Ein zweifelhaftes Rezept

22.07.2016
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In unserer Apotheke sind wir inzwischen so weit, dass wir bei Rezepten für starke Schlaf- und Beruhigungsmittel die der Kunde (der noch nie bei uns war) selbst bezahlt, erst mal den Arzt anrufen und nachfragen. Warum? Es sind einige Fälschungen im Umlauf.

Nun kommt an einem Freitag am Morgen diese junge Frau mit einem Rezept für Rohypnol, das ist ein starkes Schlafmittel – das sie selbst bezahlen will. Sie war auch noch nie bei uns vorher.

Ich gehe also erst mal zum Telefon und rufe den Arzt an. Es ist eine Gemeinschaftspraxis – und die Patientin nicht bekannt in der Praxis. … Kein Dossier und trotzdem ein Rezept von der Praxis? Der Arzt empfiehlt mir darum dringend, das Rezept nicht auszuführen. Er würde sogar so weit gehen und die Person anzeigen.

Ich komme also zurück zur Kundin und konfrontiere sie damit.

Sagt sie: „Aber meine Mutter ist die andere Ärztin. Die hat mir das Rezept ausgestellt. Sie ist aber nicht in der Praxis, sondern auf einer Konferenz in Paris … und darum nicht erreichbar.“

Blick auf das Rezept: „Aber das Rezept ist von heute datiert!“

Frau: „Ja, sie … hat es mir gestern geschrieben.“

Ich: „Tut mir leid, aber das ist alles ein bisschen seltsam. Ich kann das Rezept so nicht ausführen und ich muss es behalten, weil ich denke, es wurde verfälscht.“

Die Patientin stürmt ärgerlich aus der Apotheke.

Ein paar Tage später bekomme ich tatsächlich ein Telefon von der Ärztin.

Ärztin: „Was soll das? Meine Tochter hat gesagt, sie hätten ihr die Medikamente verweigert.“

Ich erkläre ihr die Situation:  gerne missbrauchtes Medi, Barzahler, Patientin bei uns nicht bekannt, Patientin in der Arztpraxis nicht bekannt, Ärztin nicht erreichbar und Datum vom Abgabetag … an dem die Ärztin im Ausland weilt? …

Die Ärztin ist tatsächlich einsichtig, bittet mich aber das Rezept auszuführen.

In dem Fall, wo ich es jetzt verifizieren konnte: klar.

Trotzdem gefällt mir die ganze Situation nicht. Man hängt in so einem Fall zwischen den Fronten: einerseits sollte man ein (nötiges) Medikament abgeben, andererseits Missbrauch entgegentreten … :-(

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.07.2016.

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Pharmazie
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Gast
Wird das wirklich bei allen Rezepten so gemacht? Ich kenne meinen Hausarzt auch persönlich und habe einmal für posttraumatische Schmerzen Oxycodon 20mg verschrieben bekommen. Es war eine N1 Packung. Es ist außerdem eine sehr große Apotheke, welche mein Tilidin bisher immer auf Vorrat hatte. Es müsste erst geliefert werden, da BtM eben nicht auf Vorrat sei. Was sagen Sie dazu? Ähnlichen Fall hatte ich schon mal, wo man es mir Nachhause liefern wollte. War Alprazolam in geringer Dosierung, also kein BtM.
#2 am 12.09.2016 von Gast
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Christian Becker
Das hätte ich unter den Umständen aber auch nicht abgegeben. Man kennt in der Gemeinschaftspraxis nicht die Tochter einer der Ärztinnen, die dort arbeiten? Seltsam. Das Datum ist auffällig? Noch seltsamer. Die austellende Ärztin ist zufällig gerade nicht erreichbar? Es wird nicht weniger seltsam. Nehmen wir mal den gegenteiligen Fall an und das Medikament wäre abgegeben worden und später hätte sich rausgestellt, dass das Rezept gefälscht war. Dann stellen wir uns vor, dass man Rede und Antwort stehen müsste auf die Frage, warum das Medikament auf das gefälschte Rezept hin abgegeben hätte. Und dann lasse man sich mal die obigen Punkte auf der Zunge zergehen. Naja, zum Glück war ja auch die austellende Mutter und Ärztin einsichtig.
#1 am 25.07.2016 von Christian Becker (Gast)
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