„Herz“

23.07.2016
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Und dann war ich der Dienstarzt und das Dienstarzthandy lag in meiner Hand als auch schon die Arzthelferin eines entfernt arbeitenden Hausarztes anrief und erklärte, man wolle bei uns einen Notfall anmelden. Sie würden den Patienten – einen Herrn Ernst Bach – nun schicken.

Dann wollte sie auflegen und ich rief schnell: „Moment! Was hat er, der Herr Bach?“ - „Herz!“, sagte die Helferin kurz angebunden.

Das war sehr informativ (und das meinte ich nun ironisch) und ich sagte erstmal nichts, in der Annahme die Arzthelferin würde die Aussage „Herz“ noch genauer spezifizieren. Diese schien aber nichts weiter zu wissen.

„Und Herr Bach kommt dann mit dem Notarzt?“, fragte ich nach. „Nein, nein. Der fährt mit seinem eigenen Auto“, sagte die medizinische Fachangestellte fröhlich und legte auf.


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„Na super“, dachte ich, „Notfall und eigenes Auto. Das hört sich nach einer guten Kombination an.“

Herr Bach schaffte es dann aber trotz hässlicher Herzrhythmusstörungen unbeschadet in die Notaufnahme.

Zum Blog.

 

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.07.2016.

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Gast
Sehr erheiternd berichtet und kommt immer wieder vor. Die Notaufnahme ist wie eine Schachtel Pralinen > du weisst nie was du kriegst! Ein Patient der vom Notarzt wegen "unerträglicher Bauchschmerzen" und der Verdachtsdiagnose "Akutes Abdomen" gebracht wird pupst zweimal kräftig und geht dann beschwerdefrei auf eigene Verantwortung nach Hause während ein anderer Patient wegen leichter Bauchschmerzen und intermittierender Stuhlunregelmäßigkeiten und einem 2 Wochen alten Einweisungsschein ernsthaft versucht an einer GI-Blutung zu sterben. Man muss den Hausärzten zugute halten: viele Patienten präsentieren ein Beschwerdebild das in der Verhältnismäßigkeit oft sehr erheblich von der Dringlichkeit ihrer Erkrankung abweicht. Da Notaufnahmen fast immer wegen Selbsteinweisern mit Lappalien überfüllt sind möchte man als Einweiser ja auch nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Beim Zufallsbefund einer bislang asymptomatischen Rhythmusstörung bekommen viele ihren HSM sowieso elektiv implantiert.
#14 am 28.07.2016 von Gast
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Erik V.
Ach ja, solche Geschichten sind doch Legion... Zwei Beispiele aus meinem Erfahrungsschatz von 20 Jahren NAW und NEF: 1) 90jährige Patientin mit "Kreislaufproblemen", die bei ihren Kindern lebt. Sehr blasses Hautkolorit, die Konjunktiven schneeweiss, RR systolisch 70 mm Hg. Auf dem Tisch die Einweisung des Hausarztes vom Vorabend mit der Verdachtsdiagnose einer GI-Blutung. Allerdings hatte er es versäumt, umgehend den RTW zu rufen und die Kinder aufzuklären. Die hatten gedacht, es sei Zeit bis zum nächsten Morgen. Der Hb lag noch bei 3,5 g/dl. 2) Patient tot in der Wohnung vorgefunden. Auf dem Tisch die kurz zuvor hinterlassene Einweisung des diensthabenden KV-Arztes: "V.a. Asystolie, Reanimation empfohlen". Dieser hatte die anwesenden Angehörigen noch angewiesen, den Rettungsdienst zu informieren und danach umgehend die Stätte seines segensreichen Wirkens verlassen. Zuviele Multiple-Choice-Fragen sind wohl nicht gut fürs Hirn. Man verlernt irgendwie, zusammenhängend zu denken.
#13 am 28.07.2016 von Erik V. (Gast)
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Christian Becker
Das ist ja toll, Herr Bedynek. Schön, dass Sie die beiden HI überstanden haben. Die anderen, die mit HI selbst losgefahren sind und nicht bis ins KH kamen, können hier leider nicht mehr berichten.
#12 am 28.07.2016 von Christian Becker (Gast)
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Gast
