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Ja, und? Wo genau ist da die Pointe? Solche Anekdoten sind höchstens für frisch gebackene Jung-Praktiker erzählenswert, bzw. von laienhafter Normalbevölkerung mit einem Aha-Effekt rezipiert; denn jeder, der länger als 1 Jahr in der Klinik tätig war, hat dies und wirklich Schlimmeres erlebt. Warum man den Job macht? Auch diese Antwort kommt mit der Zeit... Mein Vorschlag, wenn Ihnen Nachtdienste, psychotische Patienten, die mit ihren Exkrementen nach einem werfen und altes, menschliches Gemüse das Rücksicht oder Respekt einfordert nicht behagen: Einen Job suchen, bei dem man es nur mit gesunden Akademikern u40 zu tun hat, die einen nicht nerven und den 2,3fachen Hebesatz abdrücken.
#5 am 26.07.2016 von Achim Steiner (Psychologe)
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albern der Kommentar Opas und Omas ist sicherlich nicht despiktierlich gemeint
#4 am 26.07.2016 von Victor Manuel lorenzo da Silva (Arzt)
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Liebe Menschenhandwerkerin, in allem was Sie schreiben, klingt für mich eine gewisse Verachtung/Nichtachtung für Ihre Patienten durch. Kann es sein, dass Sie einfach nicht den richtigen Beruf erwählt haben ? Sie hören sich gestresst, genervt und überfordert an und es geht anscheinend hauptsächlich um Ihre persönliche Befindlichkeit. Natürlich sind kranke und auch ältere Menschen oftmals nicht einfach, aber wenn Sie das "Handwerk Mensch" ausüben möchten, wäre ein wenig Demut und Respekt vonnöten.
#3 am 26.07.2016 von Jutta Hüniche (Heilpraktikerin)
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Von Omas und Opas zu reden,wenn ältere Patientinnen und Patienten gemeint sind,geht überhaupt nicht!
#2 am 26.07.2016 von Martina Kuhlbusch (Anästhesieschwester)
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na ... das ist dann ja einfach, denn in der Hölle gibt es meines Wissens keine Entlassungen!
#1 am 26.07.2016 von Dr. Esther M. Nitsche (Ärztin)
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Normalerweise spritzt er zu Hause ein lang wirksames Insulin, allerdings ist sein Blutzucker wegen seiner aktuellen mehr...
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