Nächste Station: Mindoro!

15.07.2016
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Nach Manila, Mindanao und Kalkutta führte mich mein 6. Einsatz mit den German Doctors nun nach Mindoro. Der neue Einsatzort macht bereits im Vorfeld neugierig, besonders dass hier Angehörige vom Volksstamm der Mangyan in den Bergen der Insel besucht werden.

Ein Bericht von Einsatzärztin Dr. Ina Riemer aus den Mangyan-Dörfern

Die Mangyan werden vom philippinisches Gesundheitswesen bisher nur im geringen Umfang versorgt bzw. scheuen die Menschen oft den Weg in die „großen Städte“ oder haben meist auch kaum Geld die nötigen Zuzahlungen dort ohne Hilfe der German Doctors zu leisten. Folgt man den Hinweisen der Projektbeschreibung ist die Anreise unkompliziert und die Abholung vom Hafen klappt ebenfalls problemlos.

Ich arbeitete zuerst ein paar Tage im Norden von Mindoro um Calapan, dann eine lange Tour im Süden um Mandsalay und später so in der Mitte um Socorro. Morgens startete das Team um 7.00 Uhr, selbst ich als bekennender Langschläfer war dann schon fertig! Meist wurde man spätestens 4.30 Uhr wach – wahlweise durch viele und unsagbar laute Hähne, je nach Lage der Unterkunft lautes Knattern von Myriaden von Zweitaktern, Lastern, Bussen oder dem Beginn von Küchenarbeiten mit Töpfeklappern. Nach dem Frühstück stand dann eine ca. einstündige Fahrt mit der Rolling Clinic in die Berge in die Mangyan-Dörfer: mit Allrad durch Matsch, Flüsse oder Schotter bergauf. Da es immer eine geplante und angekündigte Consultation war, waren dann meist schon einige Patienten da, andere trudelten noch später aus umliegenden Dörfern ein – teilweise nach 3 Stunden Gehzeit!

Unterwegs in die Mangyan-Dörfer

Die Mangyans sind eher scheu, meiden Blickkontakt – aber sehr freundlich und lieb. Fürs Team wurde häufig verschiedenes Obst wie zum Beispiel Rambotan, Durian, Papaya, Lancones oder auch mal ein lebendes Hühnchen mitgebracht. Die Dörfer der Menschen liegen manchmal oben auf dem Berg oder am Hang, sodass Wasser immer hinaufgetragen werden muss, andere auch an Flüssen – dann aber oft mit dem Risiko von Überschwemmung und Zerstörung. Die Hütten sind meist aus Bambus, vereinzelt gibt es gemauerte Häuser. Zum Teil dürfen dann diese Räume oder auch einfach nur eine Überdachung (ähnlich wie ein Carport) nutzen. Beim Ausladen helfen alle Männer, das „Arztzimmer“ wird meist mit Stoffbahnen abgetrennt. Die Aufnahme und Apotheke sind meistens nur überdacht.

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Die Patientenzahlen schwankten zwischen 30 bis 100 pro Tag. Das Legen einer Infusion war ein genau beobachtetes Großereignis für alle. Die Infusion hatte zum Glück auch geholfen und der sich vorher ununterbrochen übergebende, hagere junge Mann konnte nach ein paar Stunden den dreistündigen Heimweg mit seiner Frau und dem Baby durch die Berge antreten.

Meist haben die Leute Atemwegserkrankungen – von der simplen Erkältung über Bronchitis, Pneumonie, Asthma bis Tuberkulose. Letztere gilt es herauszufinden und der Langzeittherapie zuzuführen. Daneben natürlich viele Hautprobleme, Durchfall und Unterernährung. Nach Ende der Consultation am Nachmittag dann zurück – oft von heftigen Gewittern begleitet, Dank der Fahrkünste der Fahrer spannend, aber sicher.

Zähneziehen auf dem Gartenstuhl

In den ersten Tagen und auch zum Ende meiner Tour war ein Zahnarzt dabei, der fleißig extrahierte. Die Patienten in den Mangyan-Dörfern sind dabei total mutig: Sitzen auf einem Gartenstuhl aus Plastik, kriegen die Betäubungsspritze und der Fahrer hält ihren Kopf fest und reicht Zangen an. Man musste aber in der Organisation der Consultation etwas drauf achten, dass sie zuerst zu mir kamen, sonst hat man sie mit Tupfern im Mund gar nicht mehr verstanden, oder sie spucken schon mal ihre blutige Spucke auf den Boden – zum Entsetzen der Übersetzerin, ich konnte da nur noch laut lachen.

Süßes gibt’s hier selbst im letzten Dorf in Miniportionen, aber reichlich, Zähneputzen ist leider nicht so verbreitet, sodass schon bei kleinen Kindern erschreckende Gebisse zu sehen sind. Es wird zwar aufgeklärt, aber bis das „drin“ ist, das wird noch dauern.

Freie Tage hatte ich auch, um die landschaftlich wirklich schöne Insel zu erkunden. Die Reise dorthin dauerte aber meist Stunden. Es gibt eine Straße immer in Ufernähe – allerdings ist auch dieser Kreis nicht komplett, dann geht’s nur per Boot weiter. Will man zum Beispiel von der Ost- zur Westküste, fährt man also immer an der Küste entlang (quer gibt’s nix) und das mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit ungefähr 30 bis 50 km/h. Man sieht also viel. Ist aber auf jeden Fall lohnenswert und ich habe sowohl auf Mindoro als auch in anderen Regionen der Philippinen die Menschen als sehr hilfsbereit, über alle Maßen freundlich und auch neugierig erlebt.

Bildquelle: ZeroOne, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.07.2016.

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Gant toll und anschaulich!
#1 am 19.07.2016 von Dr. med. Gisela Delventhal (Ärztin)
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