und leider entspricht die geschilderte Situation den atsächlichen Gegebenheiten... Wer schon mal in der Notaufnahme tätig war, weiß, wie absurd so manch Situation dort ist!!! Und ich finde es wirklich diesen Blog ebenfalls sehr erheiternd!!
#11 am 28.07.2016 von Gast
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Gast
Diese dämlichen Diskussionen...ich finde diesen Blog sehr erheiternd, skurril, manchmal überzogen und doch aus dem Leben einer angehenden Ärztin! Und schwarzer Humor schadet auch nicht!
#10 am 27.07.2016 von Gast
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Vielleicht ist das noch einmal gut gegangen. Aber es gibt auch Patienten, die z. B. mit einem Herzinfarkt schon auf dem privaten Transport verstarben. - Ich erinnere mich an einen Pat. mit einem Myokardinfarkt, der mit dem Motorrad in die Praxis kam, dann aber mit dem NAW ins Krankenhaus gebracht wurde. Bedrohliche Situationen sollten vom Arzt angekündigt werden, wenn man nicht schon den NAW gerufen hat.
#9 am 27.07.2016 von Dr. med. Richard Gronemeyer (Arzt)
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wenn der Hausarzt den "Notfall" nicht selbst anmeldet und nicht genauer spezifiziert und der Patient mit dem eigenen Auto kommt, ist es in der Regel auch nicht ganz so dramatisch. Schließlich ist der Patient ja auch mit dem eigenen Auto zum Hausarzt gefahren. Ich selbst bin auch jedes Mal bei meinen beiden HI mit meinem Auto ins UKE gefahren und lebe immer noch! Einziges Problem: Wer fährt das Auto von der Auffahrt weg?
#8 am 27.07.2016 von Dr. Joachim Bedynek (Chemiker)
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L.St.
Es ist schon interessant, wie breit das Spektrum der Kommentare hier ausfällt. Einerseits wird die Ironie/der Sarkasmus im Text gut verstanden und es gibt Emotion und Empathie, andererseits zeigen manche Kommentare blankes Unverständnis, was auf (zu) große Sachlichkeit und wenig Gefühl schließen lässt. Wo bleibt die Psychologie in der Medizin?
#7 am 27.07.2016 von L.St. (Gast)
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Damit erledigt sich dann die Frage nach der Sterbehilfe.
#6 am 27.07.2016 von Jana Thole-Luig (Heilpraktikerin)
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Ich finde es guten Stil, wenn der Hausarzt seinen Notfallpatienten selber anmeldet. Dann hat er gleich ein paar Informationen. Außerdem können so lebensgefährliche Aktionen, wie selber Auto fahren, besser verhindert werden.
#5 am 27.07.2016 von Elisabeth Grunwald (Ärztin)
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Gast
Ihnen fällt nicht auf, Herr Armbruster, dass das doch reichlich skurril ist? Einerseits Notfall, andererseits kommt der Patient mit dem eigenen Auto, offenbar noch selbst gefahren. Dass aus irgendeinem Grund DocCheck diesen ein paar Tage alten Blogbeitrag nun als "News" einsortiert ist natürlich ebenfalls etwas skurril.
#4 am 27.07.2016 von Gast
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Auf unserem Parkplatz stand im Winter ein Auto mit geöffneter Tür, es hat bereits in das Auto hineingeschneit, die Tür muss schon länger offen gestanden haben. Die bereits verstorbene Patientin hatte eine Einweisung in der Hand "Intermittierende Asystolie" Womit der Hausarzt wohl leider Recht hatte ..... Was ihn veranlasst hat die Patientin mit dem Auto ins KH zu schicken konnten wir nie klären.
#3 am 27.07.2016 von Daniel Röbke (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Ok, und was ist die Message dieses Posts?
#2 am 27.07.2016 von Siegfried Armbruster (Arzt)
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Gast
Warum lässt ein Arzt einen Patienten mit "hässlichen" Herzrrhythmusstörungen denn überhaupt noch ins Auto steigen....? Oder war's dann doch kein echter Notfall?
#1 am 27.07.2016 von Gast
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